La Palma Aktuell - International
Whistlers Whistle - Hintergründiger Alltag in British Columbia



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Nachrichtenarchiv aus Whistler, Juni 2010


30.6.2010, Mittwochmorgen, im Radio reden alle vom bevorstehenden Wochenende

Die arme Queen
Gestern hatte ich fast Mitleid mit der alten Lisbeth. Da mussten Philip und sie stundenlang irgendwelche Kriegschiffe "bewundern", die anlässlich des 100 jährigen Bestehens der kanadischen Navy zur Schau gestellt wurden. Es waren aber nicht nur kanadische Schiffe in den Gewässern vor Halifax unterwegs. Auch andere Nationen schickten ihre Fregatten auf Kreuzfahrt vor Nova Scotia und ließ ihre (Leicht-)Matrosen in schnurgerader Position entlang der Reling lustige Dinge mit ihren weißen Mützen veranstalten. Auch die deutschen Steuerzahler waren mit von der Partie - gleich zwei Schiffe wurden auf diese Seite des großen Teichs entsandt, um der Navy zu gratulieren. In Zeiten knapper Kassen wirklich "wichtig"... Hier finden Interessierte alles rund um diese unnütze Veranstaltung...

Ni hao!

Dann fangen wir doch mal an chinesisch zu lernen. Die Volksrepublik China hat dem Land zwischen den Meeren den "Approved Destination Status" verliehenen. 6 Jahre haben die Verhandlungen gedauert, damit chinesische Staatsbürger nicht nur für Geschäftsreisen sondern auch für einen schnöden Urlaub nach Canada kommen dürfen. Wohin es die Damen und Herren potentielle Touristen ziehen wird, kann man natürlich noch nicht sagen. Toronto und Vancouver haben aufgrund ihrer großen Chinatowns aber sicherlich gute Chancen besucht zu werden. Whistler erhofft sich natürlich auch einen neuen Besucherstrom. Und wer weiß? Vielleicht eröffnet dann ja auch ein zweites chinesisches Restaurant im sonst von Sushi-Bars geprägten Village. Habe ich eigentlich schon einmal erwähnt, dass ich Sushi ekelig finde? Dann schon lieber so'ne schöne 8-Köstlichkeiten-Platte mit Frühlingsrolle vorweg und gebackener Banane hinten dran... ;-) Hier ist jedenfalls der entsprechende Artikel zu finden.

Die Reisewelle rollt
Heute ist einer der Hauptreisetage des Jahres. Die Schulferien beginnen, morgen ist "Canada Day" und somit ein Feiertag, Freitag nehmen viele wortwörtlich einen "frei-Tag", das Wochenende steht vor der Tür, am Montag ist in den USA Feiertag (ich sage nur 4. Juli...) und das Wetter spielt auch noch mit. Nein, keine Hitzewelle wie in Deutschland, die kann meinetwegen auch gerne dort bleiben - die hiesigen 20 - 25 Grad mit einem angenehmen Wind reichen mir persönlich völlig. Kilometerlange Staus sind trotz des Urlaubsanfangs heute aber dennoch nicht zu erwarten. In unserer Gegend sind Staus im normalen Leben auch völlig unbekannt. Es gibt sie einfach nicht. Dafür haben wir halt die Schleicher in ihrem Leihwagen oder dem gemieteten Zuhause auf Rädern, die mit 40 km/h den Highway entlang eiern, und nicht mitbekommen, dass hinter ihnen eine lange Schlange entsteht. Also liebe Touristen dieser und anderer Welten: Habt eine gute Fahrt und schaut ab und zu auch mal in den Rückspiegel und nicht nur stur geradeaus. Wir freuen uns, dass Ihr die schönsten Wochen des Jahres bei uns verbringt - macht daraus aber bitte nicht die Schlimmsten für uns. Wir würden gerne weiterhin mit 80 km/h über den Highway "rasen"... ;-)


29.6.2010, Dienstagmorgen, nachts hat es geregnet und wir erwarten einen schönen Tag

Über 34 Millionen
Nein, es geht dieses Mal nicht um Dollars. Obwohl? Der Lotto-Jackpot liegt auch in dieser Woche bei ca. 30 Milliönchen. Unsere Scheine laufen noch... ;-)

Diese "34M" ist die neue Einwohnerzahl dieses Landes. "Statistic Canada" hat per 1. April 2010 ganze 34.019.000 Menschen gezählt. Das ist seit Jahresanfang ein Zuwachs von 88.100 Zweibeinern. Davon sollen 71% Immigranten und 29% "natürliches Wachstum" sein. Also 62.551 "Neue" im Land. Das ist ungefähr das Dreifache von dem, was zukünftig in einem kompletten Jahr an "Permanent Resident"-Anträgen bearbeitet werden wird. Aber nur für ganz bestimmte Berufsgruppen. Und pro Berufsgruppe gibt es 1000 Plätze p.a.. Nicht wirklich viel. Ich glaube, dass die Auswanderungs-/Einwanderungsberater demnächst einen neuen Job brauchen oder sich einem anderen Land widmen sollten. "Hier" ist nicht mehr viel zu reißen, es sei denn man findet für den Antragsteller einen Arbeitgeber, der diesen sponsert. Das "arranged employment" wurde zum Glück nicht abgeschafft und wird für viele das Hintertürchen bleiben, um ins Land zu kommen bzw. um im Land zu bleiben. Dafür müssen nun alle Bewerber zwingend einen Englischtest (IELTS) machen - selbst Einwanderer aus England oder Australien. Diesen Test habe ich auch hinter mir und kann nur sagen, dass er teils ganz schön heftig war. Kenntnisse in den Kategorien Sprechen, Schreiben, Lesen und Hören wurden geprüft. Natürlich streng bewacht, an zugewiesenen Einzeltischen, damit auch niemand voneinander abschreiben kann, mit Personalausweis auf dem Tisch, damit den Test auch kein anderer machen kann, mit Stiften, die einem gegeben werden, man könnte ja einen Spickzettel im Kuli haben, usw. usf. Es war jedenfalls eine Erfahrung. Wie ich damals abgeschnitten habe? Ich kam im Durchschnitt auf eine 7,5 von 9 möglichen Punkten, war damit zufrieden und gebe gerade ganz schön an... ;-)

Bei der Auswahl der nun erwünschten Berufsgruppen fällt auch auf, dass es hauptsächlich Berufe sind, die eine erneute Prüfungen bzw. jahrelange Anerkennungsprozesse mit allen damit verbundenen Gebühren und bürokratischen Hürden erfordern oder Leute ins Land kommen sollen, die sich mit beruflich mit Bodenschätzen auskennen sollten und natürlich Handwerker, hier aber bitte nur diejenigen, die "in höherer Position" tätig waren oder es noch sind. Fakt ist jedenfalls, dass die Einwanderung durch die neuen Regeln nicht einfacher oder preisgünstiger wird - ganz im Gegenteil. Wen es interessiert, findet HIER alles rund ums Thema "Immigration to Canada" und kann dort auch testen, ob er oder sie die Mindestpunktzahl erreicht, denn ohne diese kann man(n) oder frau eh nicht zum "Permanent Resident" mutieren...

Da blickt doch kein Mensch durch
Die Rede ist jetzt nicht von den Einwanderungsgesetzen, die auch schon kompliziert genug sind. Es geht jetzt um die "Harmonized Sales Tax", die ab 1. Juli in Ontario und BC zu entrichten ist. Die großangelegte Unterschriftenaktion der politischen Opposition war zwar ein Erfolg, dennoch lässt es sich unsere Provinzregierung nicht nehmen die HST durch zu prügeln. Ich glaube nämlich nicht, dass sich unser Gordon auf den letzten Drücker umstimmen lässt. Aber warten wir hierzu den morgigen Tag ab. Morgen soll die Petition auf den Weg gebracht werden und dann sehen wir weiter...

Wenn die HST aber greift, dann wird es sehr viele Fragen, ob das Produkt steuerpflichtig ist oder nicht, geben. Nahrungsmittel sind hierzulande steuerfrei. Also, keinerlei Umsatzsteuer auf Brot, Milch, Nudeln, Käse, Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch & Co. So weit so gut. Als Grundnahrungsmittel für die Vorratshaltung bleiben sie nach wie steuerfrei. "Bearbeitete" Milch, wie z.B. Eis oder Joghurt ist dann aber steuerpflichtig. Eine Tafel Schokolade als Snack für zwischendurch ist steuerpflichtig. Schokostreusel zum Backen sind es nicht. "Fertiges" Popcorn zum Fernsehabend auf der Couch ist steuerpflichtig. "Rohes" Popcorn ist steuerfrei. Ein einzelnes Muffin wird als "Snack" kategorisiert und ist somit steuerpflichtig, die Backmischung oder ein "6-pack" der kleinen Kuchen ist es nicht. Frucht"säfte" mit einem Obstanteil von weniger als 25% sind steuerpflichtig, die "richtigen" Säfte sind es nicht. Das gilt aber nur für die abgefüllten Durstlöscher im Regal - geht man an eine Saftbar im Supermarkt und bekommt dort frisch gepressten 100%-Saft, dann ist dieser steuerpflichtig. Eines weiß ich: ich werde meine Kassenbons demnächst sehr gründlich studieren, damit ich weiß auf was ich die 15% Steuer bezahle und auf was nicht. Wahrscheinlich ist Käse am Stück steuerbefreit und ein und derselbe Brotbelag in geschnittener Form ist es nicht. Zuzutrauen wäre es den Erfindern...

Der 1. Juli ist eh ein teurer Tag. Eine neue Umsatzsteuer, die hierzulande recht hohen Grundsteuern sind fällig (in unserem Fall schlappe 1.843 Dollar), die "Utilities" wollen auch bezahlt werden (792,40 $) und die "Dyking Tax" in Höhe von 166 $ darf auch nicht fehlen. Da muss `ne alte Frau lange für stricken. Immerhin können wir uns im Januar ganz relaxt zurücklehnen, wenn in den anderen Ländern die Rechnungen ins Haus flattern...


28.6.2010,Montagmorgen - es liegt eine kurze Arbeitswoche vor uns

Was sollen bloß die Nachbarn denken?
Dieser Satz kam uns beim Betrachten der Bilder aus Toronto in den Sinn, war doch der Tenor sämtlicher Kommentare: "Die Weltgemeinschaft sieht nun brennende Polizeiautos und Straßenkämpfe. Dabei wollten wir uns doch als große rosarote Seifenblase präsentieren, was sollen sie nun von uns denken?". Tja, da nützt dann auch kein künstlicher See im Pressezentrum, um von der Realität auf der Strasse abzulenken. Ich für meinen Teil habe meine höchst eigene Einstellung zu der ganzen Sache, die aber nicht hierher, sondern an einen großen Tisch zur fröhlichen stunden- oder nächtelangen Diskussion gehört. Ich frage mich nur, wohin die mehr als eine Milliarde Dollar an Steuergeldern für die Kosten der Sicherheit geflossen sind. Dort gab es nämlich ganz schön viele Lücken - wie sonst konnte es beispielsweise geschehen, dass ein Polizeitrupp mit Schutzschilden, Helmen und Schlagstöcken von zivilen Demonstranten eingekesselt wurde? Oder dass randalierende Protestler Steine in Fenster werfen konnten, Journalisten vor Ort waren, die Damen und Herren Ordnungshüter aber weit und breit nicht zu sehen waren? Oder dass noch nicht einmal die Kanaldeckel verschlossen waren und das unterirdische "Straßennetz" ausgiebigst genutzt wurde? Darüber gab es im hiesigen TV unzählige Stories. Ob diese Bilder auch außerhalb Kanadas zu sehen waren, weiß ich nicht. Wahrscheinlich nicht, es wurden nämlich nicht nur Demonstranten in die grüne Minna verfrachtet - auch Journalisten und Kamerateams hatten das Vergnügen schwedische Gardinen von hinten zu sehen. In welcher Welt leben wir eigentlich, wenn selbst Journalisten, die diese Momente auf Festplatte bannen einkassiert werden?

Entgegen der "düsteren Aufnahmen" werden aber ganz bestimmt viele bunte Bildchen von Lisbeth's Besuch in Canada in die globalisierte Welt versandt. "Et Lisbeth" und ihr Philip sind ab morgen nämlich auf Staatsbesuch zugegen. Sie bleiben aber an der Ostküste und machen auch noch einen Abstecher nach New York, wo ihre königliche Hoheit eine Rede vor den Vereinten Nationen halten wird. Aber warum ist sie eigentlich auf Staatsbesuch in Canada? Solche Dienstreisen machen die Oberhäupter der Länder der Welt doch in Staaten, die nicht die Ihrigen sind. Lisbeth ist unser gekröntes (Ober-)Haupt, das macht doch dann keinen Sinn. Wenn der Obama nach Hawaii fliegt, dann macht er doch auch keinen Staatsbesuch...

Interessanterweise wurden gestern am späten Nachmittag, jawohl an einem Sonntag und Nicht-Arbeitstag der Beamten - die zukünftig in Canada erwünschten Berufe veröffentlicht und gleichzeitig wurden auch die Veränderungen zur Einreise mit einem Investorenvisum bekannt gegeben. Komisch, keine Stunde nach Abschluss des G20-Gipfels. Böse ist, wer Böses dabei denkt. Es ist für Antragsteller außerhalb des Landes aber jetzt mehr oder weniger unmöglich den "Permanent Resident" Status zu bekommen und auch für Anträge "von innen" wurden neue Hürden erschaffen. Ich werde mich in der nächsten Woche einmal damit beschäftigen, durch den neuen Paragraphendschungel bin ich auf die Schnelle nicht durchgestiegen. Fakt ist jedoch, dass Finanzmanager und IT'ler nicht mehr erwünscht sind. Ich möchte nicht wissen - oder vielleicht doch? - was auf diesem Treffen der "Wichtigen" der Welt abgegangen ist. Canada macht jedenfalls per vorgestern die Schotten dicht(er)...


27.6.2010, Sonntagmorgen um halb 8 - andere gucken jetzt Fussball

Was macht der "gute Deutsche" am Samstag?
Nein, nicht das geliebte Autowaschen - obwohl... aber dazu später mehr - samstags geht er/sie einkaufen. Wir machen es am Wochenende oftmals nicht anders, drum führte uns der Highway auch gestern wieder nach Squamish, wo wir den Konsumgöttern dieser und anderer Welten gehuldigt haben. Erster Halt: "Chevron Tankstelle". Die 100 l im Tank des Schatzes reichen normalerweise eine Woche und am Samstag wird in Squamish nachgelegt. Der Sprit ist "dort unten am Meer" immer einige Cents pro Liter billiger als bei uns auf der Alm, so dass wir einkaufen und tanken meist miteinander verbinden. Nächster Halt: "Extra Foods'. Gefriertruhe, Kühlschränke und andere Vorratsregale werden mit "Nachschub" versorgt. Dritter Stopp" Liquor Store: Bier, Wein, Ouzo und Cassis gesellen sich zu den anderen Einkäufen im "Truckbed" unterm "Canopy". Letzter Halt: "Home Depot". Home Depot. Was war das noch einmal? Ach ja, richtig. Das war ja der Baumarkt, in dem frau Waschmaschinen kaufen oder man(n) Werkzeug bewundern kann. Im Sommer ist dort aber auch ein "Garden Centre", das wir recht gerne besuchen. Da sind wir wieder bei den Göttern dieser Welt. Wir sind schon "damals" in Deutschland lieber in irgendwelche Blumenparadiese gegangen, als Brot und Wein (zu)geteilt zu bekommen.

Und was soll ich sagen? Ich bekam gestern eine Pflanze - das ist fast besser als jeder Lottogewinn. Ich bekam nämlich einen Oleander. Oleander. Das kann jetzt sicherlich niemand nachvollziehen. Der gute alte Oleander ist aber eine der Pflanzen, die ich hier wirklich vermisst habe. Nach Canada darf man ja keinerlei lebende Gewächse einführen, was für das Öko-System sicherlich von Vorteil ist. Ich finde es ja auch klasse, dass es hierzulande keinerlei Brennnesseln oder Riesen-Bärenklau gibt - frau kann sich halt nicht immer nur die Vorteile herauspicken. Aber diese mediterranen Fauna-Mitglieder, könnten ja auch auf diesem Kontinent irgendwo gezüchtet werden. Genau so, wie die Magnolie, die wir in unserem ersten Jahr entdeckt haben und die trotz bester Pflege den Winter nicht überstanden hat. Im darauffolgenden Jahr haben wir dann Feigenbäume entdeckt, von denen immer noch einer sein einsames Dasein fristet, der andere ist jämmerlich eingegangen. Zitronen- und Avocados züchten wir selbst und nach 2 Jahren kann man langsam aber sicher erkennen, um was es sich bei den Gewächsen handelt. Umso größer war also gestern meine Freude, als ich einen (!) Oleander in der hintersten Ecke des Gartencentres entdeckte. Der Schatz kam auch prompt mit dem Einkaufwagen angefahren und schon wurde das gute Stück in das orangefarbene Schiebeteil verladen. Heute werde ich es stilecht in einen Tontopf umpflanzen, dazu fehlte mir gestern leider die Zeit. Die Freude über eine "doofe Pflanze" kann immer noch keiner verstehen? Nun, dazu müsste man meine "Geschichte" kennen. Mann Nr. 1 hat sich vor zig zig zig Jahren geweigert mir in Italien einen Olivenbaum zu kaufen, den ich so gerne gehabt hätte. Dies habe ich ihm nie verziehen. Auch nicht nach ich weiß nicht wie vielen Jahren. Mann Nr. 2 (also der jetzige) hat mir seinerzeit, einen Tag nach "Zusammenzug", mitten im Winter einen blühenden Zitronenbaum geschenkt. Olivenbäume waren nirgendwo zu bekommen, obwohl er sämtliche Geschäfte des Umkreises abgeklappert hatte. Egal, über diesen Baum habe ich mich damals so sehr gefreut wie andere über einen Brillantring. Ein paar Monate später bekam man dann auch Olivenbäume in Deutschland zu kaufen und wir hatten eine kleine Plantage in Kübeln rund ums Haus stehen gehabt. Beim Umzug nach Canada haben wir all unsere Schätze schweren Herzens in Deutschland gelassen - wir wissen aber, dass sie in guten Händen sind und gehegt und gepflegt werden. Gleich wie unsere Hühner und der Gockel, die ebendort ihr "Gnadenkorn" bekommen. Ich schweife ab. Meine "Geschichte" interessiert hier sicherlich eh niemanden. Der Oleander wird jedenfalls ein gutes Leben haben und irgendwann wird auch wieder mindestens ein Olivenbaum zur Familie gehören. Bis dahin muss ein übergroßes Foto an der Wand ausreichen. Und nein, ein fehlender Olivenbaum ist kein Scheidungsgrund - der Mann kann ja nichts dafür... ;-)

Während der Fahrt fielen uns gestern viele wunderschöne Oldtimer (allesamt Rolls Royce oder Bentley) auf. Offensichtlich war mal wieder ein Clubtreffen in Whistler (die finden dort regelmäßig statt, es wird nur nie publik gemacht. Die Herrschaften möchten lieber unter sich bleiben). Ein Bentley mit zwei älteren Herren an Bord fuhr mit uns bis runter nach Squamish und eines muss man dem Fahrzeug lassen: es ist wacker die Berge rauf und runter gefahren, bis wir irgendwann auf Meeresniveau angekommen sind. Ein schöner Wagen…

Es fiel uns aber auch ein interessantes Flugobjekt auf. Nein, der blaue Klaus hat keinen Ausflug nach BC gemacht. Gestern wurden wieder einmal die Stromleitungen via Hubschrauber kontrolliert und auf einer Arbeitsbühne an den Kufen sitzt dann ein Mensch, der absolut schwindelfrei sein muss. Kein Job für mich...

Auf dem Rückweg fiel mir dann noch ein - ja, dreimal "fiel" hintereinander ;-) - dass die Feuerwehr wieder Autos auf dem Marketplace wäscht. Natürlich nicht aus Jux und Dollerei sondern um Spenden zu sammeln. OK, ab mit uns in die Reihe und im Handumdrehen war der Chevy nicht nur sauber sondern rein, denn mal eben in eine Waschstrasse fahren geht hierzulande nicht. Schon mal gar nicht mit einem truck. Kaum vorgefahren wurde man eingeseift, abgespritzt, wieder eingeseift und am Allerlustigsten war die letzte "Abduschung" - die "konnte was". Wasser marsch! ;-)

Und weil ich jetzt keine Überleitung finde, kommt jetzt ohne Umschweife:

Das Sonntagsrezept: Heringstipp à la Gabi

Frau nehme:

250 g Matjes in Öl (anderen gibt es hierzulande nicht zu kaufen)
2 Gewürzgurken
1 Zwiebel
3 hartgekochte Eier
1 Apfel (geschält)
4 Essl. Mayonnaise
4 Essl. Sauerrahm
ca. 50 ml Gewürzgurkenflüssigkeit
Pfeffer

Matjes, Eier. Zwiebel, Gurken und Apfel in kleine Würfel schneiden. Mit Mayonnaise, Sauerrahm und Gurkenflüssigkeit vermengen und mit etwas Pfeffer abschmecken. Im Kühlschrank mindestens 3 - 4 Stunden durchziehen lassen und mit Pellkartoffeln servieren. Schnell, einfach und einfach nur lecker...




Ein schöner Wagen




Doppelt gemoppelt hält besser




Ein aussichtsreicher Job




Waschstraße mal anders





26.6.2010, Samstagmorgen, der Jackpot ist geknackt

Es ist wieder Schlangenzeit
Ja ist es denn möglich? Ich musste gestern Nachmittag doch tatsächlich an der Tankstelle warten, bevor ich an den Zapfhahn kam. Das gibt es immer nur im Sommer. Die Wohnmobile nehmen dann gerne alle 3 Zapfsäulen der Reihe für sich in Beschlag und die "normalen" haben sich in Geduld zu üben. Kein Problem - so etwas wie Hektik ist hier unbekannt und außerdem kann man dann immer schön beobachten, wie sie mit der (fremden) Technik kämpfen. Hierzulande muss man ja im Voraus bezahlen und erst dann läuft das Antriebsmittel durch den Schlauch in den Tank. Manchmal habe ich dann auch Erbarmen, wenn sich ein völlig verwirrter Tourist die letzten noch verbliebenen Haare rauft und Else vom Königinnenthron aus Kommandos erteilt. Manchmal ist es aber auch einfach von Vorteil lesen zu können - aber ich schweife ab. Zurück zu den Schlangen.

Diese werden an den Supermarktkassen auch wieder länger. Wobei man sagen muss, dass man hierzulande eigentlich niemals mehr als einen oder max. zwei Kunden vor sich hat. Es sind immer genug Kassen auf und aufgrund der überaus konsumentenfreundlichen Öffnungszeiten kommt es sowieso nicht zu einem Run auf die Geldabgabestellen kurz vor Ladenschluss. Dennoch musste ich gestern auch dort warten, weil die frisch eingetroffenen Wochenendtouristen erst einmal Toast, Cornflakes, Milch & Co. fürs Frühstück kauften.

Aber nicht nur humane Schlangen gehören hier zum Sommer. Auch die Reptilien aus Brehms Tierleben dürfen nicht fehlen. In British Columbia gibt es nämlich eine interessante Mischung an kriechenden Viechern, denen man derzeit wieder des öfteren über den Weg läuft. Der Schatz sichtete vorgestern eine Common Garter Snake am Alta Lake während der Hund gestern Morgen eine Western Terrestrial Garter Snake im Gebüsch entdeckte. Beide haben schnell das Weite gesucht, so dass wir sie leider nicht ablichten konnten. Hand aufs Herz: Wer hat gewusst, dass es außer Bären, Lachsen und Forellen auch Schlangen in Canada gibt? Ich "damals" ehrlich gesagt nicht - ich dachte, dass es denen hier viel zu kalt ist. So kann frau sich irren. Aber frau kann ja so alt werden wie ‚ne Kuh und lernt immer mehr hinzu... ;-)

Und auch andere "Exoten" sind hier heimisch. Es gibt kaum eine Farm, die kein "Wach-Lama" mit Kühen, Schafen und anderem Getiers auf der Weide stehen hat. Das glaubt mir jetzt auch wieder niemand? Lamas werden hier gerne zum Schutz der Herde vor Coyote Carl & Co. eingesetzt. Immer noch Zweifel? OK, vielleicht glaubt man ja National Geographic... ;-)


25.6.2010, Freitag, die Sonne scheint und heute klappt's ganz bestimmt... ;-)

Der Traum geht weiter
Nee, nee. Das hat nix mit Träumereien rund um den Fußball zu tun. Damit haben wir bekanntlich nichts am Hut. Bei uns wehen auch nach wie vor keine Flaggen gleich welcher Nation im Vorgarten, an der Autoantenne, am Fahrrad oder auf der Terrasse. Wir schwenken heute stattdessen wieder einmal unsere Lottoscheine. Es kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen, dass wir immer noch keine Millionäre sind - wir haben uns doch so bemüht. Ja ja, ich weiß: "sie war stets bemüht". Aber ich möchte doch nur ein paar Menschen eine Freude mit dem Gewinn machen. (OK, uns natürlich auch) Ich würde auch ganz viel kanadische Schokolade zum kleinen Inselchen schicken. Natürlich nur für die Frauen - die Männer haben ja schon etwas Süßes. Genau: ihre Frauen. Ansonsten hielte ich es vielleicht doch eher wie die "Barenaked Ladies"... ;-) Diese Band ist in Canada absoluter Kult und ihre Konzerte durchaus erlebenswert. Wir waren auch schon da, ich gebe es zu. Und nein, ich schäme mich nicht dafür - ich würde mich schämen, wenn ich in schwarz-rot-goldener Verkleidung in der Öffentlichkeit erscheinen müsste - mit Patriotismus habe ich es nicht so... ;-)

Der arme Bär!
Ich weiß, dass Jäger bzw. die Jagd durchaus ihre Berechtigung haben. An der Sunshine Coast gibt es beispielsweise aufgrund mangelnder tierischer Gefahren viel zu viele Rehe und Hirsche, so dass die dortigen Behörden die Bewohner nahezu ermutigen doch bitteschön mehr als die normale Quote von einem Tier pro Saison zu erlegen. So kommen dort in diversen Haushalten drei Rehrücken p.a. auf den Tisch. Ich freue mich auch, wenn ein guter Bekannter, der seines Zeichens Hobbyjäger ist, mal eine Rehkeule oder einen -rücken vorbei bringt. Das ist dann schon ein Festmahl, kann man Wildfleisch nicht mal eben so käuflich erwerben. Es gibt einfach keines im Supermarkt. Dass man aber Bären - noch dazu außerhalb der Jagdsaison - erschießt, geht mir nicht in den Kopf und ich habe keinerlei Verständnis für Menschen, die ein Tier einfach um des Spaßes willen töten. Bärenfleisch soll angeblich nicht schmecken und voller Würmer sein. Dennoch ließen es sich zwei aus der City stammende Hobbyschützen nicht nehmen mitsamt Waffen ins Callaghan Valley zu fahren, und im dortigen Naturschutzgebiet einen Bären zu erschießen. Ein sich durch Zufall ebenfalls in der Gegend befindliches Paar hat die Beiden losziehen sehen und die Kennzeichen des Fahrzeugs entfernt, als sie einen Schuss hörten. Sie riefen sofort "911" und die Polizei an, die umgehend ausrückte, die Jäger stellte und den toten Bären barg. Das "Vergnügen" des Ausflugs war allerdings nur kurzer Natur - den Jägern stehen nun Anklagen wegen diverser "Jagddelikte" bevor. Richtig so!

Nochmals "armer Bär"
Dies ist ein Leserbrief unseres wöchentlichen Käseblättchens, den ich niemandem vorenthalten möchte. Leider "nur" auf englisch - aber zur Not gibt es ja Übersetzungsprogramme...

Dear Humans,
You've probably seen me around. I'm the freshly abandoned bear cub that's been wandering around Nesters, through Cut Yer Bars, down to Myrtle Philip Elementary School and the Emerald Forest. I've been munching on all the green plants and dandelions. Wherever the greens are, that's where you'll find me.
So far, I don't seem to mind you humans. In fact I take little notice of you - except when you crowd around me, or hop the ditch to pose for a picture. I'm not always sure what to do, at least not yet. For now I'll stop and stare at you. But soon I'll be bigger. What makes me even more spooked are those four-legged beasts that eye me with suspicion. They run around fast, and if they get any closer I think I might have to get up on my hind legs and give one of them a good swat for getting a little too close. As I've been wandering through your backyard, I'm starting to sniff some tasty things… I can smell something good grilling away, and there appears to be secret food hidden away in black bags. I haven't figured out how to get inside the big boxes that might be full of something good yet, but I'm trying.
Well, that's about it. I'll be around for a little longer I am sure, and might even grow up to be a big bear - if you leave me alone, and if I keep eating my greens, and don't get into yours.
If you see me, do me a favour: report me to Bear Aware at (604) 905-4209. I like it here, and I want to keep it that way.

The New Little Bear Cub
(a.k.a. Luther Blissett)
Whistler


Hier ist das "Original" zu finden. Armer kleiner Wuschel...

Die Ringe kommen wieder
Warum wurden sie überhaupt entfernt? Ach so, ich sollte vielleicht einmal sagen, welche Ringe denn wiederkommen. Die olympischen Ringe in der Fußgängerzone. Es hat sich doch tatsächlich jemand Schlaues gedacht, dass es gar nicht mal so blöd sei, die Ringe wieder an ihrer alten Stelle zu errichten, damit die Damen und Herren Touristen nicht nur den Highway entlang fahren, sondern auch einen Bummel durchs Village unternehmen, um sich vor diesem "Monument" für alle Ewigkeiten ablichten zu lassen. Das paralympische Symbol "Agitos" (das können die spanischsprechenden Menschen jetzt mal schön übersetzen) wird - ebenso wie der olympische Flammenwerfer - einen Platz auf der "Olympic Plaza" erhalten. Und weil auch hierzulande alles wunderschön bürokratisch ist, musste dafür sogar eine Sitzung des Stadtrates abgehalten werden. Wenn es keine anderen Probleme im Ort gibt... ;-)

Es tauchte nämlich ein weiteres "Problem" auf. Angeblich soll hinter dem hiesigen Asphaltwerk auch noch ein Zementwerk in Betrieb gehen. Ob's stimmt, konnte ich bisher nicht in Erfahrung bringen. Ich bin mir aber sehr sicher, dass es die zukünftigen Nachbarn eruieren und publik machen werden. Fortsetzung folgt...

Meine eigene Stadt
Den Schatz wähle ich zum Bürgermeister, ich werde Stadtkämmerer und gemeinsam bilden wir den Stadtrat. Die Einwohnerzahl wird "2" auf menschlichen Beinen sowie eine noch nicht zu beziffernde Anzahl an mehr oder weniger domestizierten Vierbeinern betragen. Bradian steht zum Verkauf. Hierbei handelt es sich um eine Geisterstadt ca. 2 - 3 Stunden von Whistler entfernt am Hurley Pass gelegen. Für sage und schreibe - oder besser gesagt "nur" - 1,3 Millionen Dollar suchen 50 Acre (ca. 20 Hektar) Land und ca. 20 Häuser einen neuen guten Besitzer. Funktionierende Strom- und Telefonleitungen (!) sind vorhanden. Na, was sagt "Funky La Palma" dazu? Hier können selbst die Geister ohne große Probleme am Weltgeschehen teilnehmen und müssen nicht im Tal der Ahnungslosen ihr Dasein fristen... ;-)

Ich muss heute einfach im Lotto gewinnen! Dann berichtet hier demnächst Hui Buh von seinen Abenteuern in der kanadischen Wildnis... ;-)


24.6.2010, Donnerstagmorgen - die Blumen freuen sich - es hat letzte Nacht etwas geregnet

Die Russen kommen ?!
Derzeit wird wieder einmal heftigst spekuliert, dass WhistlerBlackcomb verkauft werden soll. Die in einigen finanziellen Schwierigkeiten steckende Mutter der Berge scheint noch mehr Tafelsilber zu verhökern, um über die Runden zu kommen. Im Gespräch ist der russische Milliardär Vladimir Potanin, der auch gerade das Skigebiet der kommenden olympischen Winterspiele in Sochi sein eigen nennt. Aber fangen wir mal ganz weit hinten in der Geschichte des Ortes an - es wird sich sicherlich der eine oder die andere fragen, wie es sein kann, dass die Berge einer Firma gehören und umreiße gleichzeitig einmal recht grob die Geschichte des Ortes:

Die ersten Bewohner "Whistlers" lebten ab ca. 1910 am/in "Alta Lake" (das Village oder den Namen "Whistler" gab es noch lange nicht...)

1913 machte die erste "Lodge" am/in Alta Lake auf. Die "Rainbow Lodge" war schon damals ein beliebtes Urlaubsziel für Angler und wurde nach und nach erweitert. Dies sprach sich herum und es wurden bis in die 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts weitere Lodges am See gebaut.

Im Jahr 1960 suchte dann das kanadische olympische Komitee einen möglichen Austragungsort für die Winterspiele des Jahres 1968, um die sie sich bewerben wollten. Es gab einen Lift in Squamish, der die Grundlage für ein Skigebiet sein sollte, jedoch wurde das Gebiet als nicht "perfekt" geeignet eingestuft und man suchte weiter nördlich nach einem passenden Berg. Der war dann relativ schnell gefunden und man schrieb eine Bewerbung ans internationale olympische Komitee die Winterspiele 1968 am "London Mountain" in Alta Lake stattfinden zu lassen. Die Bewerbung scheiterte postwendend...

Dennoch ließ man sich davon nicht enttäuschen und gründete im Jahr 1962 die "Garibaldi Lift Company", die bis zum Jahre 1965 insgesamt 800.000 Dollar aufbringen musste, um vom Staat 56 Acre Land auf "London Mountain" zur Errichtung eines Skigebietes zu erhalten. Der Staat sagte zu eine Strasse bis an den Fuß des Berges zu bauen - war der Ort doch einzig und allein per Eisenbahn oder auf dem Rücken der Pferde zu erreichen.

Im August 1965 wurde der "London Mountain" in "Whistler Mountain" umbenannt, weil die dort lebenden Murmeltiere so schön pfiffen. Die Regierung hat die versprochene (Schotter-)Strasse bis zum Berg gebaut und auch Strom ins Tal gebracht. Im Herbst 1965 wurden eine Gondel, ein Sessellift, zwei Schlepplifte sowie eine "Day Lodge" auf "Whistler Mountain" gebaut. 6 Pisten wurden in den Wald gehackt und es wurde eine erneute Olympiabewerbung für 1972 verschickt. Bekanntlich ohne Erfolg.

Der erste offizielle Skitag war der 15. Februar 1966. Im Sommer 1966 wurde die Strasse nach Whistler dann auch asphaltiert. Weitere Lifte und Hütten wurden gebaut.

Im Jahr 1974 war die damalige Provinzregierung der Meinung, dass der Tourismus in der Gegend auszubauen sei, "Alta Lake" aber schon zu vollgebaut sei und es wurde ein Standort für einen völlig neuen Ort gesucht. Der war auch schnell gefunden. Ca. 4 km nördlich von "Alta Lake" auf dem Gebiet der damaligen Mülldeponie. Die "Resort Municipality of Whistler" (RMOW) war im Jahr 1975 geboren! (Ja ja, auch damals wurden hierzulande die neuen Siedlungen einfach auf Müll gebaut - es sollen dort u.a. zahlreiche alte VW-Busse begraben sein...)

Im Jahr 1978 bekam die RMOW 53 Acre Land von der Krone, um das heutige Village incl. Rathaus, Feuerwehr, Fußgängerzone, Lodge, Krankenhaus und Schule zu bauen. Der direkt ans Village angrenzende Berg namens "Blackcomb" sollte lt. Ratsbeschluss ebenfalls in ein Skigebiet umgewandelt werden. (Whistler Mountain - keinen Steinwurf entfernt - operierte nach wie vor.) "Fortress Mountain Resorts" bekam den Zuschlag und stampfte ein Skigebiet auf dem Blackcomb aus dem Boden, welches 1980 in Betrieb ging.

Die beiden Berge machten sich reichlich Konkurrenz und so entstanden immer mehr Pisten und Lifte. Skipässe konnte man für Blackcomb, Whistler Mountain oder "Dual Mountain" bekommen - es fragen übrigens heute noch einige Touristen nach dem "Dual Mountain", den es gar nicht gibt.

Im Jahr 1986 erwarb die Firma Intrawest "Blackcomb/Fortress", baute das Gebiet noch weiter aus und errichtete als diesbezüglicher Pionier ebenfalls unzählige "Timeshare"-Immobilien auf den Berghängen.

Whistler Mountain ließ sich nicht lumpen und baute und baute und baute ebenfalls, um die Skifahrer nicht an den Konkurrenten zu verlieren. Blackcomb hielt dem Stand, so dass "Gesamt-Whistler" im Jahr 1992 zum ersten Mal zum besten Skigebiet Nordamerikas prämiert wurde.

1997 wurde die "Whistler Mountain Ski Corporation" ebenfalls von Intrawest übernommen. Noch mehr Lifte, Pisten und Immobilien wurden gebaut. Der kleine Ortsteil "Creekside" am Fuß von Whistler Mountain wurde völlig umgekrempelt und bekam sein heutiges Gesicht. Im Jahr 2000 wurde dann auch der erste Golfplatz im Ort von Intrawest gebaut. (Mittlerweile sind es ja zwei an der Zahl.) Die Besucherzahl im Sommer 2000 lag bei mehr als 2,5 Millionen - im Winter kam man zum ersten Mal auf über zwei Millionen Schneebegeisterte.

2006 wurde Intrawest von der "Fortress Investment Group" aufgekauft, behielt aber seinen Namen.

Der Ausbau des Skigebietes und des Ortes ging immer weiter und gipfelte im Jahr 2008 mit der Eröffnung der "Peak-2-Peak"-Gondola.

Tja, und 2008 begann die weltweite Krise. Lehman Brothers, der Hauptgeldgeber von Fortress/Intrawest, ging bekanntlich in die Knie und somit hatte man auf einmal Schulden in nicht unerheblicher Höhe bei einem unbekannten Bankenkonsortium, welches das geliehene Geld auch wiederbekommen wollte. Intrawest konnte mehrere Kredite nicht rechtzeitig zurückzahlen und es drohte die Zwangsversteigerung von WhistlerBlackcomb am 19. Februar 2010 - ausgerechnet während der olympischen Spiele. Unvorstellbar, ist dieser Ort doch zu einem einzigen Zweck aus dem Boden gestampft worden: einmal die Olympics ausrichten...

Intrawest/Fortress einigten sich irgendwie mit den Gläubigern, verkauften diverse andere "Resorts" irgendwo auf der großen weiten Welt und konnten so ihre 1,5 Milliarden Dollar Schulden zurückzahlen. Das Geld der Verkäufe reichte dazu allerdings nicht aus, es wurden auch neue Schulden aufgenommen bzw. es wurde umgeschuldet. Diese neuen Verbindlichkeiten sind nun im Jahr 2014 zurück zu zahlen. Und dort liegt sicherlich der Hase im Pfeffer. Dieses Mal lieber früher als zu spät verkaufen und noch einen guten Preis erzielen, als allseits bekannt veräußern zu müssen, was sich immer negativ auf den Preis auswirkt.

Warten wir's ab, ob es demnächst immer noch "Cheers" in den Pubs und Kneipen heisst, oder ob man sich ans "Na zdorovje" gewöhnen muss. Denn sollte dieser Russe wirklich ins Boot bzw. auf die Berge steigen, dann gehört ihm mehr oder weniger der ganze Ort östlich des Highways. "Östlich" - wie passend...

Ansonsten war gestern in Ontario und Quebec ein Erdbeben der Stärke 5,0, in Ontario trieb ein Tornado sein Unwesen und es sind immer noch einige Regionen in Süd-Alberta und Saskatchewan überschwemmt. Aber was ist das schon gegen einen russischen Großinvestoren... ;-)





23.6.2010, Mittwochmorgen gegen 7, 15 Grad und im Radio reden sie gerade ueber Vuvuzelas

Neuer Job fürs "Staatsoberhaupt"
OK, Michaelle Jean ist nicht wirklich das kanadische Staatsoberhaupt. Das ist immer noch die Lisbeth von der Insel. Michaelle Jean ist halt "nur" Generalgouverneurin, aber als solche Vertreterin der Queen und somit unser Staatsoberhaupt. Ihre Amtszeit läuft im September d.J. aus und jetzt wurde bekannt, was die aus Haiti stammende, sympathische Person denn ab Herbst machen wird. Zurück an den Journalistenschreibtisch oder in die schnöde Tagespolitik, das konnte sich niemand vorstellen. Dass sie gar nichts mehr macht, war auch ziemlich unwahrscheinlich. Gestern wurde dann veröffentlicht, dass sie Sonderbotschafterin der UNESCO für den (Wieder-)Aufbau Haitis wird. Na, das passt doch. Natürlich ging unser aller Stephen Harper prompt hin und erklärte ihre Nominierung als "Tribute to Canada's leadership role in rebuilding Haiti". Aha, ich wusste bisher nicht, dass die Crazy Canucks diese Führungsposition einnehmen. Aber man lernt ja bekanntlich nicht aus. Wer der oder die Nachfolger(in) wird? Das weiß bisher niemand - Captain Kirk wird aber immer noch gehandelt, wobei ich es mir irgendwie nicht vorstellen kann, dass ihn die Queen ernennt...

Der Bauboom geht weiter
Eigentlich haben ja alle gedacht, dass nach den olympischen Spielen erst einmal Ruhe in der Branche einkehren wird. Eigentlich. Es ist aber nicht so. Bis Ende Mai d.J. hat die Stadtverwaltung bereits 178 Baugenehmigungen erteilt. 132 sind "residential" - die restlichen 46 sind "commercial". Durch die entsprechenden Gebühren hat die "Resort Municipality of Whistler" bereits 134.000 $ eingenommen - was in etwa das Doppelte des prognostizierten "Umsatzes" in Höhe von 76.000 $ ist. Im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres wurden insgesamt 210 Baugenehmigungen erteilt, von denen die meisten für irgendwelche Olympia-Bauten waren. Da werden die Handwerksbetriebe auch zukünftig genug zu tun haben - stehen derzeit doch 80 Grundstücke zum Verkauf, die - von irgendwelchen Experten "konservativ" mit 800.000 $ pro Haus gerechnet - nochmals mehr als 60 Millionen Dollar in die hiesige Wirtschaft pumpen sollen. 800.000 $ klingt jetzt sicherlich viel - ist es für hier aber nicht wirklich. Wer ein Grundstück für mehrere Hunderttausend - wenn nicht mehrere Millionen - Dollar erwirbt, der errichtet dort ganz bestimmt keine billige Bretterbude. Das Haus, das mein Schatzemann gerade baut, kostet ca. 3 Millionen Dollar - ohne Grundstück. Das war schon vorhanden. Uns persönlich gefällt es überhaupt nicht - guten Geschmack kann man halt nicht kaufen... ;-)

Der Bauboom geht aber nicht nur in dieser Gegend weiter - er erstreckt sich über die ganze Provinz. Von Januar bis März d.J. waren 896 Groß-Projekte aktiv, die lt. Medienberichten zusammengenommen eine Bausumme von ca. 191 Milliarden Dollar ergeben. Eine stolze Zahl... Es wird aber nicht nur in die Höhe gebaut. In Whistler wird gerade das "Trail"-Netz Richtung Süden erweitert, damit die zukünftigen Bewohner der Müllkippen-Asphaltwerk-Kläranlagen-Siedlung zu Fuß Richtung Village marschieren können. 700.000 $ hat die RMOW hierfür budgetiert. Siebenhunderttausenddollar für vielleicht zwei oder drei Kilometer Weg. Ohne Beleuchtung - die kostet dann nochmals 200.000 $...

Aber bevor ich jetzt hier Gemecker bekomme, weil ich vom provinzweiten Bauboom und der entsprechenden Auftragslage berichte, höre ich lieber auf. Wie man an eine Arbeitserlaubnis kommt, habe ich ja bereits geschildert... ;-)

Bleibt nur noch viel Vergnügen beim Fernsehsport zu wünschen, wenn gleich 20 Männchen hinter einem Ball herlaufen, 2 Gestalten in Netzen stehen und wieder andere mit Fähnchen in der Hand oder Trillerpfeifen am Halsband versuchen Ordnung ins Chaos zu bringen. DAS ist mindestens so "niveauvoll", wie royale Hochzeiten im TV. Gell, Ihr Herren der Schöpfung, Ihr wisst ganz genau, was gemeint ist... ;-)


22.6.2010, Dienstagmorgen - 15 Grad und ein paar Wolken

El Paso Peseta - Los Llanos Taler - Squamish Dollar

Die ersten beiden wird es sicherlich niemals geben - den "Squamish Dollar" aber vielleicht schon. Drei Einwohner aus Squamish sind auf die glorreiche Idee gekommen einen "Squamish Dollar" (Sq$) einzuführen. Der Sq$ soll pari zum "normalen" kanadischen Dollar sein und in Scheinen zu 1, 5, 10 und 20 Sq$ gedruckt werden. Lokale Künstler wurden aufgefordert ein paar Designvorschläge zu machen - bevorzugterweise natürlich alles rund ums Thema "Squamish" - und ein "Fundraising", um die Druckkosten zu bezahlen, ist auch schon zugange. Ziel ist es "local pride" zu demonstrieren, indem man seine eigene Währung hat, und hofft auf viele Touristen, die diese neuen Geldscheine als Souvenir mit nach Hause nehmen. Die Handelskammer arbeitet nun mit den in Squamish ansässigen Firmen, um diese dazu zu bewegen den "Squamish Dollar" als Zahlungsmittel zu akzeptieren, und wird auch eine "Bank" einrichten, bei der man die bunten Scheinchen hin und her tauschen kann. Neu ist die Idee allerdings nicht. Es gibt u.a. den Salt Spring Island Dollar oder den Chemainus Dollar. Diese beide lokalen Währungen wurden erfolgreich eingeführt und bringen Geld in die Regionen. Da soll noch mal einer sagen, es gäbe keine Marktlücken mehr. Wir werfen einfach den Kopierer an, drucken bunte Scheinchen und schon kommt Geld in die Kasse... ;-)

Hurra, hurra, es war billiger als geplant!
Ob sich die Damen und Herren Buchhalter auch nicht verrechnet haben? Angeblich soll die Resort Municipality of Whistler 3,5 Millionen Dollar weniger als budgetiert für die olympischen Spiele ausgegeben haben. RMOW musste nach Auszählung aller Bilanzposten "nur" 6 Milliönchen für das Spektakel ausgeben. Das ist doch mal etwas! Für 6 statt 9,5 Millionen Dollar hat der Ort reichlich Reklame bekommen, die Zahlen aus der Touristikabteilung zeigen auch im Sommer eine gute Auslastung und sonst hat der Ort noch die eine oder andere positive "Legacy". Im Eiskanal wird im November der Rodel-Weltcupzirkus zu Gast sein, die Skispringer kommen angeblich im übernächsten Winter wieder ins Callaghan Valley und WhistlerBlackcomb wird so schnell niemand den Rang des größten Skigebietes in Nordamerika ablaufen. Da könnten die Stadtväter und -mütter doch eigentlich hingehen und den Einheimischen und Touristen die Parkgebühren auf den großen "Day Lots" entlang des Blackcomb Ways erlassen. Diese werden bekanntlich per kommenden Montag eingeführt und sollen 2 Millionen Dollar p.a. ins Stadtsäckel bringen. Wenn man diese nun übrig gebliebenen 3,5 Millionen gut anlegt, kann man sicherlich auf 4 Millionen kommen. Das wären dann 2 weitere Jahre Gratisparken für alle. Mit dem Geld hat doch eh keiner mehr gerechnet (im wahrsten Sinn des Wortes). Immerhin darf man am Einführungstag der Parkgebühren umsonst mit dem Bus durch den Ort fahren. Soll ich mich jetzt darüber freuen? Nee, mache ich nicht - ich hasse Busfahren und setze mich lieber in meinen Dodge...

Wenn man aber einmal bedenkt, dass 4 Tage Glanz und Gloria in Schweden rund 2 Millionen Euro (umgerechnet ca. 2,5 Millionen Dollar) gekostet haben (das habe ich jedenfalls irgendwo gelesen), dann können wir uns über viele Wochen "Bespaßung" und Top-Marketing für schlappe 6 Millionen Whistler-Dollars nicht beschweren. Diese Hochzeit soll ja angeblich auch gut für Tourismus und Wirtschaft sein - ganz so wie es die olympischen Spiele für uns waren, sind und auch weiterhin sein werden/sollen. Und ja, ich gebe zu, dass ich mir diese Hochzeit nachträglich im Internet angesehen habe. Das schwedische Fernsehen geht recht großzügig mit den Videos um und es heißt nicht "aus übertragungsrechtlichen Gründen kannst Du das jetzt nicht sehen". Mein Schatzemann meinte zwar, dass dies das Dümmste sei, was er sich jemals angesehen habe, aber da musste er durch. Er hätte ja in seinen Hobbyraum alias Garage gehen können... ;-)

Aber nicht alle schwimmen im (Steuer-)Geld
Der hiesige Schuldistrikt "No. 48 Howe Sound" brütet derzeit über dem Budget des kommenden Schuljahres, welches auch hierzulande Anfang September beginnt. Im Vergleich zu anderen Distrikten hat No. 48 zu viel Personal - drum fürchten nun die Lehrer, dass 14 Stellen abgebaut werden. Hier sei vielleicht angemerkt, dass es dieses typisch deutsche Beamtentum bei den Lehrkörpern nicht gibt. Jeder Lehrer muss sich alljährlich erneut um seine Stelle bewerben und wenn er oder sie nicht (wieder) genommen wird, dann heißt es sich einen neuen Job zu suchen. Dies ist sicherlich einer der Gründe, warum einem die "teacher" hier einsatzbereiter als anderswo vorkommen. Streng Dich an, dann behältst Du Deinen Job. Bist Du nicht nett und engagiert, kannst Du gehen. Ich schweife gerade ab - zurück zum Thema. Dass wie im Großraum Vancouver Schulen komplett geschlossen werden, ist auszuschließen. Dass aber Personal abgebaut wird, wird wohl nicht zu umgehen sein. Die Frage ist halt nur wo. Sei es bei der Schulverwaltung, den Hausmeistern und Gärtnern oder halt bei den Lehrstoffvermittlern. Warten wir es ab - der Sommer ist ja lang und da kann man viel planen, rechnen und alles wieder über den Haufen werfen...


21.6.2010, Montagmorgen gegen 7, der Alltag hat uns wieder

Heiratschwindel, Scheinehen und der vermeintlich leichte Weg nach Canada

Diese Geschichte erregt derzeit die Gemüter - ist es doch ein heißes Eisen. In unserer Provinzhauptstadt Victoria lebt eine 22-jährige junge Frau, die ursprünglich aus Indien stammt. Im August letzten Jahres hat sie bei einem Heimaturlaub einen "netten" Inder kennen gelernt, den sie vor Ort nach 4 Wochen ehelichte, die Anträge auf "Spousal Sponsorship" zur Einwanderung in der "Family Class" incl. aller damit verbundenen Auflagen (wie z.B., dass sie drei Jahre lang für alle Kosten dieses Menschen gerade zu stehen hat) an die entsprechende Einwanderungsbehörde auf den Weg brachte, Citizenship and Immigration Canada (CIC) den Antrag im April d.J. genehmigte, sie seit der Heirat telefonischen und email-Kontakt mit ihrem Holden hatte, etc. pp. Nun bekam diese junge Frau mit der rosaroten Brille auf der Nase aber einen herben Dämpfer versetzt: eine Frau aus Richmond rief bei ihr an, stellte sich als Cousine des Mannes vor, sagte, dass Ihr Gemahl bei ihr in Richmond sei und sie aufforderte ein paar Papiere zu unterzeichnen. Die junge Frau rief bei CIC an und fragte nach, ob der Mann mittlerweile in Canada sei: ja, er ist eingereist. Nur hielt er es nicht für nötig seiner angetrauten Ehefrau mitzuteilen, wann sein Flieger startet, geschweige denn, dass er schon im gelobten Land ist. Die Papiere, die sie unterzeichnen sollte, waren übrigens die Scheidungspapiere sowie ein Schriftstück, das besagt, sie habe Geld für diese - nun offensichtliche - Scheinehe bekommen. Sie hat natürlich beides nicht unterschrieben sondern sich stattdessen an die Presse gewandt und ihre Geschichte erzählt, damit möglicherweise anderen Frauen diese Enttäuschung erspart bleibt. Der Mann hat durch seine Heirat und ihre Bürgschaft für ihn jedenfalls den Status eines "Permanent Resident" und kann innerhalb Canadas tun und lassen, was er möchte, so lange es den Gesetzen entspricht. Die Politik hat das Thema jedenfalls kurz vor der Sommerpause aufgegriffen und der zuständige Einwanderungsminister hat eine Art Probezeit für solche Frischvermählte vorgeschlagen, um Heiratsschwindel und Scheinehen einen Riegel vorzuschieben. Die Idee ist sicherlich nicht verkehrt, um solchen Strolchen das Handwerk zu erschweren. Aber eines gilt immer noch: Drum prüfe wer sich ewig bindet, ob sich nicht etwas Besseres findet...

I am sailing, I am sailing…
Das Singen überlasse ich lieber dem guten alten Rod. Wer glaubt, dass bei uns nur "Bergsportarten" betrieben werden, der hat sich gewaltig geirrt. Die Gegend hat auch den Wasserenthusiasten ordentlich etwas zu bieten. Angeln (wer hätte das im Land der Lachse und Forellen gedacht) ist nur ein winziger Teil davon. Überaus beliebt sind auch Windsurfen, Kitesurfen, Rudern, Drachenbootfahren, Wildwasserfahren (auch als Rafting im Schlauchboot), Jetboat fahren, Motorboote liegen an jedem 2. Steg und natürlich darf auch segeln nicht fehlen. Auf dem Alta Lake gibt es auch in diesem Jahr wieder an jedem Mittwochabend ab 18.30 Uhr Segelregatten. Die sogenannte Alta Lake Race Series, bei der alle möglichen kleinen und größeren Bootsmänner und -frauen die Segel um den Gesamtsieg setzen. Vom Rainbow Park aus kann man dem Treiben auf dem See gut zuschauen, nimmt sich Grillwurst & Co mit und kann dort gleich sein Abendessen auf den öffentlichen Grills (ja, so etwas gibt es hier überall) brutzeln. OK, das macht dann nur bei Sonnenschein Spaß, den haben wir allerdings derzeit, so dass man sich das Spektakel wenigstens einmal in der bis September dauernden Saison antun sollte. Wir werden es jedenfalls machen...

Eines wird allerdings in dieser Sommersaison noch nicht zur Verfügung stehen. Es ist ja noch nicht einmal im Bau befindlich - die Ausschreibungen sollen auch erst in den kommenden Monaten veröffentlicht werden. Was da gebaut werden soll? Nun, etwas in Richtung "Kultur". Whistler bekommt nämlich sein eigenes Amphitheater. Richtig gelesen, nicht nur die alten Griechen hatten es, auch Whistler wird ab dem kommenden Jahr mit einer solchen Spielstätte aufwarten können. Ich kann mir das Teil aber irgendwie noch nicht so richtig auf der ehemaligen "Medal Plaza" - jetzt "Olympic Plaza" genannt - vorstellen. In die Höhe gehen, funktioniert nicht, da hätten die Anwohner sicherlich etwas dagegen, also muss das Teil im Erdreich versenkt werden. Wenn dies so ist, dann hätte der Platz aber doch gar nicht erst für teuer Geld asphaltiert werden müssen. Warten wir's ab, was sich die Damen und Herren Verantwortlichen ausdenken werden. Es gibt zwar noch keinerlei Pläne, man weiß nur eines bereits jetzt: der Bau wird 13,6 Millionen Dollar kosten. Wer's glaubt...


20.6.2010, - Sonntagmorgen um acht

Da sind wir wieder

Pünktlich zum Vatertag melden wir uns nun zurück. Ich hatte ja im vergangenen Monat angedroht auch über den Vatertag zu berichten bzw. darüber herzuziehen - es müssen nicht immer nur die Mütter dieser Welt sein... ;-)

Sowohl in den USA als auch in Canada ist der heutige Vatertag ein Familientag. Da werden keine Planwagentouren durch die Heide unternommen oder fröhliches Biertrinken in Kneipe xy praktiziert. Der Papi bekommt ebenso wie die Mami (selbstgemalte) Glückwunschkarten und ein Geschenk vom Nachwuchs. Der muss sich natürlich riesig darüber freuen und hat sich zum Dank dafür den ganzen Tag über mit den lieben Kleinen zu beschäftigen. Mit dem Sohnemann Baseballspielen, Fußballspielen, schwimmen gehen, angeln gehen, oder weiß der Kuckuck was ein Vater sonst noch mit seinem Thronfolger anfängt. Das Frl. Tochter geht bestimmt lieber zum "Father & Daughter Dance", zum (Pony-)Reiten in der Pampa oder zum "Shopping Spree", bei dem der Herr Papa dann seine goldene Karte zücken darf, um der Kronprinzessin das langersehnte Barbie-Haus zu kaufen... Man(n)cher fragt sich sicherlich wo der Vatertag erfreulicher für den Kinderproduzenten ist...

Heute ist im "Upper Village" auch der erste Farmers' Market der Saison. Das Angebot reicht wie immer von Obst und Gemüse zu Handarbeiten, Kunsthandwerk und Eingekochtem, Popcorn und "Cotton Candy" dürfen hier auch nirgendwo fehlen, die Kids werden bespaßt, es gibt Live-Musik und und und. Uns ist der Markt zu rummelig - fast wie ein Volksfest - und eindeutig zu touristisch geprägt. Wir warten noch eine oder zwei Wochen und dann macht der kleine Honour Stand in Pemberton Meadows wieder auf. Die ersten Kartoffeln sollen angeblich (früh)reif sein. Mmmmmh, junge Kartoffeln mit Kräuterquark oder Matjes. Einfach nur lecker!

Ab morgen werden nach vielen Jahrzehnten Wasseruhren in allen Häusern eingebaut. Kaum zu glauben, aber wahr: es gab bisher keine. Jeder, der am "Municipal water" angeschlossen ist, hat bisher eine Pauschale bezahlt und das war's dann. Allerdings war ein und dasselbe Wasser außerhalb der Ortsgrenzen billiger als innerhalb. Wir mussten bisher ca. 800 Dollar p.a. für Wasser und Abwasser löhnen, die Haushalte außerhalb der Grenzen konnten mit lediglich 150 Dollar pro Jahr ihre Blumen gießen. Wir warten mal ab, ob wir demnächst mehr oder weniger zu bezahlen haben - wird man seine Wasserrechnung doch jeden Monat bekommen. Und lassen wir uns auch überraschen, wie viele Menschen weiterhin permanent ihren Garten sprengen oder ihren Wagen zukünftig wienern werden. Solange man nicht nach Verbrauch bezahlt, ist ja alles egal...

Der Sündenbock für "unser Asphaltwerk" ist nun auch gefunden. Nein, er hat sich freiwillig gestellt. "Ich war`s!". Der Obermuckel der Planungsabteilung der RMOW (Resort Municipality of Whistler) hat nun anlässlich eines Ortstermins alle Schuld auf sich genommen - er habe dem Stadtrat seinerzeit zwei Standortvorschläge für das olympische Dorf gemacht. Zum einem das "Callaghan Valley" (dort, wo der Olympic Park der nordischen Sportarten ist) oder halt der jetzt "Cheakamus Crossing" genannte Flecken auf der Landkarte. Das Callaghan Valley fiel flach, weil sie keine Wohnsiedlung im Naturschutzgebiet bauen wollten. Fair enough. Blieb "einzig und allein" (hier sind so viel Platz, das glaubt kein Mensch...) die ausgediente Müllkippe neben der Kläranlage und einem "Gravel Business". (Gravel = Schotter) Dass neben dem Schotterunternehmen ein Asphaltwerk in Betrieb ist, habe er zum damaligen Zeitpunkt (im Jahr 2004) nicht gewusst. Nee, ist schon klar. Der Mann lebt seit Jahrzehnten in Whistler. Das Werk besteht seit Mitte der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts und er will von dessen Existenz nichts gewusst haben??? Zugegeben, das Grundstück hatte "nur" die Widmung einer Gewerbefläche und nicht eines Asphaltwerkes, dennoch hätte es der gute Mann wissen müssen - schließlich gab es zu dem Zeitpunkt bereits seit ca. 10 Jahren eine Betriebserlaubnis für ein Asphaltwerk an ebendieser Stelle. Mittlerweile scheinen auch die Proteste bzw. das Interesse der zukünftigen Anwohner zu verebben. Von den 1.200 Menschen, die dort zukünftig leben werden, sind in der vergangenen Woche sage und schreibe 20 (!) zu einem Meeting im eigens dafür im Hilton angemieteten Konferenzsaal erschienen, um Pläne zu schmieden, wie man weiter gegen das Asphaltwerk vorgehen könne. Viel kam dabei nicht herum - außer, dass rund 2.500 Dollar für Anwaltskosten drauf gingen, falls sie einen Rechtsverdreher mit dem Versand eines "Letters of Intent" an die RMOW zur Verlegung des Werkes beauftragten. Wie es nun weitergeht, weiß niemand. Da bleibt nur zu sagen: Fortsetzung folgt...

Der Lotto-Jackpot steht immer noch bei 50 Millionen Dollar. Bisher gab es keinen Gustav Gans im Land. Am vergangenen Freitag wurden auch noch 45 einzelne Sonder-Milliönchen ausgespielt, von denen gerade einmal die Hälfte einen neuen Besitzer gefunden hat. Somit geht es dann am kommenden Freitag um insgesamt 110 Millionen Dollar. Drum ist ganz Canada nach wie vor im Lottofieber - wir auch. Mittlerweile schicken wir fünf Scheine ins Rennen. Die Hoffnung stirbt zuletzt...

Auf provinz-politischer Ebene hat es sich der Energie-Minister British Columbias gedacht, dass es (für ihn) blöd sei dem Kabinett weiter anzugehören, haben doch Tausende Menschen in seinem Wahlkreis die Petition gegen die Einführung der "Harmonized Sales Tax" unterzeichnet. "Sein Ort" liegt noch dazu an der Grenze zu Alberta, wo es überhaupt keine "Provincial Tax" gibt und die Waren eh schon deutlich günstiger zu bekommen sind. Blair Lekstrom galt bisher immer als der Kronprinz seiner Partei. Wenn der olle Gordon mal nicht mehr will, wäre er der kommende Mann gewesen. Gewesen? Vielleicht war dieser Rücktritt vom Ministerposten "back to the roots" zum normalen Abgeordneten und der damit verbundene Verzicht auf ca. 80.000 Dollar mehr Jahresgehalt ja auch ein schlauer Schachzug. Die Ratten verlassen das sinkende Liberalen-Schiff, um die nächstbeste Arche Noah zu erreichen, die einen zum nächstgelegenen Baumarkt bringt, um eine Säge zu kaufen mit der dann am Stuhlbein des jetzigen Herrschers über British Columbia gesägt wird. Warten wir ab, wer oder was folgen wird...

Unsere Provinzregierung hat sich neben der "Harmonized Sales Tax", gegen die die Unterschriftenaktion übrigens immer noch läuft und bisher mehr als 15% der Wahlberechtigten ihren Kaiser Wilhelm auf die Liste gesetzt haben, aber auch noch etwas anderes Tolles ausgedacht: das "Gesundes Leben & Sport-Ministerium" hat eine Richtlinie veröffentlicht, nach der bei Sportereignissen beispielsweise Thunfischsalat neben den überaus beliebten Hot Dogs angeboten werden soll, Sojagetränke oder Fruchtsäfte Bier und Limo zu ergänzen haben und auch Joghurt und ballaststoffreiche "Cerealien" auf die Menükarte gehören. Immerhin dürfen noch 20% der Speise-/Getränkekarte "ungesundes Zeugs sein". Gegen gesundes Essen ist ja auch überhaupt nichts einzuwenden. Man stelle sich aber mal Joghurtessende Eishockeyfans vor, Baseballfans, die am Müsliriegel knabbern. Soccerfans, die statt Grillwurst vorm Stadion Salatblätter auf die Plastikgabel pieken oder Football-Enthusiasten mit Reis"milch" im Plastikbecher. Gehören Grillwurst (oder hierzulande Hot Dogs und Burger) und Limo/Bier nicht zum "Gesamterlebnis"? Was ist so schlimm daran, wenn man einmal in der Woche oder einmal im Monat in einen Hot Dog beisst oder die Tüte Chips zum Spiel weg geknabbert wird? Ich kann ehrlich gesagt nichts Schlimmes daran finden. Pizza ist auch alles andere als kalorienarm und wird auch durchaus oft verzehrt. So what? Außerdem lasse ich mir ganz bestimmt nicht von irgendwelchen Menschen in irgendwelchen Ministerien dieser Welt vorschreiben, was ich zu essen oder zu trinken habe. Wo kommen wir denn da hin! Ich bin ein mündiger Bürger und weiß eines ganz gewiss: bevor ich Soja- oder Reismilch trinke, habe ich lieber Durst. Das Zeug geht gar nicht...

Und schon sind wir beim Thema Essen & Trinken, denn eines darf natürlich auch heute nicht fehlen:

Das Sonntagsrezept: "Kartoffelsalat à la Tante Moni"
Den gab es sogar am vergangenen Wochenende in Kalifornien. Am Sonntag haben wir mit Freunden und ehemaligen Kollegen ein BBQ gemacht und weil sie diesen speziellen "German Potatoe Salad" lieben, gibt's heute mal das Rezept "für die Welt"... ;-)

Man nehme:
8 mittelgroße Kartoffeln
1 große Zwiebel
1 Salatgurke
Zitronensaft
Ca. 200 ml Mayonnaise (gekauft oder selbst gemacht, "light" oder Vollfett - je nach Gusto) Salz, Pfeffer

Die Kartoffeln schälen, in Scheiben schneiden und in Salzwasser garen. In der Zwischenzeit die Gurke hobeln, mit etwas Salz vermengen und stehen lassen, damit sie "auswässern". Ausdrücken und das Gurkenwasser dabei auffangen. Die Zwiebel in kleine Würfel schneiden. Abgekühlte Kartoffeln, Gurkenscheiben und Zwiebelwürfel mit der Mayonnaise vermengen. Mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken. Sollte der Salat nicht "saftig" genug sein, einfach etwas von der Gurkenflüssigkeit hinzufügen. Fertig und ab damit in den Kühlschrank zum Durchziehen. Ich liebe diesen Salat!

Genug geschrieben - die Elli ruft und morgen ist ja auch noch ein Tag...


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Urlaub vom 11.6. - 20.6.2010

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10.6.2010, Donnerstagmorgen - es regnet, aber das ist mir jetzt auch egal

Leuchtturm gefällig?
Weg damit! Das denkt sich jedenfalls gerade Väterchen / Mütterchen Staat. In Canada sollen ca. 1.000 Leuchttürme (vor allem an der Ostküste) den Eigentümer wechseln. "Mal eben" in einem Leuchtturm leben, was sich der eine oder die andere sicherlich als höchst romantisch vorstellt, ist aber nicht. Ca. die Hälfte der zum Verkauf stehenden Wachtposten am Wasser sollen nach wie vor in Betrieb sein, der Zugang muss den Behörden gestattet werden und ansonsten dürfen sie auch sonst nicht verändert werden. Was ein Leuchtturm war, muss auch ein leuchtender Turm bleiben. Nix da mit Schlafzimmer ganz oben im Wolkenkuckucksheim. Stattdessen hat das Ding unter Denkmalschutz gestellt zu werden und ist somit für Otto Normalo eher uninteressant. Was will ich mit einem Objekt, das ich nicht nutzen kann, wie ich es gerne möchte? Nee, da müssen sie sich schon einen anderen Dummen suchen, der den Turm in Schuss hält und die Hinterlassenschaften von Möwen und anderen Flugobjekten von der Scheibe kratzt...

Messer, Gabel, Schere, Licht - sind für kleine Kinder nicht
Das sollte auch hierzulande gelten. In Gibsons sind am vergangenen Freitag zwei "Heritage Buildings" abgebrannt. Gestern wurde bekannt, dass zwei Jungen im Alter von 11 bzw. 13 Jahren, die an diesem Tag die Schule geschwänzt haben, um ein wenig am Wasser abzuhängen, den Brand verursacht haben. Offensichtlich ist ihnen die frische Luft nicht bekommen - ansonsten kommen Kinder doch wohl nicht auf die Idee Häuser in Brand zu setzen. Der Jüngere der Beiden hat sich jedenfalls den Behörden gestellt und erzählt wie es war, woraufhin die Polizei den 13-Jährigen festgenommen hat. Richtig gelesen. Ein 13-jähriger Knilch wurde festgenommen und wartet nun auf seinen Gerichtstermin. Nix da mit Strafunmündigkeit oder wie auch immer das jetzt heißen mag. Das "Kind" hat etwas gemacht, was nicht richtig war und wird nun lernen für seine Handlungen gerade zu stehen. Die Eltern werden sicherlich auch nicht ungeschoren davon kommen - ist es doch hierzulande Gesetz, dass die lieben kleinen Unschuldsengel bis zum 14. Lebensjahr permanent unter Aufsicht zu sein haben...

And the winner is:
Chicago Blackhawks!!!! Was sie gewonnen haben? Na, den Stanley Cup! Nach nahezu 50 Jahren konnte es diese Mannschaft in dieser Saison endlich wieder einmal schaffen den "Pott" zu gewinnen. Congratulations! Für Interessierte ist HIER der CTV-Bericht zu finden...

Und sonst?
Ist nicht viel los im Ort. Die Asphaltwerkgegner bzw. die zukünftigen Anwohner haben sich jetzt Buttons mit dem Spruch "I (heart) Clean Air - No Asphalt Plant in Whistler!" angeschafft, mit denen sie a) auf ihre Problematik hinweisen wollen und b) zu zeigen, dass sie kompetente Ansprechpartner für andere Whistlerites sind, denen man all seine Fragen zum Thema stellen kann. Ja, da sind dann Leute, die sich seit ein paar Monaten mit der Materie beschäftigen, die wahren Experten. Ich befrage lieber das Internet...

Die Vorbereitungen für die "Canada Day Parade" am 1. Juli laufen auch auf Hochtouren. Diese Parade durch den Ort, bei der sich alle Patrioten brav rot-weiß kleiden, das Fähnchen schwingen, das Liedchen singen und hinterher Kuchen essen, aufs Feuerwerk warten, etc. pp. ist eines DER Events im Sommer. Für uns ist es immer noch leicht befremdlich - diesen Nationalstolz verstehen wir einfach nicht. Ich käme niemals auf den Gedanken mir ein Ahornblatt oder bunte Striche auf die Wange zu malen. Ich schwenke auch keine Flaggen. Ich hisse auch keine vorm Haus. Und "verkleidet" durch die Fußgängerzone laufen, mache ich auch nicht. Fehlen nur noch Kamelle, Helau und Aaalaf...

Wir selbst bereiten uns viel lieber auf unseren Urlaub vor. Morgen geht's los. Dann werden wir mal sehen, ob bei unseren Freunden südlich der Grenze noch alles in Ordnung ist. Ein paar Tausend Kilometer liegen vor uns. Aber der Weg ist das Ziel. Immerhin scheint die Sonne in Kalifornien. Kalifornien. Fast unglaublich, dass wir einfach mit dem Auto dorthin fahren und nicht fliegen müssen. Wir müssen auch keine Koffer packen. Einfach alles in die Schränke rein und gut ist`s. Und das werde ich auch gleich machen: packen. In diesem Sinne: eine schöne Woche bei Fußball, Strand, Baggersee & Co. Wir sind dann mal bis zum 20. Juni weg...


9.6.2010, Mittwochmorgen, es ist bewoelkt bei 14 Grad

Schon lange nichts mehr von VANOC gehört, oder?
Es gab auch nicht viel zu erzählen. VANOC ist seit Wochen nicht mehr in den Medien vertreten. Die letzte Meldungen waren, dass John Furlong (der Obermuckel von VANOC) aufgrund seiner Verdienste um den kanadischen Sport zum Obermuckel von "Own the Podium" ernannt wurde, und dass die Damen und Herren Verantwortlichen nach Sochi gereist sind, um dort ihre Erfahrungen zu schildern. Jeglichen Kommentar zum sportlichen Verdienst des Herrn F. aus V. erspare ich mir - ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern ihn als Aktiven im Bob, auf der Sprungschanze oder beim Eishockey gesehen zu haben. Wenn man sich aber im privaten Kreis umhört, dann gibt es noch viele Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel, dass viele Leute, die Karten für einen Wettbewerb, der nicht stattfinden konnte, oder Stehplatzkarten für die Snowboardwettbewerbe erworben hatten, die aufgrund der widrigen Umstände ersatzlos gestrichen wurden, immer noch auf die Erstattung des Kaufpreises warten. Davon redet keiner. Es redet auch niemand davon, dass unzählige Handwerksbetriebe immer noch auf ihren offenen Rechnungen sitzen. In unserem Bekanntenkreis gibt es jemanden, dessen Betrieb kurz vor der Pleite steht, nur weil VANOC bisher keinen einzigen Cent bezahlt hat. Wir reden hier von einer Größenordnung so um die 1,5 Millionen Dollar - keinesfalls ein Pappenstiel oder mal eben aus der Portokasse zu bezahlen. Der Gute musste den Bau schließlich vorfinanzieren und steht nun dumm da. Die Gesellschaft wird per 30. Juni aufgelöst - bis dahin müssen die unzähligen Klagen gegen VANOC noch auf den Weg gebracht werden. Ansonsten sieht es wirklich düster aus. Ich nenne entgegen sonstiger Gewohnheiten keinerlei Namen, Gewerke oder andere Details solange die Verfahren laufen. Ich sage nur eines: "VANOC, shame on you!"

Der heilige Rasen
ist ja eigentlich in Wimbledon zu finden. Dort, wo man Erdbeeren mit Sahne zum Champagner nascht. In diesem Jahr wird das britische Grün aber wohl weniger Medienpräsenz zugedacht bekommen als in den vergangenen Jahren. Rennen doch auf der Südhalbkugel irgendwelche Männchen hinter einem Ball her, schubsen sich gegenseitig, treten sich, brüllen sich an und schauspielern ganz viel "Aua", wenn der böse Gegenspieler am Trikot gezogen hat. Und all das findet auf einem Rasen statt. Einem für manche heiligen Rasen. Einem kanadischen Rasen. Jawoll! Der Rasen ist kanadischer Staatsbürger. Auch wenn dieses große Land die Qualifikation für dieses kleine Event nicht geschafft hat, ist es vor Ort dennoch durch Mr. und Mrs. Green vertreten. Das Saatgut des Grünzeugs kommt nämlich aus Manitoba. Gell, da staunt die Welt. Wer es mir nicht glaubt, kann es HIER nachlesen. ;-)

Und noch etwas ist kanadisch bei der WM
Na ja, halb kanadisch. Das Lied. Das Offizielle. Das, welches in Europa wahrscheinlich im Radio rauf und runter gedudelt wird - oder auch nicht, so wie bei uns. Wer es bislang nicht kennt, sich aber schon einmal im oho-oho-oho-singen üben möchte, findet HIER das Liedchen. Da soll mir noch mal einer nachsagen ich hätte keine Ahnung vom Fußball... ;-)


8.6.2010, Dienstagmorgen - blauer Himmel mit ein paar kleinen weissen Wolken

Hier wird nicht gespart
Hier wird das Geld mit vollen Händen aus dem Fenster geworfen! Wieso besonnen mit Steuergeldern umgehen? Die Menschen sehen doch gerne zu, welch Schindluder mit ihren Geldern betrieben wird. In diesem Fall ist es ein künstlicher See incl. Bootsteg mit Handyaufladestationen und Bäumen im Pressezentrum des G8/G20-Gipfels. Richtig gelesen. Im Pressezentrum. Damit die Damen und Herren Journalisten mitbekommen, was Canada zu bieten hat. 1,9 Millionen Dollar soll der "Harper's Folly" getaufte Tümpel kosten. Aber was sind schon 1,9 Millionen bei Gesamtkosten in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar für 3 Tage Sitzungen und Konferenzen. Wer einen kompletten Artikel hierzu lesen möchte, findet ihn HIER. Mir fehlen weitere Worte und frage mich, warum die Zielgruppe nicht einfach vor die Tür gehen. Dort ist dann der Ontariosee zu finden. Bäume und ein Steg wird sicherlich auch irgendwo zu sehen sein. Völlig gratis - unglaublich, was sich manche Menschen ausdenken...

Die "Harmonized Sales Tax"
Die Unterschriftenaktion geht weiter. Mittlerweile haben 15 % der Wahlberechtigten in 80 der 84 Wahlbezirke Ihr Autogramm gegen die Einführung der zusammengelegten Umsatzsteuer bestehend aus "Provincial Tax" und "Goods and Services Tax" gegeben. Um dem Gesetz eine Ohrfeige zu erteilen, sind 10% der Stimmen notwendig - das Ziel der Kampagne ist es aber nun mind. ebendiese 15% in allen Wahlbezirken zu erreichen, um den Druck aufs Provinz-Parlament zu erhöhen, diese Petition auch wirklich ernst zu nehmen und das Gesetz auszusetzen, neue "Readings" zu halten und natürlich erneut über dieses Gesetz abzustimmen. Sollte unser aller Gordon (Campbell) nicht reagieren, wird er wohl die längste Zeit Premier von British Columbia gewesen sein...

Trauriges Ende eine Klassenfahrt
Die "Capilano Suspension Bridge" - eine DER Touristenattraktionen in Vancouver - ist für einen 17-jaehrigen Highschool-Absolventen zum Verhängnis geworden. Der Unglücksrabe fiel rund 30 m von einer Plattform aufs felsige Gelände und war beim Eintreffen der Rettungsmannschaft bereits tot. Wie es geschehen konnte, ist bislang unbekannt. HIER ist der CTV-Bericht. Ich mochte diese Art von Brücke noch nie - musste dennoch einmal über ein solch schwankendes Etwas in Neuseeland laufen. Nie wieder...

Wetter
Heute scheint die Sonne. Morgen bekommen wir dann einen angeblich letzten Tiefausläufer vom Pazifik mit, der uns mal wieder Regen bringen soll und ab Donnerstag soll es immer besser werden. Es sei ein mittelstarkes Hoch in unserer Richtung unterwegs. Na ja, dann wollen wir das mal glauben - die kurzen Hosen liegen jedenfalls bereit... ;-)


7.6.2010, Montagmorgen - der Himmel ist eine weiss-blau-grau-gelbe Mischung

Regentanz, Sonnentanz, Pferdetanz
Was da getanzt wurde kann ich nicht sagen. Für mich alten Banausen klang alles irgendwie gleich und sah auch irgendwie gleich aus. Was gleich war? Ach ja, ich sollte vielleicht einmal am Anfang beginnen:

Eigentlich wollten wir gestern einen Ausflug zum Anderson Lake machen. So mit Picknick am See & Co. Auf dem Weg dorthin kamen wir allerdings am "Pow Wow" der Lil'wat-First Nations in deren Rodeo-Anlage vorbei. "Everyone's welcome" stand auf einem Schild am Eingang. OK, wir gehören auch zu "everyone", lass uns mal aussteigen und dem bunten Treiben ein wenig zuschauen. Gesagt getan. Wir wurden Zeugen von Männertänzen, Frauentänzen, Kindertänzen, gemischten Tänzen, viel Getrommel, viel Singsang und einem Rodeo. Hey, das ist ja klasse. Ein Rodeo im wilden Westen. Ganz schön bockig die Pferdchen, die sonst einfach nur auf der Wiese stehen und einmal im Jahr ihren großen Einsatz haben. Einige hatten ihre liebe Müh und Not die Reiter abzuwerfen - manch einer hat sich ganz schön an der Mähne festgehalten. Leider hatten wir keine Kamera dabei - wir wollten ja eigentlich nur am See picknicken - so dass die Fotos HIER reichen müssen. Nächstes Jahr wissen wir vorher Bescheid...

Poutine
Poutine scheint ja derzeit in Europa in (fast) aller Munde zu sein. Jedenfalls wird darüber gesprochen, wenn es auch nicht unbedingt verzehrt wird. Poutine kommt eigentlich aus Quebec, ist mittlerweile aber auch in hiesigen Fast-Food-Lokalen erhältlich. Diese bratensaucengetränkten Pommes mit "Quietschkäse" kann man probieren - man kann es aber auch sein lassen. Wer sich dieses "Gourmet-Gericht" vorstellen möchte, der denkt jetzt einfach mal an mit Jägerschnitzelsauce getränkte Pommes mit quietschenden Dosen-Champignons. Das kommt der Sache schon recht nah. Ich gebe zu, dass ich es einmal probiert habe. Mir schmeckt es nicht - aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden...

Kleinzoo-Zuwachs
Na ja, eher Großzoo-Neuzugang. Wir sind seit Freitag stolze Besitzer einer Viertelkuh. Eine Ganze passt nicht ins Auto. Nein, Blödsinn beiseite. In der vergangenen Woche stach uns ein Aushang am schwarzen Brett unserer Siedlung ins Auge. "Cow shares for sale". Weil wir immer schon auf eine solche Gelegenheit gewartet haben, mussten wir natürlich sofort zuschlagen. Das kann jetzt sicherlich niemand nachvollziehen, oder? In Kanada ist es aber per Gesetz verboten Rohmilch und deren Produkte zu verkaufen. Es muss alles schön steril sein. Die bösen Bakterien könnten ja zu einem Massensterben führen. Findige Bauern, die ihre Erzeugnisse aber direkt vermarkten wollen, sind auf die Idee dieser "Kuh-Beteiligungen" gekommen. Der Besitzer selbst darf das Erzeugnis seines Tieres selbstverständlich verwenden - es darf halt nur nicht verkauft werden. Heute Nachmittag bekommen wir nun unsere erste 5-Liter-Milchkanne bzw. können wir unsere erste Kanne abholen. Und diese erhalten wir dann jeden Tag. Was wir mit so viel Milch machen wollen? Trinken, kochen, zu Butter, Joghurt, Quark und sonstigem verarbeiten, etc. pp. Den einen oder anderen Liter werden wir aber auch "abgeben" - verkauft wird er nicht, ist ja schließlich nicht erlaubt... ;-)


6.6.2010, Sonntagmorgen - der Kleinzoo hatte kein Erbarmen

Nix gefunden
Das Grossaufgebot in Function Junction, wo in der vergangenen Woche ein mobiles Drogenlabor vermutet wurde, war für die Katz. Nix drin in dem LKW. Nee, stimmt nicht. Sie haben Kettensägen, Stichsägen, Kreissägen, Maßbänder, Nägel, Schrauben, Winkel, Hämmer, Schraubenzieher, Eimer, Planen und alles Mögliche an sonstigem Werkzeug gefunden. Na, da wurde die Karre wenigstens einmal gründlichst aufgeräumt... ;-)

Dort laufen - hier fahren
Während auf dem Inselchen da drüben wackere Menschen über Stock und Stein rennen bzw. rannten (unfassbar), setzen sich die Rednecks an diesem Wochenende zwei Tage in ihre Trucks und messen sich in verschiedensten Disziplinen. Durch die Pampa rasen, die Forstwege unsicher machen, felsiges Terrain bewältigen und eine ziiiieeemlich steile Strecke hinauffahren (natürlich immer hoffen, dass man nicht nach hinten überkippt) sind nur einige Wettbewerbe von vielen. Zwischendurch macht man(n) dann noch ein paar Spielchen, um Bonuspunkte zu sammeln. Hufeisen-Werfen, "Messerwerfen mit Äxten" und was man(n) als moderner Cowboy sonst noch können muss. Die Frauen haben dann am Sonntagnachmittag ihren "female-friendly powder puff event", bei welchem es nicht ganz so ruppig zugeht, damit der Puder nicht aus dem Gesicht fällt. HIER sind ein paar Fotos des vergangenen Jahres zu finden. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass bald noch mehr Fotos davon online sein werden. Wozu haben wir denn unseren Haus- und Hoffotografen Dave ...

Nix gewonnen
Noch nicht einmal 3 Richtige hatte unser Lottoschein mit seinen 9 Spielreihen für 15 Dollar. Keine 50 Millionen Taler auf dem Konto. Noch nicht. Denn außer uns haben auch wieder einmal alle anderen die falschen Zahlen getippt. In der kommenden Woche geht es dann erneut um 50 Millionen plus 20 Millionen an Sonder-Milliönchen. Wie gut, dass wir immer einen Schein für zwei Wochen abgeben - noch besteht Anlass zur Hoffnung... ;-)

Weil sonst nix los war und die Sonne gestern tatsächlich schien, gibt's jetzt nur noch
Das Sonntagsrezept: "Shrimps mal anders"

Ja, schon wieder Shrimps. Wir essen die Dinger wirklich gerne - und nicht nur weil sie hier extrem günstig zu kaufen sind. Gestern hatten wir mal wieder eine "Dinner Party" und diese Shrimps waren unsere warme Vorspeise. Fangen wir also an. Man nehme:

1 kg Shrimps, roh, geschält
1 grosse Dose Tomaten
½ Tube Tomatenmark
1 große Zwiebel
3-4 Knoblauchzehen
300 g Schaf- oder Ziegenkäse (möglichst jung)
ca. 50 ml Olivenöl
½ Bund Blattpetersilie
Salz, Pfeffer, Zucker

Olivenöl erhitzen, die gewürfelte Zwiebel und den klein gehackten Knoblauch darin anschwitzen. Tomatenmark ca. 1 Minute mit Zwiebel und Knoblauch anrösten lassen, Die Dosentomaten und den etwas zerkleinerten Ziegen-/Schafkäse dazu geben. Mit Salz, Pfeffer und ca. 2 Esslöffeln Zucker abschmecken. Ca. 5 Minuten köcheln lassen. Shrimps und fein gehackte Petersilie hinzufügen und nochmals ca. 5 Minuten auf kleiner Stufe köcheln lassen. Fertig! Dazu passen Baguette, Fladenbrot oder auch Nudeln.

Man kann die Sauce gut vorbereiten. Kurz vorm Servieren / wenn die Gäste da sind erwärmen, Shrimps & Petersilie hinzugeben und fertig kochen.

Gutes Gelingen, einen schönen Sonntagabend und bis morgen!


5.6.2010, Samstagmorgen gegen 7 - noch ist es bewoelkt

Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs - setzen!
Wir haben weder einen König David noch einen Kaiser Augustus. Dafür aber einen Bürgermeister. Und der hat nun bestimmt, dass das Volk zu zählen sei. Begründet wird der Schwachsinn mit einer besseren Planbarkeit der Bedürfnisse der Bevölkerung. Aha. Seit wann fließen meine Bedürfnisse in die Lokalpolitik ein? Davon habe ich bisher wenig mitbekommen. Ich brauche keinen "Skate Park" für 60.000 Dollar, der aus nichts weiterem als ein paar Erdhaufen in der Landschaft besteht. Ich brauche auch keine zwei "Community Centres - eines sollte reichen. Und wenn es nach mir geht, dann müssen auch nicht alle paar Wochen die Banner, die die Straßenlaternen "zieren", erneuert werden. Aber zurück zum Thema: In den kommenden Wochen werden eigens mit der Umfrage beauftragte Consulting-Menschen von Tür zu Tür gehen , um die entsprechenden Fragebögen zu verteilen, eine Anleitung zu geben wie sie auszufüllen sind und diese Menschen sammeln sie dann auch später wieder ein. Wenn man eine Arbeitsbeschaffungsmassnahme für notleidende Berater sucht, ja bitte - von irgendetwas müssen die ja auch leben. Wenn man andere Leute an der Haustür belästigt, nein danke. Heilsarmee, "Jehovah's Witnesses" & Co. wird der Zutritt ja auch verwehrt. Auszüge des Fragebogens wurden bereits im Vorfeld bekannt und eines weiß ich - ich werde (wenn überhaupt) einen ebensolchen Blödsinn wie seinerzeit mein Vater schreiben, als irgendwann vor zig zig und aberzig Jahren die Volkszählung in Deutschland stattfand. Gefragt werden u.a. : wie viele Personen im Haushalt leben (interessante Frage bei einer Zählung, nicht wahr?), die Wohnbedingungen (Haus/Wohnung - Miete/Eigentum), Alter und Geschlecht der Bewohner, wie viele Autos, wie viele Fahrräder (?!), wie viele Tiere (Soll demnächst auch eine Katzensteuer für Stubentiger eingeführt werden, weil es Geld fürs Stadtsäckel verspricht?), "transportation methods" (dazu fällt mir jetzt kein deutsches Wort ein), "employment pattern" (Erwerbsmuster - das habe ich nachgeschlagen), usw. usf. Ich bin der Meinung, dass es niemanden etwas angeht, wie viele Piranhas in meinem Goldfischglas rumschwimmen, wie viele Fahrräder in der Garage stehen und es geht den Herrn Bürgermeister schon einmal gar nichts an, womit wir wie viel Geld verdienen. Das weiß das Finanzamt und wenn es ihn interessiert, kann er ja mal freundlich an diese Tür klopfen. Volkszählung? Geldzählung? Potentielle-Ortssteuer-Eruierungs-Massnahme? Big Brother auf Little-Sister-Ebene? Ich weiß es nicht - ich weiß nur eines: "Dagegen!"

Deutschland auf Rang 2
Glückwunsch Ihr deutschen Touristen im Ausland - Ihr seid zweiter Sieger! Der glückliche Gewinner sind die Engländer. Auf Rang 3 findet man dann die Amerikaner. Na, wenn das keine bunte Truppe ist, dann weiß ich es auch nicht. Wobei Deutschland den 2. Platz belegt hat? "Bunt" ist fast schon ein Stichwort. Aber ich gebe noch einen kleinen Tipp - heute lasse ich mich mal nicht lumpen. Ich sage nur: Socken und Sandalen. Na? Dämmerts? Richtig! Der Kandidat hat 100 Punkte: es geht um den am schlechtesten gekleideten Urlauber. Das kann nicht sein? Doch. Stellen wir uns doch einfach mal ein paar davon vor und schon stimmen wir alle zu. Mathias hat ja auch schon diverse davon - ganz hinter(listig) deren Rücken - abgelichtet. Beweisfotos sozusagen. Schlusslichter des Wettbewerbs sind übrigens die Italiener und Franzosen. Wen verwundert's...

Ob sie die lange Trennung aushalten werden?
Es wird beim G8-Gipfel ganz bestimmt unzählige Abschiedstränen geben. Die Staatsmänner und die Staatsfrau müssen doch tatsächlich für einen Tag ohne ihre Liebsten auszukommen haben. Während die ach so wichtigen Menschen dieser Welt ihre Meetings in Muskoka, ca. 2 Stunden nördlich von Toronto abhalten, haben die Partner in Toronto zu bleiben. Warum? Es sei logistisch und organisatorisch nicht möglich. ???? Nicht möglich? Man schafft es nicht 8 Menschen in einen oder zwei Helikopter, Wasserflugzeuge, Autos, Stretch-Limousinen oder sonst was zu setzen und 150 km zu bewegen? Welch Armutszeugnis! Aber mal ganz im Ernst: warum müssen die Frauen bzw. der Mann mit von der Partie sein? Oder warum wollen sie überhaupt mit? Es ist schließlich kein Betriebsausflug, bei dem die Partner mit eingeladen sind. Außerdem habe ich doch den Politiker und nicht den Politiker plus Partner gewählt (OK, man bekommt nicht immer den Politiker, den man gewählt hat - aber lassen wir das einmal außen vor). Immerhin bekommen die Damen und der Herr (falls er sich das Kaffeekränzchen wirklich antut) auch ein Abendessen. Sie müssen nicht hungrig zu Bett gehen. Am nächsten Tag werden ihnen dann prominente kanadische Frauen vorgestellt. (Das gibt bestimmt Zickenkrieg - Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land) und ein Geschenk bekommen sie zum Abschied auch noch. Irgendetwas künstlerisch wertvolles, politisch Korrektes. Jetzt weiß ich's! Bin ich blöd! Die Frauen wollen wegen des Geschenks mit auf die Reise gehen. Zur Tupperparty geht frau ja auch nur deshalb... ;-)


4.6.2010, Freitagmorgen - ab morgen soll die Sonne angeblich wieder vom Himmel brennen...

Heile Welt?
Nicht wirklich. Es vergeht derzeit kein Tag, an dem nicht von mindestens einem Mord oder Totschlag in BC berichtet wird. Vor allem "da unten" in der City jagt eine Meldung die Nächste. Erst in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wurden 2 Menschen ihres Lebens beraubt. Beide waren in ihren Zwanzigern und beide wurden gezielt erschossen. Der eine im Südosten Vancouvers, die andere in Coquitlam nördlich an Vancouver angrenzend.

Aber auch Whistler war in den Schlagzeilen. Am Mittwoch rief mich mein Schatz an und meinte "In Function Junction scheint es zu brennen - Feuerwehr und Polizei sind dort, die Strasse ist abgeriegelt und wir kommen nicht in den "Shop" - man sieht aber nichts." ("Shop" ist hier eine Werkstatt oder ein Lager). Gestern wurde dann bekannt gegeben, was denn los war: Die Polizei hatte einen Durchsuchungsbefehl für einen LKW in die Tat umgesetzt und war incl. irgendwelcher Gefahreneinheiten auf der Suche nach einem mobilen Drogenlabor. Das Gebäude, neben dem der LKW stand, wurde evakuiert, die Strasse gesperrt und die Feuerwehr rollte rein prophylaktisch ihre Schläuche aus. Ob diese Aktion von Erfolg gekrönt war, wurde nicht bekannt gegeben. Also gehen wir einfach mal davon aus, dass nichts gefunden wurde. Ansonsten würde es doch als Super-Trooper-Fahndungserfolg gemeldet, oder?

Unsere Ankunft in der "heilen Welt" - die Fortsetzung

Nachdem der Schatz uns 5 wohlbehalten durch den Schneesturm nach Hause gebracht hatte, parkten wir neben dem Haus ein. Neben deshalb, weil alle anderen Parkplätze vorm Haus belegt waren. OK, es macht ja nicht jeder Platz, wenn "Besuch" kommt. Denn als Besucher sollten wir die ersten Tage in unserem neuen Zuhause verbringen. Per Kaufvertrag war der Übergabetag ein Mittwoch. Aufgrund der Tatsache, dass aber nur 3 Tiere pro Flug erlaubt waren und vor Ort noch ein wenig Papierkram vor der Übergabe zu erledigen war, sind wir bereits am Freitag angereist. Mit den Verkäufern des Hauses hatten wir im Vorfeld vereinbart, dass wir gegen Mietzahlung bereits ein Schlafzimmer und ein Badezimmer nutzen können, weil wir mit unseren Tieren kein Hotel bekommen hätten. Ein Hund oder eine Katze ist ok - bei Dreien an der Zahl ist es aber schier unmöglich. Kein Problem, sie würden uns auch ein Bett und eine Kommode im Zimmer lassen - unsere Möbel kämen ja erst später an. Sie würden uns auch einen Esstisch, Stühle und ein Sofa da lassen, wenn wir wollten. Super! Klasse! Mensch, was sind die Kanadier doch nett und hilfsbereit! Da müssen wir ja nicht auf dem Boden campieren. Für den Montag war der Auszug der Verkäufer terminiert und 3 Nächte wird man schon unter einem Dach verbringen können. Wir wunderten uns zwar, warum noch keine einzige gepackte Kiste zu sehen war, die Fensterbänke noch voll standen und überhaupt nichts auf einen baldigen Umzug schließen ließ. Egal, sie haben ja noch das ganze Wochenende über Zeit und dann wird wahrscheinlich mit ein paar Helfern gepackt. Tja, weit gefehlt. Am nächsten Tag tat sich gar nichts, stattdessen hat sie, die in diesem Haus einen kleinen Friseursalon im Keller (!) betrieb, Kunden bedient. OK, ist ja immer noch ihr Haus - wir sind nur zu Gast. Am Sonntagabend wurde uns dann mitgeteilt, dass sie keine neue Bleibe gefunden hätten und nicht wüssten wohin. Aha! Das ist also der wahre Jakob, warum hier nichts geschieht. Sie hätten auch gar kein Geld, um die Kaution für ein Mietobjekt zu bezahlen und wollten auf keinen Fall in eine Wohnung ziehen. Es musste schon ein Haus mit Garten sein. OK, am Mittwoch ist ja Übergabetag, dann wird's Geld ausbezahlt und Ihr seid (wieder) flüssig. Ihr könnt solange bleiben, bis Ihr eine Unterkunft gefunden habt. (Wir Naivchen sind natürlich davon ausgegangen, dass sie sich dann bei Freunden einquartierten, schließlich gehörte das Haus ja ab mittwochs uns.) Der Mittwoch begann mit einem Besuch beim Rechtsanwalt, es mussten ein paar Unterschriften geleistet werden und schon war das graue Holzhaus unser. Jedenfalls auf dem Papier. Die Verkäufer machten sich nach wie vor im Haus breit, wir hatten nach wie vor nur ein kleines Schlafzimmer und ein Bad. Die Küche haben wir so gut wie nicht benutzt - die anderen waren ja schließlich da und ihre haarigen Kunden kamen auch noch fröhlich ins Haus gestapft. OK. Wir bleiben ganz ruhig. Wir haben schon ganz andere Sachen bewältigt. Also haben wir ganz höflichst gefragt, wann wir denn wohl die anderen Schlafzimmer bekämen, wir müssten schließlich renovieren, bevor unser Container kommt. Da wurde dann ganz schnell ein Zimmer geräumt und schon schwangen wir Pinsel und Farbrolle. Die geliehenen Möbel und der Kleinzoo wanderten dann ins renovierte Zimmer und unser erstes Zimmer und das Bad wurden gestrichen. Dann die Diele von oben bis unten. Dann das Wohnzimmer. Dann die Gäste-Toilette. Und dann kamen wir nicht weiter. Der "Master-Bedroom" mit seinem ensuite-Bad, wurde immer noch okkupiert, die Küche musste ausgebaut werden (das Werkzeug war im Container, aber das war nicht so schlimm). Überall standen noch die "anderen" Möbel herum. Freunde wurden eingeladen, Kunden kamen ins Haus und alle bewunderten uns(er Haus). Dann nahte die Ankunft unseres Containers. 6 Wochen waren nun ins Land gegangen und nichts geschah in puncto Auszug aus dem Paradies. Wir machten nun endlich Druck und siehe da: es fand sich eine Bekannte, die ihnen ihre Garage als Lager zur Verfügung stellte. Dummerweise hatten sie kein passendes Auto für den Transport ihrer Sieben(hundert)sachen, so dass unser frisch gekaufter pick-up zum "Umzug" genutzt wurde. Die Verkäufer blieben uns noch erhalten. Unsere Möbel trafen ein und wir wussten kaum wohin mit all unseren Kisten, Kartons, Möbeln, konnten wir die Küchenmöbel doch nicht direkt stellen, das größte Schlafzimmer war noch belegt und den Keller konnten wir auch nicht nutzen - hatte sie doch immer noch ihren "Salon" ebendort. Tja, und dann kam ein ganz spezieller Abend, an dem uns - vor allem dem Schatz - der Kragen geplatzt ist, obwohl er gar keinen anhatte. Wir waren schon zu Bett gegangen, als auf einmal laute Musik und Gelächter aus dem "Master-Bedroom" erschallte. Der Rauch eines Hanfproduktes (wobei wir endlich wieder beim ersten Thema des heutigen Tages wären) war selbst für Nicht-Kenner der Szene leicht auszumachen. Der Schatz zog sich eine Jeans an und klopfte an die Tür. Die Details behalte ich für mich - nur soviel: es wurde sich nicht geprügelt, obwohl ich fast damit gerechnet hätte. Die Festgesellschaft wurde unter lauten Protesten vor die Tür gesetzt (wir seien Arschlöcher, Schweine und was man sonst noch so alles an Schimpfworten finden kann) und die Verkäufer zogen am nächsten Morgen schweigend aus. Endlich. Wir haben den Rest in aller Ruhe renoviert und "Goldrauschengel und ihren Typen" seit dem Auszug nicht mehr gesehen...






Hardcorrenovierung




Die alte Küche war einmal




3.6.2010, Donnerstagmorgen - ich schweige in puncto Wetter

Wie komme ich nach Canada?
Nein, ich meine jetzt nicht welches Verkehrsmittel zu benutzen ist. Das wäre ja zu einfach. Ich meine eher die Frage nach dem Visum / der Arbeitsgenehmigung. Junge Deutsche bis zu 35 Jahren können über ein "Working-Holiday-Visum für ein Jahr in Canada leben und arbeiten. Ich schreibe deshalb "Deutsche", weil Canada mit jedem Land andere Konditionen ausgehandelt hat. Ebenfalls bis zum 35. Lebensjahr ist das "Young Professional"-Programm möglich, bei dem der "junge" Mensch bei einem festen Arbeitgeber in Lohn und Brot steht.

Die meisten sind in den vergangenen Jahren über eine "Work Permit" (WP = Arbeitsgenehmigung) ins Land gekommen und haben im Land einen Antrag auf "Permanent Residence" - also während das Arbeitsvisum lief - gestellt. Ggf. auch mit einem kleinen "Umweg" über die "Provincial Nominations" - Sonderprogrammen der einzelnen Provinzen. Wir auch und deshalb erzähle ich einmal kurz, wie man an eine kanadische Arbeitsgenehmigung und somit auch an eine zeitlich befristete Aufenthaltsgenehmigung kommt. Nein, eigentlich erzähle ich unsere Geschichte (teils etwas wirr - halt wie immer - die Zeit war aber auch "wirr"):

Schritt 1: Man liest alles, was auch immer über das Wunschziel geschrieben wurde, liest sich durch sämtliche Internet-Foren und tauscht sich online mit anderen Abtrünnigen oder Abtrünnigkeitswilligen aus. Die Liste der Favoriten im Internet Explorer wird immer länger. Aktenordner "Auswanderung" werden angelegt.

Schritt 2: Man sucht sich einen Arbeitgeber in Canada. Wir haben dies ohne Jobbörsen oder ähnliches in Eigeninitiative gemacht und diverse Betriebe der Gegend, die wir u.a. über Berufsverbände, gelbe Seiten und die lokalen Zeitungen gefunden haben, angeschrieben. Die meisten antworteten binnen von ein paar Stunden und schon war der Kontakt hergestellt. Man schrieb sich diverse emails und Faxe und wir legten uns auf fünf Arbeitgeber fest, die uns bzw. wir sie kennen lernen wollten. Flug, Auto & Hotel gebucht und ab nach Whistler mit uns. Die "Interviews" waren allesamt viel lockerer als alles, was wir jemals erlebt hatten, wir wurden von allen über die Baustellen geführt, zum Essen eingeladen etc. pp. Nachdem alle den Schatz einstellen wollten (Handwerk hat hier halt noch goldenen Boden) haben wir uns mit einer Maklerin getroffen, die uns diverse Häuser zeigte. Nach insgesamt einer Woche saßen wir wieder im Flieger Richtung Deutschland, haben uns für einen Arbeitgeber entschieden, ein Haus ausgesucht, das wir von Deutschland aus per Faxvertrag kauften, und dann begann der eigentliche Stress.

Schritt 3: Der Arbeitgeber muss hingehen und eine sogenannte "Labour Market Opinion" (LMO) beantragen. Diese LMO ist das A und O, wenn der Arbeitgeber jemanden einstellen möchte, der kein Kanadier oder "Permanent Resident" ist und dient als Beweis, dass der Arbeitgeber alles Erdenkliche getan hat, um auf nationaler Ebene Personal zu finden. Dazu muss das Stellenangebot u.a. für mindestens 2 Wochen auf einer online "Job Bank" der Regierung hinterlegt sein, es müssen so und so lange Anzeigen geschaltet worden sein, usw. usf. Die LMO wurde in unserem Fall innerhalb von vier Wochen erteilt - es ging also recht fix.

Schritt 4: Dieser verlief eigentlich zeitgleich zu Schritt Nr. 3. Das große Dokumente sammeln, sortieren und übersetzen geht los (Schulzeugnisse, Ausbildungszeugnisse, Geburtsurkunden, Heiratsurkunde, polizeiliche Führungszeugnisse, Lebensläufe, Arbeitszeugnisse, etc. für beide von uns). Die Anträge auf eine "Work Permit" für den Schatz und einer für eine "open work permit" für mich werden ausgefüllt, damit sie - sobald die LMO da ist - sofort auf den Weg gebracht werden können. Die Gebühr in Höhe von 300 Dollar für uns beide wird an die Botschaft überwiesen. Zwischendurch verkauft man dann noch nebenbei sein Haus und arbeitet "ganz normal" weiter.

Schritt 5: Mit der positiven LMO und dem ganzen Papierkram in der Hand bzw. dem Aktenordner unterm Arm sind wir zur kanadischen Botschaft nach Berlin gefahren. (Man hätte es natürlich auch per Post schicken können - das dauert aber länger und ich bin ein ungeduldiger Mensch.) Morgens den Antrag gestellt, mittags im strömenden Regen durch Berlin getappert und bereits nachmittags konnten wir die beiden Zettel, die ein neues Leben bedeuteten, in Händen halten. Ja, ich habe ganz schön gezittert. Ich gebe es zu...

Schritt 6: Endabwicklung in Deutschland, Container für Möbel, Hausrat, Werkzeug, etc. pp. bestellen, packen, Zolllisten schreiben, Flug buchen, Leihwagen für die erste Zeit mieten, Transport der Tiere organisieren (es waren nur 3 Tiere pro Flug erlaubt), Katzen mit Mikrochips versorgen, Impfungen, Gesundheitszeugnisse der Vierbeiner vorm Abflug einholen, Tiere an ihre Transportboxen gewöhnen, Autos verkaufen, großes Chaos, viele Neider, der Tag konnte nicht genug Stunden haben...

Schritt 7: Abreisetag. In aller Herrgottsfrühe aufstehen, die Tiere in ihre Boxen verfrachten, mit dem Leihwagen nach Frankfurt zum Flughafen fahren, die Tiere bei der Tierspedition abgeben, Leihwagen abgeben, einchecken, boarden und abheben. Der schlimmste Flug meines Lebens. Turbulenzen und ich dachte nur an meine Viecher im Frachtraum. Landung in Vancouver. Die Haare liegen nicht mehr. Vom Fenster am Gate konnte ich zusehen, wie eine Palette mit 3 Tier-Transportboxen aus dem Flieger geladen wird. Hoffentlich haben sie alles gut überstanden. Die Tiere mussten zum Tierarzt an der Grenze (hat alles der Spediteur organisiert) und wir mussten zur "Immigration", wo unsere berliner Zettel in "richtige Work Permits" im Pass umgewandelt wurden. (Der Ablauf dort und die Geschehnisse am Rand sind eine andere Geschichte wert). Bei den Finanzbehörden melden, dass man mehr Geld dabei hat, als eigentlich erlaubt. OK. Stempel auf unsere Einreisepapiere und gut ist's. Koffer einsammeln, Leihwagen übernehmen und zum Cargobereich der Lufthansa fahren. Dort soll unser Kleinzoo sein. Ja, sie waren auch da, wir mussten aber erst nochmals zum Zoll und unsere Tiere gegen Gebühr einführen. Wieder zurück zum Lufthansa-Agenten, um endlich unsere Tiere in Empfang zu nehmen. Ob sie sich gefreut haben uns zu sehen? Welch Frage! Und wie!!!! Tiere in den Leihwagen packen, an der Tankstelle Wasser kaufen, zu trinken geben und 2,5 Stunden "nach Hause" fahren. Auf der Fahrt bin ich eingeschlafen - ich konnte nicht mehr. All die Anspannung (bei uns bin ich für alles Bürokratische oder Papierkrambedeutende zuständig) hatte sich bei mir in Luft aufgelöst während uns der Mann im dicksten Schneesturm den Highway entlang kämpfte. Irgendwann waren wir dann endlich "da" - und was uns dann "da" erwartete, erzähle ich ein anderes Mal. Das ist dann wieder ein Story für sich... ;-)

Ach ja, zwischen Schritt 2 und Schritt 7 lagen bei uns sage und schreibe 3,5 Monate - nur mal so am Rande bemerkt...

Und weil ich es doch recht wirr geschrieben habe, hier nochmals die Kernpunkte:

1) Arbeitgeber suchen
2) Arbeitgeber beantragt eine "Labour Market Opinion" und sendet eine "Job Offer"
3) Arbeitnehmer beantragt bei der kanadischen Botschaft eine "Work Permit" mit allem Pipapo, was übrigens innerhalb von 6 Monaten nach Erteilung der LMO zu geschehen ist (ansonsten ist sie nicht mehr gültig).
4) Einreise nach Canada

Noch eine kleine Anmerkung zum Schluss: Die "Werk Permit" gilt immer nur für den Arbeitgeber, der die "LMO" beantragt hat und bewilligt bekam. Man kann nicht "mal eben" den Arbeitgeber wechseln, wenn die Chemie nicht stimmt oder man nicht gut behandelt wird oder einen anderen / weiteren Job annehmen möchte. Mit Ausnahme weniger Berufe kann der (Ehe-)Partner eine "Open Work Permit" beantragen und arbeiten wo er oder sie will. Mein Schatz konnte nicht wechseln - ich schon, was ich auch gemacht habe. Ich konnte mit der "OWP" auch ein Gewerbe anmelden. Über eine WP ins Land zu kommen ist immer mit ein paar Risiken behaftet. Es kann gut gehen, es muss aber nicht. Vor allem in Alberta und den östlichen Provinzen stehen derzeit viele Menschen "dumm da", weil sie in Krisenzeiten natürlich als Erste entlassen werden (müssen). Wer einen anderen Arbeitgeber sucht, muss das ganze Procedere erneut durchlaufen. Neue LMO, neue Anträge, neue Gebühren, Fahrt zur Grenze, um das "WP" zu aktivieren usw. usf.. Der "sicherere Weg" ist der direkte Antrag auf "Permanent Residence", der sich allerdings über viele Jahre hinziehen kann - aber was ist heute schon "sicher(er)"? Ob wir den von uns gewählten Weg trotz aller potentiellen Risiken wieder einschlagen würden? Ja, ohne zu zögern...




Packen, packen, packen...




Da war unser Leben drin




Tschüss - bis ein paar Wochen in Kanada




Leo hatte sich damals nach Eintreffen der Möbel direkt auf seinen Platz gelegt




2.6.2010, Mittederwochemorgen - I'm not singing in the rain

Wieder nix
So'n Mist - aber es ist noch nicht alles verloren. Was nicht verloren? Na, der Lottogewinn! Am vergangenen Wochenende wurde der 40-Millionen-Jackpot nicht geknackt und nun warten 50 Millionen als Maximal-Jack-the-Pot darauf unters Volk gebracht zu werden. Zusätzlich gibt es noch ein paar einzelne Milliönchen als Sonderpreis. Na, da freuen wir uns doch schon mal auf die nächste Ziehung und hoffen, dass unsere Scheine in dieser Woche von Fortuna angelächelt werden. Im Gegensatz zu Deutschland kann man übrigens immer nachschauen, wer denn gewonnen hat. "BC Lottery" gibt dies jedenfalls online bekannt und Pressekonferenzen mit glücklichen Gewinnern sind hier normal. Da denkt sich keiner eine Story aus - hier wird die Wahrheit gebracht. Ob das gut ist? Ja und nein. "The next millionaire" muss halt darauf achten, dass er oder sie nicht zu viele "Freunde" hat, die aus allen Ecken angekrochen kommen und einen auf "best friend forever" machen... HIER geht's um die großen Gewinne(r) und HIER ist das "Kleinvieh". Wenn also mein Name in der kommenden Woche dort steht, dann... ;-)


Man muss ich nur zu helfen wissen
Ein Mann ist in einer gottverlassenen Gegend in Saskatchewan in ein Unwetter geraten, als er mit seinem Bötchen auf einem See unterwegs war. Er strandete irgendwo in der Pampa und hatte tagelang keinen anderen Schutz als sein Boot. Essen war nicht an Bord. Was tun? Der Mann war offensichtlich weder dumm noch schwach. Er hat einen Strommast zum Umfallen gebracht, was für zahlreiche Stromausfälle sorgte, der Energieversorger hat eine Crew zur Reparatur geschickt und diese hat dann den verzweifelten Menschen gefunden. Der Mann war glücklich - die vom Stromausfall betroffenen Menschen allerdings nicht...

Wehrpflicht?
So etwas kennen die "Crazy Canucks" nicht. Wer meint Soldat werden zu müssen, der tut es einfach. Bewirbt sich bei den "Forces" and that's it. Wer dann für eine gewisse Zeit bei dem Verein war, darf sich ein "Veteranen-Kennzeichen" ans Auto pappen, damit auch alle schön wissen, wer denn da am Steuer sitzt. Ich habe meine höchst eigene Einstellung zu diesem "Arbeitgeber" im Allgemeinen und der Zwangsveranstaltung für junge Menschen im Besonderen. In meinem privaten Umfeld gab/gibt es auch nur Verweigerer. Nein, stimmt nicht. Ich bin mal einem begegnet, der war voller Tattoos & Piercings und für 12 Jahre Zeitsoldat, bevor er sich dann mit seinem Übergangsgeld ein schönes Leben auf Sardinien machte. Vielleicht sollte man dem Herrn von und zu mal sagen, dass es dort auch ein riesiges Einsparungspotential gibt...

Die Thimbleberries blühen
Thimbleberry? Diese Beeren wachsen hier überall. Wirklich überall. Im Mai/Juni blühen sie wunderschön und bilden dann rote Früchte, die ähnlich wie eine Himbeere aussehen. Geschmacklich ist es eine Mischung aus allen Beeren, die man sonst so kennt. Daraus kann man leckere Marmelade kochen oder sie einfach den Bären überlassen. Wir machen beides. Zum Ausgleich deponieren wir zur Erntezeit einfach ein paar Äpfel und Nüsse im Wald - die sind aufgrund ihres höheren Kaloriengehalts ja auch viel besser für den Winterspeck als so'n kleines Beerchen für das Bärchen. Die restliche Vegetation steht aber auch in den Startlöchern und wartet nur darauf, dass Calimero (der große Bruder von Calima) den Weg bis zu uns gefunden hat. Wir haben derzeit an einem Tag alles von Sonne über Regen, Wind und Regenbögen und tagsüber Temperaturen von um die 20 Grad. Die bunten Bögen am Himmel sind ja wirklich immer wieder hübsch anzusehen, aber ohne sie könnte ich jetzt auch mal eine Weile auskommen. Der Rittersporn vorm Haus ist fast so hoch wie der Pfirsichbaum in seinem großen Kübel, und auch Katzenminze & Co. vorm Haus sind so groß wie nie zuvor. Was so ein "bißchen" Wasser doch alles ausmacht. Den Rasen könnten wir 2x pro Woche schneiden, so schnell wächst er. Nur eines will und will nicht. Die Tomaten. Sie dümpeln vor sich hin und bekommen einfach keinen Wachstumsschub. Na ja, vielleicht nehmen sie sich ja doch noch ein Beispiel an den Brüdern und Schwestern der Blumenfamilie...




Thimbleberry - Rubus parviflorus - Weiße Zimthimbeere







Nee, ich gucke nicht in die Kamera




1.6.2010, Dienstagmorgen um 7, trockene 13 Grad

"Mein" Gigolo - die Fortsetzung
Ich weiß ja, dass es die eine oder andere interessiert, ob er denn wieder einmal aufgetaucht ist. Ja - ist er. Nachdem ich ihm in der vergangenen Woche an der Tankstelle begegnete, wo er in keinem Cabrio sondern in (s)einem silbernen BMW-Geländewagen vorfuhr. Man grüßte sich, wechselte ganz kanadisch ein paar belanglose Sätze, wünschte sich weiterhin einen schönen Tag und "See you in a bit." OK, das war wohl der Hinweis auf den kommenden Montag. Und siehe da: Auf dem kleinen Parkplatz stand ein Auto der Luxusklasse (allerdings kein Cabrio - es regnete ja gestern Morgen) und Monsieur war mit einer Dame so um die 65 (beide im Golfer-Outfit) auf der Runde. Diese Dame scheint allerdings rüstiger als die bisherigen Holden zu sein, haben sie es doch tatsächlich geschafft, die komplette Runde zu laufen und mussten nicht nach wenigen Metern stehen bleiben, um sich tief in die Augen zu schauen. Händchenhalten beim Stechschritt war gestern angesagt - aber das "Programm" bestimmt ja sicherlich der Klient und die Kundin ist ja schließlich Königin! Diese Frau hatte auch kein Problem damit, dass wir uns grüßten. Nee, da stand sie drüber. Ganz souverän und selbstbewusst und hat sogar meinen pitschnassen Hund gestreichelt. Diese Frau darf er öfters an/abschleppen... ;-)

"Der Horst"
Ist hierzulande kaum eine Schlagzeile wert. Es wird zwar in einigen online-Artikeln darüber berichtet - in den Abendnachrichten wurde es gar nicht genannt. Es interessiert sich hier niemand dafür wer in Deutschland Staatsoberhaupt ist. Da könnte auch in China der berühmte Sack Reis umfallen. Stattdessen sind die Waldbrände in Alberta, Ontario und Quebec Thema. Auch die niedrigen Wasserstände an den großen Seen oder der (Wasser-)Flugzeugabsturz bei Vancouver Island, bei dem 3 Menschen ums Leben kamen, die Überflutungen in Manitoba aufgrund der starken Regenfälle dort, die aktuelle "Gaza-Streifen-Story" (ist doch auch ein Kanadier involviert), die Rede von Netanjahu in Toronto, dass einer der "Erfinder" von Trivial Pursuit gestorben ist, ob die Kommunalwahlen alle 4 anstelle der bisherigen 3 Jahre stattfinden sollen oder das angebliche Wirtschaftswachstum, das nach dem 1. Quartal 2010 aufs Jahr hochgerechnet bei über 6% liegt. Häh? Nach einem einzigen Quartal, das ein Wachstum von 1,5% gehabt haben soll, liegt das Wachstum des Jahres 2010 bei 6,1%? OK, 4x1,5=6. Plus 0,1 für eventuelle Rundungsfehler. So einfach berechnet man die Chose - ich werde jetzt auch Wirtschaftsexperte... ;-)

Autoversicherungen werden "billiger"
ICBC - unsere Haus-und-Hof-Monopol-Provinz-Versicherung - hat bei der Provinzregierung beantragt die Versicherungsprämien per 1. November d.J. um 1,9 % zu senken. Da zücken wir doch mal schnell den Taschenrechner. Der Dodge kostet 196 $ pro Monat - der Chevy ist mit 189 $ dabei. Summa summarum 385 $ pro Monat. Mal 12 = 4.620 $ p.a. Durch die Preissenkung würden wir stolze 87,78 $ im Jahr sparen - davon bekommen wir nicht einmal ein "fill up" für den Chevy mit seinem 100 l Tank - auch wenn Benzin im Gegensatz zu Deutschland nur die Hälfte kostet. Aber besser als gar nichts - wo sinken schon die Versicherungsbeiträge…







Ihre Familie Ingrid & Mathias Siebold
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Kanarische Ferienhäuser auf La Palma


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