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Carlo, San Borondón

Die Fregatte


              

Die nachfolgende Geschichte ist frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit anderen Berichten oder Erzählungen ist rein zufällig. Gleiches gilt für die verwendeten Namen, Bezeichnungen, Techniken und geografischen Orte

Die Fregatte Cordoba lag auf Position südwestlich von La Palma und nordwestlich von El Hierro. Das Manöver umfasste den gesamten Archipel mit den Schwerpunkten Unterwasserortung und Unterwasserkommunikation. Die nächste Einheit nahm vor La Gomera Fahrt auf. Der Kurs lag an bei 310 Grad.

Zum Versorger gehörte ein Hubschrauber, mit dem ich auf die Fregatte übersetzen sollte, sobald Sichtkontakt bestand. Die Cordoba hatte über einige nicht erklärbare Unregelmäßigkeiten an einem kürzlich installierten neuartigen Sonar berichtet. Meine Abteilung zeichnete für Entwicklung, Einbau und Versuchsreihen. Alles war zufriedenstellend verlaufen, und jetzt kamen aus dem Manöver diese Meldungen. Nicht dass ich unsicher war, nein, derartige Fehler, wenn es den Fehler waren, ließen sich beheben. Ich war eher verärgert. Die etwas komplizierten Systeme erfordern eben Sachverstand. Im Training ist alles gut und später kommen die Fragen.

An Steuerbord zog die Südspitze La Palmas nach Nordosten, an Backbord voraus verweilte El Hierro auf neuem Kurs. Eine gemächliche Dünung zog an diesem milden Herbsttag nach Süden. Bei guter Sicht musste die Cordoba bald auftauchen. Ich ging zum wiederholten Mal die Unterlagen durch und versuchte die Berichte mit den Eigenschaften des Sonars in Einklang zu bringen. Irgendwann kam ich zu der Frage: "Was in aller Welt haben die angepeilt?"
Es lag nicht am System, konnte nicht, da musste es ein Echo oder besser gesagt ein Nicht-Echo der besonderen Art geben!

Es klopfte. "Wir sind in zwanzig Minuten soweit!" hörte ich meinen Adjutanten durch die Gedanken dringen. "Ihre Geräte sind bereits an Bord des Hubschraubers. Ich werde Ihnen auf dem Weg erklären, wie wir vorgehen werden. Ziehen Sie sich jetzt bitte an. Ich hole Sie in 5 Minuten ab!"

Federico war Pilot aus Leidenschaft. Er stammte von den Kanaren und kannte den Archipel wie seine Westentasche. "Was ist das dahinten auf dem Horizont?"
Sein Blick wanderte an meinem ausgestreckten Arm entlang. "Wohl eine Wolke," sinnierte er und zog in eine Linkskurve. "Was macht denn da eine Wolke," entfaltete sich bei mir ein Gedanke, "geh wieder zurück, ich will das Ding noch einmal sehen." Federico kippte uns nach rechts. "Sieht eher aus wie Nebel," kommentierte er mein Schweigen. Die Nachfrage von der Cordoba ließ nicht auf sich warten. "Der Chef will sich eine Wolke ansehen - eine Wolke, ja, liegt auf 320 Grad," entschuldigte er mich, während ich ihm Zeichen gab höher zu gehen. "Was sagt Dein Radar?" - "Nichts!" - "Das ist keine Wolke, Federico, das ist der Rest einer Explosion, möglicherweise einer nuklearen Unterwasserdetonation!" Die Wolke lag wie eine gigantische, umgestülpte Glasschale auf dem Meer; wo sie das Wasser berührte, wölbte sich ihre glatte Oberfläche nach außen und wuchs immer weiter in die Weite, wie eine transparent wirkende Haut, die doch alles verbarg, was unter ihr liegen mochte. Fast hatte ich den Eindruck hinaufziehenden Wassers, die Wellen schienen sich an dieser Haut nach oben über die Wölbung in das Innere zu bewegen . Vor dem wandernden Rand wirkte das Wasser weiß wie in einer tosenden Bewegung. War da eine Brandung?! "Unbekanntes Phänomen auf 320 Grad, wir drehen ab zur Cordoba," hörte ich Federico meine Zeichen übersetzen.

Der Versorger lag 2 sm südwestlich. "Es wir nicht lange dauern" hatte ich vor dem Abseilen erklärt. "Die Geräte bleiben an Bord, ich bin sicher, dass ich sie nicht benötige, und du holst mich hier in genau einer halben Stunde wieder ab und bleibst im Alarmstatus." Überraschend schnell war die Bestätigung vom Versorger gekommen.

Der Kommandant mochte mich nicht. Schon beim Eintritt in den Leitstand musterte er mich abweisend. Knappe Begrüßung: Ich sollte mich besser um meine technischen Mängel als um unbekannte Phänomene kümmern, er sei im Manöver und nicht auf Expedition. Seine Anmerkung glitt in mir ab in den Sumpf unguter Empfindungen. Ich gab viel auf Irrationalität und hielt sogenannte Einfälle für evolutionsgegebene Segnungen des neuzeitlichen Menschen. Sie halfen manchmal mehr als technische Handbücher, und für diese gab es hier keine Verwendung und vor allen Dingen keine Zeit. Während der Tester lief, kalibrierte ich den Sender. Dieses Sonar arbeitete im Infraschallbereich, es war hoch effizient und - nicht unbedenklich anzuwenden. Ich reaktivierte die letzte Einstellung auf 320 Grad, 15 sm, 20 Grad fallend. Die Peilung lieferte das unscharfe Bild eines linsenförmigen Gebildes, aus dem Spuren nach oben zogen. "Da sehen Sie es!" vernahm ich eine Stimme aus dem Dunkel des Leitstands. "Was?" dachte ich laut, während ich versuchte, Ortungsdaten zu deuten. "Wir haben dort eine Einheit C147." - "und?" - " Der Kontakt ist abgebrochen. Luftaufklärung ist angefordert." - "Wo lag die Einheit, bevor der Kontakt abbrach?" - "Auf 340 Grad, 20 SM, 10 Grad."

Das System arbeitete einwandfrei. Ich versuchte, die verwirrenden Echos zu deuten und zog die Entfernung zurück. Auf 45 Grad erreichte ich den Meeresboden, aber mit einer Fülle glitzernder Echos. Bei 50 Grad kam eine unscharfe, pulsierende Fläche zum Vorschein, die ich auf einen Abstand von 3,2 SM einordnen konnte. Dann brach die Erkenntnis durch meinen Kopf. Da war kein Meeresboden, da war kein Wasser, da war Unendlichkeit. "Alarm, Kurs 20, volle Kraft," brach es aus mir heraus, "da unten bricht die Erde auf, weg ,weg hier!" Ich vernahm noch die Stimme des Kommandanten im Lautsprecher des Leitstandes, die etwas von Verwirrung und Gefechtsstatus enthielt, während ich zum Gang lief und nochmals in den Raum schrie, dass allerhöchste Gefahr für das Schiff und seine Besatzung bestand. Als sich die Luke öffnete, dröhnte mir der Hubschrauber entgegen.

Federico positionierte wie vorgesehen über dem Heck, die Sirene heulte über das Schiff, und ich piekte mich ein. Sekunden später hing ich über dem Wasser auf dem Weg nach oben.

Aufregung und Anstrengung verschlugen mir fast die Sprache als die Besatzung mich zu fassen bekam. Ich wankte zu Federico und stülpte den Helm über. Es knackte: "Da sind Sie ja wieder....." Die ruhige Stimme des Mannes stabilisierte mich: "Federico, gib alles was du hast auf Kurs 20 und an alle: Nichts wie weg hier, höchste Gefahr!" Dann sackte ich in den Sessel. Der Versorger blies eine schwarze Wolke in den Himmel.

Durch das Bodenfenster sah ich die Fregatte - sie hatte keine Fahrt aufgenommen - dann war sie verschwunden.

"Nun, hat ihr Ausflug etwas gebracht?" empfing mich der Kommandant des Versorgers mit einem etwas verkrampften Lächeln. Ich verstand nicht, vielleicht wirkte ich irritiert, also redete er weiter, und ich hatte das Gefühl, dass er sich große Mühe gab leutselig zu wirken. "Um diese Jahreszeit haben wir hier manchmal eigenartige Wolken, aber die lösen sich wieder auf, wie alle Wolken, wie Sie sehen, dahinten, wo sie gerade waren, ist auch eine Wolke!" Ich sah ihm wohl fassungslos in die Augen und er wandte den Blick ab. Er starrte aus dem Fenster auf 340 Grad, wo sich ein Gebilde aufwölbte, das ich schon einmal gesehen hatte. "Aber die Fregatte, haben Sie irgendeine Meldung?!" - "Welche Fregatte?" - "Nun, die Cordoba, wo ich gerade war, mein Einsatz!" - Er blickte mich wieder an: "Ich kenne keine Fregatte mit dem Namen Cordoba, und hier draußen sind nur wir, sie wollten doch hier Ihre meteorologischen Studien treiben, was reden sie denn da von einer Fregatte!?" Er sah mich unverwandt an. "Es gibt und gab niemals eine Fregatte namens Cordoba!"

Der Versorger lief mit voller Kraft, die Insel La Palma nahm Konturen an, im Südwesten floss ein sonderbarer Nebel über das Meer.



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Irgendwo da draußen, in Südwest




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