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Carlo, San Borondón

Kein Seglergarn:
Die Bruden av Mandal
1. Kapitel


              

Die nachfolgende Geschichte ist frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit anderen Berichten oder Erzählungen ist rein zufällig. Gleiches gilt für die verwendeten Namen, Bezeichnungen, Techniken und geografischen Orte

Die Bruden av Mandal hatte noch am späten Abend abgelegt. Der 50 Fuß Stagsegelschoner war vor wenigen Tagen in den Hafen von Tazacorte auf der Kanaren-Insel La Palma eingelaufen. Chris wollte seiner Crew ein paar Tage Ruhe verschreiben, nachdem die letzten Wochen auf See etwas turbulent waren. Es war die fünfte Reise des erfahrenen Skippers, die ihn zum Proviantieren auf die Äußere der Kanaren führte. Chris war Schotte, arbeitete und lebte aber schon seit 10 Jahren als Offshore-Igenieur in Norwegen. Nach 18 Monaten Einsatz auf Bohr-Inseln war seine Auszeit an der Reihe, die er regelmäßig mit der Überführung großer Segelyachten verbrachte. Mit an Bord war seine Freundin Gru, die als Einhand-Seglerin im Nordatlantik erfolgreich war. Dann gab es noch Bjarne, einen Dänen. Er hatte sich unglücklicherweise beim Landgang verletzt, und Chris hatte kurzerhand entschieden, die Reise ohne ihn fortzusetzen.

Gegen zwei Uhr war Chris in die Koje gegangen und hatte Gru die Wache übergeben. Die Bruden lief mit Vollzeug vor einer leichten Westbrise und sollte gegen Morgen von La Palma freikommen, um den frühen Nordost zu erreichen. Gegen vier rissen die Wolken auf, und der Wind drehte auf Nordwest. Gru gab etwas Leine auf die Segel. Sie verglich den Kompasskurs mit einem aufkommenden Stern und ergab sich dem Rauschen des schweren Stahlschiffes auf der langen Norddünung.
Irgendwann dämmerte der Morgen.

"Land!" murmelte sie vor sich hin. Eigentlich war es mehr ein Reflex. Sie blickte sich um. La Palma lag noch vor dem aufkommenden Tag. An Backbord voraus kam El Hierro hoch. Mit der nächsten Welle hing ihr Blick wieder an dem Schatten im Westen steuerbord voraus. "Das muss eine Wolke sein", dachte sie als die Bruden wieder im Tal versank. Sie konzentrierte sich für einen Moment auf den Kompass. Auf der nächsten Welle starrte sie wieder auf das langgestreckte Bergmassiv im Westen. Als erfahrene Seglerin wusste sie, dass nichts so sehr trügen konnte wie eine vorgefasste Meinung und die Einbildung, dass auf See die Dinge so sein würden wie an Land. Sie machte eine Kreuzpeilung, koppelte sich mit dem südgehenden Strom unter Land auf gesegelte Meilen und setzte die Position auf die Karte. Dann verglich sie mit dem Navigator - die Position stimmte - und hier gab es kein Land! Gru misstraute jeder Elektronik - wie alle erfahrenen Segler - sie segelte mit allen Sinnen, und wieder hing ihr Blick an der dunklen Wand im Westen.

"Chris, komm rauf", rief sie und zog an der Wachleine, mit der beide verbunden waren, "das musst du dir ansehen!" Im Morgengrauen nahm die Wand Konturen an. Gru kaute auf ihrer Lippe, ihre Augen bohrten sich in einen fernen Küstenstreifen. "Chris, komm rauf, Land in Sicht - verdammt noch mal, komm rauf, du alter Schlafsack!" Sie schrie aus vollem Hals. " Nur nicht hysterisch werden", dachte sie, als Chris im Niedergang auftauchte. "Da liegt eine Insel", meinte sie wie beiläufig und zeigte mit dem Kinn in die Richtung. Chris kannte seine Freundin, die Art hatte sie manchmal an sich, wenn sie entschieden hatte und die Dinge in die Hand nehmen wollte. Wenig später stand er an Deck und suchte mit dem Kieker den Horizont ab. "Wo soll da Land sein, Gru?!" er räusperte sich, wandte sich nach Backbord und spuckte über die Seereling, dann suchte er weiter: "Da ist nichts!" Er blickte sie ratlos an. In Gru dämmerte eine Art Verzweiflung hoch. Sie riss die Augen weit auf, sie sog das Bild der Insel in sich auf, die tief aus dem Süden bis querab aus dem Ozean erschienen war. Sie erkannte Schluchten, Täler, steile Abbruchkanten an der Küste und über allem ein langgestrecktes Bergmassiv, in dessen Mitte zwei riesige Kegel in die Wolken zu ragen schienen. Dahinter verlor sich das Land nach Norden. Chris hangelte sich zum Vorschiff und klemmte sich ein. Mehr zufällig ließ er den Kieker über die Wellen vor dem Bug gleiten und erstarrte. Keine zwei Meilen voraus brandeten die Wellen durch zerklüftete Felsformationen, Zacken und Buckel reckten sich hoch, eine Landschaft von Felsentürmen ragte so weit das Auge reichte nach Süden. "Hart backbord, über Stag" brüllte er und kroch unter den umschlagenden Segeln nach achtern. "Da ist kein Land, da ist die Hölle!" - Gru war geistesgegenwärtig über Stag gegangen. Das große Schiff legte sich auf die Seite und bohrte sich in die jetzt quer kommenden Wellen, wenig später krachte die Bruden auf einen Unterwasserfelsen.

Gru war mit voller Wucht gegen das Rad geflogen und dann in die Plicht gestürzt. Ein Brecher donnerte über sie hinweg. Sie schnappte nach Luft. "Chris", gurgelte sie mehr als dass sie rief, dann brach eine große Müdigkeit über sie herein und sie ließ sich fallen. Der Schlag hatte Chris weiter vorn auf dem Schiff stärker getroffen. Er war seitlich auf eine Rettungsinsel geschlagen, und sah mit merkwürdig zeitlosem Empfinden zu, wie sie aus ihrer Halterung sprang, über Bord ging und sich aufblies. Der Brecher kam, und er piekte sich ein. Er empfand eine große Ruhe und merkte, dass diese Ruhe um ihn war. Plötzlich brach sein Bewusstsein durch. Er hatte sich am Großstag eingepiekt und lag auf dem Rücken über dem Skyligth. Jede Bewegung schmerzte.

Gru jammerte still vor sich hin als Chris sie aus der Plicht zog und gegen das Deckshaus setzte. "Bist du ok - hey; Gru sag was?!" - "Ja, ok, was war den bloß gerade los hier. Ich bin irgendwie nicht ganz da. Au, verdammt noch mal, mein Kopf!" Chris nahm ihre Hand und knetete sie: "Ist da noch alles dran bei Dir?" Seine Augen wanderten über die Relingbespannung auf eine gemächlich wandernde Dünung. Die Sonne kam gerade über dem Süden La Palmas hoch, kein Lüftchen regte sich. Die Bruden dümpelte mit schwankenden Schoten in einer Totenflaute.

"Ich glaube, wir sind krank" flüsterte Gru, "zieh mir mal die Jacke aus, ich kann das nicht. Chris sprang mit einem Satz hoch, stöhnte auf, seine Hüfte schmerzte. Er riss die Instrumentenklappe weg und warf das Lot an. Kein Echo, nichté mal ein Fischschwarm. "Wir sind nicht krank, wir haben eines von diesen Scheiß U-Booten gerammt, wahrscheinlich ist der Kompass dekompensiert! Ich sag immer wieder, nur Stahlschiffe können so 'was überleben." Chris hatte mit U-Booten seine Erfahrungen gemacht. Eines nachts im Skagerak fing das Lot an zu warnen, auf 15 Meter Tiefe zog ganz langsam ein nicht enden wollendes Echo durch, und die Kompassrose drehte sich ein Mal um 360 Grad. Am folgenden Morgen stellte er eine Deviation von 12 Grad fest.
Er zog Gru die Weste über den Kopf und half ihr aus der Jacke. "Du wirst sehen, wir haben gleich das Rätsel gelöst, wir laufen jetzt mit Maschine auf 180 Grad, dann sehen wir, was los ist!" Der Motor sprang sofort an. Chris stellte den Navigator auf den Kurs ein und verglich die Kompassweisung, Nach wenigen Minuten stoppte er die Maschine. Der Kompass zeigte einen Kurs von 180 Grad.

Gru zog sich an einer Winsch hoch. Der Anblick des stillen Atlantiks an diesem Aprilmorgen wirkte auf sie völlig unwirklich. Sie dachte einen Moment an ihr Zuhause, sie sah sich wie von Außen auf einem Schiff in der Weite. Dann kam sie zu sich: "Hast du unten nachgesehen, wo ist eigentlich die Rettungsinsel?"
Chris kroch in den Niedergang. Es stank nach Petroleum. Die Lampe war aus der kardanischen Aufhängung gesprungen und auf den Salontisch geknallt. Überall lagen Glassplitter. Alles lose Gut war durch die Gegend geflogen. Er schnappte sich ein paar Bananen und eine Tafel Schokolade. "Hier, iss was!" Gru kroch in sich zusammen. "Nein nicht schon wieder," dachte sie mit dem Blick auf Chris, der ihr eine Banane reichte, "siehst Du das auch da drüben? - Siehst du das?!" Beide wandten gleichzeitig die Blicke nach Westen. Keine dreihundert Meter entfernt trieb ein Dingi über einen Wellenkamm - und ein Mensch stand in dem Dingi und winkte.

"Verdammt, was macht der hier!" entfuhr es Chris. Sie warteten auf die nächste Welle. Gru überlief ein Schauer, und da war es wieder - ein Dingi mit einem Menschen. "Du hast es auch gesehen oder bin ich jetzt total durchgedreht?" Chris griff nach Gru. "Du hast es gesehen, ja?" Sie nickte, und wieder starrten beide in die Weite - und da war es und verschwand wieder im nächsten Wellental. "Hey, hey!" brüllte Chris, sie lauschten. Das Dingi tauchte wieder auf, und sie sahen, wie jemand auf sie zu ruderte.



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Irgendwo da draußen, in Südwest




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