La Palma Aktuell
Täglich frische Nachrichten von einer kleinen grünen Insel im Atlantik



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Nachrichtenarchiv Mai 2008


Samstag 31.05.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 21,1 Grad - niedrigste Temperatur 17,2 Grad

Klerikales Verwirrspiel

Manchmal kommt man an kirchlichen Themen einfach nicht vorbei, im Bayrischen Wald und auf La Palma sowieso nicht. - Fronleichnam, also hier Corpus Christi genannt, das kennt auch der Agnostiker noch irgendwo her und erinnert sich dabei vielleicht auch an einen Urlaub in ein kreuzkatholisches Land, wo man ein heftiges Brimborium um dieser Feiertag macht, mit Prozession und geschmückten Straßen. - Bei uns auf La Palma ist "Corpus", wie man es auch gerne hier abkürzt besonders hoch eingestuft, in Mazo und San Andrés werden aufwendigste Blütenteppiche und kunstvolle Schmuckbögen gebastelt, durch welche dann die Schar der Pilger die Monstranz mit Körper-Jesus trägt. - Man wundert sich dabei, dass Fronleichnam anscheinend nur in ein paar Gemeinden gefeiert wird und man die Bewertung eines solchen Festes sehr unterschiedlich auffasst. - Dafür gibt es aber eine höchst pragmatische wie einfach Erklärung, für die einzelnen Gemeinden ist es schlichtweg unmöglich, jedes kirchliche Fest in solcher Üppigkeit zu vollziehen und im Laufe der Jahrhunderte schälten sich dann Vorlieben heraus, wann und wo welche Gemeinde nun ein Fest besonders ausgiebig feiert und die Mittel aufbringt aus einem "normalen" kirchlichen Feiertag ein buntes Fest macht. - Daraus entstanden dann auch die Traditionen, in Mazo wird Corpus Christi besonders gefeiert, in den Breñas und Santa Cruz die Kreuzfeste und in El Paso ist das große Ereignis das Herz-Jesu-Fest, oder hier auch "Sagrado Corazón" (Heiliges Herz) genannt. - Da die katholische Kirche an Pragmatismus in den Jahrhunderten sehr dazu gelernt hat, darf man dann das Fest auch erst am Sonntag feiern, obwohl im katholischen Kirchenkalender der Herz-Jesu-Tag eigentlich bereits am gestrigen Freitag war.

Das ist aber nicht so wichtig und ich könnte wetten, dass Sie nun bereits mehr über unser Brauchtum und die kleinen Notlügen darin wissen, als 90% der morgen an der Prozession teilnehmenden Pilger. - Auf jeden Fall wird nun eben in El Paso nachgeholt was uns an Fronleichnam verwehrt geblieben ist, jetzt wird rund um die Kirche gebastelt und gewerkelt, große Bögen geschmückt und ein Teppich aus Salz und Blüten aufgebaut, durch welche dann morgen Abend die Jesus-Statue unter beachtlicher Anteilname der frommen oder frömmlichen Bürger der Gemeinde getragen wird. - Natürlich muss man bei meinen Erzählungen immer den El Paso-Lokalkolorit herausrechnen, um vielleicht eine etwa subjektive Einschätzung zu erreichen, aber dieses Fest und die Art und Weise es zu zelebrieren hat schon einen ganz besonderen Charakter. - Da ist einmal die enorme Arbeit welche man sich im Schmücken des Prozessionsweges macht und gleich zu Beginn der "Wallfahrt" lässt man spektakulär weiße Tauben aufsteigen und schießt mit einer Luftkanone die "Promeses del Sagrado Corazón" in Form von bunten Papierschnipseln auf die Gläubigen herab. - Diese 12 "Promesas" (Versprechen) sollen 1672 vom Herz-Jesu an die Heilige Margarita María gegangen sein, damit sie diese an die Gläubigen weitergibt. - Nichts als fromme Sprüche wird man meinen und behält damit auch Recht, allerdings gibt es dabei schon ein paar schöne Versprechungen und auch ein paar scheinbare Faustpfande welche eine schnelle Absolution im Sündenfall garantieren. - Man darf sich also nicht wundern, wenn nicht nur die Kinder wie wild diese bunten Schnipsel aufsammeln, auch die Erwachsenen greifen ungeniert in die, aus dem Himmel fallenden Versprechungen und der Pfarrer hat mir nie erzählt, wie viele dieser Zettel er bei den Beichtstunden als formlosen Ablass untergeschoben bekommt, wenn ein reuiger Sünder sich seine 14 Vaterunser sparen will. - Nicht nur aus diesem Grund kann ich die Prozession, oder zumindest den Beginn auch jedermann empfehlen, der einfach mal wissen will, wie wir uns so die Zeit vertreiben, wenn wir gerade mal nicht den Alltag proben. - Man muss übrigens nicht mal gläubig sein um an der Prozession teilzunehmen und was dort qualmt, das ist auch kein Nervengas, sondern Weihrauch und auch wenn man Ihnen das vielleicht anders erzählt hat, Weihwasser hinterlässt keine Flecken am Atheistengewand. - Morgen, also Sonntagabend, um 19:00 Uhr beginnt die Messe und um die 20:00 Uhr herum beginnt die Prozession. - Fragen Sie jetzt bitte nicht wo in El Paso…


Sagrado Corazón El Paso 2008

Tonnenweise wird Salz angeliefert aus der Saline von Fuencaliente.


Sagrado Corazón El Paso 2008

Nachbarschaften beginnen bereits Samstagmittag mit dem Aufstellen der bereits vorgefertigten Bögen, was aber traditionell bis in die späte Nacht dauert.


Sagrado Corazón El Paso 2008

Alle Materialien sind "Früchte der Erde", ganz besonders beliebt, gefärbter Reis.



Samstag 31.05.08 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 82 % Luftdruck 1018 hPa

Das Kreuz der Zwietracht

Das positive Zusammenleben von Nachbarschaften kann mitunter ein höchst kompliziertes wie komplexes Verfahren sein. - Gut, dass es da "unverrückbare" Abfolgen in der Gemeinschaft gibt, welche niemand in Frage stellt, so wie zum Beispiel das wochenendliche Besenschwingen, das Tragen von Morgenröcken beim weiblichen Teil der Nachbarschaft bis in den späten Vormittag hinein und eben das Kreuz, welches sich die Nachbarn teilen, um dieses einmal im Jahr zu schmücken. - Das Kreuz dient eben nicht nur dazu die Frömmigkeit der Nachbarschaft oder des Ortsteiles zu beweisen, es ist quasi auch das Symbol für die Verbundenheit der Gemeinschaft. - Nun wird noch niemand ausgeschlossen, wenn er samstags nicht die Straße fegt, oder bereits kurz nach dem Frühstück in Abendklamotten aus dem Haus geht, allerdings enden die gesellschaftlichen Freiheiten spätestens beim Kreuz. Eine enge soziale Bindung bringt viele Vorteile mit sich, Schutz, Rückhalt, Gleichstellung und ein, sicher oft grenzwertiger sozialer Druck, sorgen für gerade Bahnen und ordnen das Zusammenleben einer freiwilligen Gemeinschaft auf Zeit. - Das Volksmund hat hierzu auch noch einen netten Spruch auf Lager, der die Schattenräume dieser kleinen (heilen) Welt ein bisschen erhellt: "Pueblos pequeños - infiernos grandes" Kleine Orte - große Höllen heißt das in etwa und soll die Rückseite einer solchen engen Gemeinschaft verdeutlichen.

Denn wehe, da gerät etwas aus der Bahn und Teilnehmer erfinden ihre eigenen Regeln, dann wankt dieses Gerüst gewaltig und muss neu geordnet werden. So geschehen Anfang dieses Monats in Los Llanos, im kleinen Ortsteil "La Rosa". - Dort steht, seit langer Zeit, eben lange genug um "unverrückbar" zu sein, das Kreuz der Nachbarschaft auf dem Hügel "Montaña de La Rosa" und wird jährlich am 3. Mai vom Hügel herunter getragen, neu geschmückt und wieder auf den Gipfel des kleinen Vulkanhügels getragen. Nicht so in diesem Jahr, da behielt eine Gruppe der Nachbarn das Kreuz bei sich zu Hause, nicht versteckt, sondern gut sichtbar im Patio und jeder der wollte konnte sich dem Kreuz auch nähern und seine Devotion ausdrücken. - So haben auch die alten Leute etwas von dem Kreuz, die können doch nicht mehr auf den Hügel steigen um sich dem Kreuz zu nähern und ihre Wünsche und Nöte auf das Symbol ablagern. - Allerdings hatte die Gruppe älterer Menschen nicht mit dem Ordnungssinn der Gemeinschaft gerechnet, welche nun zornig danach rief, alles schnell wieder so zu regulieren wie es immer war, das Kreuz muss schleunigst zurück auf den Hügel, wo kommen wir denn sonst hin. - Man berichtet zwar, dass ausgerechnet die Leute am lautesten nach Gerechtigkeit riefen, die noch nie in ihrem Leben vor dem Kreuz auf die Knie gesunken sind, aber der Gemeinschaftssinn oder Unsinn wird immer am stärksten genährt, wenn man scheinbare Gegner der Union ausgemacht hat und sich plötzlich auf die Seite der guten Sache stellen kann. - Das Kreuz ist wieder an seinem Platz auf dem Hügel wird morgen das auch noch mal extra gefeiert, aber in der Nachbarschaft La Rosa kriselt es nicht nur ein bisschen. So ein Kreuz hat halt auch sein Konfliktpotential und vielleicht hängt das mit der schleppenden Evolution der Menschheit ja auch ein bisschen an unserem mangelnden Willen neue Wege zu begehen. - Ich denke mal ein zweites Kreuz muss her, eines auf dem Hügel und das andere für die alten Mütterlein im Ort, die nicht mehr so richtig laufen können aber dem Kreuz um so mehr zu berichten haben.



Freitag 30.05.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 20,2 Grad - niedrigste Temperatur 17,8 Grad

Autos stören so oder so

Dass wir auf La Palma zu viele Autos haben, das ist längst keine Neuigkeit mehr. - Es gibt Aussagen, wonach die Gemeinde Los Llanos die Stadt Spaniens sein soll, in welcher die meisten Fahrzeuge pro Einwohner angemeldet sind. - Ich kann das natürlich nicht nachprüfen, aber auch ohne Rekord ist der Fahrzeugbestand in dieser Stadt wirklich enorm und die Tendenz zum Drittauto hat manche Familien längst befallen. - Auch ohne den Benzinschock fahren diese Autos aber nicht immer alle, sondern blockieren als, so genannter ruhender Verkehr die Stadt und belegen die kostbaren Parkplätze, auf denen die vielen Geschäftsleute gerne Kunden sehen würden und keine Anwohner. - Das Parkhaus am Sportplatz reckt sich nun zwar endlich in die Höhe, nachdem man die Baufirma gewechselt hatte, aber bis dort Parkplätze angeboten werden können, geht bestimmt noch mal ein dreiviertel Jahr ins Land. - Als erste Aktion hat nun die Stadt etliche "Blaue Zonen" markiert, die als kostenlose Kurzparkzonen ausgewiesen sind und so verhindern sollen, dass dort Langzeitparker und Anwohner ihre Fahrzeuge abstellen. - Die Stadtpolizei ist auch angewiesen worden strikt zu kontrollieren, man sollte also wirklich dort auf den blau markierten Stellen nicht länger als die angegebene Zeit sein Fahrzeug parken. - Man hatte festgestellt, dass alleine schon die vielen Angestellten der Geschäfte morgens mit ihren Autos alles blockieren und so für die Kunden keine Stellflächen mehr übrig bleiben. - Nun müssen die Angestellten halt einen etwas längeren Weg zu ihrem Auto in Kauf nehmen, alles eben zugunsten der mit dem Fahrzeug anreisenden Kunden.

Darüber hinaus will man alle Schrottautos loswerden, man schätzt die Zahl an die 150 Vehikel die nicht mehr fahrtüchtig sind, allerdings kommt man da nicht weiter, denn im Moment gibt es keine Einrichtung auf La Palma, in der man Altautos regelkonform entsorgen kann. - Nächster Einschnitt folgt sodann, nun hat man die Autohändler auf dem Kieker und möchte denen verbieten ihre Fahrzeuge auf öffentlichem Straßen zum Verkauf anzubieten. - In letzter Zeit hat sich nämlich ein kleiner, neuer Wirtschaftszweig etabliert, Autohändler ohne Büro und oft auch ohne Papiere tummeln sich in Los Llanos, stellen die Wagen an den meist besuchten Stellen des Ortes ab, mit dem Hinweis das Auto sei zu verkaufen und sitzen dann bequem auf der Plaza, trinken einen Cortado oder zwei und warten auf die Anrufe der Interessenten. - Das soll nun auch verboten werden und so hofft man, die Parkplatzsituation in der Aridanemetropole verbessern zu können. - Man hat eben in den letzten Jahren schmerzhaft spüren müssen, wie man, besonders zu Feiertagen oder an den verkaufsstarken Wochenenden viele Kunden an El Paso oder Tazacorte verloren hat, ganz einfach, weil man in Los Llanos keine Möglichkeit mehr fand, sein Auto zu parken und sei es auch nur für 20 Minuten. - Eigentlich könnte man das auch aussitzen, nach guter alter politischer Kultur, bald ist der Sprit ja eh so teuer, wer es schließlich mit dem Auto nach Los Llanos geschafft hat, der ist eh blank und kann in den Geschäften kein Geld mehr ausgeben…



Freitag 30.05.08 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1018 hPa Grad

Das Eingemachte

Vor einer Woche hat mich die Zapfsäule auch schon mal wachgerüttelt, das erste Mal musste ich mehr als 50 Euro für eine Tankfüllung bezahlen, was mich dann doch veranlasst hat, auf die Preisentwicklung der Kraftstoffe zu achten. - Jetzt, oder besser gestern, ist es nun passiert, der Liter 98 Oktan Super ist über die Barriere von einem Euro gerutscht und markiert damit eine neue Diskussionsrunde, mindestens. - Ja, ich weiß, in Deutschland bezahlt man deutlich mehr für den Sprit, aber bei uns ist die Preisentwicklung genau so heftig und schnell abgelaufen, halt einfach nur an die 35 Cent unter dem deutschen Schnitt, weil bei uns auf den Kanaren die Steuerbelastung bei Treibstoffen geringer ist als in den Ländern Mitteleuropas. - Dennoch verläuft die Preisentwicklung genau so schnell, nur eben auf einem geringeren Niveau beginnend. - Natürlich handelt es sich bei dem Preissprung über einen Euro pro Liter nur um einen Schritt mit reichlich Symbolik behaftet und wir wissen ja aus den anderen Regionen, dass dadurch die Menschen nicht wirklich weniger Auto fahren, allerdings kann man mit dieser Symbolik auch gewissen Hoffnungen verknüpfen und Anforderungen deutlicher machen.

Man könnte ja nun fast daraus schließen, dass ich diese Preisentwicklung begrüße und wenn ich ehrlich bin, überwiegt bei mir die Hoffnung, dass sich nun gewisse Einstellungen ändern, den dunklen Schmerz an der Zapfsäule. - Kein Trost für Pendler und Menschen welche ihr Fahrzeug zum Broterwerb nutzen müssen, aber eine gewisse Chance, vielen angedachten Änderungen endlich die notwendige gesellschaftliche Unterstützung zu verleihen. - Längst überfällig dabei ist natürlich die Einbeziehung der Tatsache, dass private Mobilität in Zukunft ein Luxus sein wird, in die Planspiele der zukünftigen Entwicklung unseres ökonomischen Interesses. Dort finden sich leider nach wie vor große Defizite und Planungen, welche den Ölpreis komplett ignorieren und weiterhin so tun, als könnte alleine die Mobilität für nachhaltiges Wachstum sorgen. - Allerdings müsste man zum effizienten Umdenken ein Goldenes Kalb schlachten, nämlich das des angeblich notwendigen Wachstums, aber ohne zu Schlachten kann man das Kalb auch nicht essen. - Ein ziemlich krummer und für Vegetarier nicht unbedingt annehmbarer Vergleich, aber verständlich allemal und auch Vegetarier sitzen in einem Boot mit uns, welches noch von einem Benzinmotor angetrieben wird. - Gerade für La Palma, diese so begreifbare und abzählbare Insel, ergibt sich aus dem "Ölschock" eine wunderbare Möglichkeit, mit eigenen und kleinen Änderungen die zukünftige Entwicklung angemessen zu steuern. - Dazu braucht es allerdings politischen Mut und manchmal auch eine gehörige Portion Abgeklärtheit, um der Taube auf dem Dach eine Absage zu erteilen. - Es wird richtig spannend in den nächsten paar Jahren hier auf La Palma. - Natürlich nicht nur auf La Palma, aber hier haben wir die wunderbare Möglichkeit den Gesamtkomplex auf kleinstem Raum zu verfolgen und uns mal wirklich zu testen, wie gut wir sind.



Donnerstag 29.05.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 22,7 Grad - niedrigste Temperatur 17,7 Grad

Kunsthandwerk als Schulfach

Natürlich treffend zum "Día de las Canarias" verkündet man eine wunderbare Geschichte, wir rücken der Endemie wieder ein Stück näher und das bereits im Pennäler-Alter. - Ab dem kommenden Schuljahr bieten zunächst vier der Mittelklasse-Schulen auf La Palma traditionelles Kunsthandwerk an und sollten die Kurse erfolgreich sein, dann will man dieses Angebot später auf alle Schulen ausweiten. - Um nun den Mathematik- und Sprachunterricht nicht wegen feingeklöppelter Spitzenunterwäsche zu gefährden wird das Kunsthandwerk als freiwillige Nachmittagsstunde angeboten, den Mut das als Pflichtfach zu machen, war dann doch nicht da. - Das würde auch nicht gehen, da es sich bei der Aktion um eine inseleigene Initiative handelt, unser Schulsystem aber kanarenweit gelenkt wird und somit solche lokalen Gedanken nicht in den Regelschulbetrieb eingreifen können.

Man darf sich aber nicht irren, diese Kurse gibt es wohl schon, da allerdings meist auf Gemeindebasis organisiert für Erwachsene und diese erfreuen sich regen Zulaufs. - Nun möchte man auch die noch jüngeren erwischen und so dafür sorgen, dass traditionelles Kunsthandwerk auf La Palma nicht zur reinen Nostalgie verkommt, sondern von einer relativ breiten Bevölkerungsschicht getragen wird. - Auch wenn es genügend Bewohner dieser Insel gibt welche sich gerne dem Brauchtum widmen, welches auch vom Kunsthandwerk mit umschrieben wird, in den Alltag finden allerdings die meisten Aktivitäten nicht zurück. - Es lässt sich einfach kein Geld damit verdienen, ganz selten dass Stickereien oder die hohe Kunst der Herstellung von seidenen Trachten sich für die Künstler oder Handwerker auszahlen würden, es bleibt ein "Hobby". - Man darf auch bei den jüngeren Menschen befürchten, dass bei so vielen außerschulischen Aktivitäten die hier angeboten werden und den Verführungen der neuen Medien mit Spielen und Chats oder Messenger noch viel Zeit bleibt, sich mit "Frivolité" zu beschäftigen. - Das ist meine absolute Lieblingsdisziplin in traditionellem palmerischen Kunsthandwerk, allein der Name verpflichtet zum Mitmachen, wenn ich denn nur wüsste, um was es sich dabei handelt. - Natürlich habe ich recherchiert und herausbekommen dass es sich dabei um Schiffchen-Spitze handelt und muss nun gestehen, dass ich jetzt trotzdem, auch mit Übersetzung immer noch keine Ahnung habe was das bedeutet und wie das aussieht. - Macht nichts, Männer sind bei diesen Stricklieseln sowieso nicht gern gesehen, das machen die unter sich aus. - Da wird es Zeit die Gleichstellungsbeauftragten/Innen anzurufen, wir Männer werden brutal daran gehindert, unseren Wunsch nach "Frivolité" zu befriedigen.



Donnerstag 29.05.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1016 hPa Grad

La Palma, endlich Golf-Klasse

Ganz egal, wie man zu diesem äußerst spannenden und gesellschaftlich ausgleichend wirkendem Breitensport steht, jeder muss anerkennen, dass La Palma die ideale Insel ist, gleich vier dieser wunderbaren Naturschutzplätze zu beherbergen. - Endlich hat auch die Provinzregierung diese Notwendigkeit abgesegnet, ein letztes, majestätisches Abwinken reichte aus, um La Palma endlich in die ersehnte Zukunft zu schicken. - Allerdings bleibt ein kleiner und fader Nachgeschmack, man lässt nur vier Golflätze zu anstatt deren fünf, obwohl doch jeder weiß und rät, eigentlich auf dieser kleinen Insel jeder Gemeinde einen dieser Sozialparks zu widmen. - Nur die üblichen Verdächtigen, also Naturschützer, Ökonomen, Taxifahrer, Friseure, Kneipenwirte und das bisschen Volk was dann noch bleibt, stellen sich nach wie vor gegen die visionären Vorhaben des touristischen Sondernutzungsplanes für La Palma, aber dagegen gibt es ja eine firme Achse von Lobbyisten zur Politik und so kann man wichtige und der Insel angepasste Zukunftsbilder basteln.

Weiser und abgeklärter könnte man für diese Insel keine touristische Zukunft planen, weiß und fordert doch schon seit Jahrzehnten "Amnesty International Liechtenstein", Kontinente überspannende und 180 Schlupfloch große Spielwiesen für mindestens Senator-Klasse-Wesen. - Ganz Europa soll sein Handicap bekommen, auf der Arbeitsagentur gibt es inzwischen auch Umschulungen vom Hartz IV Kandidaten zum erfolgreichen Golfer und wenn das aus unbezahlbaren Gründen irgendwie nicht klappt, dann bleibt immer noch der Traumjob als Caddy oder Rasenmähermaschinenführer auf ein Euro Basis in einem der vielen Golfclubs. - Die soziale Komponente darf man eben dabei auch nicht übersehen, gibt es doch keine interessantere Karriere für eine ehemals landwirtschaftlich geprägte Bevölkerung, als sich zukünftig der brodelnden Aufgabe des perfekten Greens hinzugeben. - Auch die möglichen Standorte der Golfplätze sind weise wie geradezu revolutionär gewählt, da fehlt nichts, vom Naturschutzgebiet bis hin zu Nebelbänken und Lagen innerhalb der Schneegrenze, bietet das Golfparadies La Palma in Zukunft wunderbarste Ausgleichflächen für kontrollierte Adrenalinausschüttungen nach den lästigen Untersuchungsausschüssen. - Noch einen grandiosen Vorteil haben diese Anlagen gerade hier auf La Palma, in keiner anderen Region kann man so zielsicher davon ausgehen, dass dem geneigten Nutzer dieser, schöner als die blanke Natur, gestalteten Erholungsflächen, jeglicher Kontakt zur einheimischen Bevölkerung erspart bleibt. - Allerdings arbeiten subversive Kräfte hart an einer inhaltlichen Attacke und selbst die Inselregierung ruft die Bevölkerung dazu auf, sich in Fremdsprachen und Rasenmähen weiterzubilden, um zukünftig auch wirtschaftlichen Anteil an den vier Golfplätzen auf dieser kleinen Insel zu haben. - Arbeitsplätze, so profan umschreibt man das, allerdings muss man schon lernen, wie ehemalige Landwirte, Maurer, Schreiner und vielleicht sogar Taxifahrer mit global orientierten Löhnen ihre Familien in einem Hochlohnland über die 18 Runden des Alltags bringen sollen. - Macht nichts, das ist Nebensache, nun suchen wir nur noch Gewinn orientierte Investoren, welche bei der großen Golf-Hausse auf La Palma mitmachen. - Verlierer gibt es dabei nicht, seit wann kümmern wir uns um die Insel und so lästige Begleiterscheinungen wie Aborigines und deren Bedürfnisse, die so lächerlich profan und absehbar nach normalem Leben stinken. - Also los: Investieren auf La Palma, am besten in Golf, genau darauf haben wir alle gewartet und unser Handicap längst auf der ersten Toilette im Provinzparlament an die Tür genagelt. - Heute ist der Siebold aber wieder böse. - Bei allem gebührenden Respekt und einem Doppel-Bogey, Sie haben keine Ahnung, wie sich das anhört, wenn ich böse bin.



Mittwoch 28.05.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 22,5 Grad - niedrigste Temperatur 17,4 Grad

El Paso möchte nicht mehr auf dem Pulverfass sitzen

Seit 1982 lagert oberhalb El Paso das gesamte Dynamit und anderes Teufelszeug, mit dem man explosive Tätigkeiten ausüben kann. - Gebraucht wird der Sprengstoff hier auf La Palma einzig in der Bautätigkeit, allerdings mit abnehmender Bedeutung, da inzwischen leistungsfähige hydraulische Hämmer und andere moderne Maschinen den Einsatz von Sprengstoff vielerorts unnötig machen. - So setzte man früher Dynamit auch häufig ein um private Sickergruben zu bauen und diese später auch bei Verstopfungen wieder frei zu bekommen. - Da gibt es abenteuerliche Geschichten um dieses Prozedere, wer, wie und warum damals mit diesem Sprengstoff hantiert hat und Gott sei Dank muss man sagen, diese Historie ist vorbei. - Damals, man möchte kaum früher sagen, zweigte man auch immer wieder von Baustellen einige Stangen Sprengstoff ab um damit Fische zu fangen, auch Vergangenheit, obwohl man noch vor, vielleicht drei Jahren im Nordwesten der Insel zwei "Fischer" erwischt hat die so ihren Fang aufbessern wollten, allerdings handelte es sich dabei um hausgemachte Sprengladungen und keine offizielle Fabrikware. - Das wir aber auch von der Bevölkerung inzwischen nicht mehr geduldet, da darf sich niemand mehr sicher sein auf die bereits sprichwörtliche Toleranz und dem Vermögen der Palmeros wegzusehen verlassen.

Dennoch wird Sprengstoff immer mal wieder benötigt, man denke nur an das Vorhaben, dem neuen Cumbre-Tunnel eine zweite Röhre zu spendieren. - Die Lagerstätte bei El Paso, unterhalb des Schlachthofes im "Malpaís de Marta" wird von einer, dafür lizenzierten Firma betrieben, die aber nur unter der Aufsicht der Guardia Civil das Gelände betreten darf, um Sprengstoff einzulagern oder herauszuholen. - In vier verschiedenen, halb unter der Erde liegenden Bunkern lagert der Stoff, Zünder von Ladungen wohl fein getrennt wie man sagt und eigentlich sollte das dort sicher sein. - Da aber das Wort eigentlich auch in Tschernobyl, Bhopal und Enschede gebräuchlich war und ist, möchte nun die Gemeinde das explosive Lager, hier "Polvorín" genannt, am liebsten loswerden und fordert die Inselregierung auf, einen neuen Standort dafür zu suchen. - Einmal handelt es sich bei dem Gelände um ein Stück Landschaftsschutzgebiet auf dem das Pulverlager heute liegt und zudem hat sich die Bebauung durch Anwohner immer näher an das Lager gezogen, so dass der maximale Abstand nur noch einen halben Kilometer beträgt. - Allerdings wird es schwer werden, andere Gemeinden dafür zu begeistern den Sprengstoff bei sich zu lagern, deshalb hat man seitens der Gemeinde El Paso auch nicht ausgeschlossen an einem anderen Fleck im Gemeindegebiet, welcher überhaupt nicht bewohnt wird, diese Anlage erneut zu erstellen. - Mal sehen, ob es gelingt diese Lagerstätte aus der Nähe der Stadt El Paso zu entfernen, denn gesetzlich vorgeschriebene Abstände werden eingehalten und die Mengen welche dort gelagert werden, sind wohl auch nicht sehr groß.



Mittwoch 28.05.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1016 hPa

Aus dem Nähkästchen der Perle Juanita

Sicherlich hat Juanita auch einen anderen Namen, aber wer will das schon so genau wissen. - Unsere Juanita hat zwei kleine Ferienhäuser, die sie sich zusammen mit ihrem Mann vor Jahren bereits ausgebaut hatte, nachdem klar geworden ist, dass die Kinder doch lieber nach dem Studium auf Gran Canaria bleiben, weil La Palma plötzlich so klein geworden ist. - Eine ganz normale Geschichte also für unsere Verhältnisse und fleißige und pfiffige Köpfe hier wissen dann den überbleibenden Wohnraum zu nutzen und machen daraus kleine, aber lieblich gestaltete Ferienhäuser. - Gut sind die deutschen Gäste, die machen kaum was kaputt, ganz anders als die wüsten "Godos" (nicht ganz freundlich für Festlandsspanier) und sowieso als die Engländer. - Gut, Juanita hat noch nie englische Gäste gehabt, aber auch wir leben hier mit Vorurteilen und was man da so von den anderen Inseln hört, das erinnert einen doch gleich wieder an die Zeit der Piraterie und den nie so komplett geschlossenen Frieden zwischen den beiden ehemaligen Weltmächten England und Spanien. - Allerdings sind Juanitas Lieblingsgeschichten doch die lustigen und bisweilen sogar skurrilen Erlebnisse, welche sie als bodenstämmige Palmera so über die vielen Jahre mit den Gästen erlebt hat. - Viele Fragen sind da offen geblieben und manch Erstaunen über die komischen Riten und Vorlieben der Alemanes. - Da ist immer wieder ihre Verwunderung über das Schlafverhalten der deutschen Paare, die sich wohl zwar mal geheiratet haben, aber einfach nicht in den hiesigen Doppelbetten schlafen wollen oder können, sondern immer ganz viel Platz brauchen, am besten jeder ein Bett für sich. - Vielleicht schnarcht er ja, oder sie will ihre Ruhe haben könnte man da einfügen, aber das lässt Juanita nicht als Erklärung gelten: "Mein Alter schnarcht auch, den trete ich dann nachts ein paar Mal, aber in einem anderen Bett schlafen, das geht doch nicht!" - Überhaupt, wo ganz normale Menschen, also Palmeros, abends vor dem Einschlafen in die Glotze gucken oder ausführlich über den Nachbarn herziehen, da lesen die immer noch die Alemanes, bis in die späte Nacht, deshalb hat Juanita auch extra Sessel gekauft und Stehlampen und ist der kompletten Auffassung, die Deutschen wissen alles, eben weil sie so viel lesen.

Allerdings steht das im Widerspruch zu einer weiteren Beobachtung Juanitas, die Deutschen wissen nicht, dass man einen Pullover und eine Jacke anziehen muss wenn es kalt wird, die frieren wohl lieber, laufen weiter in kurzen Hosen rum, jammern dann und rufen nach mehr Heizungen. - "Ich friere doch auch", sagt Juanita immer, "aber dagegen kann man doch was machen und sich ordentlich anziehen!" - Man darf nun ruhig darauf warten, dass Juanita ungeniert ihren Rock bis zu den Knien lupft und triumphierend auf ihre wollenen Strumpfhosen deutet: "So macht man das" lässt sie uns listig wissen "und überhaupt, das ist ungesund wenn es im Haus viel wärmer ist als draußen". Den Hinweis, dass es dort in Mitteleuropa so kalt werden kann, dass Wasser den Aggregatzustand ändert und man deshalb in Deutschland die Häuser alle heizt, den lässt sie nicht gelten sondern setzt noch einen drauf: "Warum frieren die dann hier, die müssten das doch gewohnt sein, die sollen wie Pepe und ich halt zwei Gläser Wein abends trinken und wie ordentliche Leute zusammen in einem Bett schlafen, da kann das mit dem Frieren gar nicht passieren." - Allerdings reicht einfache Lebenshilfe nicht immer aus, um unterschiedliche Standpunkts zu befrieden und vielleicht sollte man mal eine EU-Norm für Kälteempfinden stricken, die möglichst von Finnen und Canarios gleichberechtigt entworfen wird.

Und was die alles brauchen um sich ein Frühstück zu bereiten, das erklärt Juanita auch immer wieder gerne jedem der es noch nicht viermal gehört hat. - "Die essen die Eier aus Bechern die so aussehen wie Schnapsgläser und können nicht von Tellern essen, sondern brauchen für das Frühstück extra Holzbretter." - "Dann braucht man ein extra Messer um das Brot schneiden zu können, eine Schachtel in die man die Butter gibt, eine Kanne in der man den Tee zubereitet und noch einen besonderen Topf in dem man das Wasser heiß macht, der keinen Deckel braucht, weil er eh geschlossen ist und eine lustige Tülle hat über die man das Wasser einfüllt und auch wieder ausgießt." - Juanita streckt dabei die Finger von der einen Hand ab um mitzuzählen, was die alles für ihr Frühstück brauchen und wenn sie dabei alle Finger verbraucht hat, dann fängt sie einfach von vorne an. Die andere Hand braucht sie nämlich zum Gestikulieren, wie denn nun ein Brotkorb auszusehen hätte, ein Milchkännchen, eine Zuckerdose und den absoluten Lieblingsgimmick in Juanitas Erzählungsschwall, die Eierlöffel. - "Da habe ich nun extra diese Schnapsgläser besorgt in die ein Ei reinpasst, so dass es nicht umkippen kann, da wollten die Gäste auch noch Plastiklöffel von mir haben, damit sie das Ei damit essen können." - "Das müsst ihr euch mal vorstellen, schlau wie Lehrer Gonzales und sicher haben die auch so viel Geld wie der Doktor Gomez, aber die Eier wollen sie unbedingt mit Plastiklöffeln essen." - Gut, dass man Weisheit mit allen Löffeln essen kann und weil das mal wieder alles aus der Luft gegriffen ist sollten wir uns doch freuen, dass man Andere mit einem Plastiklöffel glücklich machen kann.



Dienstag 27.05.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 19,8 Grad - niedrigste Temperatur 15,5 Grad

Von Insel zu Insel

Der kanarische "Nationalfeiertag" nähert sich auf lauten Pfoten. - Am 30. Mai feiern wir hier nun seit 25 Jahren den "Día de las Canarias" und damit in allererster Linie uns selbst. - Für die allermeisten bedeutet das allerdings zunächst nichts anderes als ein Feiertag mehr und in diesem Jahr sogar ein wunderbares verlängertes Wochenende. Das kann man dann aber eben auch mal wieder dazu benutzen, um Familie oder Freunde auf den anderen Inseln zu besuchen und schon hat man auch seinen Teil dazu beigetragen, den Sinn und vielleicht sogar Zweck dieses Tages auszufüllen. - Einen ähnlichen Versuch eine gewisse "Kanarität" herzustellen, unternehmen auch 160 Jugendliche, eingeladen und ausgesucht von der Provinzregierung, welche auf einem Schiff in den nächsten Tagen, eben bis zum 30. Mai alle sieben Inseln des Archipels abfahren, um dem Slogan "Canarias tierra única" besondere Aufmerksamkeit zu zollen. - "Die Kanaren, eine einzige Welt" heißt das klingend übersetzt auf Deutsch und gehört mit in die Werbekampagne des "Gobierno de Canarias" um einen Gemeinschaftssinn aller Bewohner der sieben Inseln zu erzeugen oder einfach nur zu unterstützen. - Zusätzlich laufen auch noch andere Programme um den Zusammenhalt der "Kanarischen Nation" zu fördern, unter anderem auch der ambitiöse Plan der "Eje Transinsular de Canarias". - Dieser bedeutet aber auch, dass man auf jeder Insel von jedem Hafen zu jedem Flughafen und auch der Hauptstadt eine Autobahnverbindung baut, ob der Hafen nun überhaupt Schiffe bewegt oder nicht, das spielt(e) dabei keine Rolle. - Jedenfalls formt auch unsere angedachte Autobahn die niemand braucht, Teil dieser "transkanarischen Achse", man kann eben aus jedem positiv klingenden Vorhaben auch Nachteile produzieren.

Keine Frage, dass die Kanarischen Inseln bereits allein aus ihrer geographischen Lage heraus, eine Sonderstellung innerhalb des spanischen Staates darstellen. - Auch keine Frage, dass die Bevölkerung hier auf den Inseln größtenteils iberischer Herkunft ist, die spanische Staatsangehörigkeit stellt auch niemand, der ernsthaft im Leben steht in Frage, aber dennoch spielt Eigenständigkeit eine hervorgehobene Rolle und die ständige Suche nach der eigenen Identität. - Warum das so wichtig ist, wird letztendlich nicht schlüssig erklärt und scheint auch wieder von Insel zu Insel verschieden zu sein. - Nimmt man zum Beispiel die kleinen, hier "periferen" Inseln genannt, so stellt sich die Frage nach der Identität erst gar nicht, die scheint bereits von Gott - oder zumindest vom Horizont gegeben zu sein. Zuerst Palmero aus Santa Tijaravento, Nachbar von Juanita und José, Sohn von Pedro und María, dann kommt lange, sehr lange gar nichts und daneben, aber nicht darüber, erscheinen abwechselnd die Kanarischen Inseln, die Madrider Zentralregierung aber auch Brüssel mit seinen Gaben und Lasten. - So sind die kleinen Inseln von dem Konkurrenzkampf mit Madrid nicht wirklich belastet, wohl aber die beiden Großschiffe unseres Archipels, Tenerife und Gran Canaria, hier nicht nach Bedeutung geordnet, sondern nach Inselgröße. - So verklingt das Lied der "Kanarischen Nation" wohl auf dem Weg zu uns ein bisschen, fast so als sei es ferner Kampfesdonner und wir wundern uns schlicht und ergreifend über manche Aussage regionaler Politiker, welchen die "Kanarität" - und grenzt sie auch schon an Banalität - wie gefrorene Adrenalinperlen aus den Poren quellen. - Natürlich sind wir Canarios, aber das weiß doch jeder und nur wer das wohl irgendwie in Frage stellt, der ist so wankelmütig, das mit einem eigenen Feiertag begehen zu müssen. - Schön ist er trotzdem, der freie Tag...


         



Dienstag 27.05.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1018 hPa

Der Hafen bleibt da

Der große Inselplan, der "PIOLP" (Plan Insular de Ordenación de La Palma) geistert momentan durch alle Rathäuser der Insel und die Techniker wie Ratsherren sind natürlich daran interessiert, alle lokalen Belange dieses Plans zu erkennen und wenn möglich, durch eigene Vorschläge in eine positive Richtung zu lenken. - Dabei darf ich erklären, dieser Plan ist in der Projektphase und noch nicht das Papier, welches irgendwann zur ersten Abstimmung ins Inselparlament kommt. Die Rathäuser aber auch Kollektive sowie jeder Bürger kann im Moment nur Vorschläge (sugerencias) machen und keine Eingaben (alegaciones). - Man ist also noch ein Stück davon entfernt, ein gültiges Papier in der Hand zu haben, mal ganz abgesehen davon, dass die Planungshierarchie nicht ganz ausgereift erscheint. - Noch vor dem endgültigen Inkrafttreten des großen Gesamtplanes, werden die lokalen Flächennutzungspläne der 14 Rathäuser verabschiedet sein, daneben laufen noch 2 große Sonderpläne, wie der touristische- und der Straßensondernutzungsplan, so dass man sich doch etwas verstört fragt, ob man denn das noch im Griff hat mit der Homogenisierung der einzelnen Pläne. - Immerhin müssen in den lokalen Flächennutzungsplänen dieselben Zonen für etwaige Aktivitäten ausgewiesen werden wie im großen Bruderplan und da darf man berechtigte Zweifel haben bei vielen Vorhaben.

Eigentlich kommen so die lokalen und die Sondernutzungspläne zu früh, oder auch der komplette Inselplan zu spät, aber das geht schon fast in Richtung philosophischer Betrachtungen und die haben in solch wichtiger Materie längst schon keinen Platz mehr. - Dabei bleibt natürlich die Planungssicherheit deutlich auf der Strecke, so ganz sicher sein kann man sich so also nicht, ob man nun, wie vielleicht in einem der lokalen Pläne vorgesehen jetzt eine Aktivität beginnen darf, die dann aber später, eben im Inselplan, doch nicht mehr für diese oder jene Zone vorgesehen ist. - Darüber hinaus bleibt wirklich zu bemängeln, dass auch der große Inselplan immer noch von Wachstumsraten bei der Bevölkerung und der wirtschaftlichen Leistung der Insel ausgeht, nicht aber die jüngste demographische Entwicklung und auch die Kostenexplosion bei Kraftstoffen berücksichtiget, welche einschneidende Folgen in der Gesamtentwicklung der Insel haben werden. - Dass Pläne hier zu mächtig geraten, das sind wir allerdings schon gewohnt, zu groß die Angst der Planer sich selbst zu beschränken, allerdings bleiben dabei oft wirkliche Notwendigkeiten außen vor. - Einen überdimensionierten Bildungsplan oder Ärzteüberschuss habe ich noch nicht erlebt. - So sieht der, halt noch in Bearbeitung befindliche Inselplan, auch neue Standorte für den Hauptstadthafen vor, weil dieser über kurz oder lang zu klein werden wird und man so den Frachthafen irgendwo anders hinstellen will. - Abgesehen davon, dass es überhaupt keine Anzeichen dafür gibt, dass der Hafen zu klein geraten ist, darf man einfach mal darauf hinweisen, dass es rein theoretisch bereits einen zweiten Hafen auf La Palma gibt, der gerade noch mal um gute 100 Meter verlängert wird. - Aber der ist ja in Tazacorte, und eigentlich braucht den auch keiner, denn der in Santa Cruz ist ja groß genug und Tazacorte liegt verkehrstechnisch komplett auf der falschen Seite. - Immerhin hat man nun in der Hauptstadt reagiert und sofort beschlossen, dass auch ein zukünftiger Frachthafen sich natürlich ebenso in den Gemeindegrenzen befinden sollte. - Als Standort schlägt man dafür den "Barranco Seco" vor, da kann man zumindest landschaftlich nichts mehr kaputt machen, denn bislang wird dieser Barranco als endgültige Lagerstätte für den gesamten Inselmüll genutzt. - Das ist halt eines der Hauptprobleme, wie bekommt man einen großen Plan in eine kleine Insel gesteckt…



Montag 26.05.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 63 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 21,5 Grad - niedrigste Temperatur 15,7 Grad

Hättste, wennste, wärste

Manche von Ihnen erinnern sich doch sicher noch an den Glykol-Skandal, der so manchen Winzer dazu brachte, seinen dünnen Kretzer mit flüssigem Retortenzucker so weit aufzupolieren, dass da eine Spätlese bei rauskommen sollte. - Abgesehen davon, dass jeder Verbraucher der meint, man könne eine Spätlese für 1,99.- - damals noch Mark - erwerben, gleich das Aldi-Gelübde ablegen sollte, erschütterte dieser Skandal ja damals das Vertrauen in die Hersteller von Lebensmitteln enorm. - Unser Spruch war seinerzeit, falls wieder mal ein verstörter Verbraucher denn nachfragte, ob man es denn feststellen könne, dass der Wein auch in Ordnung sei, fiel wie folgt aus: - "Packen Sie die Flasche in die Tiefkühltruhe, wenn diese dann platzt, dann hätten Sie den Wein trinken können." - Wie komme ich von Frostschutzmittel nun zu den Golfplätzen auf La Palma. Sicher nicht dadurch, dass man in Barlovento, wo auch solch ein Vergnügungspark kapitalistischer Späteinsteiger entstehen sollte, auf Frostschutzmittel wohl nicht verzichten kann, sondern durch den doppelt eingesprungenen Konjunktiv, den man so formulieren kann, wie beim Beispiel mit der nicht platzenden Weinflasche.

So sieht das nämlich nun mit dem Golfplatz im Aridanetal aus, zumindest in der alten Version. - Das Projekt "Aridane-Golf" existiert in den Köpfen der Betreiber wohl schon fast in der zweiten Generation und auch damals gab es bereits Widerstand gegen das Bestreben dort ins Naturschutzgebiet einen Golfplatz zu stellen. - 1987 bereits klagte eine Privatperson gegen dieses Vorhaben und bekam fast 20 Jahre später Recht, der Bescheid oder das Urteil waren schlicht und ergreifend nicht weitergegeben worden und erreichten wohl jetzt erst das Rathaus von Los Llanos. - Wo und warum das so lange gedauert hat, ist im Nachhinein auch gar nicht mehr so wichtig, denn das ursprüngliche Projekt, welches noch größer dimensioniert war als das jetzige Vorhaben, ist ja in der alten Planungsphase nicht erstellt worden und nun zählen ja die neuen "Directrices" und der neue Flächennutzungsplan, so dass man heute von Glück spricht, damals den Golfplatz nicht erstellt zu haben, der wäre nämlich nachträglich als illegal eingestuft. - Nun darf man natürlich fragen, was wäre denn gewesen, wenn man doch bereits unter den alten Plänen die Infrastruktur erstellt hätte und kann auch zu dem Ergebnis kommen, dass die alte Ablehnung doch schon in gewissen Kreisen bekannt war und man deshalb so dringend auf den neuen touristischen Sondernutzungsplan gewartet hat, der nun den Golfplatz wieder machbar ausweisen soll. - Aber auch das sind nur Vermutungen, allerdings hat es auch der neue Golfplatz "Aridane" nicht ganz einfach, denn auch der berührt in Teilen das Naturschutzgebiet "Tamanca" und auch da hat bereits ein Gerichtsurteil bestätigt, dass man davon die Finger lassen muss. - Es bleibt also spannend rund ums Handicap und die angestrebte Rechtssicherheit, nach welcher natürlich interessierte Investoren auf jeden Fall fragen werden, ist wieder nicht gegeben. - Vielleicht hätte man doch schon vor zehn Jahren einfach anfangen sollen, damals wurde auch noch nicht so viel gefragt und der Konjunktiv noch deutlich dehnbarer.



Montag 26.05.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1014 hPa

PIGB

PäIChäPä muss das wohl ausgesprochen werden, wobei die Vokale eine Mischung aus e und ä sein können, da sind die Unterschiede ganz zart und liegen auch schon mal im Ohr des Zuhörers. - Ausgeschrieben meint der "PIGB" nicht "Schwein B" wie der anglophile Leser vielleicht meinen möchte, sondern "Plan Integral de Gestión del Pastoreo." - Übersetzt ist das der Komplettplan für die Verwaltung der Weidewirtschaft und klingt nach ziemlich dröger Materie, allerdings wird diesem Vorhaben gerade durch die jüngsten Preisentwicklungen auf dem Sektor der Tierfuttermittel unerhoffte Mehrbedeutung zuteil. - Grundsätzlich soll ein solcher Plan regeln, wo denn überhaupt Ziegen und Schafe auf dieser Insel weiden können, ohne Schaden in Naturschutzgebieten anzurichten und wie viel Weidefläche diese Insel denn überhaupt braucht. - Das ist insofern interessant, weil große Gebiete La Palmas von der Orographie her nicht nutzbar sind, auch nicht für Kletterziegen und weite Teile mit Naturparks und deren Derivate belegt sind, so dass für die Aktivitäten der Schäferei eigentlich gar nicht so viele Flecken übrig bleiben. - Wenn man es denn so genau nehmen will, denn immer wieder beklagt sich die Nationalparkverwaltung, dass die Schäfer im Norden der Insel ihre Tiere verdächtig nahe an den Park lassen oder sogar hinein.

Nun hat die Schäferei an sich auf La Palma in den letzten Jahrzehnten dramatisch abgenommen, die meisten Ziegenkäseproduzenten schicken ihre Tiere nicht mehr auf "Trebe", sondern bringen das Futter zu ihnen, das ist einfacher und lässt eben dem Tierhalter auch die Möglichkeit das nur als Nebenerwerb zu betreiben. - Dazu kauft man bequem Kraftfutter und andere Leckereien aus den großen Säcken der globalen Futtermittelhersteller und nur ganz wenige Steinzeitnostalgiker behaupten steif und fest, sie würden selbst aus dem später gewonnenen Käse noch den Unterschied herausschmecken, ob die Ziege den Wildfutter zu sich genommen hat oder industrielle Cocktails. - Solch feine Geschmacksnerven hätte ich auch gerne, aber das können wir ja mal für einen launigen Thekenabend mit Blindverkostung von diversen Käsen offen lassen. - Da unsere Schäfer und auch die komplette Landwirtschaft immer unter der schlechten Effizienz der Tier- und Pflanzenproduktion zu leiden hat, weil wir einfach auf ganz kleinen Flächen arbeiten und fast alles per Hand erledigen müssen, sind unsere landwirtschaftlichen Produkte auf dem globalen Markt preislich gesehen nicht konkurrenzfähig. - Wir konzentrieren uns so auf den Binnenmarkt und eine kleine Nischenproduktion für Liebhaber oder Kenner, die eben bereit sind für händisch erzeugte Lebensmittel mehr Geld auszugeben. - Das wird nun allerdings noch knapper, denn die zugekauften Futtermittel sind in den letzten 2 Jahren so dramatisch im Preis angestiegen, dass der Kostenanstieg in der Produktion eigentlich nicht mehr an den Endverbraucher weitergegeben werden kann. - Die einen Landwirte schmeißen nun vielleicht bald hin, andere könnten sind auf eine Tugend konzentrieren, die eben jetzt wieder aus der Not heraus interessant ist, nämlich verstärkt das heimische Futter nutzen und die Ziegen, Schafe und Kühe eher auf Weiden zu halten als im bequemer zu bearbeitenden Stall. - Nun macht der Plan plötzlich wieder Sinn und kommt eigentlich genau zum richtigen Zeitpunkt. Erarbeitet wurde dieser "PIGB" übrigens in enger Zusammenarbeit mit der Universität La Laguna auf Tenerife und soll nun auch dazu dienen, genügend Weideland im großen Inselplan zu fordern, dem "PIOLP", an dem man gerade so schwungvoll bastelt. - Ich kann eigentlich nur hoffen, dass unsere Pläne besser sind als sie klingen und werde das Gefühl nicht los, dass wir dringend auch noch immer einen "PLB" in der Tasche haben sollten, einen Plan B. - Mal sehen, ob wir unseren Kater Paul auch bald wieder auf endemische Mäusekost umstellen können, einfach nur der Solidarität wegen...





Sonntag 25.05.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1011 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 16,5 Grad

Immobilien ohne Tücken

Gibt es denn so etwas überhaupt möchte mancher fragen und in der Tat hört man ja lustiges bis befremdliches aus einer Branche, deren Ruf zumindest teilweise verbesserungsbedürftig ist. - Besonders wenn man im Ausland eine Immobilie erwerben will, stellen sich eben nicht nur die Sprachbarrieren in den Weg des einfachen Grunderwerbs, es gibt auch noch die Tücken und Kanten eines für Außenstehende völlig fremden Rechtssystems. - Keine Angst, ich werde nun nicht umsatteln und Häuser oder Grundstücke verkaufen, ich verstehe so wenig von dem Thema, dass ich mir selbst kein Haus abkaufen würde. - Aber dafür gibt es ja die Spezialisten, das können einmal seriöse Maklerbüros sein, die gibt es wirklich, weiter sind das Rechtsanwälte, die sich mit Immobilienrecht beschäftigen und so bei kniffligen Fragen hinzugezogen werden sollten und Menschen, die sich einfach auskennen und ihr Wissen unentgeltlich mit uns teilen wollen. - So einen haben wir hier gefunden, Michael Wieseler ist gemeinsam mit Igor Petri (Rechtsanwalt in Frankfurt am Main), Autor des Standardwerks"Handbuch des Maklerrechts - für Makler und deren Rechtsberater" (Nomos-Verlagsgesellschaft, Baden-Baden; 1. Auflage: 1998; 709 Seiten). - Aufmerksame Leser dieser Seite werden es bereits entdeckt haben, dass es eine neue Rubrik in dieser Seite gibt mit dem Titel "Immobilien-Recht", in der uns Michael Wieseler zunächst einige haarsträubende Geschichten aus der bunten Welt der Immobilien erzählt und die wichtigsten Regeln im Umgang mit Immobilienkauf auf den Kanaren erläutern wird. - Zwei "Fälle" sind schon im Archiv und heute geht es um "Las Teresitas", einem handfesten Immobilienskandal um einen Strandabschnitt auf Tenerife, der eigentlich auch noch politische Folgen haben müsste. - Auch wenn Sie nun nicht gerade auf dem Weg zum Notar sind und eigentlich überhaupt keine Immobilie kaufen oder verkaufen wollen, es lohnt sich dennoch die "Fälle" zu lesen, sie besitzen sogar Unterhaltungswert, zumindest für unbeteiligte Außenstehende. - Die Reihe Immobilien-Recht wird hier im lockeren Monatsabstand mit neuen Geschichten gefüllt, so lange der Autor Muße genug hat, uns an seinem Wissen teilhaben zu lassen. - HIER geht es zum Archiv der bisher veröffentlichten Anschnitte.

Achtung aber: Individuelle Rechtsberatung wird hier nicht betrieben und kann nicht geleistet werden. Jede entsprechende Anfrage muß und wird erfolglos bleiben. Denn Rechtsberatung ist Sache der hier zugelassenen Anwälte, deren Konsultation im Vorfeld eines Immobilien-Geschäftes unbedingt zu empfehlen ist. Im Zweifel sollte das Konsulat der Bundesrepublik Deutschland, (auf Gran Canaria 928 491880) nach einem geeigneten und erfahrenen Rechtsberater gefragt werden.



Der Fall ‚Las Teresitas'

Eine böse Überraschung
Die Deutsche Lola R. staunte nicht schlecht, als man ihr auf einer Bürgerversammlung anriet, das Grundbuch ihrer Finca einzusehen und zu prüfen, ob sie dort noch als Eigentümerin des Grundstücks eingetragen sei. Die Bürgerversammlung war im Februar 2002 einberufen worden, weil Anwohner der Gemeinde San Andrés (in unmittelbarer Nähe des Teresitas-Strandes auf Tenerife) gegen die gemeindliche Raum-Ordnungs- und Bebauungsplanung vorgehen wollten. Der Bereich des Teresitas-Strandes sollte (und soll nach wie vor) vollkommen umgestaltet und zu einer zona de gran lujo (Luxus-Meile) ausgebaut werden. Und dadurch wären viele Bürger von San Andrés empfindlich betroffen. Lola R. wunderte sich über den Ratschlag zur Grundbuch-Einsicht, weil sie sich nicht im mindesten vorstellen konnte, wie es zu einer Umschreibung des Eigentums an ihrer Finca auf einen Dritten überhaupt gekommen sein könnte. Sie hatte die Liegenschaft weder verkauft noch sonstwie übereignet. Sie hatte also auch keine notarielle Urkunde (escritura pública) unterzeichnet, in der sie eine Eigentums-Umschreibung zugunsten eines Dritten bewilligt hätte. Ein solche escritura wäre aber doch erforderlich gewesen, um beim Grundbuchamt (registro de propiedad) den Antrag auf Eigentums-Umschreibung zu stellen, sagte sie sich. Und über eine erfolgte Umschreibung hätte das Grundbuchamt sie doch benachrichtigen müssen, so wie auch aus Deutschland schließlich gewohnt.
Sie erschrak, als sie mit ihrer eigenen escritura, aufgrund derer seinerzeit sie selbst erworben hatte, beim Grundbuchamt vorsprach und feststellen mußte, daß in das Grundbuchblatt ihrer Finca bereits zwei Jahre zuvor ein anderer Eigentümer eingetragen worden war: Ein Unternehmen namens ‚Inversiones Las Teresitas S.A.' (ILT). Wer, wenn nicht sie selbst, hatte diese Umschreibung in der erforderlichen notariellen Urkunde zugunsten der ILT bewilligt?

Die Einverleibung der Nichtbefragten
Was sich bei ihren Nachforschungen herausstellte, berichtete Lola R. der Redakteurin Michaela Enzmann (‚Teneriffa Nachrichten'), die den Sachverhalt gewissenhaft recherchiert hat.
Bereits im Jahre 1996 war die Umgebung von Las Teresitas - rund eine Million Quadratmeter - auf eine ‚Junta de Compensación del Polígono des Las Teresitas' umgeschrieben worden, die 1964 von 102 Eigentümern des Bereiches, die über 155 Fincas< (Grundbuch-Liegenschaften) verfügten, gegründet worden war. (Unter den Gründern war auch die Gemeinde Santa Cruz.) Aber keineswegs alle Grundstücks-Eigentümer des Bereiches hatten und hätten sich der ‚Junta' angeschlossen, wie Lola R. erklärt. Und sie waren auch weder gefragt noch zu Versammlungen eingeladen noch über deren Beschlüsse unterrichtet worden. Dabei ging es immerhin - wenigstens indirekt - auch um die Grundstücke der Nichtbefragten. Denn die ‚Junta' entwickelte im Laufe der Jahre einen neuen Parzellierungsplan und teilte das Gesamtgebiet in 111 neue Parzellen auf - ungeachtet aller bisherigen Grundstücksgrenzen und Eigentumsverhältnisse. In Versammlungsbeschlüssen wurden diese Planungen verabschiedet. Wenigstens 32 Grundstücke waren davon mitbetroffen, deren Eigentümer von der ‚Junta' nie zu den Plänen gehört worden waren. Diese Grundstücke wurden kurzerhand ‚einverleibt'.
Wie dies gelingen konnte, bleibt nur zu ahnen. Lola R. jedenfalls berichtet vom Protokoll einer Versammlung, zu dem sie erst im Nachhinein Zugang erhalten habe. Darin werde sie mit einer Erklärung zitiert. Anwesend gewesen, so das Protokoll, sei sie auf der Versammlung in Vertretung ihres Vaters (der vorher das Grundstück besessen hatte) und in Begleitung eines namentlich genannten Dritten. Sowohl ihr Vater als auch der namentlich genannte Dritte waren aber zum Zeitpunkt der Versammlung schon verstorben gewesen. Lola R. selbst erklärt, an jener Versammlung nicht teilgenommen zu haben. Das Protokoll müsse somit wenigstens insofern manipuliert worden sein.

Mängel im öffentlich-rechtlichen Verfahren
Die Gemeinde Santa Cruz de Tenerife hatte indes schon im Jahre 1966 die durch die ‚Junta' beschlossene und vorgelegte Neuparzellierung vorläufig gebilligt, ohne den betroffenen Grundstücks-Eigentümern das nach dem Gesetz erforderliche rechtliche Gehör (ordentliches Einspruchsverfahren) zu gewähren; endgültig verabschiedet wurde diese Planung im Jahre 1989, wiederum ohne Gewährung rechtlichen Gehörs zugunsten der Betroffenen. Selbst wenn bei der Gemeinde (kontrafaktisch) der Eindruck bestanden hätte, der Vorschlag der Neuparzellierung sei von der Gemeinschaft sämtlicher betroffener Eigentümer getragen gewesen, so hätte das Einspruchsverfahren formell dennoch durchgeführt werden müssen. So hat es mittlerweile der Verwaltungshof des Obersten Gerichtes der Kanaren (‚Tribunal Superior de Canarias') entschieden. Hätte das Verfahren ordnungsgemäß stattgefunden, so das Gericht weiter, hätten auch die zuvor Nichtbefragten von der Neuplanung der Parzellierung erfahren und hätten dagegen Widerspruch einlegen können.
Warum das ordnungsgemäße Verfahren nicht durchgeführt wurde, damit beschäftigt sich mittlerweile die Staatsanwaltschaft für Korruption.

Umschreibung im Grundbuch
Wie die ‚Junta' im Jahre 1996 als neuer Eigentümer aller 111 Parzellen - unbeschadet mangelnder Willenserklärungen von wenigstens 32 betroffenen Eigentümern - ins Grundbuch gelangt ist, das läßt sich ebenfalls nur vermuten. Die von der Gemeinde genehmigte Umparzellierung konnte von Amts wegen zur Bildung neuer Grundbuchblätter führen. Die Eigentums-Umschreibungen müssen aber jedenfalls in notariellen Urkunden (durch den Erwerber, also die ‚Junta') beantragt und (durch die Veräußerer, also die Eigentümer der vormaligen Parzellen) bewilligt worden sein. Antrag und Bewilligungen hat ein Notariat in Santa Cruz beurkundet - vermutlich nach Vorlage eines Grundstücksverzeichnisses des Bestandes, eines Verzeichnisses der neuen 111 Parzellen, vielleicht der (nachträglich durch das Gericht für nichtig erklärten) Parzellierungsgenehmigung der Gemeinde, einer Liste der in der ‚Junta' zusammengeschlossenen Grundstückseigentümer und dem entsprechenden Protokoll des - wie auch immer zustande gekommenen - Versammlungsbeschlusses, in dem die Eigentümer die Übertragung und Übereignung ihrer Grundstücke an die ‚Junta' bewilligt und (vielleicht gar notariell) für beide Seiten (Veräußerer wie Erwerber) verfügungsberechtige Vertreter benannt hatten, die dann die Urkunde unterzeichneten.
Ob die Liste der ‚Junta'-Mitglieder, die dem Notar als eine wesentliche Grundlage vorgelegt wurde, auch die nichtbefragten und kurzerhand ‚einverleibten' Eigentümer umfaßt hat, ist bislang nicht geklärt; es ist jedoch zu vermuten. Anderenfalls hätte die notarielle Urkunde in der später beim Grundbuchamt eingereichten Form nicht erstellt werden dürfen. (Lola R. berichtet dazu indes, gegen Notar und Grundbuchamt Strafanzeige wegen Urkundenfälschung und Falschbeurkundung im Amt erstattet zu haben - wenn auch ohne Erfolg.)
Jedenfalls wurde die notarielle Urkunde beim registro eingereicht - und die Umschreibung erfolgte, wenn auch - wie die damals davon nichts ahnende Lola R. berichtet - unter nachträglich erklärten ‚gewissen Bedenken' des Grundbuchbeamten. Der aber kann sich letztlich natürlich darauf berufen, einen ordentlichen Antrag mit einem durch die notarielle Urkunde begründeten Rechtstitel erhalten zu haben. Und so konnte er zudem die Bildung der neuen Grundbuchblätter (für die neu geschaffenen 111 Parzellen) und die Eintragung des neuen Eigentümers auch nur verzögern (was er laut Lola R. getan haben soll), nicht aber versagen.
Der Notar wiederum war nach spanischem Recht zu einer umfassenden Prüfung des Sachverhaltes - so wie sie etwa durch das deutsche Beurkundungsgesetz geboten wäre - nicht verpflichtet gewesen: "Der Notar beurkundet das, was wie Parteien bekunden, übernimmt also keine Verantwortlichkeit für den Inhalt des Erklärten." (Löber, 77).
Auch war das Grundbuchamt nach spanischem Recht nicht verpflichtet, die Veräußerer des Eigentumsrechts von der vorgenommenen Rechts-Änderung zu benachrichtigen - ebenfalls anders als nach deutschem Recht. Nur der Erwerber des Rechts erhält nach spanischem Recht eine Änderungsnachricht - und zwar durch Rückgabe der mit dem Eintragungsvermerk versehenen escritura.

Das große Geschäft
1998, zwei Jahre nach der geschilderten Umschreibung der neu gebildeten 111 Parzellen auf die ‚Junta' veräußerte diese das Gesamtvolumen - einschließlich des vormaligen Buch-Eigentums der Nichtbefragten - zu einem Kaufpreis von (umgerechnet) 30 Millionen Euro an das Unternehmen ‚Inversiones Las Teresitas S.A.' (ILT) und bewilligte die Eigentums-Umschreibung aller Parzellen zugunsten der Käuferin, die folgerichtig als neue Eigentümerin eingetragen wurde. So war es gekommen, daß nicht nur Lola R. jenes Unternehmen als neuen Grundbuch-Eigentümer des bis 1996 auf sie eingetragenen Grundstücks vorfinden mußte. Wiederum drei Jahre später (2001) verkaufte ITL einen wesentlichen Teil des Gesamtbestandes - nämlich elf großflächige Parzellen und damit rund 60 Prozent - weiter, und zwar an die Gemeinde Santa Cruz de Tenerife: zu einem Kaufpreis von bereits 52 Millionen.
Die Umwidmung des restlichen Geländes (also der verbliebenen 40 Prozent) von Landwirtschaftsfläche (zona rústica) in Bauland (zona urbana) erfolgte fast zeitgleich und führte zu einem enormen Zuwachs an Wert. 90 Prozent dieses Geländes konnten bereits im Jahre 2005 für 96 Millionen an die Versicherungsgesellschaft ‚Mapfre' veräußert werden. Die übrigen zehn Prozent - darunter das vormalige Buch-Eigentum der Lola R. - verblieben im Bestand der ILT.
Innerhalb von sieben Jahren hatte die ILT aus ihrem Grundstückshandel somit einen Brutto-Gewinn von rund 118 Millionen Euro erzielt (Verkaufspreise in Höhe von insgesamt 148 Millionen minus selbst gezahltem Kaufpreis in Höhe von 30 Millionen). Abzuziehen davon sind zweijährige Kaufpreisfinanzierungszinsen auf jenen selbst gezahlten Kaufpreis. Denn den selbst entrichteten Kaufpreis hatte die ITL keineswegs aus eigenen Mitteln bestritten. Kreditiert worden war er in vollem Umfang von der CajaCanarias, wobei als Kreditsicherung die Pfandrechte am Grundstück für ausreichend erachtet worden waren. Die Spanische Nationalbank (Banco de España) hatte das Darlehen als Kredit mit hohem Risiko eingestuft. Dennoch war er zügig gewährt worden. Im Verwaltungsrat der Bank, der über die Vergabe entscheidet, hatte Miguel Zerolo gesessen, der Bürgermeister von Santa Cruz de Tenerife, außerdem ein Unternehmer namens Ignacio González, an der ITL selbst beteiligt.

Der Skandal
Spekulativer Grundstückshandel ist weder unüblich noch verboten. Rechtlich äußerst problematisch wird er, wenn sein Erfolg auf der Verwertung sogenannten Insider-Wissens oder auf einem öffentlichrechtlich-privatwirtschaftlichen Zusammenwirken zum Zwecke des Herbeiführens von Wertsteigerung beruht - letzteres etwa durch Umwidmung von (unbebaubarer) Landwirtschaftsfläche (rústica) in Bauland (urbana). Miguel Zerolo, Bürgermeister von Santa Cruz, wird gewußt haben, daß die Kaufpreisfinanzierung an die ILT sehr viel weniger riskant war, als es die Nationalbank befürchtete. Denn er wird gewußt haben, daß die Gemeinde Santa Cruz das Filetstück der Gesamtfläche - die Teresitas-Parzellen - würde erwerben wollen. Er wird gewußt haben, daß durch den Kaufpreis, den die Gemeinde zahlen würde, die von der CajaCanarias an die ITL gewährte Kreditierung kurzfristig mehr als getilgt sein würde. Und er wird gewußt haben, daß die Umwidmung der Restfläche von Landwirtschaftsfläche in Bauland machbar sein würde. - Möglicherweise hat es da gar einen Handel gegeben: Im Gegenzug zur Umwidmung des Restes sollte die Gemeinde Santa Cruz das Filetstück besonders günstig erwerben können. Immerhin zahlte sie für bereits ausgewiesenes Bauland im Teresitas-Bereich (600.000 Quadratmeter zu 52 Millionen) gerade einmal einen Quadratmeterpreis von rund 87 Euro. Die Versicherungsgesellschaft ‚Mapfre' mußte später bereits 266 Euro pro Quadratmeter zahlen (rund 360.000 Quadratmeter zum Kaufpreis von 96 Millionen) - also fast das Neunfache des Betrages, zu dem die ILT die Gesamtfläche angekauft hatte. Vorstehende Überlegungen beschäftigen ebenfalls längst die Staatsanwaltschaft für Korruptionsfälle - genauso wie die Frage, welche ‚Provisionen' und ‚Zuwendungen' aus der Summe der Verdreifachung des Quadratmeterpreises, die zwischen dem Kauf durch die ILT (30 Euro pro Quadratmeter) und dem Weiterverkauf an die Gemeinde Santa Cruz (erwähnte 87 Euro pro Quadratmeter) an welche Beteiligten geflossen sein könnten. - Die Medien beschäftigen sich ausführlich mit alledem: nahezu täglich.

Verwaltungsrecht contra Zivilrecht
Der Hof für Verwaltungssachen (‚Sala de lo contecioso-administrativo') beim Obersten Gericht der Kanaren (‚Tribunal Supremo de Canarias') hat das Vorgehen der Gemeinde Santa Cruz bei der Genehmigung der durch die ‚Junta de Compensación' vorgeschlagenen Neuparzellierung im Juli 2007 verworfen und für null und nichtig erklärt - und zwar von Anfang an (ex tunc, wie die Juristen sagen; d.h.: rechtskräftig niemals, nicht einmal übergangsweise bis zur späteren Nichtigkeits-Feststellung durch das Gericht). Die Neubildung der 111 Grundbuchblätter wäre damit ohne Rechtsgrund erfolgt und ebenfalls nichtig ex tunc. Nach dem Urteil des Verwaltungsgerichtes wäre sie rückgängig zu machen. Dem Urteil wäre damit Genüge getan.
Zu einer Wiedereinsetzung der ursprünglichen Buch-Eigentümer in den vorherigen Stand führte dies allerdings nicht unmittelbar. Auch bei Rückbildung der Grundbuch-Struktur auf den Stand von 1989 (ursprüngliche Parzellen) behielten die mittlerweile eingetragenen Eigentümer ihre Eigentumsrechte. Diejenigen, die der ‚Junta' ihre Grundstücke wirksam übereignet hatten, hätten ohnehin keinen erkennbaren Anspruch auf Wiedereinsetzung. Die ‚einverleibten' Nichtbefragten müßten auf Wiederherstellung des vorherigen Zustandes erst einmal klagen - und zwar nicht verwaltungsrechtlich, sondern im Wege eines langwierigen und kostspieligen Zivilverfahrens, bei dem erhebliche Kosten-Vorschüsse zu leisten wären. Dieses Geld habe sie nicht, erklärt Lola R.
Das Sachenrecht - also das Recht des Eigentums und des Eigentums-Erwerbs - gehört nämlich in den Bereich des Zivilrechts. Eine ordnungsgemäß erfolgte Eigentums-Umschreibung - und sei sie auch rechtsgrundlos oder rechtswidrig erfolgt - läßt sich somit auf dem Verwaltungswege nicht aufheben, es sei denn, die Verwaltung (in diesem Fall das Grundbuchamt) hätte formelle oder materielle Rechtsverstöße beim Umschreibungsverfahren begangen. Dies aber ist bislang weder so ausgeurteilt noch so zu erkennen. In den erwähnten beiden Urteilen konnte die Eigentumsfrage - weil Urteile aus dem Verwaltungs- und nicht aus dem Zivilverfahren - mithin nicht in Betracht kommen oder gar entschieden werden.

Gutgläubiger Erwerb
Für die wenigstens 32 Nichtbefragten und ‚Einverleibten' stellt sich die Lage indes wenig hoffnungsvoll dar. Denn zwar mögen sie durch die ‚Junta' unrechtmäßig um ihr Buch-Eigentum gebracht worden sein. Aber eine Rückabwicklung dürfte sich äußerst schwierig gestalten, wenn denn überhaupt möglich sein. Der Zweiterwerber (ILT) und mehr noch die Dritterwerber (Gemeinde Santa Cruz und ‚Mapfre') können sich nämlich darauf berufen, gemäß Grundbuchstand und damit in gutem Glauben (de buena fé) erworben zu haben: Auf welche Art und Weise die ‚Junta' das Gesamtgrundstück in ihre Verfügung bekommen hatte, das müssen und werden sie kaum gewußt haben. Und: "Wer gutgläubig von einem im Grundbuch Eingetragenen ein Recht erwirbt und seinerseits eingetragen wird, dem steht dieses Recht zu, auch wenn der Eingetragene nicht Rechtsinhaber war oder das Geschäft, auf dem sein Recht beruhte, rückwirkend beseitigt wurde. Die Gutgläubigkeit des Erwerbers wird vermutet; angebliche Rechtsinhaber müssen beweisen, daß der Erwerber die Unrichtigkeit des Grundbuchs kannte." (Löber, 45; Hervorhebung vom Verfasser) Ein solcher Beweis, wie ihn der Artikel 34 des spanischen Hypothekengesetzes (Ley Hipotecaria, abgekürzt: LH) fordert, dürfte bereits im Fall des Zweiterwerbes (ILT) schwer zu erbringen sein. Wie mehr noch die Dritterwerber (Gemeinde Santa Cruz und ‚Mapfre') ist der Zweiterwerber vor den Ansprüchen selbst entrechteter vormaliger Buch-Eigentümer aufgrund des nach spanischem Recht herrschenden Prinzips des Gutglaubensschutzes des Erwerbers weitestgehend sicher.

Schadensersatz
Die wenigstens 32 entrechteten vormaligen Buch-Eigentümer, unter ihnen Lola R., sind von der ‚Junta' geschädigt worden. Gegen sie haben sie rechtliche Ansprüche - auf Ersatz des erlittenen Schadens. In den wenigstens 32 Fällen handelt es sich vor allem um unbebaute Grundstücke (weil vormals Landwirtschaftsfläche). Doch nach der Umwidmung ist der Wert dieser Grundstücke deutlich gestiegen. Zu klagen gegen die ‚Junta' wäre zumindest in Höhe des beim letzten Verkauf (‚Mapfre') erzielten Quadratmeterpreises. Ob ein entsprechendes Urteil in das Vermögen der Beklagten noch zu vollstecken wäre, ist allerdings vollkommen unklar.
Aufgrund der beiden Urteile des Verwaltungshofes wäre auch eine - wenn auch komplizierte - Klage auf Schadensersatz gegen die Gemeinde Santa Cruz de Tenerife vorstellbar. Hier immerhin wäre die Möglichkeit einer Vollstreckung in das Vermögen zweifellos gegeben. Ansprüche gegen den Zweit- und die Dritterwerber sind nicht zu erkennen.

Lehren daraus
Dem Grundbuch (oder Eigentumsregister: registro de propiedad) kommt in Spanien ebenso viel Bedeutung zu wie in Deutschland. Die Systematik der spanischen Grundbuchstruktur führt aber nicht selten dazu, daß Rechtsschein (Eintragung) und Rechtswirklichkeit (tatsächliche Eigentumsverhältnisse) auseinanderfallen. Vielmehr kann - wie beschrieben - der Rechtsschein mit dramatischen Folgen zur Rechtswirklichkeit werden. Denn das in Spanien herrschende Prinzip des Gutglaubensschutzes des Erwerbers sichert bei Verfügung des Eingetragenen einen gutgläubigen Erwerber vor jeglichem Anspruch, der außerhalb des Grundbuches entstanden sein oder zuvor bestanden haben mag.
Aus Deutschland ist man dies anders gewohnt: In Liegenschaftssachen ist der Eintrag ins Grundbuch für den Eigentumserwerb von konstitutivem Charakter - d.h.: Das Eigentum (und die Verfügungsberechtigung) entsteht erst mit dem Eintrag. In Spanien dagegen findet eine Übertragung von Rechten an Liegenschaften - insbesondere auch Eigentumsrechten - in wirksamer Weise außerhalb des Grundbuchs statt. Die Eintragung hat lediglich deklaratorischen Charakter. Aber die Rechtsfolgen einer fehlerhaften Eintragung können wegen des skizzierten Gutglaubensschutzes enteignungsgleich ausfallen. Wer also eine Liegenschaft erwirbt oder erworben hat, sollte den Grundbuchstand im Blick behalten und sich zumindest jährlich einen Grundbuch-Auszug (nota simple informativa) besorgen.
Denn der Veräußerer eines Rechtes erhält auf erfolgte Umschreibung oder Rechs-Eintragung von Amts wegen keinerlei Hinweis. Nur der Erwerber des Rechtes erhält Nachricht. Allein so ist der Erfolg einer neuen - von viel krimineller Energie getragenen - Masche erklärlich, bei der notarielle Urkunden (escrituras públicas) kunstvoll gefälscht und bei den Grundbuchämtern eingereicht werden, um die darin bezeichneten und umgeschriebenen Liegenschaften dann rasch an Gutgläubige zu veräußern: Wenn die Betroffenen es bemerken, ist es meistens zu spät.

mjw




Sonntag 25.05.08 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1013 hPa

Das Kreuz mit dem Kreuz

Das Kreuz als verbindendes Symbol für die Christengemeinschaft spielt besonders im Monat Mai auf La Palma eine hervorragende Rolle. - Kein Ortsteil ohne Kreuzstation und im Wonnemonat Mai werden diese allesamt auf Vorderkreuz gebracht und anschließend vom klerikalen Tross, bestehend aus Pfarrer und der üblichen weltlichen Heerschar besucht, gesegnet und für gut befunden, das Ganze untermalt mit lautem Böllergeknall, um jedem frommen Anwohner, aber auch dem ganzen Aridanetal Kund zu tun, dieses Kreuz hat seine Prüfung bestanden und darf ein weiteres Jahr mehr oder weniger beachtet am Wegesrand stehen. - Aber nicht alle Kreuze kehren wieder an ihren Platz zurück, nachdem die dafür verantwortliche Nachbarschaft sich daran gemacht hat, das Kreuz entsprechend zu schmücken. - So zumindest wird das nun aus Los Llanos berichtet, das ist ja fast schon eine Großstadt und so kann man denen ja wirklich alles zutrauen. - Genauer definiert geht es um das Kreuz auf der "Montaña La Rosa", einem der Vulkanhügelchen südwestlich der Aridanemetropole.

Dieses Kreuz hat bereits Geschichte und die Anwohner mehrerer Ortsteile besuchen und verehren dieses Kreuz, wobei die wirkliche Verantwortung wohl im Stadtteil La Rosa zu suchen ist, zumindest haben sich die Anwohner dieses "Barrios", wie wir sagen, immer um das Schmücken und den einwandfreien technischen Zustand des christlichen Glaubenswerkzeuges gekümmert. - So auch dieses Jahr, man holte das Kreuz vom "Berg", um es angemessen zu schmücken, allerdings kehrte es nicht an seinen ursprünglichen Platz zurück, denn die Bewohner der Siedlung La Rosa hatten beschlossen das Kreuz im Viertel zu belassen, den alten Leuten sei es nicht zuzumuten immer auf den Berg zu steigen wenn sie dem Kreuz huldigen wollen und schließlich sei es das Kreuz von La Rosa und niemand anders könne da mitreden. - Mitreden können andere aber doch, und nun ist eine beachtliche Protestwelle gegen die Eigenmacht der "La Rosianer" entstanden, Bürger anderer Stadtteile fordern per knallharter Unterschriftenliste die sofortige Herausgabe des Kreuzes, damit dieses wieder auf den Hügel gebracht wird. - Man wandte sich sogar an das Rathaus, aber da hat man schnell mitbekommen dass man sich nur wunde Finger holt wenn man in einem solchen Konflikt versucht zu schlichten, die Anwohner sollen das mal unter sich ausmachen, das sei kein Thema für die Gemeinde. - Nun ist ein guter Mediator gefragt, einer mit einem starken Kreuz, denn wenn es um Symbolik geht, dann versteht der Gläubige plötzlich keinen Spaß mehr und plötzlich taugt das eigentlich verbindende Kreuz auch zur Ursache handfester Auseinandersetzungen. - Wenn da jetzt beichten helfen würde... oder das Wort zum Sonntag.



Samstag 24.05.08 - 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 22,2 Grad - niedrigste Temperatur 16,2 Grad

Schweig still oder geh!

Es gibt Tage im Jahr, da zweifle ich massiv an Toleranz und Solidarität innerhalb unseres Familienverbundes. - Ob es was damit zu tun hat, dass mir, als männlichem Wesen, drei Frauen und ein Halbkater gegenüberstehen und wir somit in die bunte und unendliche Welt der geschlechtsspezifischen Unterschiede eintreten, glaube ich nicht, so was ist mir deutlich zu banal. - Die Gründe dafür liegen sicher tiefer und sind nicht mit einem solch "Kleinen Unterschied" zu begründen, das lehne ich deutlich ab. Derartig reduziert zu werden grenzt bereits an Geschlechterkampf und an die Zeiten als Alice Schwarzer noch ein Messer unter dem Rock trug. - Schlecht gewähltes Bild, denn die trug ja damals keine Röcke, denn in jener Zeit ging es ja noch darum, wer im Haus die Hosen anhat. - Alles alte und längst überholte Vorstellungen und wer daran noch nagt oder gar Verhaltensmuster strickt, für den hat die Vorsehung auch eine Strafe gebastelt, der muss sich Alice Schwarzer als Starschnitt übers Bett hängen. - Bei uns in der Familie sind alle gleich berechtigt, manche gleicher als die anderen und ich bin an manchen Tagen dazu berechtigt aus dem Haus zu gehen. - Das dürfen Sie jetzt nicht so auffassen, dass ich nur an manchen Tagen Ausgang hätte, nein, ich darf gehen wann immer ich will, um mit meinen Freunden in der Kneipe so essentielle Dinge zu diskutieren wie die Preisentwicklung von Cocktail-Tomaten auf den internationalen Warenterminbörsen. - Allerdings gibt es eben Tage im Jahr da muss ich aus dem Haus gehen, berechtigt, gleich und schnell. - Man gibt mir dann noch 2 Euro fuffzich mit auf den Weg und erklärt mir etwa die Uhrzeit an der ich wieder devot an der Tür kratzen kann. - Gut, manchmal nehme ich auch einen Schlüssel mit, der mir laut Gleichstellungskommission bereits seit Jahren zusteht, aber so ganz gerne sehen das meine Frauen nicht, da droht zuviel Eigeninitiative, wenn ich den Zeitpunkt meiner Rückkehr selbst bestimmen kann. - Auch wieder missverständlich, man könnte nun meinen, ich solle nicht so spät wiederkommen, aber darum geht es nicht, es könnte passieren dass ich zu früh wieder vor der Haustüre stehe und es gibt Momente im Leben meiner Frau, da stört es nur, wenn ich zu früh komme. - Nach Hause!

Ich will jetzt nicht mehr zu weit ausholen, denn bald schon muss ich los, in die Einsamkeit und grobe Wüste Downtown El Paso, wo man nach Einbruch der Dunkelheit eine gute Erklärung haben muss noch nüchtern angetroffen zu werden - und ich habe eine! - Heute Abend findet zum johlenden Vergnügen meiner drei Frauen und meines, nur schmeichelhaft als Kater zu bezeichnendes felines Haustier dieser europäische Liederwettbewerb statt, in dem auch asiatische Länder teilnehmen. - Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne hieß das mal, nun aber up- oder downgegradet zum Eurovision Song Contest, weil es kaum noch Schreiber bei den Programmzeitschriften gibt, welche die französische Version richtig schreiben können und schon gar keine Moderatoren mehr, die das auch fehlerfrei über die Lippen bringen. - L' Allemagne deux points, Sie wissen schon, da wo die Sangeszombies aller Länder und Regionen, welche nur annähernd ein Mikrofon halten können auftreten dürfen, um danach mit einem Punktesystem abgestraft zu werden ,welches noch unverständlicher ist, als es die Länderpunkte bei "Tutti-Frutti" mal waren. - "Du darfst das alles nicht so ernst nehmen, das ist doch einfach nur Spaß" haben meine Frauen anfänglich noch versucht mich zu überzeugen, damals, als ich noch zu Hause bleiben durfte, wenn solche Sendungen mein Haus (OK, unser Haus) erreichten.

Den Spaßfaktor dabei konnte ich nie wirklich erkennen, wohl aber optische wie akustische Umweltverschmutzung und um jetzt mal wieder mit der Toleranzklausel anzufangen. Ich durfte dabei nicht mal sprechen, sondern musste meinen Mund halten, wurde reduziert zu einem willfährigen Häppchenholer, der in Sangespausen, also gerade wenn wieder Frieden in mich einkehren wollte, mit einem Schürzchen bekleidet in die Küche geschickt wurde, um noch einen Käseigel zu holen oder eine weitere Tüte Erdnussflips. - Allerdings warf man mir fehlende Toleranz vor, meine Kommentare oder Fragen zu den einzelnen Darbietungen seien abfällig, ignorant, engstirnig, humorlos und auf jeden Fall störend. - Wenn ich also weitere Abende im Schoß der Familie verbringen möchte, welche durch die nette Unterhaltung mit europäischen Sangesschwuchteln untermalt wird, dann müsse ich den Mund halten, oder gehen. - Dan Mund halten, das kann ich nicht, das haben Sie sicher auch schon mitbekommen, also muss ich hinaus in die kalte Welt der einsamen Contest-Opfer. - Gegen 23:00 Uhr darf ich zurück und ich habe versprochen, dass ich wirklich nicht früher komme, aber nur gegen die geschworene Zusage, dass ich mir danach nicht auch noch anhören muss, welche der nationalen Sangesschanden denn nun die verbogene Stimmgabel gewonnen hat. - Nie werde ich meinen Frauen von diesen wunderbaren Abenden berichten, die wir, die vielen Ausgeschlossenen an diesem Abend in den Kneipen verbringen, denn ich bin ganz und gar nicht der Einzige, der heute Abend aus dem Haus gewiesen wird um für Ruhe, Frieden und Eintracht in der Familie zu garantieren. - Helden sitzen da heute Abend am Tresen, die wirklichen Helden dieser schweren Tage die sich unaufhörlich auf die Schultern klopfen bis es weh tut und kein Wirt wird es wagen, das falsche Programm an diesem Abend auf dem großen Flachbildschirm, der inzwischen Grundausstattung jeder ordentlichen palmerischen Kneipe ist, zu wählen. - Heute Abend bin ein Held und wenn ich es hinbekomme, dann morgen Früh beim ersten Kaffee nicht so aufmüpfig zu grinsen, dann darf ich vielleicht beim nächsten "Wetten Dass" mit dem blondgelockten Staubsaugervertreter mal mit meiner Familie gucken und vielleicht auch ab und zu was sagen.



Samstag 24.05.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 80 % Luftdruck 1017 hPa

Wenn man das Wasser nicht mehr halten kann

Einer der wenigen Reichtümer dieser Insel ist zweifelsohne das Wasser. - Ohne Wasser kein Leben und keine Bäume, kein Grün, keine Bananen und auch kein La Palma. So einfach ist das. - Der überwiegende Teil unserer Wasservorräte hat sich im Inneren der Insel gesammelt, in den unzähligen Kavernen welche das poröse Lavagestein gebildet hat. Mehr noch als vom Regen werden diese unterirdischen Reserven aus der ständig anbrandenden Feuchtigkeit der Passatwolken gespeist, die von den langen Nadeln der kanarischen Kiefer dann zu Wassertropfen kondensiert in die Erde sickern. - Für uns wird das Wasser aber erst brauchbar wenn man es dem Boden wieder entlockt und dazu bohrt man lange, oder wenn es gut geht auch mal kurze Stollen in die Erde und schon quillt das feuchte Lebenselixier hervor. - Nun muss man das Wasser allerdings noch sammeln und über lange Leitungen dahin schicken wo der Landmann es auf seine Früchte gibt und dazu braucht man Speicherbecken und auch um die Differenz auszugleichen, die es zwischen dem regenreichen Winter und dem trockenen Sommer gibt.

So gilt es im Winter Wasser zu horten, um dann im Sommer nicht in Schwierigkeiten zu kommen, wenn die Gießintervalle auf den Bananenplantagen immer enger werden. - Dazu hat man auf La Palma enorme Wasserspeicher errichtet, die in einem komplexen System miteinander verbunden sind, um jeden Moment genügend Wasser zur Verfügung zu haben. Das klappt meist hervorragend und in den letzten Jahren hat man durch die Verbesserung dieses System und Veränderungen in den Gießmethoden der Landwirte reichlich Wasser einsparen können, ohne die Anbaufläche von landwirtschaftlichen Produkten zu beschneiden. - Die Wasserspeicher werden aus Beton gegossen und darauf eine Folie aufgebracht, die verhindern soll, dass das kostbare Nass entfleucht. - Das funktioniert bestens und dennoch gibt es immer mal wieder Havarien, meist aber nicht durch Löcher in der Folie wie man vielleicht annehmen würde, sondern fast immer an Auslässen, welche wohl die Schwachstelle dieser Konstruktionen sind. - Vor drei Jahren musste man deshalb das größte Speicherbecken der Kanarischen Inseln aufwendig reparieren, die "La Laguna de Barlovento" und eben auch das komplette Becken dazu entleeren, weil die Ablassleitungen nicht wie bei der Katholischen Kirche ganz oben angebracht sind, sondern auf dem Grund der Becken. - Nun hat es unseren neuesten Wasserspeicher auch erwischt, aus dem erst ein Jahr alten Bassin "Bediesta" musste man die komplette Menge von 300.000 "pipas" entleeren, weil ein immer größer werdendes Leck geflickt werden muss. - Eine "pipa", das sind 480 Liter und mit diesem Maß wird hier auf La Palma die Wassermenge bestimmt. Das Wort "pipa" stammt aus dem englischen "pipe" und war eine übliche Fassgröße und wurde halt irgendwann hier auf La Palma dann das geltende Hohlmaß für Flüssigkeiten. - Gut, man darf auch in Liter rechnen, aber daran erkennt man dann die fremde Herkunft, denn ethnisch korrekt kann es hier auf La Palma nur "pipa" heißen.



Freitag 23.05.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 20,8 Grad - niedrigste Temperatur 17,0 Grad

Geplante Zukunft

Man hat uns ja oft vorgeworfen ziemlich planlos unsere Zukunft anzugehen. - Vielleicht liegt es auch ein bisschen daran, dass wir in letzter Zeit mit einer Flut an Plänen überzogen werden, die allesamt als Wunderpapiere vorgestellt werden. - Was auch neu ist und vielleicht sogar der noch wichtigere Faktor, diese Pläne werden inzwischen öffentlich diskutiert und sind zum großen Teil sogar für die Bevölkerung einsehbar, ein bislang ganz und gar nicht übliches Prozedere also. - Allerdings bleibt die berühmte Bürgerbeteiligung nicht nur auf der Strecke ganz einfach weil kein auch noch so interessierter Laie diese Pläne wirklich komplett begreifen kann und man wohl Anregungen der Bürger und Verbände einholt, diese aber dann eh nicht aufgreift oder als negativ beantwortet zurücksendet. - So hat der ganze Kampf gegen den völlig überzogenen und für La Palma gar gefährlichen touristischen Sondernutzungsplan, kurz "PTE" (Plan Territorial Especial de Ordenación de la Actividad Turística de la isla de La Palma) genannt nichts genutzt, die vielen tausend Unterschriften gegen dieses Projekt wurden von Instanz zu Instanz weiter geschoben, bis sie einfach den kapitalen politischen Tod durch Aussitzen erlitten haben. - Bis auf wenige Auflagen, welche bei manchen Hotelprojekten eine Koppelung zu einer bestimmten begleitenden touristischen Infrastruktur fordern, meist im sportlichen- oder Wellnessbereich liegend, geht der "PTE" wohl auch noch durch die letzte Instanz, nämlich durch das kanarische Regionalparlament und danach wäre La Palma frei zum Abschuss durch Großprojekte welche mit der Exklusivität und der Unverwechselbarkeit mit dieser Insel endgültig Schluss machen würde. - Bedenkt man, dass dieser Plan uns touristisch in Konkurrenz zu den meisten anderen Angeboten rund ums Mittelmeer stürzt, dann kann einem Angst und Bange werden, noch mehr Hotels, Yachthäfen und Golfplätze braucht man nun wirklich nicht und bedenkt auch in keiner Weise die Entwicklung der Energiekosten auf dem Weltmarkt, welche den Massentourismus zukünftig noch stärker in Billigregionen der Welt verschicken wird.

Den "PTE" muss man also wohl als "gegessen" betrachten und kann nur hoffen, dass die Investoren selbst uns vor der Massifizierung schützen, in dem sie einsehen, dass auf La Palma auf diese Art und Weise kein Geld zu verdienen ist, sondern man dieser Insel lediglich konkrete Zukunftschancen in Hinsicht auf einen effizienten wie schonenden Tourismus beraubt. - Selbst wenn man die deutlich negativen Folgen für die fragile Umwelt unserer kleinen Insel nicht betrachtet, die durch den Bau von Golfplätzen und weiteren Hotels und begleitenden Infrastrukturmaßnahmen beiseite lässt, auch ganz ökonomisch gesehen ist die Hinwendung zum konventionellen Tourismus eine höchst gefährliche Angelegenheit. - Für dieses Angebot gibt es bereits in ähnlicher Entfernung und auch bereits näher an den Ländern aus welchen die meisten Gäste kommen, ein deutliches Überangebot und damit eine offene Preisschlacht, die vor Jahren mit dem Gewerbekiller "All Inklusive" bereits einen katastrophalen Tiefpunkt erreicht hat. - So muss eine Region immer mehr Gäste durchschleusen, um auf eine ähnliche Rendite zu kommen als vorher, da pro Gast immer weniger in dem besuchten Land oder der Zone bleibt. - Die Hoteliers werden von den Reiseveranstaltern vor die Wahl gesetzt, entweder dieses, für eine Region erniedrigendes Tourismusangebot mitzumachen, oder die Auslastung sinkt dramatisch. - Das wiederum hat zur Folge, dass sowohl der Hotelier, wie später dann die gesamte Region ihren Service herunterfahren muss, um noch kostendeckend arbeiten zu können und die Arbeitsplätze selbst werden zunehmend von Immigranten besetzt, die für deutlich weniger arbeiten können oder müssen, als die lokale Bevölkerung. - Wer das anzweifelt, der muss sich nur mal in Fuerteventura umsehen und begleitend dazu die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen betrachten, das steht da so geschrieben.

In diese, so offensichtliche Entwicklung hinein, welche durch die explodierenden Treibstoffpreise noch deutlich schneller kritisch wird, eine weitere Region in einem Hochlohnland, welches wir nun einmal sind, zu einem weiteren Ziel des wankelmütigen "Pakettourismus" umzuformen ist nur wohlwollend noch als fahrlässig zu betiteln. - Zumal La Palma alle Voraussetzungen mitbringt ein alternatives Ziel darzustellen, eben für genau den Touristen der sämtliche Menschenströme meidet und keine austauschbare touristische Fertigpackung will, die überall schreiend und für wenig Geld angeboten wird. - Den Mut Nischen zu belegen, den haben wir wohl in den Zeiten des geschenkten und geborgten Aufschwungs völlig verloren und hetzen Besucherzahlen und Auslastungsquoten hinterher, die wir zum Teil mit Subventionen aus öffentlichen Geldern forcieren, anstatt mal klar zu kalkulieren, was unter dem Strich aus welchem touristischen Modell denn netto auf der Insel bleibt. - Da ist weniger, oft deutlich mehr und ganz klar setzt sich hier der Individualtourist deutlich vor seinem pauschalen Kollegen durch, der sein Budget zum großen Teil bereits im Ursprungsland los wird und davon nur noch "gefilterte" Teile in der Region ankommen. - Der Individualreisende hingegen bezahlt nur den Flug auswärts und den kompletten Rest seiner Urlaubskasse in der besuchten Region selbst, wovon hier auf La Palma in den mittleren Zonen der Insel reichlich Gewerbebetriebe wie Restaurants, Autovermietungen und Läden ihr Dasein fristen. - Von Pauschalurlaubern und da vor allem von den Gästen welche "All inklusive" gebucht haben, hat die lokale Wirtschaft herzlich wenig. - Dabei ist auf La Palma die Struktur des ländlichen Tourismus bereits vorhanden und muss nicht erst noch ausgebaut werden und mit ein bisschen Werbung und vielleicht sogar Förderung seitens der Inselregierung könnte man da noch hervorragend daran feilen, sehr zum Vorteil der Einkommenssituation der lokalen Bevölkerung. - Allerdings scheint das vielleicht zu einfach zu klingen, oder nicht pompös genug um den viel zu großen Schuhen zu imponieren, die wir uns vor ein paar Jahren angezogen haben.



Freitag 23.05.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1019 hPa Grad

Phantasievolle Straßenverkehrsordnung

Ich will ja nicht gleich wieder von kulturellen Unterschieden sprechen, aber gewöhnungsbedürftig scheint für viele Menschen mitteleuropäischen Ursprungs unsere endemische Auffassung von reibungslosem Straßenverkehr schon zu sein. - Fangen wir mal höflich an und betrachten ein ganz wichtiges Instrument in unserem Fahrzeug, welches in Mitteleuropa auch Hupe oder Signalhorn genannt wird. - Dieses dient hier, einzig und allein zum freundlichen Gruß untereinander, oder als Ankündigung für die komplette Nachbarschaft wenn der Fischwagen kommt oder der Brotlieferant. Mitten drin wird die Hupe allerdings auch schon mal benutzt um den Weg frei zu machen, dann aber nur gegenüber Fremden oder Autos die man nicht kennt, sehr häufig angewandt im Sommer, wenn die Halbinsulaner vom spanischen Festland kommen und immer alle drei Meter anhalten um wieder jemanden zu fragen, auf welcher Insel sie denn nun eigentlich seien und wo denn bitte das Meer ist. - Also wenn man Sie anhupt, dann stehen Sie entweder mit Ihrem Auto sehr ungünstig, oder man will Sie freundlich grüßen. - Zurückhupen ist übrigens nur üblich wenn es sich um das Grußritual handelt, ansonsten fahren Sie Ihr Auto doch einfach vom Parkplatz des Bürgermeisters bitte weg.

Vorfahrtsregeln kennen wir auch, theoretisch sogar rechts vor links, allerdings sollte man abseits der großen Hauptverkehrsstraßen, welche sogar per Verkehrsschild die Hackordnung klar machen, absolut vorsichtig sein. - Auf den kleinen Straßen regelt sich das Vorfahrtsrecht nach Gewohnheit, das soll heißen, war zu Großvaters Zeit dieser eine hier schon der breitere Ziegenpfad als der andere, dann bleibt das erhalten bis die Erdölreserven sich tatsächlich erschöpft haben. - Die Ziegenpfade wurden natürlich später zu Straßen und ganz egal ob die neue Straße nun größer ist als die andere, man muss einfach wissen, welcher Weg denn nun seit Urzeiten mit Priorität belegt ist. - Versuche dies mit Schildern oder großflächigen Schriften auf den Straßen zu ändern sind gescheitert, spätestens nach dem dritten Unfall an einem Morgen entfernt man dann diese neuzeitlichen Spielereien wieder. - Bestehen Sie auf keinen Fall auf Ihr Recht, selbst wenn Sie es zu haben glauben und was von rechts vor links erzählen, es gilt das Gewohnheitsrecht und das kann man nur durch jahrelanges Studium erlernen, oder mit der Muttermilch aufsaugen. - Ampeln sind ein immer wieder nettes Thema um Missverständnisse zu provozieren, bei uns wird durch einen angeborenen endemischen Augenfehler die Grünphase bis Dunkelrot verlängert. Meist passiert da nichts, weil die anderen Verkehrsteilnehmer, welche nun eigentlich Grün haben, den gleichen Defekt besitzen und so bedacht und langsam erst nach ein paar Sekunden von ihrem temporären Vorfahrtsrecht Gebrauch machen. - Fahren Sie also bei Grün nie sofort los, lassen Sie uns einen Moment Zeit die Ampelzone zu räumen, wir haben alle ein Attest wegen unseres Augenfehlers, die Polizei welche den Unfall später aufnimmt übrigens auch.

Da sind wir beim nächsten Thema, der unsäglichen Sitte des nicht spanisch sprechenden Verkehrssünders, der unbedingt der Verkehrspolizei juristisch genau erzählen will, dass in Deutschland das aber völlig in Ordnung gewesen wäre. - Das gibt Doppelärger, weil einmal hier niemand gerne in einer Sprache angesprochen wird, die er nicht verstehen kann und zweitens man grundsätzlich mit Polizisten nicht diskutiert, man nimmt ihnen damit nämlich die durchaus vorhandene Möglichkeit, das Strafmaß zu reduzieren. - Also lassen Sie das und erzählen Sie bitte auch dem Polizisten nicht, dass Ihr Schwager bei der Polizei in Eberswalde sei, das riecht sofort nach versuchter Vorteilnahme. - Ganz wichtig ist auch noch zu beachten, dass wir den Blinker selektiv verwenden, meist allerdings nicht dazu einen Richtungswechsel anzuzeigen, denn eigentlich weiß ja jeder hier vom anderen ganz genau, wo der nun hinfährt. - Zumindest im kleinen Lokalverkehr weiß ich ja, dass Pedro nun links abbiegt, weil er um diese Uhrzeit einen Kaffee bei Ramón trinken will und Luisa gleich scharf bremst, denn da vorne ist ein Parkplatz und sie wohnt doch nicht weit. - Wenn wir blinken, dann tun wir das um Ihnen, die Sie hinter uns fahren zu signalisieren, dass Pedro vor uns nun gleich links abbiegen wird, denn Sie kennen Pedro ja nicht oder können ja gar nicht sehen, dass Pedro in dem Auto fährt, welches noch vor unserem ist. - Eine gute Geschichte, wenn man es weiß, ansonsten kann man sich auch an die Bremslichter des Vorgängers halten, aber Sie wissen ja nun um unseren Augenfehler bereits...

Einen ganz wichtigen Hinweis kann ich Ihnen aber nur rudimentär vermitteln. - Da wir uns hier im lokalen Bereich alle kennen, wissen wir auch um die, manchmal begrenzten fahrerischen Möglichkeiten unserer Mitbürger und können so angemessen reagieren. - So kann Antonia zum Beispiel nicht am Berg anfahren, also muss sie zuerst mal ohne anzuhalten auf die Hauptstraße fahren, um dort auf ebenem Gelände zum Stehen zu kommen, dann erst kann sie gucken, ob denn jemand gekommen wäre. Man nennt das auch konjunktivistisches Fahren. - Oder wenn Manolo mittags in die Apotheke kutschiert, dann bleiben rechts und links alle anderen stehen und warten bis Manolo seine Medizin gekauft hat, denn Manolo hat nicht nur unseren lustigen wie listigen Augenfehler, der ist eigentlich blind wir ein Grottenolm. - Kein Problem wenn man Antonia und Manolo kennt, oder zumindest ihr Auto. - Abschließend noch ein doch recht vitaler Tipp: Fahren Sie niemals auf dem zweispurigen Kreisverkehr vor der Hauptstadt auf die linke Spur. - Da kommt man nie wieder runter und erst nachts halten die Stadtpolizisten den gesamten Verkehr an und winken die Antonias, Manolos und die paar verwirrten Feriengäste wieder aus dem Kreisverkehr heraus. (Nur unter uns, Antonia hat einen roten R5 und Manolo fährt einen weißen Nissan dessen Typenbezeichnung 1976 schon abgefallen ist) - Ach, Sie waren 1976 nicht auf La Palma? - Na irgendeinen Vorteil müssen wir doch auch haben…



Donnerstag 22.05.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 22,4 Grad - niedrigste Temperatur 15,7 Grad

Es gibt keinen Müll, sondern nur mehr oder weniger stinkende Rohstoffe

Auf einer Insel wie der unseren, gibt es heftige Probleme mit dem, was wir wegwerfen. - Hauptproblem dabei ist die Inexistenz von Recycling Möglichkeiten, wir müssen Glas, Papier, Metall und vieles mehr sehr kostenintensiv von der Insel bringen und damit verlieren die meisten Abfälle ihren eigentlich begehrten Status als Wertstoff. - Es wird halt einfach nicht so weit kommen, dass man hier auf La Palma eine Glasschmelze installiert, oder gar einen Hochofen, wir werden also mit diesen Problemen leben müssen und uns eben mehr auf Vermeidung von Müll konzentrieren. - Ganz vorsichtig dürfte man vielleicht ja auch mal den Vorschlag machen zur Müllvermeidung gewisse Maßnahmen zu ergreifen, die sich vielleicht in einer Art Zwangspfand äußern, um den Verkauf von Mehrzweckverpackungen zu fördern, oder den Preis für die ordnungsgemäße Aufarbeitung und Verschrottung eines Automobils bereits beim Kauf des Vehikels einzufordern, ist die Kiste nämlich erst mal kaputt, dann will niemand mehr auch noch für die Beseitigung bezahlen. - Vorschläge kann man da viele machen, das Thema ist ja auch wirklich nicht neu und man könnte da wunderbar von Mitteleuropa lernen, die diskutieren das ja schon seit Jahrzehnten und auch dort gibt es Inseln, welche ihr Müllproblem in den Griff bekommen haben.

Aber auch auf La Palma gibt es Möglichkeiten mit einigen Teilen der Müllberge selbst fertig zu werden. - Zumindest alle kompostierbaren Abfälle könnte man wunderbar zur Bodenverbesserung einsetzen, oder gar Biogas daraus gewinnen, angesichts der explodierenden Ölpreise bald nicht nur wegen des reinen Gewissens eine interessante Sache. - Dabei sollte man wissen, es dreht sich bei uns ja nicht nur um kompostier- oder gärfähigen Hausmüll, sondern um tausende Tonnen an Abfällen aus der Bananenproduktion. - Und nicht nur, dass man damit Energie produzieren könnte, vielleicht zum Antrieb einiger Busse oder man könnte Strom damit erzeugen und so dem hehren Ziel der angestrebten Eigenversorgung mit elektrischer Energie aus alternativen Energiequellen etwas näher zu kommen, die Abfälle der Bananen sind bislang ein gewaltiges Umweltproblem und niemand will sie haben. - So wissen die Kooperativen überhaupt nicht mehr wohin mit den Resten der Bananenpflanzen und handeln sich allergrößten Ärger ein mit den Anwohnern der Plätze wo man die Abfälle hinwirft und damit endlich dann auch mit den Autoritäten. - Die können aber bislang keine wirkliche Antwort geben und lassen die Kooperativen mit ihren Bananenresten alleine. - Gerade jetzt wieder hagelt es Beschwerden und Anzeigen gegen einen Deponie von Bananenabfällen ganz in der Nähe El Remos. - Dort wollte man die Abschnitte trocknen und später als Bodenverbesserer nutzen, allerdings trocknen die Bananenabfälle nicht wenn man sie auf Halden schüttet, sondern sie verfaulen mit all den negativen Begleiterscheinungen wie Gestank und enormer Insektenbefall. - Daraus könnte man doch noch ein richtiges Geschäft schmieden, die Kooperativen bezahlen noch dafür dass sie den Treibstoff für eine Biogasanlage liefern dürfen, damit sie den "Abfall" los werden und das Gas kann man dann noch wunderbar verkaufen. - Nun muss es nur noch einer machen…



Donnerstag 22.05.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1017 hPa Grad

Erdäpfel

Die Kartoffeln sind das Grundnahrungsmittel der Kanarischen Inseln überhaupt, daran kann auch das Gofio nicht rütteln. - Als kleine gekochte Kartoffeln samt Schale zu essen, eben die berühmten "papas arrugadas" als "papas guisadas" oder "papas fritas", keine echte kanarischen Mahlzeit kommt ohne den gesunden Stärkespeicher aus, der als billiger und immer verfügbarer Sattmacher Generationen an armer Landbevölkerung ernährt hat. - Das gilt natürlich nicht nur für die Kanarischen Inseln, ganz Europa erlebte durch die Einführung der Kartoffel aus Südamerika eine wahre Revolution in der Ernährung, die bis heute anhält. - Wann ganz genau die erste Kartoffeln auf den Kanaren angebaut wurde, das weiß man nicht, allerdings wird bereits in 1567 erwähnt, dass man diese Tuberkel bereits als Handelsware nach Antwerpen brachte, so dass man davon ausgehen kann und muss, dass die Kanaren eine der ersten Regionen Europas waren in der die Kartoffeln sich als "Volksgemüse" und gewerbliches landwirtschaftliches Gut durchgesetzt hatten.

Allerdings nicht die große und längliche Knolle wie man sie heute bevorzugt, sondern kleine runde Knollen, die wohl aus den peruanischen Anden stammten und sich als ideal für den Anbau auf den Kanaren erwiesen. - Später, wann genau weiß man auch wieder nicht, vielleicht 150 Jahre später begann man mit dem Anbau der heute üblichen Kartoffeln, die man zunächst als Saatgut aus Irland und dann aus England bezog. Das revolutionierte den Anbau der Erdfrüchte erneut, denn diese Sorten um die weißfleischige "King Edward" brachte mehr als doppelt so großen Ertrag und die Anbaudauer reduzierte sich von fünf auf drei Monate, so dass man in den feuchteren Regionen der Insel durchaus zwei, oder gar drei Ernten im Jahr erzielen konnte. - Erst in den letzten beiden Jahrzehnten entwickelten sich die Kanaren vom Kartoffelexportland zum Importeur, lag die Anbaufläche im Jahr 1985 bei fast 12.000 Hektar, so reduzierte sich diese innerhalb der folgenden 20 Jahre auf schlappe 5.000 Hektar. - Schuld ist die globale Konkurrenz und die ruinösen Exportsubventionen, die es fertig bringen, dass wir auf den Kanaren Kartoffeln aus Israel konsumieren, die zu einem Preis im Supermarkt angeboten werden, zu dem es sich nicht lohnt, hier die Hacke überhaupt in die Hand zu nehmen. - Dennoch haben sich manche der alten Sorten bewahrt, als absolutes Nischenprodukt, heute aber wieder von Feinschmeckern und gelangweilten Konsumenten, denen das Menü von der Stange einfach nicht mehr ausreicht, als Delikatesse gesucht. - Forscher in Sachen Erdäpfel sind übrigens der Meinung, dass wir hier einen genetischen Schatz bewahrt haben mit den alten peruanischen Sorten und dass man damit in Zukunft die Tafeln europäischer Gourmets bereichern könnte. - Gesehen habe ich einige dieser Knollen vor kurzem auf dem Sonntagsmarkt von Los Llanos, gekauft auch und gegessen, schmeckte nicht unbedingt nach Kartoffel, sondern nach Erdapfel und da muss der Name ja wohl auch herkommen.



Mittwoch 21.05.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 22,0 Grad - niedrigste Temperatur 15,8 Grad

Stromwirte statt Landwirte

Langsam hat es sich bis in die reifsten Niederungen des landwirtschaftlichen Sektors herumgesprochen, es kann lohnender sein elektrische Energie "anzubauen" als Kartoffeln. - Lustig, dass gerade jetzt diese Diskussion aufkommt, wo man weltweit entdeckt hat, dass Landwirtschaft doch noch der Primärsektor ist und nicht die Börse und plötzlich alle ganz aufgeregt davon stammeln, dass man doch bitte auf den Feldern dieser Erde wieder etwas zu Essen anbauen sollte und keinen Genmais zur Biospritproduktion. - Das ist natürlich richtig, allerdings liegt so viel landwirtschaftliche Nutzfläche auf dieser Erde brach und wird nicht bebaut, so dass man eher daran gehen sollte die Flächen optimal und effizient zu nutzen, anstatt generell die eine oder andere Methode zu verfluchen. - Hier auf La Palma wird nur etwa auf einem Drittel der dafür vorgesehenen Fläche Landwirtschaft betrieben, wir könnten also noch sehr viel mehr anbauen und leisten und in den letzten beiden Jahren hat die Produktion auch bereits wieder zugenommen, eine direkte Folge der steigenden Lebensmittelpreise und der Transportkosten. - Dennoch fordern nun die landwirtschaftlichen Genossenschaften 10 - 15% der vorhandenen Anbaufläche freizugeben um dort per Photovoltaik Energie zu produzieren. - Man hat halt entdeckt, dass es bei den Einspeisevergütungen die dreimal so hoch sind wie der Strom den man aus der Steckdose kauft, sich ein prima Geschäft machen lässt.

Allerdings gibt es ein paar kleine Pferdefüßchen beim Geschäft mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen. - Da ist einmal der Stromlieferant zu nennen, der auch das Netz hier betreibt, der nimmt zwar den fremd erzeugten Strom in sein Netz auf und vergütet diesen auch, weil das Gesetz das so verlangt, allerdings muss man als Lieferant die Leitungen bis zum nächsten Transformator selbst bezahlen und wenn man größere Mengen liefern will den Transformator gleich noch mit. - Die ganz großen geplanten Anlagen, welche sich dann bereits um Megawatt kümmern, die sollen gar die Überlandleitung bis hin zum Kraftwerk legen, was dann solche ein Projekt kritisch verteuert. - Weiterer Hemmschuh ist das Genehmigungsverfahren einen Energiepark überhaupt aufstellen zu dürfen. Da geht es nicht nur um technische Einzelheiten sondern auch darum, wo ist nach dem Bodengesetz überhaupt eine solche Nutzung möglich. - So gibt es mehrere Investoren aller Größenordnungen die endlich darauf warten, das OK für gewisse Standorte zu bekommen. - Kleinstanlagen, die nur Strom für den Hausgebrauch produzieren wollen, die kann jeder selbst und ohne Nachfrage aufstellen, allerdings ist das dann kein Geschäft, sondern lediglich umweltverträglich und danach fragt irgendwie schon wieder kein Mensch mehr, weil man eben hinter dem Solarstrom die dicke Knete erhofft. - Nun wollen unsere Landwirte mitmischen, warum auch nicht, am fehlenden Platz kann es nicht liegen.



Mittwoch 21.05.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1016 hPa

Corpus Christi im Allgemeinen und Besonderen

Morgen, also am 22. Mai feiert man in der katholischen Welt den Fronleichnamstag, in Spanien, und wohl überall dort wo man diese Sprache spricht "Corpus Christi" genannt. - Damit umschreibt man dieses kirchliche Fest wohl auch ein bisschen verständlicher als mit dem Wort Fronleichnam, geht es schließlich um den Körper und das Blut Jesu, um die leibliche Gegenwart des Herren der mit so vielen Namen umschrieben wird, dass es deswegen auf der Welt immer wieder zu komischen wie tragischen Missverständnissen kommt. - Praktisch bedeutet dass für die, mehr oder weniger aktiven Christen, es ist Zeit für die erste Kommunion. - Zumindest macht man das hier so, am Corpus Christi Tag oder an den darauf folgenden Wochenenden trifft man viele "junge Herren" in ihrem ersten Anzug und viele Mädchen in ihrem wohl vorletzten weißen Kleid. - Jede Gemeinde hier feiert dieses Fest natürlich, aber nicht jede so wie die andere. - So ist zum Beispiel in den meisten Orten morgen ein komplett normaler Alltag, in Mazo aber Feiertag, und nicht nur ein Einfacher, sondern "Der Feiertag" im Jahreskalender der Gemeinde.

Man kann übrigens in einer äußerst aufwendig gestalteten Webseite die Geschichte und komplette Deutung und Bedeutung dieses Tages für die Ostseitengemeinde nachlesen, da lässt man sich heute nicht lumpen, was wäre die göttliche Offenbarung ohne das Internet… Lässt man dieses ganze liturgische Gedöns mal beiseite, dann finden aber auch Atheisten oder einfach nicht Glauben orientierte Menschen ihre Freude am Fronleichnamsfest in Mazo. - Dort bestimmt die Tradition, dass die berühmte Prozession über Blütenteppiche zu schreiten hat und von Tor zu Tor - von Altar zu Altar - zieht, welche in bewundernswerter Kleinarbeit von den einzelnen Nachbarschaften produziert werden. Diese Straßenornamente, um mal ein komplett dogmenfreies Wort zu nutzen, ziehen sogar jedes Jahr das staatliche Fernsehen an und reichlich Pilger, seien diese nun vom Körper Jesu angezogen oder einfach nur vom Kunsthandwerk. - In der Tat ist es bewundernswert, was die Einwohner von Mazo da auf die Straße zaubern, mit einfachsten Mitteln, ein bisschen Sperrholz, Leim und eben allem was die Natur als Pflanzen wachsen lässt. Samen, Zweige, Moose und Blüten werden zu Kunstwerken zusammengefügt und das geschieht nicht im Verborgenen eines verrauchten Künstlerateliers, sondern mitten auf der Straße. - Heute ab Mittag und dann bis in die späte Nacht hinein wird Mazo von seinen Bewohnern geschmückt, denn morgen muss dann alles fertig sein. - Man kann die Bögen und Blütenteppiche aber auch noch bis mindestens Sonntag bewundern und hofft ganz heftig darauf, dass der Gott des Passats auch ein Einsehen hat und diese Tage keinen Regen und Sturm schickt, sonst ist die ganze Pracht gleich wieder weg. - Photos der Blütenteppiche des vergangenen Jahres können Sie HIER ansehen.


Corpus Christi in Mazo 2007



Dienstag 20.05.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 61 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 16,2 Grad

Schüler und Lehrer streiken nun gemeinsam

Ganz schön pfiffig, oder vielleicht besser sogar gewagt von den Lehrern, die Schüler nun in ihren Protest gegen die sture Haltung der Schulbehörde einzubeziehen. - Seit über einem Jahr kämpfen die Lehrer an den öffentlichen Schulen um eine Angleichung ihrer Gehälter und Aufstiegschancen an die der in Behörden angestellten Arbeitnehmer. - Dabei fällt es schwer von einem Vergleich zu sprechen man möchte ein Beamtenverhältnis erzwingen, weil zwischen dem gesichertem deutschen Beamtenstatus und der hiesigen Laufbahn von "funcionarios" grundlegende Unterschiede bestehen. - Ist auch nicht so wichtig, die meisten Lehrer werden sehr schmal entlohnt und können sich auch erst über viele Jahre hinweg eine Festeinstellung erdienen. - Da aber auch hier auf den Kanaren die Schülerzahlen nur noch von Immigranten hoch gehalten werden und dennoch abnehmen, will die Bildungsbehörde natürlich lieber "lockere" Arbeitsverträge und keine unkündbare Lehrerschaft. - Mehr Geld will man auch nicht bezahlen, das alte Leid ignoranter Regierungen welche die Wichtigkeit der Bildungseinrichtungen deutlich unterschätzen. - Immer wieder streiken nun die Lehrer, allerdings ohne wirklich erfolgreich zu sein. - Ein Hungerstreik verlief auch ohne Resultat und auch die erzwungene Einschließung in Schulen oder Regierungsgebäuden brachte die Lehrerschaft nicht wirklich weiter an ihr Ziel.

Inzwischen sind die Eltern natürlich sauer und verlieren allmählich ihre sonst angeborene Solidarität mit den Erziehern ihrer Kinder, besonders in den oberen Jahrgängen, wo es um die Wurst oder gar das Abitur geht, fürchtet man natürlich um Nachteile für die Schüler welche unter Umständen sogar für die Zukunft entscheidend sein können. - Das nutzt nun auch die Bildungsbehörde als Argument gegen die Lehrerstreiks und so bemühen diese sich um den Schulterschluss mit den Schülern und Eltern. - Morgen soll wieder gestreikt werden und gleichzeitig eine Manifestation in der Inselhauptstadt Santa Cruz abgehalten werden. Dazu sind nun die Schüler und Eltern herzlich eingeladen, aber wer uns obrigkeitsgläubige Brachialendemen kennt, der weiß dass Demonstrieren nicht in unserem Erbgut verankert ist. - Noch dazu droht die Schulleitung mit negativen Konsequenzen, per sms werden alle Eltern darauf hingewiesen, dass ein fernbleiben vom morgigen Unterricht und somit eben auch das Begleiten der demonstrierenden Lehrer als unentschuldigtes Fehlen vom Unterricht gewertet wird. - Gut, das ist etwa so schlimm wie ein Mückenfurz im Passat, aber man bringt dadurch natürlich die Schüler in Gewissensnot. - Denn nicht alle Lehrer streiken und wer die Karriereleiter bis hin in die Direktion bereits erklommen hat, der wagt es natürlich nicht gegen die direkten Vorgesetzten in der Bildungsbehörde anzugehen. - Solidarität sieht anders aus und vielleicht sollten sich die Lehrer auch probatere Methoden aussuchen als Streiks, welche niemals die eigentlich angesprochene Behörde treffen, sondern nur die Schüler und Eltern. - Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, wer seine Bediensteten in Bereichen der Grundversorgung nicht ausreichend bezahlt oder so behandelt wie man das mit den Ärzten, Krankenschwestern und Lehrern macht, der stellt sich als Regierung gegen die soziale Entwicklung der Gesellschaft. - Man kann auch wirklich nicht behaupten es sei kein Geld da, wer Autobahnen bauen kann die kein Mensch braucht, der sollte auch Ärzte und Lehrer ordentlich bezahlen können. - Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen, diese Kritik richtet sich nicht an die Zentralregierung in Madrid, denn sowohl die Schulbehörde wie auch der Gesundheitsdienst sind in Spanien in Händen der Provinzregierungen.



Dienstag 20.05.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1016 hPa

Wenn der Sommer nicht mehr weit ist

Bislang zeigte der Mai uns eher die kalte Schulter, selten die Tage an denen wir locker und reichlich die 20 Grad überschreiten konnten. - Das ändert sich nun im Laufe dieser Woche und wir können auf Sommer hoffen, so wie man das eigentlich in diesen Breiten erwartet. - Ungewöhnlich ist es nicht, dass wir im späten Frühsommer, oder wie immer man diese Zeit nennen will, so mit den Temperaturen knausern. - Das ist eigentlich schon normal für den Mai und liegt natürlich wieder mal an unserem Wetterreaktor Azorenhoch, welches komplett für die Gestaltung unseres Klimas verantwortlich ist. - Satt, faul und mit gehöriger Antriebsschwäche liegt es dort auf seinem Platz und eigentlich sollte man meinen, genau so muss es sein, allerdings fehlen dem Hoch seine Gegner, also fette Tiefdruckgebiete die vom Westen gegen unsere Breiten anlaufen und so verkommt der gelobte und gesegnete, (von wem eigentlich) Passat zu einem lauen Windchen.

Das aber hat wiederum zur Folge, dass nicht genügend Luftbewegung in den mittleren Schichten entsteht, um die selbst produzierten Wolken aufzulösen, welche tagsüber ab 1.000 Meter Höhe entstehen und einfach die Sperrschicht, die vielleicht bis auf eine Höhe von 2.000 Metern reicht, nicht durchbrechen können. - Es fehlt ganz einfach am Wind, um diese Wolken aufzulösen und so verbringen wir den meisten Teil des Tages unter einer, zwar wenig starken, aber doch wirksamen Wolkenschicht. - Das ergibt aus der Luft, oder den Blick durch die Satellitenkameras immer ein lustiges Bild, rund herum um das Archipel ist fast komplett wolkenloser Himmel, aber über jeder Insel, bis auf die beiden fast vegetationslosen östlichen Eilande Lanzarote und Fuerteventura, bedeckt eine Wolkenschicht die Landmassen der Inseln mitten im Atlantik. - So kommt es nicht das erste Mal im Mai vor, dass die, nun spärliche anreisenden mitteleuropäischen Gäste, in ihrem Urlaubsziel Kanarische Inseln mit Temperaturen konfrontiert werden, die sie im Ursprungsland schon längst überwunden haben. - Dabei fällt besonders auf, dass die Unterschiede zwischen Tages- und Nachttemperatur äußerst gering sind, und an manchen Tagen lediglich drei bis fünf Grad ausmachen. Ausgewogenes Klima könnte man das auch nennen und in der Tat ist das auch so, federn diese, zugegeben wenig spektakulären Phänomene, doch unsere direkte Nachbarschaft zum Glutofen Sahara deutlich ab. - Der Sommer kommt trotzdem in den nächsten Tagen, irgendwie müssen wir es doch noch schaffen, dass statistisch gesehen der Mai nicht deutlich kälter in die Analen eingeht, als es der April dieses Jahres war.



Montag 19.05.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 64 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 21,6 Grad - niedrigste Temperatur 14,9 Grad

Revolvergeschichten

Gut, eigentlich müsste es heißen Pistolengeschichten, denn ein Revolver funktioniert anders, aber dann klingt es nicht mehr so reißerisch. - Eigentlich könnte man es noch dramatischer machen und sagen, eine "Binter Canarias" schießt eine "Hapag Lloyd"- Maschine ab, aber das überlassen wir anderen Medien. - Allerdings legte tatsächlich ein Schuss, aus einer ATR 72 der "Binter Canarias" kommend ein Flugzeug der Hapag Lloyd lahm, allerdings geschah das auf dem Flughafen von Fuerteventura und kein Passagier war an Bord. - Den Tank soll die Kugel getroffen haben so hört man und man möchte sich eigentlich gar nicht ausmalen, was alles passiert haben könnte wenn, wenn, wenn... - Es herrscht aber kein Krieg zwischen den beiden Fluggesellschaften, nicht mal Konkurrenz, denn die Hapag Lloyd fliegt komplett andere Routen als die Binter Canarias und so muss es sich wohl um ein dramatisches Versehen handeln, was dort auf dem Vorfeld in Fuerteventura geschehen war. - So ist es auch, in der Kabine der ATR 72, die gerade nach Gran Canaria fliegen sollte, löste sich ein Schuss aus der Dienstwaffe eines Zollbeamten, der mit dem Flugzeug reisen wollte. - Dabei durchschlug die Kugel auch das Seitenfenster des Cockpits der Binter-Maschine, so dass nun, von einer Kugel getroffen zwei Flugzeuge nicht mehr starten konnten. - Das nennt man waffentechnische Effizienz.

Was nun geschehen war, das wird so grob erzählt, weil es noch keine offizielle Erklärung der Fluggesellschaft oder der Guardia Civil gibt, welche den Fall nun bearbeitet. - Zwei Zollagenten wollten mit dieser Maschine nach Gran Canaria fliegen und obwohl der Zoll eine Erlaubnis besitzt, bewaffnete Agenten in den Flugzeugen reisen zu lassen, mussten die Beamten dem Piloten vor dem Abflug die Schusswaffen übergeben. - Das darf der Pilot wohl fordern, so zumindest wird es berichtet. - Bei der Übergabe der Waffen soll sich nun aus einer der Pistole ein Schuss gelöst haben und zwar noch in den Händen des Piloten. - Eine andere Version schildert den Fall so, dass sich der Schuss noch in der Box löste, in welcher die Waffen transportiert wurden und der Pilot nichts damit zu tun hätte. - In beiden Fällen aber muss man mal nachfragen und besonders dann nachhaken, wie es denn kommen kann, dass Zollbeamte mit geladenen Waffen einen Linienflug besteigen können. - Oder aber haben da andere mit den oder der Waffe Mist gebaut und diese geladen und auch noch entsichert, denn von ganz alleine löst sich kein Schuss, wenn die Waffe entspannt, ungeladen und gesichert ist. - Wobei ich mir auch vorstellen könnte, denn wir sind ja schließlich nicht bei den Sky-Sherrifs in Amerika, dass man aus Vorsichtsgründen in Flügen seine Dienstwaffen getrennt von der Munition transportieren muss. - Fragen über Fragen und sicher hat da mindestens einer Bockmist gebaut, allerdings keinen Bock geschossen, sondern eine 737 der Hapag Lloyd und im "friendly fire" das eigene Flugzeug gleich mit.



Montag 19.05.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1018 hPa

Unter ferner liefen

Puerto den Naos ist eigentlich die Badewanne der Metropole Los Llanos und so könnte man meinen, diese reiche und ungestüm aufstrebende Stadt hält ihr Badezimmer liebevoll in Ordnung. - Das ist aber nicht so, glaubt man den Geschäftsleuten in dem kleinen Küstenort, die fühlen sich von der öffentlichen Verwaltung vernachlässigt und fordern ein ums andere Mal mehr Zuwendung und Servicedienstleistungen von der Gemeinde. - Puerto den Naos ist eigentlich noch schneller gewachsen als die große Mutter Los Llanos, vom Abriss des damals einzigen Restaurantkiosks von Manolo bis zum heutigen Stand als Paradebeispiel für schlechte Architektur, vergingen ziemlich genau 25 Jahre. - Allerdings ist der sehr dünn aufgetragene Lack an vielen Stellen schon wieder ab, in den Wachstumsjahren ging es um schnellen Profit und weniger um stilistische Feinheiten, die einen Bade- und ehemaligen Fischerort für die Zukunft herrichten sollen. Dennoch brummte es in Puerto de Naos, da gab es Diskotheken, durch den Tourismus eine andere Grundstimmung zu erleben und viele, besonders jugendliche Besucher zog es an den Wochenenden in die kleine Stadt. - Oder besser in den Stadtteil, denn Puerto den Naos besitzt keine eigene Verwaltung, sondern ist lediglich ein "Barrio" der größten Stadt der Insel, Los Llanos.

Wie vieles, oder vielleicht alles was zu schnell wächst, fehlt diesem Ort einfach die Basis und geht es nach den Geschäftsleuten, die sich inzwischen in einem Verband organisiert haben, auch an der ordnenden Hand der Gemeinde. - Man klagt über Vernachlässigung und fordert das Rathaus auf, mehr für ihren Stadtteil zu tun, denn schließlich wolle man am Wochenende und in den Sommermonaten auch dort Baden gehen und eine schöne Siedlung vorfinden. - In der Tat hat man, allerdings gezwungener Maßen, nach dem Sturmwinter mit dem Hurrikan Delta den Strand und die Promenade neu hergerichtet und das auch schick und schmuck, allerdings hält das immer nur dem ersten Blick stand und wenn man die Promenade verlässt um in die weiter hinten liegenden Häuserschluchten einzutauchen, dann versteht man die Klagen der Geschäftsleute. - Der stagnierende Tourismus tut sein Übriges dazu, dass dieser Ort so überdimensioniert daherkommt und eben die Hinwendung des Hotels zu All inclusive-Angeboten "schützt" die Geschäftsleute und Kneipenwirte davor, zu viel zu tun zu haben, denn diese Art von Gästen verköstigt sich ja zu 100 Prozent im Hotel. - Noch ein Faktor kommt hinzu, die Alkoholkontrollen haben in den letzten Jahren derart zugenommen, dass sich viele Besucher abends oder an den Wochenenden nicht mehr nach Puerto de Naos trauen um dort ihre Feierstimmung zu zelebrieren, inzwischen "kneipt" man viel lokaler, einfach nur aus egoistischer Zuneigung zum eigenen Führerschein. - Aber wir wissen ja, dass Großes auf Puerto den Naos zukommt, man will einen Deich bauen, der knapp unter der Wasseroberfläche liegt und die Bucht das ganze Jahr über vor den gewaltigen Wellen schützt. - Einfach mal öfter die Müllabfuhr schicken, ein paar Farbeimer und Pinsel verteilen und den öffentlichen Nahverkehr so weit angleichen, dass die abendlichen Besucher sich auch wieder nach Puerto de Naos trauen könnte auch schon reichen, aber damit geben wir uns schon lange nicht mehr zufrieden. - Nur große Schritte verheißen Zukunft, so geht das seit 10 Jahren auf La Palma, dass die Schrittlänge aber so groß ist, dass dazwischen nichts ist und keiner hinterherkommt der dieses Manko ausfüllen wird, das bleibt unbeliebte Randnotiz des zu schnellen Wachstums.



Sonntag 18.05.08 - 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 65 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 20,2 Grad - niedrigste Temperatur 14,8 Grad

San Isidro Labrador

Bei Heiligen feiert man immer den Todestag, ein weiterer Grund warum man sich vielleicht nicht unbedingt als Zukunftsziel diese Laufbahn vorknüpfen sollte. - Der 15. Mai wird so auch als Todestag des Isidro Labrador gefeiert, dem Schutzheiligen der Landwirte. - Als Insel, welche sich selbst als landwirtschaftlich geprägt darstellt und diese Position aber leider oft nur als Nostalgie vertritt, spielt der Heilige Isidro eine gewichtige Rolle und so wird jeden 15. Mai auch groß gefeiert. - Allerdings ist das nicht das einzige Fest mit landwirtschaftlichem Hintergrund, jede Gemeinde auf dieser Insel, die was auf sich hält, und das sind eigentlich alle 14, hat einen Viehmarkt, eine Feria in ihrem Feiertagskalender, auf der man besonders den Landwirten den betreffenden Respekt zollt. - Das heißt dann zwar nicht immer "Viehmarkt" und ist auch schon mal im Rahmenprogramm einer anderen lokalen Festivität versteckt, aber ohne die Scholle, den Pflug und den Melkschemel zu preisen kommt hier keine Gemeinde durch das Jahr. - Ohne nun wieder irgendeine Gemeinde benachteiligen zu wollen, die Feria de Agricultura in Los Llanos, versteckt in den Feierlichkeiten ihrer "Patrona" und der berühmte Viehmarkt von "San Antonio del Monte" sind wohl zusammen mit dem 15. Mai eben die Hauptattraktionen in Sachen rund ums Vieh und den Primärsektor.

In Breña Alta wird am 15. Mai gefeiert, ganz einfach weil es da auch den Ortsteil San Isidro gibt, immer schon Zentrum der Landwirtschaft gewesen und voller saftiger Äcker und Obstbäumen an den Straßen, die so manchen Reisenden schon zum Mundraub verführt haben. - Von überall her auf der Insel sieht man dann am Samstagmorgen die LKWs ihre bullige Fracht transportieren, eben Bullen, Kühe, Schafe und Ziegen, die sich dann auf der Messe nicht nur in Schönheit und Stärke messen sollen, sondern man möchte dort auch den einen oder anderen Verkauf tätigen. - Im Gegensatz zu anderen Landwirtschaftsfesten gibt es in San Isidro auch einen Hunderassenwettbewerb, auf dem man den endemisierten "Pastor Garafiano" beurteilen kann, eine späte Hommage an eine Rasse, welche hier auf La Palma entstanden ist und wohl die Perfektion an Hütehund darstellen soll. - Auffällig dabei ist, dass so die hiesige Rinderrasse, diese hellbraune, fast ins weiße reichende "Raza Palmera", wie eben auch der Pastor Garafiano völlig ungestresste und friedliche Tiere sind, vielleicht ein positiver Spiegel ihrer menschlichen Begleiter.

Allerdings gibt es ja aber immer wieder die Verwechslung mit "cool" und "kühl", denn wie sagen meine heranreifenden Kinder mir immer mal wieder wenn ich friere: "Papa, bloß weil dir kalt ist, bist du noch lange nicht cool." - So ähnlich muss man das aber auch mit unseren Landwirten sehen, die sind keineswegs unterkühlt nur weil sie so friedlich und hintergründig wirken, darf man nicht meinen, die könnten keine Hitze entwickeln oder etwa keine rauschenden Feiern zelebrieren. - Nachdem, oder oft auch schon während es noch um Wettkämpfe, Pokale und Besamungsgenossenschaften geht, darf nämlich ein weiteres landwirtschaftliches Produkt als dauernder Kommunikationsbeschleuniger nicht fehlen, der mitgebrachte Wein den jeder Landwirt der was auf sich hält und welcher tut das nicht, in großen Ballonflaschen irgendwo im reichlichen Gepäck versteckt hält. - Das kann bereits mittags schon zu säuselnder Freude führen, Sie wissen schon, dann wenn die Augen so ein bisschen kleiner werden und man die ganze Welt umarmen will und das auch noch gleichzeitig und so ist es ganz wichtig, dass man unsere fleißigen Landmänner gut auf diesen Festen mit reichhaltiger Nahrung versorgt. - Das ist aber auch Tradition, wenn man eben früher die Landwirte zur Viehschau in die Orte oder gar Städte lockte, dann musste man die weit und oft tagelang gereisten Bauern auch gut versorgen, die waren ja meist so bettelarm, dass das Wort Mundraub eine exaktere Bedeutung erfährt. - Nachbarschaften kümmern sich dann um diese Speisung und meist handelt es sich um die Dauerbrenner wir "Arroz Amarillo", unsere abgespeckte Version der Paella, Kichererbsensuppe in Töpfen so groß wie Raffineriekessel und Speckwürfel in Gofio gerollt, die berühmten wie dienlichen "Chicharrones", welche Alkohol in derartigen Mengen aufsaugen können, dass so mancher Landwirt diese Feste wundersam und nüchtern übersteht. - Natürlich Nostalgie, jede Menge Lokalkolorit und einfach nur wunderschöne Feste. - So kann es bleiben.


Raza Palmera, die friedliche Kuh



Sonntag 18.05.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1019 hPa

Schiffbruch

Keine Nachricht, nicht mal mehr eine Notiz kann man der Presse entnehmen, was mit der vor der marokkanischen Küste gestrandeten Fähre der Reederei Armas geschehen ist und weiter geschehen wird. - Nun diskutiert man darüber, ob man denn diese Fährlinie überhaupt aufrecht erhalten will, nicht aber was mit dem Schiff geschieht, dem darauf befindlichen Hab und Gut der Passagiere und den Treib- und Schmierstoffen, die bei weiterer Beschädigung des Schiffes natürlich auslaufen könnten. - Allerdings liegt das Schiff ja vor der westafrikanischen Küste und nicht vor einem europäischen Strand, da macht doch so eine kleine Ölpest auch schon nichts mehr aus… - Sicher wird etwas unternommen, nur was, das erfährt niemand, oder soll niemand erfahren, vielleicht interessiert es auch bereits niemanden mehr, schließlich ist kein Mensch bei dem Unglück gestorben und wofür gibt es Versicherungen und was soll das überhaupt mit den vielen Gerüchten und Beschuldigungen gegenüber der Reederei. - Die wehrt sich allerdings nicht mit Aufklärung und Information, sondern durch Schweigen und provokanter Ignoranz gegenüber dem Informationsbedarf einer vermeintlich transparenten Gesellschaft. - Dabei geht auch das Schicksal der Passagiere völlig unter, die zum Teil ihr komplettes Hab und Gut verloren haben, wie es der deutsch-schweizerischen Familie ergangen ist, welche mit ihrem Campingwagen auf dem Weg nach La Palma war. - Selbst der Spiegel hatte darüber berichtet, allerdings kämpft die Familie immer noch gegen die Windmühlenflügel starrer Bürokratie und fragwürdiger Geschäftspolitik einer Reederei. - Anschließend nun der, fast schon verzweifelte Hilferuf der gestrandeten Familie, der mich gestern erreichte. - Starker Tobak und zum Teil derbe Vorwürfe gegenüber der Reederei und einem nicht vorhandenen Kontrollmechanismus, der nach solch einem Schiffbruch unabhängige Ermittlungen anstellen sollte. - Ob die Vorwürfe stichhaltig sind, das können wir natürlich nicht beurteilen, Aufklärung ist aber auf jeden Fall notwendig. - Ich veröffentliche dieses Mal den Namen und die E-Mailadresse der Betroffenen mit, wer glaubt helfen zu können, der kann dann direkt Kontakt aufnehmen.

Lieber Mathias

Ich informiere kurz.

Ab morgen beginne ich einen Hungerstreik, um endlich Armas dazu bewegen zu können, etwas konkretes zu unternehmen, damit unsere so wertvolle Erinnerungen gerettet werden können. Die ganzen letzten 5 Jahre sind auf Festplatten im Auto, das sich noch immer in der Assalama befindet. Armas hat nicht aufgehört, Lügen aufzutischen und uns zu vertrösten. Ich habe inzwischen zwar sogar die Verantwortlichen von Armas getroffen. Sie hatten mir versprochen, konkrete Antworten, Lösungen und Zusagen bis vergangenen Montag schriftlich mitzuteilen. Nichts ist geschehen, dafür sind sie seither unerreichbar für mich. Ein dreckiges Spiel, man würde es für nicht möglich halten, wie primitiv die Lügen einer so großen Firma sein können. Inzwischen kursieren gar Gerüchte, angeblich vom marokkanischen Fernseher ausgestrahlt, dass das Schiff bereits vollständig geplündert ist und so gut wie leer... Und uns lasest man unsere allerwichtigsten Sachen nicht mal rausholen. Das Schiff müsste inzwischen schon geborgen sein, auch das nur Lüge, inzwischen reden sie schon von einem Monat mehr... Sie rechnen offensichtlich damit, dass noch ein größerer Sturm kommt und alles für Armas erledigt... Wir gehen dabei all unsere Fotografien und Briefe und Erinnerungsstücke etc verloren. Das kümmert hier niemanden. Überhaupt gibt es gar keine unabhängige Verantwortliche, es kann doch nicht sein, dass Armas allein darüber bestimmen kann, was mit dem Schiff passiert. Die Regierung hätte schon lange als Aufsichtsorgan eingreifen müssen und die Anliegen der Passagiere aufnehmen müssen. Es ist ernüchternd zu sehen, wie sehr ein ganzes Inselarchipel von den Launen eines Reeders und seinen Lakaien abhängt. Und wie sehr entscheidende Kreise diesen Hasardeuren die Hände oder auch anderes lecken Montag werden wir Anzeige gegen Armas und gegen deponieren, und wir planen eine größere mediale Aktion, ebenfalls montags. Wir stoßen allerdings sehr schnell an unsere Grenzen mit unserer Kapazität, schließlich müssen wir uns auch noch um unsere 3 traumatisierten Kinder kümmern, in der Hoffnung, dass sie nicht ein Leben lang einen Schaden von den Ereignissen NACH dem Schiffbruch, den Querelen und Intrigen von Armas, davontragen werden. Und das alles ohne jede materielle Grundlage auf einer Insel, wo wir gar niemanden kennen....Seit 2 Tagen hat uns Armas vor die Türe gestellt und wir müssen Automiete und Hotel und Essen etc alles selber berappen. Wir hatten ja eine kleine Finca gemietet auf La Palma, bezahlen da die Miete schon seit bald 2 Monaten, aber wir müssen noch hier bleiben, bis wir mit den Anwälten alles soweit klar haben, und vor allem, wir gehen von hier nicht weg, bevor wir nicht in Tarfaya waren, um unsere Festplatten zu bergen. Es besteht immer noch eine gute Chance, dass diese noch intakt ist und die Informationen extrahiert werden können. Ich habe Kontakt mit einer Firma in Madrid, recovery labs, die auf solche Fälle spezialisiert ist. Allerdings nehme diese Chance jeden Tag ab....wir können uns niemals abfinden damit, dass diese ignoranten Bürotäter einfach unser Anliegen in den Wind schreiben, nur weil sie rein versicherungstechnisch nicht für den Schaden im Computer aufkommen müssen. -Das meinen sie zumindest: Montag wird die Anklage erhoben, wir machen Armas vollumfänglich für den ganzen erlittenen Schaden verantwortlich, der uns ja nicht aus dem Schiffbruch direkt, sondern nur durch die Unterlassung und Fahrlässigkeit von Armas entstanden ist. Aber auch bei gerichtlichem Erfolg würde keine Summer der Welt uns je trösten können.

Im Moment gibt es soviel tragische Unglücke, von denen wir hören, Burma, welches schon so lange unter der Militärjunta leidet, nun dieser katastrophale Wirbelsturm, der auch nicht nur naturgegeben ist, sondern von unserem Energiehunger in der ersten und auch 2.Welt angeheizt wird, und China mit seinen Erdbebeopfern und und und. Oft werde ich auf meinen philosophischen Hintergrund angesprochen, mit dem es mir leichter fallen müsse, mit dem garstigen Schicksal umzugehen. Oder auf Gottes Willen. Aber es ist doch seltsam, dass die Leute immer ausgerechnet dann Gott bemühen, wenn ein Ereignis besonders sinnlos wirkt, oder unmenschlich. Was für ein Gottesbild... und was die philosophische Haltung betrifft, die kann ich durchaus bemühen, was unausweichliche Tatsachen betrifft, aber es wäre eine Verdrehung, wie sie zu gern in der esoterischen Szene betrieben wird, diese zur Toleranz von Ungerechtigkeit zu instrumentalisieren. Was uns hier so zu schaffen macht, ist nicht einfach die Katastrophe und ein Verlust daraus, sondern dass Menschen, die verantwortlich wären, alles erdenkliche zu tun, und auch über entsprechende Möglichkeiten verfügen, Leiden und Verluste zu mindern, nichts , gar nichts unternehmen und statt dessen zufrieden und selbstsüchtig ihr Kleingeld zusammenzählen. Was uns so leiden macht, ist zu sehen, wie wenig Mut und Selbstvertrauen die Betroffenen jeweils haben, für sich einzustehen und sich den selbsternannten Göttern zu widersetzen, und dadurch diesen geldgeilen Bonzen die ganze Macht geben, ihre Spielchen mit uns zu machen. Hier nützt alle Philosophie nicht, im Gegenteil, sie vertieft den Schmerz, wie auch sonst den Schmerz an einer ungerechten Welt.

Falls du noch Beziehungen hast zu Medien in D oder Spanien oder Kanaren, möchten wir dich bitten, diese anzusprechen, dass sie sich mit uns in Verbindung setzen möchten.

Es dauert also noch eine Weile, bis wir endlich ankommen dürfen in unserer Wahlheimat. Ich grüsse dich herzlich, Peter

Peter & Judith Toth Geimer p.toth@bluewin.ch




Samstag 17.05.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 21,2 Grad - niedrigste Temperatur 14,5 Grad

In Deutschland macht man das aber so

Schlechter kann man eine Diskussion nicht beginnen, zumindest wenn man sich gerade nicht in dem genannten Land befinden. - Da palmerische Gemütlich- und Genügsamkeit spätestens bei Besserwissereien endet, ist der Schritt vom "Listo" (kluger Kopf) zum "Listillo" (Besserwisser) zwar nur ein kleiner in der Wortwahl, aber ein ganz großer für das Begehren oder Vorhaben, mit dem man eigentlich angetreten war. - Meist liegt nur ein Missverständnis vor, der gute Teutone an sich will ja nur helfen und greift dabei in die Trickkiste seines Wissens, sein Gegenüber will aber auch nur helfen, aber eben so wie man das hier kennt und immer gemacht hat. - Helfen und Helfen lassen ist übrigens viel schwieriger als sich die meisten vorstellen können.

Grundproblem bei dieser Art von Missverständnissen muss auch die angeborene Gabe der Missionierung sein, die man bei den, in alle Welt emigrierten Deutschen wohl gemeinsam vermutet. - Hier will keiner missioniert werden, das haben wir früher mehr oder weniger erfolgreich mit anderen getan, wir wollen ganz einfach nur unsere Fehler und Eigenheiten so weiter machen wie gewohnt. - Die Fehler anderer ersparen wir uns lieber und überhaupt, warum kommen die dann alle hier her, das könnte doch auch bedeuten, dass hier eigentlich alles besser sein muss. - Zuhören und Pragmatismus sind leider nicht die deutschesten aller Werte, wären aber insgesamt sehr nützlich, wenn man Deutschland den Rücken gekehrt hat, aus welchem Grund auch immer. - Man kann alles besser machen, das wissen wir auch, wollen aber nicht unbedingt heute und gerade jetzt damit anfangen und außerdem brauchen fremde Ideen genügend Zeit, um im Laufe dieser den eigenen Stallgeruch annehmen zu können. - Das ist wichtig, ist man doch als Insulaner immer vorsichtig gegenüber denen, welche da an unsere Küsten klopfen. Früher hatten Piraten Kanonen, heute viel Geld, da muss man immer vorsichtig sein, wen man denn da vor sich hat.

Uns geht es auch gar nicht darum perfekt zu sein, das ist viel zu anstrengend, wir wollen doch nur in Frieden und in aller Ruhe unser kleines bisschen Leben mit freundlichen Menschen verbringen, da stört jeglicher Anspruch auf Perfektion nur. Natürlich bewundern wir den Fleiß und die Disziplin, die Deutschland noch berühmter gemacht haben als Brezeln und Oktoberfest, aber bei der Disziplin gefällt uns eher, diese aus sicherer Entfernung zu betrachten. - Man muss sich da immer mal wieder einen kleinen Vergleich vor Augen führen: Stellen Sie sich mal vor, irgendwo in einer deutschen Kleinstadt kommt ein leidlich deutsch sprechender Türke aufs Rathaus und fängt erst mal an zu erklären, wie umständlich das doch alles hier in Deutschland ist, in der Türkei mach man das so und so und das sei doch viel besser. - In diesem Fall würde man von fehlendem Integrationswillen unseres jungen Anatolen sprechen, wir sprechen dann von "Listillos". - In Deutschland macht man das so - Das freut uns aufrichtig und wir werden uns sicher nicht bemühen das ändern zu wollen, aber so ganz genau wollten wir das eigentlich gar nicht wissen…



Samstag 17.05.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1015 hPa

Das Gesetz des Himmels

Bei dem Thema könnte man nun weit ausholen, sogar den Dalai Lama zitieren und zurück bis zu den natürlichen und moralischen Sittengesetzen greifen, aber da wir uns und unseren Glauben nicht wirklich hinterfragen, haben wir das Himmelsgesetz für etwas anderes aufgespart. - Das gibt es hier nämlich wirklich, das "Ley del Cielo", regelt aber in keiner Weise den so angestrebten Eintritt in die Himmelspforte, sondern soll dafür sorgen, dass ein weiteres interessantes Wort nicht kontaminierend um sich greift. - Das Himmelsgesetz soll die Lichtverschmutzung in einem Rahmen halten, welche es den Astrophysikern auf dem Roque de Los Muchachos möglich macht, auch weiterhin in die Unendlichkeit des Universums zu blicken. - Zu viel Licht hier auf der Insel macht es den Observatorien schwer und aus diesem Grund hat man Auflagen erlassen, welche eben die Beleuchtung auf der Insel reduzieren sollen. - Allerdings ist dieses Gesetz relativ zahnlos, die Wissenschaftler von den Observatorien meckern zwar ab und zu mal, man kann aber weiterhin hier auf der Insel Strahler und Lampen in jeglicher Wattstärke kaufen und diese des nachts erstrahlen lassen, ohne dass jemand kommt und einem auf die Finger klopft.

Privatmenschen werden also von diesem Gesetz eigentlich wirklich nicht angegangen, die Rathäuser aber sind gehalten zumindest die öffentliche Lichtverschmutzung nicht ausarten zu lassen. - Da kooperiert man auch aus einem anderen Grund gerne, Strom ist teuer und die Stadtkämmerer würden lieber viel mehr Lampen ausknipsen, aber da Beleuchtung für uns immer noch in Teilen der helle Ausdruck des Fortschritts ist, werden weiterhin auch die entlegensten Orte in den Städten ausgeleuchtet. - Da man mit dieser Charaktereigenschaft gerechnet hat, kommt aus Madrid Geld welches den Gemeinden zur Verfügung gestellt wird, dass diese zumindest die bestehenden Straßenlaternen so verändern können, dass weniger Licht noch oben hin abgestrahlt wird. - Man rechnet uns vor, dass man so bereits die Lichtverschmutzung um 35% gesenkt hätte. Da wir nicht nachrechnen können, muss das so stehen bleiben und man wundert sich eigentlich nur, warum dann das neue Industriegebiet von Los Llanos hunderte an Straßenlaternen erhalten hat, obwohl dort außer dem Punto Limpio und der Blocksteinfabrik noch kein weiterer Betrieb steht. - Jetzt kommt wieder ein Batzen Geld aus Madrid, etwas mehr als 1 Million Euro und damit sollen die Gemeinden weiterhin ihre Beleuchtung so reduzieren, dass man die Observatorien auf dem Roque de Los Muchachos nicht stört. - Die Frage, warum man dann denn überhaupt so viele Laternen in Gegenden stellt, wo eh kein Mensch herumläuft den man durch Licht davor bewahren muss über einen Stein zu stolpern, bleibt somit offen.


Das neue Industriegebiet von Los Llanos



Freitag 16.05.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 21,3 Grad - niedrigste Temperatur 14,4 Grad

Verlustgeschäft Flughafenausbau?

Wie wir ja alle wissen wird unser Flughafen auf La Palma ausgebaut. - Fortschritt kann sein, aber auch dieses Vorhaben ist uns ein, nein, vielleicht sogar Nummern zu groß geraten. - Diesmal waren es allerdings nicht "wir", also die Kanarischen Inseln, die Verkehrsflughäfen gehören in Spanien allesamt der "AENA" (Aeropuertos Españoles y Navegación Aérea) und die sind eine staatliche Gruppierung und so kommt dieses, deutlich überzogene Geschenk aus Madrid. - Zu groß erscheint nun auch das Risiko für eine der beiden Bauunternehmungen zu sein, die als Union auf Zeit die Arbeiten um den Ausbau des Flughafens übernommen hatten. - Diese temporäre Firmengründung auf Zeit, hier "UTE" (Unión Temporal de Empresas) genannt, war ein Zusammenschluss der Firmengruppen "Dragados" und "Lopesan", wobei der erst genannte Konzern 70% der Mittel, Aufwendungen aber auch Gewinn der Union trägt, "Lopesan" die restlichen 30%. - "Dragados" ist eine Baufirma mit internationalen Beteiligungen und eine der ganz großen in Spanien auf diesem Sektor, "Lopesan" ein kanarischer Mischkonzern mit Sitz in Las Palmas, der auch noch Hotels hat, Läden und weitere lustige Unternehmensbereiche, der Schwerpunkt bei "Lopesan" liegt aber eigentlich im Tourismusgeschäft.

"Lopesan" hat nun seinen Anteil an der "UTE", in bestem Einvernehmen wie es heißt an "Dragados" abgegeben, so dass dieser Konzern die Arbeiten am Flughafen nun alleine stemmen wird. - Das muss nun nicht bedeuten, dass es jetzt 30% langsamer voran geht, zumindest verspricht der Konzern, dass die Arbeiten dadurch keineswegs gestört werden. - Der offizielle Grund warum "Lopesan" sich zurückzieht lautet, man habe bereits Geld verloren und erwarte mit weiterem Fortschreiten der Arbeiten am Flughafen noch mehr Verluste, welche Millionenbeträge erreichen können und das kann und will man sich nicht zumuten. - Gut, dann mutet sich das "Dragados" eben zu und man darf natürlich fragen, warum denn das so ist. Auch die Firma liefert eine Erklärung, man sei bereit bei einem Auftrag auch mal Geld zu verlieren, wenn dafür zukünftige Aufträge wieder Gewinn versprechen, denn schließlich sei die "AENA" ein wichtiger und gewichtiger Kunde. - Dabei zuckt man unwillkürlich ein bisschen, denn eigentlich müssen ja alle öffentlichen Bauaufträge ausgeschrieben werden und der billigste, meist sicher nicht der beste erhält den Auftrag, woher will also "Dragados" wissen, dass man von der "AENA" neue Aufträge erhalten wird. - Das muss ich mal ohne weiteren Kommentar stehen lassen, über Global-Player sollte man nicht zu viel mutmaßen, da empfiehlt es sich eher, mit seinem Mut in Maßen umzugehen. - Wortspiele sind die Poesie des kleinen Mannes…

Schon im Herbst letzten Jahres hat es deutliche Bauverzögerungen am Flughafen gegeben, welche auch bereits Anlass zur öffentlichen Diskussion gaben. - Da bereits muss es gekriselt haben, denn kurz darauf war die "UTE" offensiv mit Forderungen auf eine deutliche Aufstockung des Kostenvoranschlages an die "AENA" herangetreten.- Allerdings wies man seitens des Flughafenbetreibers den Wunsch nach mehr Geld wohl strickt ab, die "AENA" vertritt den Standpunkt (noch), warum macht man eigentlich vorher Kostenvoranschläge und nach dem Drittel eines Auftrages will man plötzlich mehr Geld haben, das geht so nicht. - Das hat "Lopesan" nun wohl veranlasst sich aus dem Ungeschäft zu verabschieden, aber das ist wie gesagt, nur die offizielle Version, denn so ganz passt da nicht alles stimmig zusammen, aber ob ich da wieder nur die Weizenkeimlinge wachsen höre, das wird uns niemand berichten.



Freitag 16.05.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 1,5 mm Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1013 hPa

Denn das Gute liegt so nah

Ich gebe es zu, mir war auch nicht bewusst, dass es auf La Palma einen Hausfrauenverein gibt. - "Asociación Palmera de Amas de Casa, Consumidores y Usuarios" nennt sich diese Gruppierung in Gänze und schließt damit, neben den "Amas de Casa" auch noch die Verbraucher und Nutzer ein, eben die "Consumidores und Usuarios". - Auf gut, oder auch weniger gut Deutsch wäre das dann eine Verbrauchervereinigung, eben mit dem direkten Hinweis darauf, dass meistens die Hausfrauen sich im täglichen Versorgungs- oder Einkaufsdschungel zurechtfinden müssen. - Wobei man natürlich betonen sollte, dass es auch Hausmänner gibt, aber eine Hausmännervereinigung, das hört sich nicht nur doof an und wir wollen das mit der Emanzipation bitte nicht übertreiben. - Zum Thema; Auch hier auf La Palma machen sich die drastisch gestiegenen Lebensmittelpreise bemerkbar, an den Supermarktkassen aber auch in den kleinen Läden stimmt man unisono immer öfter das Klagelied des kleinen Geldes und der hohen Preise an.

Die Hausfrauenvereinigung meldet sich nun mit einem höchst innovativem Vorschlag zu Wort und fordert die Inselregierung auf, den Umsatz und das Angebot an lokalen Produkten zu fördern und der Direktvermarktung größere Chancen einzuräumen. - Hört, hört, da müssen erst Hausfrauen mit dem Fuß auf den Boden stampfen um auf die Möglichkeiten des lokalen Warenaustausches hinzuweisen, der eben unabhängig von Warenterminbörsen und Biospritdebatte aus Sojabohnen einen großen Teil an Lebensmittelen des täglichen Bedarfes decken kann. - Im Idealfall errichtet man diese kleinen aber effektiven Bauernmärkte in jeder Gemeinde und lässt dort die letzen Landwirte unserer Wohlstandsgesellschaft ihre Feldfrüchte ohne großen bürokratischen Aufwand an die Frau oder auch den Mann bringen. - Allerdings gefällt so etwas natürlich wieder den bereits vorhandenen Gewebebetrieben nicht und den Großhändlern, macht doch jedes vom Bauern direkt erstandenes Kraut und Rübchen den Zwischenhändler unnötig und streut Sand ins Getriebe der globalen Warenströme. - Dabei fordern ja die drastischen Preiserhöhungen der letzten Monate die lokale Produktion und Verteilung geradezu heraus und reaktivieren so einen Sektor, den man ohne Subventionen und andere unterstützende Maßnahmen bereits auf das Nostalgieschafott geschoben hat. Plötzlich lohnt es sich wieder Kartoffeln anzubauen, da auch die internationale Konkurrenz nun Preise fordert, die wir auch können und so mancher Viehzüchter entdeckt jetzt wieder die wunderbare Welt der hiesigen Weiden und fährt mehrmals am Tag Futter schneiden, weil das einfach zu bearbeitende Kraftfutter aus dem Sack nun plötzlich 30% teuerer geworden ist. - Eigentlich eine fatale Entwicklung, dass wir erst über den Preis den Segen der lokalen Märkte wiederentdecken. - Aber das ist wohl so mit den evolutionsresistenten Wesen des Homo mercantilus, es geht nur über die Geldbörse. - Dumm läuft das natürlich alles mit den wahnsinnigen Straßenbauplänen, stellt euch vor, La Palma hat endlich seine Autobahn und keiner kann sich den Sprit mehr leisten, darauf auch zu fahren.



Donnerstag 15.05.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 21,8 Grad - niedrigste Temperatur 15,2 Grad

Potemkinsche Polizei

Frage an Radio Tenerife: Tut unsere Regierung etwas gegen den Ärztemangel auf den Inseln? - Antwort, im Prinzip ja, wir glauben dass es am besten sei, erst mal eine neue Polizeitruppe aufzustellen. - Wenn Sie das nun nicht verstehen, dann geht Ihnen das genau so wie den etwa 2 Millionen Einwohnern der Kanarischen Inseln, Sie sind also in guter, sehr guter Gesellschaft. - Es geht um die Aufstellung einer neuen Polizei, einer autonomen, endemischen oder vielleicht sogar autochthonen Truppe, welche sich Policía Canaria nennen soll. - Warum wir diese Polizei brauchen, das wird nicht so ganz klar, sind wir doch mit unseren bereits vorhandenen Polizeikörpern von der Policía Nacional, der Guardia Civil und der Policía Municipal eigentlich bestens mit uniformierten Exekutivemitgliedern ausgestattet. - Die Idee zur autonomen kanarischen Polizei gehört allerdings zum erweiterten Wunschdenken unserer, vom provinziellen Nationalismus geschwängerten Politiker der Coalicíon Canaria, denen alles suspekt ist was aus Madrid gesteuert ist und somit auch die Guardia Civil und die Policía Nacional. - Man möchte gerne eigene Hoheit auch über die Exekutive ausüben und sich so weit wie möglich unabhängig von der Zentralregierung machen wie es geht, außer wenn es um den Finanzausgleich geht, der traditionell Milliarden aus Madrid auf die Kanaren schaufelt. - Allerdings ist eines bereits klar, die Zeichen aus Madrid stehen gegen die kanarischen Polizei, neben verfassungsrechtlichen Bedenken hat man klipp und klar gesagt, für eine solche autonome Polizei gäbe es kein Geld aus Madrid, man müsste also selbst dafür bezahlen.

Bislang haben wir dieses Thema der Policía Canaria eigentlich immer nur als mittelguten Witz aus Absurdistan abgetan, aber den Herren scheint es damit ernst zu sein, denn nun hat man in einem Plenum des Kanarischen Parlamentes die Schaffung eines solchen Polizeikörpers beschlossen. Das mit den Stimmen der Coalicíon Canaria und denen der Partido Popular, die aus schlichtem wie schlechtem Machtbedürfnis hier auf den Kanaren eine Liaison mit den "Nationalisten" der Coalicón Canaria eingegangen sind. - Dagegen gestimmt haben die Sozialisten, auch mit dem Hinweis auf die fehlende Übereinstimmung mit der spanischen Verfassung, was man auf jeden Fall prüfen lassen wird. - Man darf sich wirklich fragen, ob es denn nötig ist eine vierte Polizeitruppe aufzubauen und wo denn eigentlich deren Aufgabengebiet läge. - Eher ist anzunehmen, dass man auf lange Sicht mit der autonomen Polizei entweder die Präsenz der Guardia Civil oder der Policía Nacional ersetzen will. - Vielleicht will man auch nur den Municipales, also den Stadtpolizisten eine neue Uniform verpassen und einen gewichtigeren Namen geben, aber auch das wäre ja sämtlich nur Makulatur. - Es bleibt also völlig unklar, wo der Sinn und der Nutzen einer solchen Polizeitruppe stehen würde, man muss nur mal daran denken was das kostet und welchen Aufwand man betreiben müsste, eine neue Polizeistruktur aufzubauen. - Es wird immer wieder, als eigentlich einziges Argument aufgeführt, man wolle damit dem erhöhten Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung Rechnung tragen. - Da muss ich allerdings beifügen, ein paar grimmig blickende Agenten der Guardia Civil sind da bestens für geeignet, dafür brauchen wir keine neue Polizeitruppe in bunten Phantasieuniformen die lediglich den Abgrenzungswillen einiger unserer Politiker demonstrieren soll. - Für mich ist es immer noch unverständlich, wie die große spanische Volkspartei die Partido Popular, die sich immer als Retter der Nation ausgibt, aus reinen taktischen Erwägungen für solch schillerndes wie lächerliches Lokalkolorit hergibt. - Die werden schon wissen was sie tun kann man auch sagen, sich umdrehen und gedankenlos glücklich werden. - Allerdings glaube ich schon lange nicht mehr, dass die wissen, was sie tun.

Nach so viel sinnentleertem Autonomiekindergarten noch ein Veranstaltungshinweis, der interessante Musik auf La Palma verspricht. - Russische Seele und Melancholie, aufgepeppt oder gepaart mit iberischem Feuer und Klang. - So etwas erwartet uns am Samstag in der Hauptstadt Santa Cruz, Elena Orlowa ehrt uns mit einem Besuch und einem Konzert. - Samtag den 17. Mai im Teatro Chico um 20:30 Uhr. Hier auf der Westseite kann man im Vorverkauf Karten bei "Discos Amy" kaufen, die Calle Real in Los Lanos von der Plaza ein paar Meter aufwärts, auf der rechten Seite. - Informationen und Einstimmungen gibt es auf der Webseite Elena Orlowas auch auf Deutsch.


Elena Orlowa auf La Palma



Donnerstag 15.05.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1014 hPa

Neuanfang für Industrie in El Paso

Jetzt ist es acht Jahre her, dass die Zigarettenfabrik in El Paso ihre Pforten schloss und die "JTI" (Japanese Tobacco International) ihre Produktion von La Palma nach Trier verlagerte. - Das war ein herber Schlag für El Paso und ganz La Palma, verloren doch an die 300 Angestellte ihren Job und reichlich Zulieferer und Servicepersonal um die Fabrik herum ihren größten Kunden. - Allerdings wurden große und reichliche Abfindungen gezahlt, und nicht wenige der damaligen Angestellten konnte so den Sprung in die Selbstständigkeit wagen, mit dem Kapital aus den Abfindungen und dem erworbenen Wissen in der großen Fabrik, hatte man auch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Firmengründern. - In den Jahren 2001 und 2002 entstanden so in und um El Paso herum einige, meist kleine Firmen, welche allesamt "sponserd by JTI" waren, was den Komplettverlust der Arbeitsplätze halbwegs lindern konnte. - Was übrig blieb war das große Industriegebäude, besenrein übergeben und eine feine Immobilie mit bestem Verkehrsanschluss und reichlich Platz für neue Aktionen.

Allerdings gab es Streit darüber, wer denn nun das Gebäude nutzen darf, oder die Nutzung zumindest verwaltet. - Es gab mehrere Interessenten, unter anderen ein Zusammenschluss mehrerer Geschäftsleute aus El Paso welche das Gebäude übernehmen wollte, aber die Inselregierung nahm schließlich die Hallen unter ihre Fittiche. - Von dort aus kam auch die Zusage für eine, mindestens dubiose Firma mit dem Namen "Sotexcan" welche auf La Palma aus Stoffresten Billigtextilien für den Einwegbedarf herstellen wollte. - In sich bereits eine fragwürdige Geschichte, da man die schweren und wenig wertvollen Rohstoffe teuer importieren musste und das Endprodukt auch wieder nur kostenintensiv verschicken konnte. - Das war aber gar nicht das Problem, denn man produzierte sowieso nie etwas, sondern spekulierte auf Subventionen um dann die Firma wieder zu schließen. - Es ist nie komplett aufgeklärt worden, oder man lässt es uns nicht wissen, was aus den ehemaligen Betreibern der Firma geworden ist und wer so lange seine schützende Hand darüber gehalten hat.

Danach gab die Inselregierung 50% der Verwaltung an das Instituto Tecnológico de Canarias (ITC) ab, die durften nun das Gebäude mit Firmen belegen welche rund um das Steuersparprogramm "ZEC" neu gegründet werden sollten, aber inzwischen war das Gebäude reichlich ramponiert und die versprochene Sanierung ließ bis heute auf sich warten. - Offiziell heißt es, es hätte Sicherheitsprobleme gegeben, aber jeder der schon mal in den Hallen war, der weiß dass es dort heftig reingeregnet hat und Grundbedürfnisse wie Strom- und Telefonanschlüsse fehlten, ohne die man neue Firmen sicher nicht begeistern kann, sich dort niederzulassen. - Nun hat die Inselregierung die 100% an dem Gebäude zurückerhalten, warum man also seinerzeit die Aufteilung an die "ITC" machte das bleibt auch unbeantwortet und in wenigen Monaten, also diesen Sommer noch soll nun das Gebäude erneut mit Firmen gefüllt werden. - Allerdings verspricht man dieses Mal bei der Auswahl der Interessenten deutlich vorsichtiger zu sein, so einen Kuckuck wie die "Sotexcan" will man sich nicht wieder einfangen. - Man habe die Firmen auch schon ausgewählt, die sich dort installieren wollen, und sogar mehr Interessenten als Platz zu vergeben. - So heißt es aus Reihen der Inselregierung und wenn das zutrifft, dann kann El Paso sich bald über neue Arbeitsplätze freuen und das Schöne daran ist, es muss kein neuer Industriekomplex dafür in die Landschaft geschmissen werden, man kann das bestehende Gebäude nutzen. - Nach acht Jahren wird es ja auch Zeit.



Mittwoch 14.05.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 18,8 Grad - niedrigste Temperatur 16,0 Grad

Ungeliebte Mobilfunkantennen

Jeder, oder fast jeder hat inzwischen ein Mobiltelefon und jeden ärgert es, wenn er keine ordentliche Verbindung bekommt. - "No hay cobertura" nennt man das hier, dann läuft man ein paar Meter weiter, nach links, nach rechts, biegt den Oberkörper nach vorne, nach hinten und macht die dümmsten Bewegungen dabei, bloß um mit dem nervigen Telefon seinen Gesprächspartner nicht zu verlieren. - Das liegt natürlich an der, bei uns auf dem Land noch brüchigen Ausstattung mit Mobilfunkantennen und so kommt es vor, dass ganze Landstriche von bestimmten Anbietern noch nicht erschlossen sind. - Das zu beheben, dafür stellen die Betreiber eben mehr Antennen auf, aber keiner will diese mehr haben und so müssen sich die Telefongesellschaften Tricks überlegen oder hohe Belohnungen zahlen, um solche Anlagen überhaupt noch aufstellen zu können. - Da gibt es Geschichten aus Tenerife, wo man Antennen als Wasserspeicher getarnt auf Dächern entdeckt hat oder versteckt in einem Waschmaschinenhäuschen und vermutet eben, dass noch viele weitere Antennen irgendwo, nicht zu erkennen mitten in der Landschaft herumstehen.

Auch auf La Palma hat man nun ein paar Schweineigel erwischt, wie diese eine Mobilfunkantenne in San Nicolas aufstellen wollten und das ohne Genehmigung und nur 100 Meter von der örtlichen Schule entfernt. - Den Nachbarn war aufgefallen, dass Arbeiter, die aussahen als kämen sie vom Stromlieferanten UNELCO, sich komisch verhielten, denn immer wenn sie sich beobachtet fühlten stellten sie die Arbeiten ein und kamen sogar nachts wieder um dann erneut Hand anzulegen. - Da muss man ja misstrauisch werden und so besahen sich die Nachbarn die komische Anlage von nahem und erkannten so, dass da eine Mobilfunkantenne aufgestellt werden soll. - Daraufhin verständigten sie die Stadtpolizei welche den Vorfall aufnahm und vom Rathaus kam daraufhin das Verbot weiter an der Antenne zu arbeiten, weil es keinen Antrag und schon gar keine Genehmigung gab, dort etwas aufzustellen. - Die Betreiberfirma kann nun noch einen Antrag stellen, aber da mit reichlichen Protesten gerechnet werden darf, nimmt man wohl eher an, dass man die Antenne nun eines Nachts wieder abholt und irgendwo anders, vielleicht hinter einem Hügel oder sonst wo aufstellen wird. - Allerdings muss man sich nun gute Verstecke suchen, die Nachbarn aus San Nicolas haben inzwischen einen guten Riecher bekommen, wenn plötzlich geheime oder nächtliche Baustellen auftreten.



Mittwoch 14.05.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 77 % Luftdruck 1016 hPa

Noch ´n Markt

Darauf hat die Welt gewartet. - Die steigende Nachfrage nach lokalen Produkten und die Müdigkeit der Verbraucher sich im tristen Angebot der Supermärkte ihr Obst und Gemüse zu kaufen, sorgt endlich für standesgemäße Antwort. - Auf La Palma gibt es zwei "echte" Wochenmärkte, einen in Santa Cruz de La Palma und den in Los Llanos. - Beide haben allerdings eines gemeinsam, in unmittelbarer Nähe gibt es wenige bis keine freien Parkplätze, so dass man entweder Geduld mitbringen muss oder gut zu Fuß sein, um in den angenehmen Genuss des überquellenden Angebotes dieser Markthallen zu kommen. - Daneben haben sich, mit schwankendem Erfolg, die Wochenendmärkte in Mazo und Puntagorda etabliert, wobei der "Mercadillo" im Norden der Insel deutlich innovativer und besser besucht ist sein Pendant in Mazo. - Als positive Ergänzung gibt es dazu noch sonntags in Los Llanos einen echten Bauernmarkt unter den Eukalyptusbäumen an der Stadteinfahrt aus El Paso kommend und in Santa Cruz de La Palma einen Markt an der Avenida Marítima. - Echter Gewinner dabei ist der sonntägliche Bauernmarkt in Los Llanos, wo Landwirte aus der Region, ohne den großen Aufwand einer Halle oder störendes Nebenangebot durch piepsendes Plastikspielzeug aus Asien ihre Ware anbieten können.

Weiter plant El Paso seinen Wochenmarkt, die Halle ist inzwischen fertig, sogar das Mobiliar bereits gekauft und im Sommer oder Herbst soll es dann losgehen. - Überholt wird der neue Markt in El Paso nun, zumindest in der Eröffnungsgeschwindigkeit von einem neuen Angebot in Puntallana, denn dort wird man nun, jeden zweiten Samstag im Monat auch einen Markt abhalten. - Eigentlich wird in Puntallana auch eine Markthalle gebaut, aber so lange will man nicht warten, deshalb startet man mit einem provisorischen Markt unter freiem Himmel, gleich neben dem Rathaus. - Im Juni soll es losgehen und eben den Landwirten der Umgebung die Möglichkeit zu verschaffen, ihre mühsam gezogenen Feldfrüchte an den geneigten Verbraucher direkt zu verkaufen. - Sicher eine gute Idee, den Landwirten diese Möglichkeit der Direktvermarktung zu geben, allerdings darf man sich in Puntallana nicht zu viel Publikum erwarten, denn seit dem man die neue Straße an der Ortsmitte vorbei gebaut hat, gibt es in Puntallana vor allem eines, nämlich Ruhe. - Das ist mit Sicherheit eine wunderbare Sache, aber Besucher hat diese nördliche Nachbargemeinde der Hauptstadt sehr wenige und so müsste man mit deutlicher Werbung und Hinweisen an der Hauptstraße dafür sorgen, dass viele potentielle Käufer ihren Ausflug in den Nordosten der Insel unterbrechen und einen Abstecher in den kleinen, fast vergessenen Ort, unternehmen.



Dienstag 13.05.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 79 % Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 20,1 Grad - niedrigste Temperatur 15,4 Grad

Lieblingsfeinde

Homosexuelle und die Katholische Kirche, Fleischereiwarenfachverkäuferinnen und Veganer, Tweety und Sylvester, das sind ein paar bekannte Paarungen für Lieblingsfeinde, wobei man diese Zählung sicher noch deutlich weiter führen könnte. - Ein ganz spezielles Pärchen des ewigen Glücks bilden auch die gesellschaftlichen Gruppierungen Naturschützer und Jäger. - Wobei mir jetzt natürlich der anständige Weidmann zürnt, der immer so treffend nicht nur die Jagd an sich, sondern aus die Hege und Pflege des Waldes als sein hehres Ziel anpeilt und so zum selbst ernannten Naturschützer wird. Das mag in vielen Fällen zutreffen, allerdings haben unsere Jäger hier doch ein anderes Verhältnis zur Jagd an sich, hier geht es lediglich darum Strecke zu machen und das nicht wie bei den Marathonläufern, die bringen sich nur selber um, bei den Jägern zählt halt jeder erbeutete Kopf. - Wenn es denn dem Fleischtopf dient und der Ernährung der Familien der Jäger, dann darf man das nicht mehr verdammen als die komplette Viehzucht in der Landwirtschaft. - Allerdings müssen die meisten Jäger hier wohl eingestehen, dass man mehr aus Leidenschaft und Freude die Tätigkeit der Jagd ausübt, so als würde ein Schlachter seine Arbeit gerne machen und das habe ich noch nicht gehört.

Die Umweltschützer setzen hier bereits an, denn das Töten von Wildtieren ist natürlich bereits ein Eingriff in die Biodiversität und kann im Übermaß so einiges aus dem Gleichgewicht bringen. - Wobei man natürlich auch deutlich nach dem Gleichgewicht fragen muss, wo es denn das noch gibt, nachdem der Mensch seinen segensreichen Fuß irgendwo hingesetzt hat. - Aus reinem Humanismus reicht mir aber die Aussage locker, auch der Mensch ist Teil der Natur und seine Veränderungen an der Umwelt sind somit natürlich Folgen der Evolution. - Schwierig wird es dabei, wo man die Grenzen setzt, aber dafür haben kluge Köpfe ja die Nachhaltigkeit erfunden oder zumindest definiert, das kann schon ein prima Richtwert sein. - Zurück zu den Jägern und den Umweltschützern. - Diese erheben jetzt einen heftigen Vorwurf an die Weidmansszunft, man würde gezielt Mähnenschafe (Mufflons) züchten um diese dann hier auszusetzen und das aus dem einzigen Grund, diese dann später wieder heroisch tot zu schießen. - Lassen wir mal das moralische Gesülze auf der Seite liegen welches ich so gerne bei diesem Thema anstimme, die Umweltschützer sehen in den Mufflons auch eine direkte Bedrohung für die heimische Flora, sollten die Jäger die künstliche Population nicht mehr in den Griff bekommen. - Jetzt mag so mancher meinen, das ist doch eine alte Geschichte das mit dem Mähnenschafen, oder hier oft "Arruis" genannten Tieren, aber hier sprechen wir nicht über die in den siebziger Jahren ausgesetzten Tiere, welche es immer noch in der Caldera gibt, sondern über eine neue Population auf der Cumbre Vieja. - Die Jägervereinigung, übrigens interessanterweise als Sprecherin vertreten von einer Frau, äußert sich natürlich abschlägig gegenüber diesem Vorwurf, darüber sei dem Verband nichts bekannt und so etwas komme bei aufrichtigen Jägern nicht vor. - Allerdings merkt sie an, dass es unter Umständen Individuen geben könnte, welche solch einen Frevel vielleicht begehen, aber das seien Einzelfälle und sicher auch keine richtigen Jäger. - Jetzt müssen wir nur herausfinden, was ein richtiger Jäger ist und was ein falscher, dann könnten ja die Richtigen die Falschen jagen, nur mal so zum Spaß. - Übrigens gibt es auf La Palma 2.300 "richtige" Jäger und manchmal habe ich Zweifel, ob denn die Zahl der Kaninchen die hier den Löwenzahn abmümmeln eine ähnliche hohe Anzahl aufbringen. - Weidmannsviel kann man da nur sagen.



Dienstag 13.05.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 78 % Luftdruck 1017 hPa

Was hat Schminken mit Gleichberechtigung zu tun?

Man kann sich über alles streiten, auch darüber, ob es denn wirklich erstrebenswert ist, dass Männer im Rahmen der Gleichberechtigung beider Geschlechter nun Röcke tragen sollten und Frauen endlich lernen, einen Reifen zu wechseln. - Mindestens 5 Euro für die Chauvi-Kasse bedeutet das nun, kein Problem, ich habe Geld schon sinnloser ausgegeben und die 5 Euro kommen vielleicht ja auch der wirklichen Gleichberechtigung zu Gute und wir kaufen davon Schminke. - Tazacorte ist berühmte Heimstatt politischer Polemik und dabei geht es nicht nur um eventuelle urbanistische Verzweiflungstaten, sondern auch um den tagtäglichen lokalpolitischen Wahnsinn. - Da Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau inzwischen zwar Gesetz ist, aber einfach in den Unterschieden zwischen den beiden Geschlechtern seine natürlichen Grenzen findet, legen alle Gemeinden Programme auf, welche diese Unterschiede minimieren sollen und den Frauen helfen soll, ihre, vom Gesetz verlangte Position zu beziehen. - Im Umkehrschluss gibt es keine ähnlich gelagerten Programme für Männer, als wäre da wo die Männer sind, das angestrebte Ziel. - Bekomme ich jetzt meine 5 Euro aus de Chauvi-Kasse wieder zurück?

Im Rahmen und mit Finanzierung aus den vielen Gleichberechtigungstöpfen, hat man nun in Tazacorte einen Kursus für Frauen aufgelegt, der ihnen beibringen soll, wie man sich besser schminken kann. - Jetzt meldet sich die Opposition zu Wort und geißelt dieses Angebot als chauvinistisch und deutliches Zeichen dafür, dass man in der Gemeinde noch nicht begriffen hat, um was es in der angestrebten Gleichberechtigung wirklich geht, denn Frauen sollen nicht nur als Schönheitsideal "ihren Mann" in der Gesellschaft stehen können, sondern mit anderen Tugenden das selbstbewusste Auftreten in der Gesellschaft lernen. - Gut, da ich aus einem Dreimädelhaus komme, mit semiprofessionellem Beistand eines kastrierten Katers, habe ich gewisse andere Vorstellungen von notwendigem Selbstbewusstsein der Frauen. - Allerdings teile ich in diesem Sinn wohl die Kritik der Opposition in Tazacorte, wenn Schminken, also das Verändern der eigenen Person zu den Werten einer kompletten Frau gehören soll, dann ist das was faul an der Gleichberechtigung. - Aber das muss man lockerer sehen und viel zu oft entgleitet uns dabei der wirkliche Sinn dieser Bestrebung, die da einfach nur heißen kann, gleiches Recht für Frau und Mann, nicht aber Gleichmacherei und als Ziel ein bisexuelles Wesen, welches aus den Vorzügen beider Geschlechter geformt ist. - Mit den "Mädels" von Tokio-Motel hat man den Versuch ja schon gestartet und ich kann wirklich nur sagen, wenn Gleichberechtigung damit endet, dass Männer sich schminken müssen, dann bekommt das chauvinistische Lager enormen Zulauf. - Man darf das alles bloß nicht so eng sehen und in Tazacorte sowieso nicht.


Eine gleicher berechtigte Frau



Montag 12.05.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 21,0 Grad - niedrigste Temperatur 14,1 Grad

Trickreiches Los Llanos

Die Bürgermeister der Westseitenmetropole zeichnen sich meist nicht unbedingt durch Minderwertigkeitskomplexe aus und sind oft voller Phantasie. - Das nicht immer nur zur Zufriedenheit aller Bürger dieser Insel, man denke nur an die heimliche Eingemeindung der Siedlung Amagar. Aber seit dem es Juan Ramons an der Spitze der Gemeinde Los Llanos gibt, hat man den Fortschritt und die Progression gepachtet. - Der jetzige Bürgermeister heißt Juan Ramón Rodríguez Marín und sein Vorgänger war Juan Ramón Hernández Gómez, der die Stadt seinem doppelten Juan Ramón nur überließ, um in die Provinzregierung zu wechseln und nun die gesamtkanarischen Obliegenheiten in Sachen Infrastruktur und Transport zu lenken. - Welch klassische Fügung und wie wunderbar für den Straßenbau in Los Llanos, daran wird es sicher nicht mangeln. - Hier geht es aber jetzt nicht um das immer dichter werdende Straßennetz unserer Nachbargemeinde, sondern um den geplanten Schutzdeich für den Strand von Puerto de Naos endlich anzugehen und auch da zeigt sich wieder die wunderbare Phantasie mit der Projekte beschleunigt werden können, die sonst im Sumpf der Administrationen und Kommissionen zu versinken drohen.

Versinken ist das Stichwort, denn man möchte einen unterseeischen Schutzdeich vor den Strand legen, damit die rauen Seen nach einem Unwetter den Strand nicht wieder wegspülen, wie es bereits öfter geschehen ist. - Das ist aber nicht Gemeindesache, sondern Angelegenheit der Küstenbehörde, denn die sind für alles zuständig ab dem Moment wo es nass wird und die letzten 100 Meter auch wieder retour. - Diverse Gedanken und Ideen gab es da schon, wie man das machen könnte, zum Beispiel mit einem oberirdischen Deich den man auch noch als Hafen nehmen könnte, mit einem halbversenkten, der nur bei Ebbe über die Wasseroberfläche hinauslugt und dann eben noch die "getränkte" Variante, die dem geneigten Besucher überhaupt nicht auffallen wird. - Allerdings konnte man sich nie so richtig einig werden, ist doch die Küstenbehörde ein ziemlich träges Geschöpf, man denke nur daran, dass man 1988 ein Gesetz erlassen hat nachdem auf 100 Länge der Küstenstreifen nicht mehr bebaut werden darf und im Jahr 2007 hat man damit begonnen, dieses Gesetz auch anwenden zu wollen. - Um das zu verhindern, denn schließlich redet man schon mehr als 5 Jahre von diesen Plänen, hat nun die Gemeinde Los Llanos einen Teil der Arbeit der Küstenbehörde übernommen und in eigener Regie das Projekt zeichnen lassen. - Dieses Machwerk hat man nun der Küstenbehörde übergeben, jetzt sollen die das als ihr eigenes deklarieren und dafür die Genehmigungen einholen und die Finanzen klar machen, so wie sich das gehört. - So hofft man natürlich auch genau das gebaut zu bekommen was man haben wollte und keine "fremden Ideen" angeboten zu bekommen. - Ob der Trick funktioniert, das werden wir in den nächsten Jahren sehen. - Sicher werden einige "Details" noch von der Küstenbehörde geändert werden, wenn auch nur symbolisch, um sich wenigstens eingebracht zu haben, aber über Details lächelt man in Los Llanos schon lange nur noch. - Der Deich soll lediglich 120 Meter lang werden, vom südlich Zipfel des Strandes nach Norden gezogen werden und 4 Meter unter der Meeresoberfläche verlaufen. - Für dieses "Deichschnäppchen" hat man 7 Millionen Euro veranschlagt und wenn man die übliche Verdreifachungsrate bei öffentlichen Großprojekten annimmt, dann wird das vielleicht für 20 Millionen über, nein, Verzeihung, unter die Bühne gehen.


Der Strand von Puerto de Naos auf La Palma



Montag 12.05.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 14 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1018 hPa

Traumstraßen La Palmas

Zwischen notwendiger und leistungsfähiger Infrastruktur, sowie Landschaft fressender Prachtstraßen die niemand braucht, scheinen die Übergänge fließend zu sein. - Da tauchen immer mal wieder neue Projekte auf, plötzlich und unerwartet werden Straßen gebaut wo diese niemand je vermutet hätte, so wie die lustige Halbumgehungsstraße von La Laguna, deren tieferen Sinn noch niemand versteht, und andere Vorhaben bleiben ein Jahrhundert in irgendwelchen Schubladen oder Köpfen stecken. - Allein auf Grund unserer Orographie hat diese Insel kein Netz an Küstenstraßen, aus touristischer Sicht ein klares Manko, allerdings schützt dieser Umstand auch unsere Ufer, denn da wo niemand hinkommt, da kann auch keiner was kaputt machen. - (Ich liebe einfache Schlüsse) - Eine Straße von El Remo nach Fuencaliente, das ist so ein Stück Straße, von dem man hier auf der Westseite schon mehr als eine Generation träumt, allein die technischen Schwierigkeiten und die zeitweise Negation aus Fuencaliente haben diesen Verkehrsweg bislang verhindert. - Wenn man von technischen Problemen spricht, dann meint man natürlich immer die komplexe Finanzierung, denn theoretisch ist das natürlich möglich, auch wenn fast der komplette Straßenverlauf dann als Tunnel geführt werden müsste.

Wirft man mal einen Blick auf die Karte, dann erfährt man staunend, dass es sich lediglich um etwas mehr als 2 Kilometer Trasse handelt, die man der Küste abtrotzen würde. - Von El Remo bis zu den ersten Bananenplantagen von Fuencaliente bei "El Banco" ist es nicht weiter, allerdings müssten man dann anschließend noch weitere 2 Kilometer Straße verbreitern oder gleich neu schaffen, denn die Wege bis hin zur Auffahrt nach Fuencaliente sind lediglich kleine Gassen für die Bananenbauern und verirrte Besucher. - Auf der anderen Seite bis El Remo ist der Weg eigentlich frei, allerdings sollte man dort die beiden berühmten Sprungschanzen der Straße etwas abflachen, wenn man wirklich gedenkt, dort Touristenströme entlang zu leiten. - Das Problem sind die guten 2 Kilometer zwischen El Remo und El Banco, dort liegt ein reichlich instabiles Stück Küste, welches steil aufragt und immer wieder Geröll in den Atlantik kippt. Wie man durch diese "vulkanische Müllhalde" eine sichere Straße schlagen will, das liegt eben bislang auf noch keinem Tisch und lässt gewaltige Ausgaben zum Schutz des Weges vermuten. - So erfährt eine Anfrage des Sprechers der Partido Popular im Cabildo Insular, der den Bau dieser Straße fordert, auch grundsätzliche Unterstützung, allerdings schiebt man das Projekt nach hinten, weit nach hinten, denn es gäbe andere Prioritäten, welche die momentane Aufmerksamkeit (Finanzmittel) voll in Anspruch nähmen. - In der Tat ist man ja eigentlich schon mit der Finanzierung des Ausbaus des bereits vorhandenen Inselringes voll auf beschäftigt. - Dazu kommt dann noch der zweite "Cumbre-Tunnel", die Brücke über den Barranco de Las Angustias, die Umgehungsstraßen für Tazacorte und El Paso und irgendwo schwappt ja auch immer noch die Krönung des unsinnigen Straßenbaus in manchen Köpfen herum, die Autobahn. - Bis man also auf die Straße von El Remo nach Fuencaliente hoffen darf, gehen noch Generationen von anderen Verkehrswegen in den Bau, oder werden wieder verworfen, es kann also noch ein Tröpfchen dauern.



Sonntag 11.05.08 - 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 20,8 Grad - niedrigste Temperatur 13,7 Grad

Wir wollen nicht zu Los Llanos gehören

Man kann es eigentlich gar nicht glauben. - Da kann man aus dem Weltall sehen ob der Nachbar sein Auto korrekt geparkt hat und alles auf dieser Welt scheint so vermessen (ruhig auch im doppelten Sinn zu verstehen), dass doch wirklich jeder wissen müsste wo er hingehört. - Gut, wir kennen das von den, meist nachts wandernden Grenzsteinen, aber dass man ganze Gemeindeteile einfach verschluckt, das ist dann doch größeres Kaliber. - Aber so geschieht das hier auf La Palma mit der kleinen Siedlung Amagar, welche am Nordhang des Auslaufes des Barranco de Las Angustias liegt. - Da war man sich immer sicher zu Tijarafe zu gehören, aber im lokalen Flächennutzungsplan von Los Llanos taucht der Flecken nun auch auf und wir kennen zwar aus der Literatur das Doppelte Lottchen, noch nicht aber das doppelte Amagarchen, also eine der beiden Gemeinden muss da etwas vorschnell gehandelt haben. - Der Streit ist nicht neu, vor 20 Jahren streckte Los Llanos schon einmal seine Finger bis hinauf zum El Time, nun aber mit der Einzeichnung in offizielle Bebauungspläne erreicht der nachbarschaftliche Konflikt ein anderes Terrain. - Eigentlich gibt es gar keine Frage zu wem denn nun der Nordhang des Barranco de Las Angustias gehört, nämlich zur Nordgemeinde Tijarafe, aber Los Llanos will sich damit einfach nicht abfinden und schürt so den Streit immer wieder.

Den Einwohnern der kleinen Siedlung ist nun angesichts der Kolonialisierungspläne der größten Stadt der Insel der Kragen geplatzt und hat nun schriftlich kundgetan, Einwohner Tijarafes zu sein und die Gemeinde Los Llanos aufgefordert, den gesamten Nordhang der Schlucht aus ihrem Flächennutzungsplan ein für alle mal auszuklammern. - Das sogar fast einstimmig, denn von den gerade mal 57 Bewohnern und Eigentümern der Siedlung, haben 48 eine schriftliche Beschwerde gegen den Flächennutzungsplan der Stadt Los Llanos eingereicht. - Die fehlenden 9 Einwohner befinden sich nicht auf der Insel, also sind die Eingaben mit einem Referendum zu vergleichen und sagen eindeutig aus: Wir wollen nicht Bürger Los Llanos sein. - In den Beschwerden gegen den Flächennutzungsplan wird auch aufgeführt, dass alle Dienstleistungen immer aus Tijarafe kamen, also Müllabfuhr, Wasserversorgung und Zertifikationen und man hat auch seine Steuern und Abgaben in der Nordgemeinde entrichtet und nicht in Los Llanos. - Auch stehen in den Katasterämtern die Liegenschaften unter dem Stichwort Tijarafe und nicht Los Llanos und auch Geburten, Eheschließungen und schließlich der letzte Dienst, nämlich der Gang zum Friedhof, das wird für die Bewohner Amagars alles in Tijarafe erledigt. - Die Aussagen und Fakten sind natürlich nicht nur überzeugend, sondern auch stichhaltig, so dass es verwunderlich ist, dass eine Nachbargemeinde die Finger so dreist und vorwitzig nach fremden Stadtteilen ausstreckt. - Bemerkenswert ist es allerdings auch, dass der hohen Planungskommission in Tenerife, der mächtigen "COTMAC" nie aufgefallen ist, das gleich zwei Gemeinden La Palmas für das gleiche Gelände einen Flächennutzungsplan erstellen. - Für alle anderen ist es eindeutig, die Menschen aus Amagar wollen keine "Llanenses" sein, sondern "Tijaraferos".



Sonntag 11.05.08 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1020 hPa

Erst denken, dann handeln

Zugegeben, genau das fällt mir auch immer schwer, liegt aber meist daran, dass man sich nicht den richtigen Zeitpunkt ausgesucht hat, Kommendes bereits frühzeitig mit in sein Kalkül einzubeziehen. - Theoretisch nennt man so etwas Planung, oder präziser Zukunftsplanung. - Das braucht man im privaten Umfeld, in der Familie und natürlich auch in den Reihen der von uns demokratisch gewählten Volksvertreter, die wir ja gerade aus dem Grund dort hingestellt haben, um uns diese komplexe Planung abzunehmen. - Allerdings erweisen wir uns da allesamt wieder nicht demokratiefähig, weder die Politiker, noch das Volk lässt eine weit reichende Zukunftsplanung zu. - Es ist billig und viel zu einfach die Schuld immer nur in den Regierungskreisen zu suchen denn wir, das Wahlvolk, lassen es überhaupt nicht zu, dass Leute mit weiter reichenden Visionen an die richtigen Stellen gelangen, sondern wir fordern schnell erreichbaren und besonders sichtbaren Fortschritt und wer am besten lügt und sich die Koteletten färbt, der wird erneut gewählt. - Schwächelt dann die Volkswirtschaft, weil die Rohölkosten immens steigen, den Amerikanern die Kredite platzen und die Arbeitslosenzahlen ebenso schnell steigen wie die Lebensmittelpreise, dann ist purer Aktionismus angesagt, nicht ohne vorher die demütigenden, aber wohl politisch korrekten Schlammschlachten der Parteien in den Regierungshäusern abgehalten zu haben.

Die Zahl der Arbeitslosen auf La Palma ist auf ein neues Rekordniveau gestiegen, für den April werden 7.312 Menschen gemeldet die ohne Arbeit sind, natürlich nie die Personen mitgerechnet, die aus der Selbstständigkeit in das erwerbslose Leben rutschen, denn die haben kein Anrecht auf Leistungen des Arbeitsamtes. - Diese Entwicklung die nun stattfindet, ist ja keineswegs unvorhersehbar gewesen, gerade reduziert auf das kleine Umfeld und den kleinen Markt La Palma ist das die logische Zäsur die folgen muss, wenn man an die zehn Jahre zu groß gebaut, zu viel gepumpt und zu schnell gewachsen ist. - Das ist normal, logisch, ganz einfach erklärbar, das ist der dicke Kopf, der Kater nach einem rauschenden Fest und da muss man durch und bloß eines nicht machen: Weitersaufen. - Allerdings ist von planerischer Seite her niemand dieser Meinung, oder traut sich nicht diesen Umstand dem Volk präsentieren zu können, da man mit den harten Entzugsschmerzen keine willfährigen Wählerstimmen anlocken kann und damit haben die mutlosen Politiker leider wohl auch Recht. - Jetzt plötzlich, immer nachdem die neuen Arbeitslosenzahlen veröffentlicht werden, gibt es hitzige Debatten im Inselparlament und man verspricht schnelle Lösungen und reichlich Aktionismus macht sich breit, als könne man die Fehler die vor 10 Jahren begangen wurden mit einer Extraportion Rum und reichlich Aspirin aus der Welt schaffen.

Die Bürokratie soll entzerrt werden um mehr private Investitionen anzulocken, das Bodenrecht gelockert um mehr Platz für Industrieräume zu geben und unisono fordern alle Parteien, auch wenn sie dabei streiten, die schnelle Umsetzung des touristischen Sondernutzungsplanes für La Palma, denn der würde positive Reaktionen auf dem Arbeitsmarkt hervorrufen. - Dabei ist dieser Plan nicht der Anfang einer touristischen Rallye auf der Insel, sondern der pure Ausverkauf der einzigen Attraktionen La Palmas und eine Hingabe an ein touristisches Modell, welches in anderen Regionen dieser Welt bereits als Auslaufmodell in Tonnen, in sehr große Tonnen gepresst wird. - Aber auch der einzigen Opposition, in diesem Fall den Sozialisten fällt nichts anderes ein, allerdings hat man sich ja in den Abstimmungen ostentativ, progressiv und mutig der Stimme enthalten und können so vielleicht in 10 Jahren sagen, wir haben den Mist aber seinerzeit nicht unterstützt. - Unter die Räder in all dem blinden Gewühle gehen jegliche Vorsicht und die zarten Bemühungen um die Entwicklung dieser Insel auch nur in Ansätzen in nachhaltige Richtungen zu lancieren. - Anstatt dessen geht der Rausch weiter und je heftiger der Katzenjammer nach unserem übermäßigen Genuss an gepumpten Wachstum ist, umso größer müssen die Methadon-Häppchen werden, die man dem Wahlvolk zuwirft, denn eines darf nicht passieren, dass die Wähler mitbekommen, dass es nach dem morgen auch noch ein übermorgen gibt. - Hier heißt der Spruch: "Pan para hoy y hambre para mañana" - Brot für heute und für morgen den Hunger, sagt man hier zu solchem blinden wie populistischem Aktionismus. - Aber seien wir mal ganz ehrlich, würden wir einem Politiker folgen, der uns zuerst Hunger verspricht und dann erst Brot?



Samstag 10.05.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 72 % Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 19,7 Grad - niedrigste Temperatur 15,0 Grad

Die Assalama war ihr Schicksal

Vor ein paar Tagen noch haben wir das Hilfegesuch einer in Marokko gestrandeten Familie hier veröffentlich dürfen, die ihr gesamtes Hab und Gut auf bei dem Schiffsunglück vor dem Hafen von Tarfaya verloren haben. - Die hiesige Presse hat bis auf Canarias 7 den Fall komplett ignoriert, warum das so ist, das gehört in den großen Fragenkatalog, den es rund um die Strandung der Assalama noch gibt. - Allerdings wurde nun sogar im größten deutschsprachigen Online-Magazin über das Schicksal der deutsch-schweizerischen Familie berichtet, der Spiegel-Online brachte in seiner heutigen Ausgabe einen großen Bericht darüber. Danach besteht eine gewisse Hoffnung, dass das Schiff in den nächsten Tag seetüchtig gemacht werden kann um dann auf die Kanaren gebracht zu werden. Fraglich ist natürlich dann, ob die "Fracht", also die Autos und andere Wertgegenstände, der an die 140 Passagiere noch gerettet werden kann. - Die Familie war übrigens auf dem Weg nach La Palma und wollte sich hier niederlassen. - Gut, so manche Auswanderungsgeschichte auf diese Insel begann mit einem "Knall", allerdings noch keine mit einem Schiffbruch. - Vielleicht kann man das ja auch als gutes Omen sehen, die meisten Immigranten erlitten "ihren Schiffbruch" auf La Palma deutlich später und auf trockenem Boden.

Rund um den "Nichtuntergang" der Assalama ranken sich weiterhin Gerüchte die man besser nicht wiedergibt, allerdings darf man Fragen stellen welche leider nur ungenügend beantwortet werden. - Die Reederei Armas hat allerdings selbst für die Gerüchte gesorgt, da sie aufkommende Fragen nie konkret und zufriedenstellend beantwortet hat und nur ganz spärlich überhaupt erst mit Informationen an die Öffentlichkeit gegangen ist. Nur so kommt es überhaupt zu Gerüchten und macht aus einem bedauernswerten Unfall eine Geschichte mit undefinierbarem Beigeschmack. - Da bleibt auch die Rolle der hiesigen Presselandschaft fragwürdig, lediglich die auf Gran Canaria angesiedelte Zeitung Canarias 7 berichtete laufend über das Geschehen und verlor darauf hin prompt den Reeder als Werbekunden. - Die anderen Blätter, besonders die beiden in der Provinz Tenerife angesiedelten "El Día" und "Diario de Avisos" berichteten erst Tage nach dem Geschehnis und brachten lapidare Darstellungen und Pressemitteilungen der Reederei. - Dabei ist ein Fährschiffunglück eines Schiffes einer kanarischen Reederei mit hiesigen Passagieren an Bord doch eigentlich ein absolutes Muss für die erste Seite. - Auch die Frage nach dem Kapitän, der kubanischer Nationalität sein soll und wohl eine dramatische Fehlentscheidung getroffen hat trotz der Kollision mit der Hafenmauer auszulaufen, verlieren sich im Nebel der Nichtinformationen. - Es bleibt zu fürchten, dass es nicht wirkliche Aufklärung über den Unfall geben wird und so die Bevölkerung weiter Gerüchten auf den Leim gehen kann, welche die Reederei sicher nicht verdient hat, aber leider auch nichts dagegen unternimmt diese komplett zu entkräften. - Der Imageschaden ist jetzt bereits enorm, aber weniger durch den Unfall, so etwas kann immer wieder und jedem passieren, sondern durch die altmodische und fragwürdige Art mit dem Passierten umzugehen. - Das gleicht sowjetischer Informationspolitik aus der Stalin-Ära, aber nicht der eines modernen Unternehmens mit Öffentlichkeitsarbeit im 21. Jahrhundert. - Gut, dass es bei mir auf der Seite keine Werbung gibt, die man mir wegnehmen kann. -



Samstag 10.05.08 - 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 71 % Luftdruck 1019 hPa

Universität La Palma

Eines unserer großen Probleme ist die Abwanderung junger Akademiker, viele Jugendliche die zum Besuch einer Universität diese Insel verlassen müssen kehren niemals zurück. - Sei es Gran Canaria, Tenerife oder gar das spanischen Festland, die überwiegende Mehrheit unserer jungen geistigen Elite arbeitet nach dem Abschluss des Hochschulstudiums nicht auf La Palma, sondern bemüht sich um eine Karriere anderswo. - Das hat mehrere Gründe. - Einmal natürlich, dass wir hier auf der Insel mit unseren 85.000 Einwohnern in jeglicher Hinsicht ein begrenzter Markt sind und man als Angestellter oder auch Beamter eine vorgegebene Berufslaufbahn einschlagen muss, die niemals wirkliche Spitzenjobs bietet. - Auch haben wir keine Industrie in welcher es sich lohnen würde an einer internen Laufbahn zu arbeiten, jeder der hoch hinaus will, der bastelt sich seine Zukunft außerhalb der Insel. - Ein weiterer Grund ist, dass man diese Insel überhaupt verlassen muss um zu studieren, eine größere Anzahl an Familien können es sich überhaupt nicht leisten, die Zusatzkosten zu stemmen die es bedeutet, ein Kind auf eine andere Insel zu schicken um dort die Hochschule zu besuchen.

Den Exodus an jungen und gut ausgebildeten Leuten muss man komplett durch Immigration auffüllen, eine sicher probate Methode, allerdings gibt es bei diesem Klientel erhebliche Fluktuation, wer wirklich gut ist in seinem Job, der greift bei der ersten Gelegenheit auf ein Angebot von außerhalb zurück, denn da lockt eben das größere Geld und weitere Aufstiegschancen. - Versuche dieses hausgemachte Dilemma zu mildern gibt es manche, einer davon wäre die Schaffung einer eigenen Universität, oder zumindest das Angebot ausgesuchte Fächer auch hier auf La Palma als Hochschulstudium absolvieren zu können. - Diese Forderung ist nicht jung, aber bislang verhallte dieser Ruf nach einer eigenen Kaderschmiede immer an den reichlich tauben und egozentrischen Ohren der beiden großen Nachbarinseln, welche die Universitäten der Kanaren beherbergen. - Nun will man einen erneuten Anlauf nehmen, die Inselregierung hat, diesmal einstimmig auch mit dem Wohlwollen der Opposition beschlossen, die Forderung nach einer eigene Fakultät an die beiden kanarischen Universitäten zu richten. - Ob das Erfolg hat, das muss man mal dahingestellt lassen, allerdings sitzen nicht wenige mächtige Politiker im Provinzparlament deren Herkunft La Palma ist, so dass man wohl mit deren Unterstützung rechnen kann. - Einen Campus für La Palma, das wäre sicher eine Zukunftsoption, deutlich nachhaltiger als Golfplätze und weitere Hotels um den Leerstand noch zu vergrößern. - Als Weltbiosphärenreservat drängt es sich gerade zu auf, Themen welche einen direkten Bezug zu Umweltentwicklung und Technologie haben. Daneben haben wir das größte und modernste astrophysikalische Observatorium auf der Nordhalbkugel, da ist es doch eigentlich schon ein Fehler durch Unterlassung, diese Einrichtungen nicht auch als Studienmaterie zu nutzen. - Also, endlich mal ein Vorschlag mit Zukunft für diese Insel, Universität La Palma. - Auf geht´s Politiker und Lobbyisten, wir wollen Ergebnisse sehen und ich meine Enkel bereits anmelden können. - Ok, ich gebe es zu, ich habe noch gar keine Enkel, aber ich will endlich mal langfristig planen…



Freitag 09.05.08 - 20:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 57 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 21,4 Grad - niedrigste Temperatur 16,3 Grad

Die Ziege von Teguerguenche

Wir verlassen heute mal wieder La Palma um einen kurzen Besuch auf La Gomera abzuhalten, aber da es sich um ein globales Thema handelt können wir das ruhig mal machen. - Unsere Nachbarinsel hat ihren "Fall Bruno". - Sie erinnern sich noch, Bruno der Bär, der dann irgendwann in Bayern erschossen wurde. - Der Bruno La Gomeras ist aber kein wilder Bär, sondern eine wagemutige Ziege, die nun ihre Leidenschaft für bergige Ausflüge letztendlich mit dem Tod bezahlt hat. - Aber eben auch wieder durch Menschenhand und nun reißen die Diskussionen nicht ab, ob man denn die arme Ziege nicht hätte retten können und Tierschützer von " Amnistía Animal" wollen die Sache sogar vor den Europarat bringen, was immer das auch nützen soll. - Was war geschehen. - Eine Ziege, die wohl kürzlich erst Junge bekommen hatte, war wohl voll des Übermutes, dass diese sich in den Steilhang des "Tegergenche" gewagt hat, aber nicht mehr zurück konnte, so wie das übermütigen Kreaturen, mögen es eben Ziegen, Katzen oder eben auch Menschen sein, schon mal passiert. - Der Abhang ist fast vertikal und eigentlich ist es ein Wunder, wie das Tier dort überhaupt hingekommen ist, aber Ziegen sind eben sehr gute Kletterer, aber diese eine Mal wohl bloß in eine Richtung. - Neun Tage hat die Ziege dort auf einem Sims ausgehalten und mehrmals hat man auch versucht, die Ziege zu retten. - Allerdings ohne Erfolg, einmal musste sogar ein Hubschrauber einen freiwilligen Retter retten, der sich auf den Weg zu der Ziege gemacht hatte und auch dem Besitzer der Ziege gelang es nicht sich dorthin abzuseilen. - Zumindest erzählt man das dort so.

Letztendlich entschloss man sich aber, dem Leiden der Ziege ein Ende zu setzen und ein Jäger erschoss das Tier, gleich früh morgens, um niemandem den Anblick zumuten zu müssen wie das Tier getötet wird. - Man kann die Stelle nämlich gut vom nahen Strand einsehen und wollte sicherlich keinen Menschenauflauf dort, wenn die Ziege nach einer Woche dort erschossen wird. - Zufällig war gerade Domingo Berriel auf La Gomera, oberster Rat für Umwelt und Regionalplanung der Kanarischen Insel, aber der sollte eigentlich die Schäden begutachten, welche der Brand dort vor ein paar Wochen hinterlassen hatte. - Der entschied letztendlich dann auch, dass die Ziege getötet werden soll, denn es sei zu gefährlich Menschenleben aufs Spiel zu setzen um die Zeige zu retten. Um nun den Qualen des Tieres ein Ende zu setzen entschied man sich für diesen "finalen Unrettungsschuss", es hätte wohl nicht mehr lange gedauert und das Tier wäre vor Durst wohl eh gestorben. - Allerdings hatte man nicht mit dem großen Echo gerechnet, welche diese Aktion ausgelöst hat, in Diskussionsforen werden nun Domingo Berriel und der Jäger der das Tier getötet hat, sogar als Mörder tituliert und es ist eine ziemlich große Diskussion angestoßen worden, ob man nicht alle Mittel hätte einsetzen und wagen müssen, um das Tier zu retten. - Es ist immer wieder interessant zu beobachten, wie zwiespältig Tierschutz oder einfach der respektvolle Umgang mit Nutztieren in unendlichen Weiten verläuft und man der Tatsache, dass die Ziege eh bald im Kochtopf gelandet wäre, sehr schnell unter dem, sicherlich aufrichtigen und ehrlichen Gedanken an die Würde eines Tierlebens auf konkrete Fälle beschränkt. - Sicher tut einem das arme Vieh Leid, was da seit über einer Woche auf wenigen Quadratmetern am Abhang steht, aber nur wenn wir das Leid wirklich mit unseren eigenen Augen sehen, dann bekommen wir wohl Gewissensbisse wegen unseres generellen Verhaltens gegenüber Nutztieren. - Das abstrakte Stück Kotelett im Kühlschrank sorgt für keinerlei Diskussionen und wird auch von engagierten Tierschützern gern mit Bratkartoffeln gegessen, wobei ich bezweifeln darf, ob die Zuchtsau, aus der das Kotelett geschnitten wurde, ein würdevolleres Leben hatte und einen erstrebenswerteren Tod. - Ratten vergiften und Mäuse in Fallen fangen das ist in Ordnung, eine Ziege aber, die sich im Abhang verfangen hat soll man mit dem Hubschrauber retten. - Wobei ich auch bezweifle, dass die Ziege sich überhaupt von einem Hubschrauber hätte retten lassen, denn die wäre panisch weggelaufen und in den sicheren Tod gesprungen, wenn sich da so ein lauter Apparat nähert, an dem ein Mensch an einem Seil herunterhängt. - Eine Ziege ist tot, so wie sich das abertausend Mal täglich auf der Welt wiederholt und gerade diese eine Ziege soll aus Menschen Mörder machen? - Immer schön das Kotelett flach halten. - Ein Photo von der Steilwand samt Ziege, allerdings ziemlich aus der Ferne gibt es HIER. - Man könnte das Photo auch als Suchbild nehmen...



Freitag 09.05.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 16 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 70 % Luftdruck 1016 hPa

Schnelles Dementi und Schimpfen hilft doch, zumindest ein bisschen

Als Antwort auf den gestrigen Brandbrief des Lungenarztes des Krankenhaus auf La Palma brauchen wir nicht lange zu warten, die gleiche Zeitung bringt heute bereits die Antwort der Direktorin des Hospitals. - Es wird einen zweiten Lungenspezialisten für La Palma geben, das ist die gute Nachricht und so kann man darauf schließen, dass Schimpfen und Meckern doch erfolgreich sein kann, wenn einem die entsprechende Presse auch die notwendige Plattform dazu bietet. - Der Lungenfacharzt drohte damit seine Arbeit auf La Palma hinzuwerfen, wenn sich die Organisation im Krankenhaus nicht grundsätzlich ändert und er mehr Zeit bekommt, die nicht stationären Patienten zu behandeln. - Ob man nun gleich jubeln muss und die Ärzte der anderen Fakultäten dazu auffordern soll das gleiche zu tun, das kann man dahingestellt lassen, denn der neue Lungenarzt der kommen soll wird lediglich einen oder zwei Tage pro Woche aus Tenerife anreisen, um den jetzigen und einzigen Facharzt für Lungenkrankheiten auf La Palma zu unterstützen.

Etwas angestochen über die Schilderungen des Arztes bezüglich der Wartelisten dementiert man seitens des Krankenhauses die genannten Zahlen, es seien auf keinen Fall die vom Facharzt behaupteten 4.000 Patienten die noch nicht behandelt wurden. Zahlen nennt die Direktorin nicht, behauptet aber, dass die Wartezeit auf keinen Fall den Zeitraum von einem halben Jahr überschreitet und die meisten Patienten innerhalb der ersten zwei Monate behandelt werden. - Die Geschichte mit den Wartezeiten und Listen ist allerdings generell nicht wirklich transparent, es kursieren diverse Versionen von "offiziellen" , "halboffiziellen" und "inoffiziellen" Zahlen, die sich derart dramatisch unterscheiden, dass man sich eine echte Einschätzung der realen Wartezeiten nicht mehr zutraut. - Weiter kreidet die Direktorin dem Facharzt an, ein Angebot über eine Mehrbeschäftigung an zwei Wochentagen ausgeschlagen zu haben, ihm sei das angebotene Geld für die Extra-Dienste wohl zu wenig gewesen. - Man sei auf jeden Fall permanent an der Arbeit die fehlenden Spezialistenstellen im Krankenhaus zu besetzen, es sei aber nicht möglich genügend Fachärzte für La Palma zu begeistern. - Dazu fällt mir nur ein, an La Palma als Insel liegt das sicher nicht, sondern eher an den mangelnden Karrierechancen für Ärzte hier, an dem bekannten Chaos in unserem Krankenhaus und an dem schmalen Salär, mit dem man im öffentlichen Gesundheitswesen hier die Ärzte abspeisen will. - Das alles kann man ändern und muss das auch tun, dazu braucht man lediglich Geld, von dem wir ja wissen dass es da ist und den Willen dieses auch in das öffentliche Gesundheitswesen zu pumpen. - Und nun bin ich ganz gespannt, ob der kämpferische Lungenarzt sich erneut öffentlich zu dem Fall äußern wird, oder einfach aus La Palma verschwindet.



Donnerstag 08.05.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 55 % Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 22,6 Grad - niedrigste Temperatur 16,0 Grad

Ärztedonnerwetter im Krankenhaus

Legendäre Schimpfkanonaden sind ja von Chruschtschow bekannt, Fidel Castro, Hugo Chávez und wie hieß der lustige Italiener noch mal, der fertig hatte? - Sie brauchen mir nicht zu schreiben, ich weiß auch, dass es Trapattoni war, dazu muss man nicht mal was vom Fußball verstehen. - Unser einziger Lungenfacharzt auf La Palma der im Krankenhaus seinen Dienst versieht, hat sich nun auch Luft gemacht und sich dafür gerade die Zeitung "El Día" ausgesucht, die eigentlich ein komplettes Parteiorgan der Coalición Canaria ist und sonst so gar nicht regierungseigene Installationen kritisiert, denn dazu muss man wissen, das Gesundheitsressort auf den Kanaren wird eben auch vor dieser Gruppierung bestimmt. - Der ursprünglich aus Tenerife stammende Arzt beklagt nicht nur den Ärztemangel alleine, denn man muss sich das vorstellen, er ist der einzige Spezialist für die ganze Insel, sondern beklagt das Missmanagement im Krankenhaus und dass er zu völlig falschen Einsätzen eingeteilt wird und so keine Zeit mehr hat, um sich daran zu machen die ewige Warteliste auf seinem Spezialgebiet abzuarbeiten. - Er muss Stationsdienst im Krankenhaus leisten bei Patienten, die fast alle bereits zwischen 75 und 80 Jahren alt sind und multiple Pathologien aufweisen und eher einen Internisten bräuchten als einen Lungenfacharzt.

Aufgrund dieses Stationsdienstes bleibt nur noch Zeit am Tag an die vier bis fünf Patienten zu bedienen, die wegen Lungenerkrankungen von den Gesundheitszentren an den Spezialisten verwiesen worden sind und so wird die Wartezeit immer länger für Patienten, die wirklich einen Lungenspezialisten brauchen. - Er könnte aber am Tag locker über 15 Patienten behandeln, wenn man ihn in seinem Fachgebiet praktizieren lassen würde. Nach Aussage des Arztes warten nicht 70 Patienten auf einen Termin bei dem Lungenfacharzt wie es das kanarische Gesundheitssystem verlauten lässt, sondern an die 4.000 und um diesen Bedarf abzuarbeiten reicht ein Facharzt bei weitem nicht aus, besonders wenn er noch Stationsdienst machen muss. - Ich kann die Zahl 4.000 nicht nachprüfen, sondern gebe hier nur einfach wieder, was der Arzt gesagt hat. - Es gäbe Patienten die warten seit 2005 darauf behandelt zu werden und es sei nicht das erste Mal vorgekommen, dass man Patienten endlich einen Termin gegeben hätten und diese längst verstorben waren. Weiter berichtet er von einem Fall, dass ein Patient nach einer Lungentransplantation nicht die notwendige Nachbehandlung erhalten habe und erzählt auch von Fällen mit Lungenkrebspatienten, die zuhause sitzen und hilflos auf einen Termin warten. - Sollten sich diese Zustände nicht ändern, dann will der Arzt hinwerfen und La Palma verlassen und er meint auch noch, andere Ärzte denken wie er, trauen sich allerdings nicht das öffentlich zu sagen. - Es hätte sich auch schon herumgesprochen in der Ärzteschaft, dass das Krankenhaus auf La Palma besonders chaotisch wäre, weil einfach viel zu wenig Ärzte dort Dienst tun und die Organisation dadurch schwer leidet. - Wir haben bereits viele Beschwerden, und das ansteigend in den letzte Jahren, über die Organisation im Krankenhaus erhalten, die allesamt auf Grund des Ärztemangels entstanden sind. Das waren aber Beschwerden von Patienten oder deren Angehörigen, ein Arzt hat bislang noch nicht so heftig sein Umfeld kritisiert. - Mal sehen ob das hilft, denn auf diesen Brandbrief des Arztes hin und seine Drohung La Palma zu verlassen muss ja eine öffentliche Antwort des Gesundheitsdienstes folgen. - Wir drehen uns da immer wieder im Kreis, Geld für Infrastrukturmaßnahmen, die meist überhaupt nicht nötig sind gibt es reichlich, aber die Zahl der Ärzte, der Krankenschwestern und auch der Lehrer zu erhöhen, dafür scheint kein Geld da zu sein. - Dabei ist es eigentlich pure Blasphemie, über Autobahnkilometer und kühne Brückenphantasien zu parlieren, so lange es solche Wartelisten im Gesundheitsbereich gibt.


Inselkrankenhaus auf La Palma



Donnerstag 08.05.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1014 hPa

Tante Emma und die Supermärkte

Inzwischen weiß man ja, dass Supermärkte nicht zwingend den Untergang der kleinen Spezialgeschäfte zur Folge haben. - Einerseits kann man sich darauf verlassen, dass die großen Läden deutliche Qualitätsdefizite aufweisen und auf der anderen Seite ziehen diese großen Geschäfte Menschen in die Stadt oder Region und am Rande solcher Zentren blühen viele kleine Spezialisten auf, die sonst abseits der Besucherströme nicht existieren könnten. - Schlimm wäre es allerdings, wenn man einen Supermarkt, und noch dazu einen guten, in die Pampa setzen würde. - So gibt es Gerüchte, aber wirklich nur Gerüchte, solch ein Einkaufszentrum solle im Industriegebiet von Los Llanos entstehen. Dort an dem "Callejon de La Gata" entsteht gerade industrieller Erschließungsraum welcher die komplette Insel versorgen könnte, mit Straßenanbindungen die derart überdimensioniert sind, dass man meinen könnte, der VW-Konzern wolle sich auf La Palma installieren. - Dort in die "braune Wiese" ein Einkaufszentrum zu stellen, so eines mit allem drum und dran, also vom Joghurt über den Dübel bis hin Reizwäsche für Ihn, das dürfte wohl die Gewerbetreibenden im Einzelhandel der umliegenden Städte gefährden. - Die Kunden würden der Bequemlichkeit eines solchen Zentrums sicher erliegen, allerdings dann alles in dem Geschäft kaufen, weil man ungern noch mal ins Auto steigt um weitere Erledigungen zu tätigen.

Allerdings kann ich mir kaum vorstellen, dass die Stadtoberen aus Los Llanos so weltfremd sind und sich mit einem derartigen Einkaufszentrum selbst die Kunden aus der Stadt ziehen. - Auch die Gewerbetreibenden in El Paso und Tazacorte wären von dieser neuen Einkaufsquelle gefährdet, das Aridanetal mit seinen gut 35.000 Einwohnern stellt wohl ein gemeinschaftliches Käuferpotential dar und lässt sich nicht einfach auf die Anforderungen einer Gemeinde zurückrechnen. - Was aus Orten werden kann, die ein Einkaufszentrum vor die Nase gestellt bekommen, das kann man in San Pedro beobachten, dem Zentrum der Gemeinde Breña Alta. - Dort leben fast genau so viele Menschen wie in El Paso, der Ort hat aber nicht mal die Hälfte an Geschäften und gastronomischen Betrieben aufzuweisen wie unsere Stadt auf der Westseite, ganz einfach weil das nahe Einkaufszentrum in "La Grama" die Menschen aus dem Ort zum Einkaufen lockt. - Man kann sich auch einfach mal um 12:00 mittags in das Zentrum San Joses stellen und einen Tag später nach El Paso und dann die Zahlen der Menschen vergleichen, die hier wie dort die Straßen bevölkern. - Neue Supermärkte könnte die Insel wohl in gewissem Rahmen noch vertragen, die großen Ketten tun sich nur gegenseitig weh, so lange man diese großen Läden in den Orten selbst installiert und eben nicht in das Umland schickt. - Die Inselregierung hat nun eine Studie in Auftrag gegeben, wie groß, und ob es überhaupt weiteren Bedarf an Standorten für Supermärkte gibt. - Man will auf der einen Seite die Konkurrenzsituation der Ketten weiterhin ausnutzen um die Verbraucherpreise niedrig zu halten, aber natürlich auch keinen ruinösen Wettbewerb veranstalten, in dem man Discounter der Aldi oder Lidl-Klasse hier auf der Insel zulässt. - Immerhin, wir gehen das strategisch ran und lassen eine Studie erstellen, das lässt doch hoffen.



Mittwoch 07.05.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 84 % Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 21,2 Grad - niedrigste Temperatur 16,7 Grad

Die Insel der Glückseligen

Gerade gestern hatte ich noch ein Gespräch mit meiner Frau über die immer wieder auftretenden Kindstötungen, die gerade durch die deutsche und internationale Presse geistern. - Das kann bei uns nicht passieren, oder vorsichtiger, bei uns ist das Netz des gesellschaftlichen Überwachung so groß, dass da keiner hinten runter fällt und jeder, gerade in den kleinen Orten steht derart unter "Aufsicht", dass man extreme Schwierigkeiten nicht verbergen könnte. - Darüber hinaus funktioniert in breiten Teilen noch die Großfamilie, so dass es noch unwahrscheinlicher wird, dass man sich anbahnendes Unheil nicht erfährt. - Vielleicht sind diese Erklärungen auch nur einfacher Selbstschutz, oder dienen zur Bestätigung, dass man das richtige getan hat, natürlich zum Wohle der eigenen Kinder. - Jetzt kommt die Meldung, noch sehr wenig weit reichend informierend, aber dennoch so konkret und endgültig, dass auch La Palma seine "Unschuld" verloren hat, wir haben seit heute morgen auch einen Fall von Kindstötung zu vermelden. - Und das auch noch im kleinen Nest Tijarafe, nicht in einer der Metropolen wie Santa Cruz oder Los Llanos, wo doch bereits ein anderer Wind weht als in den ländlichen Regionen der Insel. - Eine 31 jährige Mutter hat wohl ihre 5 oder 6 Monate alte Tochter erstickt und dann auch noch den eigenen Freund angegriffen. - Der ist unverletzt und man spricht von postnatalen Depressionen, welche die Frau nach der Geburt wohl geplagt haben. Die Schwangerschaft soll nach mehreren Fehlgeburten äußerst kompliziert verlaufen sein, die Mutter lag wohl 8 der 9 Monate nur im Bett. - Man spricht noch sehr viel mehr, denn es gibt heute kein anderes Thema, aber das sind alles Gerüchte, die ich so und ungeprüft nicht weitergeben will.

Muss auch nicht sein, die Fakten reichen und man stellt sich nun auf La Palma dieselben Fragen wie in den anderen Gemeinden, in denen sich solche oder ähnliche Dramen abgespielt haben. - Nun kann man sich nicht mehr herausreden und von den "Anderen" sprechen, bei denen so etwas passiert und auch der Hinweis, das ganze spielte sich in einem Haushalt mit gehobenem sozialen Niveau ab, reicht nicht aus, sich genügend davon abzugrenzen. - Die erste Frage lautet ja immer, wieso und dann kommen die versteckten oder auch offenen Vorwürfe, warum keiner was gemerkt hat oder gegen das drohende Unheil angegangen wäre. - Dabei treffen die Vorwürfe dann immer zuerst die Familie, als wäre es vollkommen selbstverständlich, dass eine Mutter ihr Kind töten könne und man dringend damit rechnen muss und sofort einschreiten. - In vielen Fällen die man aus Deutschland in den letzten Monaten mitbekommen hat, richten sich dort die Vorwürfe auch massiv gegen die Sozialämter, gerade so als seien Kindstötungen eine logische Konsequenz für überforderte Eltern. - Das ist sicher nicht so und niemand darf sich auch dazu berufen fühlen so weit ins Leben Anderer einzugreifen, solch einen letzten Verzweiflungsakt in einer Familie zu vermuten. - Das mag lapidar klingen, aber man darf auch nicht ganze Bevölkerungsgruppen unter Generalverdacht stellen. - Diese Taten sind und werden absolute Ausnahmeerscheinungen sein und bleiben und mein absolutes Unverständnis begleitet die Mutter des nun verstorbenen Kindes und mein Beileid und meine Solidarität sind bei der Familie und allen die der Mutter so nahe sind, dass Raum für Grübeleien an einer möglichen "Mitschuld" durch Unterlassung Platz findet.



Mittwoch 07.05.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1015 hPa

Kneipeninflation

Ob man den Wohlstand einer Gemeinde an der Anzahl seiner Kneipen messen kann, das dürfen wir ruhig mal ungefragt ablehnen. Allerdings kann man sich ja auch vorstellen, dass es ein gewisses Maß an Nachfrage geben muss, wenn andauernd neue Bars, Cafeterías, Tascas, Dulcerías und Restaurantes in El Paso öffnen. - Die Innenstadt hat vielleicht 2.000 bis 2.500 Einwohner, nicht nach Jahreszeit, sondern einfach wie rigoros man das Wort Innenstadt definiert und für diese, nicht gerade üppige Anzahl an Bewohnern stehen 22 gastronomische Einrichtungen bereit, wirklich ohne die Restaurants mitzuzählen, die man nicht gut und bequem zu Fuß vom Rathaus aus erreichen kann, sondern die außerhalb des Stadtkerns auf Gäste warten. - Ohne Vergleichszahlen in dieser frühen Stunde zur Verfügung zu haben möchte ich doch einfach mal annehmen, dass dieses Verhältnis von Bewohnern zu Kneipen von einem deutlichen Überangebot spricht.

Dennoch ist die Tendenz weiter auf Wachstum ausgelegt, zwei weitere Etablissements werden in den kommenden Wochen auch noch auf dem Markt der lokalen Gastronomie auftauchen. Dabei ist der gerade das Segment der "Frühstücksgastronomie" hart umkämpft und belagert, 3 Dulcerías, alle komplett ausgestattet mit Speisekarte von Butterbrötchen über die unvermeidlichen "Sandwiches" bis hin zu Pizza, in einem Umkreis von gerade mal 50 Meter. Dehnt man den Radius auf 150 Meter aus, dann bieten gleich 6 ähnlich ausgestattete Einrichtungen den, manchmal fragwürdig gesunden Nährboden für ein erfolgreiches Frühstück und man fragt sich immer wieder, wie kann diese große Anzahl an gastronomischen Einrichtungen in El Paso überleben. - Es geht, die mittlere Anzahl an Cortados und Baraquitos pro Einwohner, die täglich durch die vielen Kaffeemaschinen des Ortes gepresst werden, müsste man jetzt noch erheben und würde dann sicherlich einen zu einem Ergebnis gelangen, welches verdächtig nach Rekord klingt. - Gut, viele Menschen machen ihre Frühstückspause auch in El Paso die gerade "auf El Paso" sind, also "auf dem Weg", von weiß nicht woher nach weiß nicht wohin, und eben das große Angebot des Ortes auf kulinarischer Basis nutzen. - Wer also unbedingt noch eine Geschäftsidee braucht für seinen Aufenthalt auf La Palma, ich würde eine Kneipe aufmachen in El Paso, da ist man nicht so alleine.



Dienstag 06.05.08 - 20:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1014 hPa
Höchsttemperatur heute 23,3 Grad - niedrigste Temperatur 17,8 Grad

Die Zeichen stehen auf Streik

Nachdem der kanarische Rat für Bildung, (Consejería de Educación) in seinem Treffen mit den Gewerkschaftsvertretern am gestrigen Montag alle weiteren Verhandlungen abgesagt hat, stehen die Zeichen nun erneut auf Streik. - Zur Erinnerung, die gewerkschaftlich organisierte Lehrerschaft verlangt von der Bildungsbehörde die Angleichung (Homologación) ihrer Gehälter und Arbeitsverträge an die der Beschäftigten in den öffentlichen Behörden, was einem Beamtenstatus ähnlich käme, aber noch nicht mit so weit reichenden Folgen, dass man das vergleichen könnte. - Natürlich geht es dabei auch um Geld, aber besonders um die Sicherheit des Arbeitsplatzes und eine Kontinuität in der Beschäftigung, die bislang nicht erreicht wurde, viele Lehrer stehen jedes Jahr wieder vor der Frage ob sie einen neuen Arbeitsvertrag erhalten und vielleicht dafür auch die Insel wechseln sollen. - Der Streit geht nun seit anderthalb Jahren so und auch letztes Jahr haben die Lehrer dafür bereits gestreikt, allerdings nur ein paar Tage und verteilt über alle Inseln. Dieses Jahr hat man nun den Druck erhöht und bereits 5 Tage gestreikt, um die Provinzregierung wieder an den Verhandlungstisch zu bekommen. - Auch in Spanien ist, wie in Deutschland, die Bildung Sache der Provinzen/Länder. - Laut der Lehrer kam es aber gestern überhaupt nicht zu Verhandlungen, sondern zu der Aussage der Consejería de Educación, es wird keine weiteren Verhandlungen mehr geben, wenn die Forderung nach der Angleichung der Arbeitsverträge noch mal auftaucht, ohne auch über eine Verlängerung der Arbeitszeit zu sprechen und die Möglichkeit geteilte Dienste, also vormittags und nachmittags anzubieten.

Den zweigeteilten Schultag hatte man erst vor gar nicht so langer Zeit in den öffentlichen Schulen abgeschafft, gerät nun aber wieder in die Diskussion, zumindest um nachmittags Fördergruppen einzurichten, die ständigen Charakter besitzen. - Das ginge aber nicht mit der Forderung auf Angleichung der Arbeitsverhältnisse, weil damit auch die Wochenarbeitszeit verkürzt würde und man neue Kräfte einstellen müsste und das will man auf jeden Fall verhindern. - Schließlich kostet das Geld und wie wir ja leider und leidvoll erfahren müssen, richtet unsere jetzige Provinzregierung ihre besondere Aufmerksamkeit in den, zum Teil unsinnigen Ausbau unserer Infrastruktur und weniger in das Bildungs- und Gesundheitswesen. - Ganz ungeschoren kommen die Lehrer allerdings auch nicht aus der Sache raus, ein Streik um Forderungen durchzusetzen, und seien diese auch noch so verständlich, geht weder auf Kosten der Bildungsbehörde noch der der Lehrer selbst, sondern lediglich zu Lasten der Schüler und der Eltern. - Da stimmt die Verhältnismäßigkeit nicht und es trifft absolut die Falschen. - Mag es in den unteren Jahrgangsstufen noch eine Kapriole sein, für die Abiturklassen in diesem Jahr wäre das ein echter Unfall, mit wohlmöglich drastischen Folgen. - Wann in den nächsten Wochen gestreikt wird und wie oft, das haben die Komitees der die Lehrer vertretenden Gewerkschaften in der Schnelle noch nicht verlauten lassen. - Allerdings ist auf Tenerife bereits nach bekannt werden der Weigerung der Bildungsbehörde weiter zu verhandeln ein Lehrer in den Hungerstreik getreten. - Das riecht nach Ärger und Ärger kann eigentlich niemand brauchen.



Dienstag 06.05.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 18 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 76 % Luftdruck 1016 hPa

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt

Wenn das immer so einfach wäre. - Wir haben ja letztendlich mitbekommen, dass man die Gesellschaft durch Gesetze schützen muss, vor sich selbst. - Du darfst dieses nicht, und jenes, weil es andere in Gefahr bringen, oder zumindest schaden könnte und so sammelt sich im Laufe der Zeit ein Katalog mit Normen, Vorschriften, Verboten und Auflagen an, dass eigentlich keiner mehr richtig durchblickt. - Im Gegenteil, da man ja versucht alles schriftlich und gesetzestreu zu regeln, gilt ja immer öfter der Grundsatz, alles war nicht verboten ist, das ist auch erlaubt. - Damit entmündigt sich allerdings eine Gesellschaft selbst, denn man hält sich so nicht mehr an dieses interessante Produkt, welches sich gesunder Menschenverstand nennt, oder zumindest vorausschauendes Handeln. In einer offensichtlichen Lücke des großen Netzwerkes der Gesetze und Vorschriften fühlen wir uns sicher und wenn es nicht verboten ist, dann haben wir sogar das Gesetz auf unserer Seite. - Das ist natürlich ein grober Irrtum, man sollte den Menschen die Mitverantwortung für ihr Tun und Handeln nicht komplett abnehmen, oder zumindest so tun und von den Mitbürgern an sich sollte man eigentlich auch noch ein Mindestmaß an Eigenverantwortung erwarten können. - Alle Jahre wieder kommt es zu einer erneuten Diskussion über eine, eigentlich sehr nette Tradition, das fliegen lassen von kleinen Heißluftballons anlässlich der Kreuzfeste. - Auf der Westseite sieht man das schon lange nicht mehr, aber in den Breñas und Mazo fertigen viele Familien mit den Kindern kleine Kunstwerke aus Papier, stellen da ein Teelicht rein oder eine andere Feuerquelle und schicken dieses Fluggerät dann in den nächtlichen Himmel der Insel.

Nun hat ja so ein kleiner Heißluftballon keine Feuerlöschanlage, sollten seine Flugfähigkeiten beschränkt sein und dieser irgendwo in der Pampa niedergehen, so kann es durchaus und ohne Probleme dazu kommen, dass unsere Tradition einen Großbrand auslösen kann. - Besonders da wir in diesem Jahr bereits eine Hitzeperiode hinter uns haben und das Unterholz im Wald bereits wie Zunder auf eine zufällige Flamme wartet. - Jeder hier weiß eigentlich um die große Gefahr im Umgang mit offenem Feuer wenn es bereits einmal heiß war, aber dennoch steigen diese Ballons immer wieder auf und nun fordert man von allen Seiten ein Verbot dieser fliegenden Brandauslöser. Aber keine Korporation traut sich den ersten Schritt zu tun, schließlich will niemand der Böse Bube sein und eine lieb gewonnene, wie gefährliche Tradition verbieten. - Die Rathäuser geben vor, das gerne verbieten zu wollen, sie könnten aber nicht, das sei ausschließlich Materie der Inselregierung. Die wiederum sagt, so lange man sich mit dem Umweltamt nicht einig geworden ist, die höchste Brandwarnstufe auszurufen, könne man da nichts tun und die Techniker des Umweltamtes bringen den Ball, oder hier besser die Fackel, wieder zurück ins Rathaus, es sei schließlich eine lokale Tradition und das ist dann wieder Gemeindesache. - Alle sind sich einig, das fliegen lassen dieser selbst gebastelten Ballons kann unendlich gefährlich sein, aber erst nach dem 3. Mai beschließt man sich zusammenzusetzen und eine Lösung zu suchen. - Da darf man dann nur hoffen, dass das vor dem nächsten Kreuzfest geschieht, denn dieses Mal haben wir einfach nur Glück gehabt. - Allerdings muss man sich auch fragen, wer denn auf die Idee kommt, solche fliegenden Fackeln nach einer Hitzeperiode unkontrolliert in die Landschaft zu entlassen. - So viel gesunder, oder einfach nur vorhandener Verstand müsste doch eigentlich möglich sein, wenn man es denn hinbekommt so ein Flugvehikel zu basteln, dass man sich über die möglichen negativen Folgen im Klaren ist. - "Was, ich habe den Wald angezündet mit meinem Ballon, das tut mir aber Leid, allerdings bin ich nicht Schuld daran, denn ihr habt es mir ja nicht ausdrücklich verboten."



Montag 05.05.08 - 19:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 81 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 22,6 Grad - niedrigste Temperatur 18,5 Grad

Immer wieder Ärger mit der Natur

Dass alles immer mindestens zwei Seiten hat, das bekommt man spätestens dann mit, wenn man aus Gründen der Sparsamkeit auch die zweite Seite des Toilettenpapiers nutzen will. - In weniger bildlicher Form begegnet uns aber die Zwiespältigkeit viele Angelegenheiten täglich und oft rettet uns nur ein Kompromiss, eine kleine (Not)Lüge oder der berühmte Pragmatismus, der ähnlich diabolische Eigenschaften besitzen kann wie der finale Rettungskonjunktiv. - Solche Sätze muss man immer dann basteln, wenn man von einem dusseligen Schottenwitz irgendwie zum Thema kommen soll und nicht alles wieder von vorne beginnen will. - Die "Graja" wird oft als unser Wappenvogel bezeichnet, taucht zwar auf den Bannern nicht auf, aber dennoch gilt dieser schwarze Geselle aus den Reihen der Rabenvögel deutlich als das emblematische Beispiel unserer fliegenden Endemiebestrebungen. - Eigentlich ist das krächzende Vieh ja eine mutierte Alpenkrähe, die irgendwie auf dem weiten Weg zu uns auf die Kanaren den Schnabel und die Füße anders lackiert bekommen hat, nämlich von gelb auf rot. - Und selbst da muss ich auf einen Hinweis zurückgreifen, den mir mal eine Vogelkundlerin der "SEO" (Sociedad Española de Ornitología) gegeben hat, wir binden uns da mit dem Namen "Graja" nämlich eigentlich eine Saatkrähe auf: Der Vogel den wir hier auf La Palma alle "Graja" nennen, ist nämlich überhaupt keine "echte Graja" (Corvus frugilegus), eben die Saatkrähe, wie man sie im Rest Spaniens nennt, sondern die Alpenkrähe und muss eigentlich "Chova Piquirroja" (Pyrrhocorax pyrrhocorax barbarus) heißen. Aber auf La Palma heißt ja Autobus auch nicht Autobus sondern Guagua, dann können wir den Vogel doch auch nennen wie wir wollen.

Stolz sind wir auf diesen Vogel allemal, und herrlich ist es anzusehen, wenn große Schwärme dieser Vögel in der Caldera ihre Runden drehen um Aufwinde zu suchen, welche sie dann bequem in die sichere Höhe tragen. - Kommen diese Vögel uns aber zu nah, dann ist uns das auch wieder nicht recht. - Allerdings passiert das mit der Graja nicht zu oft, mögen es schlechte Erfahrung sein mit den zweibeinigen Erdlingen, oder einfach angeborene Scheu, meistens zieht es die Alpenkrähe nicht wirklich zu den Menschen hin, man bleibt auf gesunder Distanz. - Allerdings nicht so in der Grundschule von Fuencaliente, dort haben die Vögel sich zum Teil sogar eingenistet und stören den Unterricht nicht nur durch ihr Hitchcocksches Gekrächze, sondern noch mehr durch den vielen Kot, welchen selbst endemische Wappenvögel einfach mal so vulgär fallen lassen. - Das geht natürlich nicht, dass man die Kinder da in der Pause spielen lässt, Vogelkot ist nicht unbedingt ein probates Mittelchen zur Immunisierung, also muss da immer kräftig geputzt werden, aber so viel die die schei….. die Grajas, so viel kann keiner putzen. - Dagegen versuchte man es zuerst mit Geräten welche per Ultraschall die nicht geladenen Gäste vertreiben sollte, aber das hat wohl nicht richtig funktioniert und nun muss man die Fensterstöcke, Türrahmen und Dächer mit Stachelmatten belegen und bekleben, damit die Graja endlich dahin geht wo sie hingehört, nämlich in die Natur. - Ups, wo ist das eigentlich, die Natur? - Überall da wo wir nicht sind, könnte man nun als kühnen Umkehrschluss konstruieren, aber wenn man das zu Ende denkt, dann wird der verbleibende Platz gleich reichlich eng. -


peristaltischer Sturzkampfbomber



Montag 05.05.08 - 07:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 73 % Luftdruck 1018 hPa

Zeigt her eure Kreuze

Gestern Abend mischten sich dann doch noch "fremde Böller" ins Konzert der Kreuzfeste ein, Real Madrid ist erneut spanischer Fußballmeister geworden. - Das nur am Rande, weil solch eine Fußballmeisterschaft eigentlich der einzige Grund ist, warum hier sonst noch Böller in die Luft geschossen werden, ansonsten ist diese lautstarke und publikumswirksame Aktion den kirchlichen Prozessionen vorbehalten. - Früher, eben als alles anders und nur manches besser war, da wollte man mit den Signalraketen die Bauern von den Feldern locken und mit dem Krach den jeweiligen Standort des heiligen Umzugs bekannt geben. - Heute sind die Böller Tradition, weniger Standortbestimmung, man macht es einfach weil man es immer so gemacht hat und je mehr Atheisten und Krachgegner gegen dieses Abschießen von Signalraketen aufbegehren, um so mehr von diesen effektvollen klerikalen Heilsverkündern werden abgeschossen. - Zumindest könnte man meinen, da gäbe es eine gewisse Trotzreaktion bei den Traditionsbewahrern, aber jeder sagt sofort wieder abwiegelnd und besänftigend, nein, es wird genau die selbe Anzahl an Böllern verschossen wie jedes Jahr. - Gut, dass wir gläubig sind, zumindest gutgläubig.

Noch nicht wirklich Tradition, aber auf dem besten Weg dazu, weil es einfach noch besser ankommt als die Böller, ist der nachbarschaftliche Wettstreit, wer denn nun das schönste und aufregenste Kreuz in seinem Viertel hat. - Gut, die Nachbarn selber haben das immer schon unter sich ausgemacht und da berichtet man auch schon mal von nächtlichen Attacken auf andere Kreuzstationen, die wohl von zu eifrigen Verfechtern des eigenen Kreuzes ausgingen, aber in den letzten beiden Jahren hat man den Wettbewerb öffentlich gemacht und nun gibt es offizielle Sieger. - Eigentlich müsste es damit auch Verlierer geben, aber das hört sich nicht gut an und so sind eigentlich alle Gewinner, weil jetzt nur noch aufwendig geschmückte Kreuze die Prozessionswege begleiten. - Letztes Jahr hat man, Dank "La Palma Digital" in den Breñas, Mazo und eben der Hauptstadt Santa Cruz die Wahl des schönsten Kreuzes sogar "online" verfolgen können, einen entsprechende Aktion konnte ich dieses Jahr nicht entdecken. Schade eigentlich, denn so kann man die klerikalen Kunstwerke eben wirklich nur aus der Nähe betrachten. - Noch ein Grund nach La Palma zu kommen… - Ach ja, da war ja noch was, wer hat denn nun gewonnen? - Da man ja auch hier mit der Zeit geht, oder manchmal von der Zeit mitgenommen wird, muss man auch im Kreuzwettstreit bereits in zwei Kategorien unterteilen. Das schönste Kreuz nach "traditioneller Art und Weise", was immer das auch sein mag, findet man der Calle A. Rodríguez López und nennt sich "Cruz de Columba". - Die andere Kategorie nennt sich "freie Kategorie", da darf man also auch dopen oder tunen und hier hat sich die Jury für das "Cruz del barrio de Pescadores" entschieden. - Nicht bestätigt werden konnte das Gerücht, ab Sommer dieses Jahres würde eine Sondersendung im Lokalfernsehen aufgelegt welche den Titel trägt, "La Palma sucht das Superkreuz". - Melden könnten sich alle Interessierten mit Kreuzbeschwerden, sobald der Orthopäde es zulässt.



Sonntag 04.05.08 - 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 68 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 24,6 Grad - niedrigste Temperatur 17,8 Grad

Das nicht gesunkene Schiff

Der Unfall der Fähre "Assalama" auf dem Weg von Tarfaya in Marokko nach Puerto del Rosario schickt weiterhin Verwirrung nach außen. - Inzwischen hat mein einige der ersten Meldungen korrigiert und nun weiß man, dass das Schiff lediglich 400 Meter von der Küste entfernt mit Schlagseite im flachen Wasser liegt. - Bei Verlassen des Hafens von Tarfaya soll das Schiff entweder auf einen Felsen unter Wasser, oder an die Hafenmole gestoßen sein, auch da gibt es noch unterschiedliche Aussagen. - Auch darüber, warum das Schiff denn dann überhaupt den Hafen verlassen, und nicht sofort gestoppt hat. - Die 113 Passagiere konnten alle von Bord gebracht werden, es soll 3 Verletzte gegeben haben, aber auch das ist nicht bestätigt. - Ein paar Spanier waren nur an Bord, eine schweizer Familie und der Rest der Passagiere sollen aus westafrikanischen Staaten sein. - An die 60 Fahrgäste sind nun bereits mit dem Flugzeug auf die Kanaren gebracht worden, die anderen Passagiere sind in El Aiun untergebracht, meist in Hotels. - Ein Teil dieser gestrandeten Fahrgäste weigert sich nun auf die Kanaren gebracht zu werden, bevor die Reederei "Naviera Armas" nicht Zusagen über Entschädigungen macht. - Andere Passagiere wollen aber die Hoffnung nicht aufgeben ihre Habseligkeiten noch vom Schiff retten zu können, da das Schiff eben nicht gesunken ist, sondern "nur" mit Schlagseite auf Sand liegt. - Wie weit die Ladung, also das Autodeck, denn man befördert auf diesem Schiff nur Fahrzeuge und Passagiere, bereits unter Wasser liegt und damit zerstört ist, das lässt sich nicht erfahren.

Allerdings hört man auch, dass morgen am Montag niederländische Bergungsspezialisten eintreffen sollen um zu prüfen, ob das Schiff denn geborgen werden kann, oder ein Totalverlust ist und damit ein Versicherungsfall. - Interessant in dem komplexen Ablauf der Geschehnisse ist auf jeden Fall, dass nur ein bestimmter Teil der kanarischen Presse auf diesen Unfall des Schiffes reagiert hat. - Lediglich die Zeitung Canarias 7 hat sofort versucht zu recherchieren, aber bis jetzt scheint kein Fernsehteam nach Marokko geflogen zu sein, man kann lediglich auf Bild- und Tonmaterial zurückgreifen welches entweder zufällig anwesende Passanten gedreht haben oder marokkanische Anstalten. - Erst widerwillig und mit einer Verspätung von zwei Tagen brachten die anderen Zeitungen kleine Berichte über den Vorfall, der ja immerhin ein schwerer Schiffsunfall mit einer Kanarenfähre ist und somit eigentlich absolute Schlagzeile sein sollte. - Das ist kein Aufruf um Verschwörungstheorien wachsen zu lassen, es ist lediglich ungewöhnlich und erregt mein Misstrauen. - Was solch ein Unfall auch für private Konsequenzen für die Lebensgestaltung eine Familie haben kann, nicht weil man körperlich verletzt wäre, sondern sein gesamtes Hab und Gut auf dem Schiff wohlmöglich verloren hat, das kann man einem Hilferuf der schweizer Familie erkennen, der mich über Umwege erreicht hat. - Ich veröffentliche hier einen Teil des Briefes, vielleicht kann ja wirklich jemand helfen und weiß wie man die Familie unterstützten könnte. - Namen und die Telefonnummer, wo die Gestrandeten in Marokko erreichbar sind, veröffentliche ich nicht, wer aber glaubt helfen zu können, der kann uns anrufen oder ein E-Mail schreiben, wir geben das dann weiter.


Lieber …., ich schreibe Dir aus besonderem Anlass. Wir wären inzwischen schon in La Palma. Vielleicht hast du Kanäle um uns zu unterstützen: Wir benötigen Presse von den Kanarischen Inseln und Deutschland, Übersetzungshilfe und einen guten spanischen Anwalt, der akzeptieren kann, dass unsere finanziellen Möglichkeiten beschränkt sind, aber gute Provisionen möglich sind (ein gewisser Betrag steht schon zur Verfügung). Wir können von hier aus kaum etwas organisieren, sind nur meine Frau und ich mit den 3 kleinen Kindern, und ohne jede Möglichkeit, kein eigenes Telefon etc, alles unendlich erschwert. Wir haben den Kampf gegen Goliath angetreten: gegen Naviera Armas und Lloyd. Ich möchte mittels Publizität Druck aufsetzen. Auch Mund zu Mund Propaganda, die halbe Insel kennt uns ja nach unserer Geburt hier, und einmal mehr haben wir hier ein dickes Ei gelandet... im folgenden, was geschehen ist in Kurzform.

Kaum zu fassen: wir haben Schiffbruch erlitten, als wir von Tarfaya mit der Fähre losgefahren sind; Das Schiff liegt samt unserem Hab und Gut, dem Caravan auf Grund. Aber es gibt noch eine Chance, dass wir unsere Dinge noch bergen können, aber die Naviera Armas legt sich quer; Das Auto ist verloren. Wir sind hier am kämpfen für unsere unersetzbaren Dinge wie Fotos und meine Arbeiten/Schriften.

Wir stecken hier fest, haben alles verloren, nur die Kleider die wir anhatten und eine Bankkarte. Caravan ist überflutet und Versicherung und Armas Reederei lassen uns unsere Sachen nicht bergen, aus formellen Gründen. Wir haben hier 4 Tage gekämpft für unsere Sachen, jetzt scheint fast alles verloren, aber wir haben noch Hoffnung. Die Bevölkerung unterstützt uns tatkräftig und wir wohnen bei xxxxx, der seine Wohnung mit uns teilt, sie haben drei Kinder im gleichen Alter. Wir benötigen Hilfe von Konsulat und Auswärtigem Amt, (Schweiz) dringend, es eilt, und falls irgend jemanden von unseren Bekannten Beziehungen hat zu einem Rechtsanwalt, dann bitte vermitteln.

Jeden Tag ist die Chance kleiner, all die unersetzlichen Dinge noch zu retten. Ich meine damit nicht Pass und Auto und Geld, sondern die kleinen Dinge, die den Kindern so ans Herz gewachsen sind, die kann man nicht einfach durch Neues ersetzen. Es ist das 3.Mal für xxxx, dass sie alles verliert. Ihr Zustand ist labil. Auch alle Fotos und all meine Arbeit von drei Jahren, die ich für ein Buch vorbereitet habe, sind wahrscheinlich verloren, es gibt aber noch eine kleine Chance. Fotos sind alle hier im Auto, die ganzen Festplatten, da wir nicht mit dem gerechnet haben. Trotzdem macht euch nicht zuviel Sorgen, es geht uns den Verhältnissen entsprechend gut und wir sind wohlauf. Wir planen allerdings einen Hungerstreik und verlangen die Bergung unserer Habseeligkeiten. Wir kämpfen hier hart um unsere Sachen. Die Geigen sind verloren!!! Bitte macht wirklich so schnell als möglich großen Druck beim EDA Auswärtiges Amt und Botschaft der Schweiz in Marokko und in Madrid. Ich benötige auch dringend eine Übersetzung in Französisch und Spanisch von einer scharf formulierten und weitreichenden Schadenersatzerklärung, die ich der Versicherung vorlegen kann: Dass sie aufkommen sowohl für den direkten materiellen, wie auch immateriellen Schaden, wie auch für die materiellen und immateriellen Folgen, die uns aus ihrem Versäumnis und Weigerung, unsere Sachen rechtzeitig zu bergen, erwachsen sind. Das ist sehr wichtig in der Formulierung. Unsere Sachen waren mindestens 2 bis 3 Tage nach dem der Havarie noch vollständig intakt und sind nur als Folge der Weigerung der Armas, unsere Sachen zu bergen, verloren gegangen. Das ist besonders heftig, da es sich schlechthin um die Essenz der Essenz unserer persönlichen Erinnerungen und Arbeiten handelt, die nicht wiederzubringen sind, die ganzen Aufnahmen aus der Kindheit und Geburt und und und einfach alles....

Wir sind erreichbar unter 00212-xxxxxx Festnetz, bei xxxxx, spricht französisch.




Sonntag 04.05.08 - 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 66 % Luftdruck 1021 hPa

Was feiern wir hier eigentlich?

Feiern ist immer schön, befreit vom Alltagsstress und gibt eine hervorragende Basis für soziale Kontakte außerhalb der manchmal strengen Regeln des Zusammenlebens. - Musik, ein paar Happen zu Essen und natürlich Wein oder andere Stimmungsaufheller der Marke legale Droge und schon ist die Fiesta im Gange. - Man sagt uns nach, wir würden viel feiern, sehr viel und das auch noch sehr laut, sehr heftig und vor allem sehr lange, meist bis einen die Grauen des Morgens erreichen. - Praktisch, wenn es da noch einen Sonntag gibt, der einem Zeit lässt bis Montag wieder halbwegs auf die Beine zu kommen, aber wer viel feiert, der ist gewohnt im Umgang mit schneller Rekonvaleszenz. - Um zu feiern braucht man eigentlich auch einen Anlass, zumindest nach außen macht sich so etwas gut, allerdings sind wir da wirklich nicht zurückhaltend und feiern auch Feste und Gelegenheiten, von denen wir gar nicht (mehr) wissen, was wir hier eigentlich feiern. - Ein Paradebeispiel dafür ist die "Machanga" in El Paso, die gestern in Form einer großen Puppe vom "Cruz de Las Canales" in den Ort getragen wurde um dann so richtig zu feiern. - Die "Machanga", aber auch "Pepa" genannt, ist ein heidnischer Spaß im Rahmen eines kirchlichen Festes, einer der vielen Beweise, wie man sich hier, meist Dank der Immigranten aus Südamerika, die katholische Kirche erträglich gebastelt hat. - Als Startschuss für das einwöchige Kreuzfest El Pasos ein heidnischer Umzug mit einem Schuss Voodoo, man könnte schon behaupten, das wäre des Teufels Beitrag zu Gottes Werk.

Allerdings scheint der Teufel besser zu wissen wie man feiert und so zieht die "Machanga" auch jedes Jahr mehr Menschen an, als die christlichen Prozessionen, natürlich mit Ausnahme der alle drei Jahre stattfindenden "Romería" zu Ehren der Schutzpatronin des Ortes, der "Virgen de El Pino". - Die "Machanga" könnte man zuerst als "Mannweib" bezeichnen, grobschlächtig, rasend und dennoch wollüstig und gefährlich für Männer. - Eigentlich ein hässliches Weib, aber eben wegen ihrer so fragwürdigen Eigenschaften auch wiederum anziehend und wen die "Machanga" erwischt, der wird das Spiel mit dem Feuer einen Moment lang genießen, um es dann für immer zu bereuen. - Den Schuss Voodoo schickt das Gerücht mit, dass alleine der Block der "Machanga" die Männer bereits fesseln kann um ihr zu dienen, denn um nichts anderes geht es eigentlich, dass dieses Schauspiel eine Umkehr der alten Geschlechterrollen vorgaukelt in dem die Frau in eine, natürlich deutlich überzogene Männerrolle schlüpft. - Man geht aber nicht mit diesem soziologischen Hintergrundgedanken auf dieses Fest, sondern mit Freunden und jeder Menge Alkohol und lässt es "so richtig krachen". - Gerade bei den jüngeren Leuten ist dieses Fest sehr beliebt, leider auch mit den negativen Folgen, dass man jedes Jahr reichlich junge Schnapsleichen nachts dann zu besorgten und meist auch peinlich beschämten Eltern bringen muss. - Wer seine Brut also unter Kontrolle haben will, der muss dann auch schon körperlich präsent sein, auf solch ausgelassenen Fiestas funktioniert die sonst so strenge soziale Kontrolle nicht. - Wenn die "Machanga" sich ihren Weg in den Ort bahnt, dann wird so manche, so weit überhaupt vorhandene Vernunft an den Straßenrand gedrängt. Das ist halt so, wer mit der Teufelin tanzen will, der bringt sich in Gefahr und genau das muss wohl der berühmte "Kick" sein, den die jungen Menschen so begehren, weil der Rest des lästigen Alltags so schrecklich langweilig ist.


Machanga in El Paso 2008



Samstag 03.05.08 - 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 69 % Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 25,4 Grad - niedrigste Temperatur 18,8 Grad

Es blitzt, es kracht, also ist Real Meister, oder wir sind im Mai auf La Palma

Das mit dem Fußball ist es aber nicht, also ist Mai und klar, wir sind auf La Palma und unter uns gefragt, wo sollten wir denn sonst sein… Immer Anfang Mai kommt es knüppeldick für Hunde auf der Insel. Der netteste und intelligenteste Freund des Menschen mag sicher mutig, edel und treu sein, aber er gehört auch zu den eher schreckhaften Lebewesen, knallt es plötzlich irgendwo unvermittelt, dann klemmt er den ganzen Mut zwischen die Hinterbeine und sucht Schutz hinter Sofa, Schrank oder in der Flucht. - Paul ficht das nicht so sehr an, der guckt dann nur halb doof, halb fragend, was das denn nun wieder soll, ergeht sich dann aber sofort wieder der Fellpflege oder der Kalorienzufuhr. - Protestanten oder Atheisten soll es ähnlich ergehen, aber denen kann man wenigstens erzählen, warum es Anfang Mai bei uns öfter einfach mal kracht und das nicht zu knapp. Böller sind wohl eine asiatische Erfindung, aber im Zelebrieren unserer fröhlichen Gläubigkeit ein ganz wichtiges Begleitmaterial, ich glaube die Kirche hat hier schon mehr geschossen als alle Piraten und weitere Konquistadoren zusammen, mit dem positiven Unterschied, dass diese Böller nur Krach machen.

Im Mai zelebrieren wir die Kreuzfeste, je nach Gemeinde mehr oder weniger heftig und auch nie gleichzeitig, das sorgt dafür, dass man länger und in unregelmäßigen Abständen auditiver Zeuge unseres lauten Glaubens sein kann. In den Breñas, in der Hauptstadt und in Mazo ist gar der dritte Mai ein Feiertag und wird von manchen sogar als höchstes Fest mit kirchlichem Hintergrund betitelt. - Allerdings werden viele Feste bei uns als "das Höchste" betitelt, so ein bisschen nach dem sportliche Motto: Das nächste Fest ist immer das wichtigste. - Dort schmückt man die Kreuze mit besonderer Inbrunst, bis hin zu Juweleneinlagen, natürlich des Nachts argwöhnisch von den Nachbarschaften bewacht, dass sich ja kein Spitzbub an dem Schmuck bedienen kann. Vielleicht ist es Ihnen ja mal aufgefallen, dass jeder Ortsteil hier seinen eigenen Kreuzweg hat, bestehend aus 14 Stationen. Meist kleine und schlichte Ausbuchtungen in Mauern am Wegesrand, aber auch das Jahr über immer von einer, oft anonymen und meistens weiblicher Hand gepflegt. Einmal im Jahr, halt Anfang Mai, werden die Kreuze aber besonders geschmückt und später kommt der Pfarrer zur Segnung und klerikalen Endabnahme der nun schmucken Kreuze. Dabei werden dann die Böller gezündet, um jedem in der Umgebung klar zu machen, dieses Kreuz hat um ein weiteres Jahr seine Dienstfähigkeit unter Beweis gestellt und hier ist eine Nachbarschaft, die noch weiß, was sich gehört. Und weil wir viele Ortsteile haben im ganzen Aridanetal und die Böller überall im Tal hörbar sind, werden wir alle mindestens auditive Zeugen dieses Brauchtums, welches sich in keiner Weise nur auf La Palma beschränkt, sondern auf allen Kanaren so und ähnlich zelebriert wird. - In den Breñas gibt es heute sogar so etwas wie ein Zwiegespräch der Böller, von den verschiedenen Kreuzwegen aus grüßt man sich per Knallkörper gegenseitig zu. Also, wenn es im Mai auf La Palma öfter mal kracht, dann sind nicht die Marokkaner im Anmarsch, man hat sich seitens der katholischen Kirche einfach noch nicht auf eine Verständigung mit Mobiltelefonen geeinigt, so ein Böller ist auch unmissverständlich und hat keine Netzprobleme. - Man könnte Anfang Mai sogar von einer klerikalen flatrate sprechen, aber das erklären Sie mal dem Häufchen Elend, welches da hinter dem Sofa kauert und nicht mal mehr mit dem Schwanz wedeln will.


Ein Marterl auf La Palma



Samstag 03.05.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 58 % Luftdruck 1019 hPa

Zu Fuß von Lissabon nach Fuencaliente (Hay que mojarse)

Historische Ereignisse spielen sich vor uns ab, ohne dass wir entsprechende Notiz davon nehmen. - Es ist inzwischen möglich zu Fuß von Lissabon bis Fuencaliente zu laufen, auf dem endlich eingeweihten europäischen Kontinentalwanderweg E7, der eben diese beiden so ähnlichen und nahen Städte verbindet. - Es wurden zwar Gerüchte gestreut, dass ein Teil des Wanderweges durch die mysteriöse Strandung der Fähre "Assalama" kurzzeitig unterbrochen wäre, aber wer will sich schon an Details festhalten und kleineren Missgeschicken Bedeutung schenken, wenn es doch um das Große und Ganze geht. - Die "Europäische Wandervereinigung" oder auch " European Ramblers Association", je nach Sprache und Möglichkeit "ERA" oder "EWV" abgekürzt, hat sich nun endlich auf La Palma eingefunden um einen Monolithen als Gedenkstein einzuweihen, der das, vielleicht vorläufige Ende des E7 kennzeichnen und lobpreisen soll. Damit verliert La Palma auch seine abgeschiedene und degradierende Rolle als Insel, wir sind nun endlich mit dem Kontinent Europa verbunden und wer sich nun auf den Weg macht von Puerto de Tazacorte nach Fuencaliente, über die Gipfel der Caldera, der kann mit Stolz und Ehre von sich behaupten, einen Teil Europas "begangen" zu haben. - Andere Verbindungen sind in Planung, so soll der E 08/15 direkt vom Ural nach Tijarafe führen und eine Dreistädtewanderung London - Paris - Puntallana ist auch schon auf kühnen Projektstudien der blanken Phantasie erwachsen. - Da wir nicht überall sein können, sondern meistens irgendwo in El Paso unseren lokalen Verpflichtungen nachgehen, ist es mindestens opportun, wenn unsere treuen Gäste sich auch am Sammeln von Welt und La Palma bewegenden Nachrichten beteiligen. - Folgender Photobericht zum Thema hat uns gerade erreicht:

Hallo Ingrid und Mathias,

heute haben wir auf unserer Wanderung ein ganz spezielles highlight erlebt. Kaum den Reventon von Virgen del Pino aus erklommen und noch ganz ausser Atem, platzen wir mitten in eine Menschenmenge, die wir so an dieser Stelle nicht erwartet hätten. Allenthalben mit gelben Käppchen ausgestattet, tippen wir erst auf eine multilinguale Wandertruppe - neben spanisch und dem obligatorischen deutsch können wir auch noch holländisch, französisch und polnisch oder vielleicht ist es auch russisch ausmachen. Zwei offensichtlich wichtige Anzugträger, eine Kamerafrau vom örtlichen Fernsehen mitsamt Journalistin und etwas mit rotem und gelbem Samt Verhülltes lassen aber dann Bedeutenderes ahnen. Die Neugier war geweckt, also harren wir aus, hören die Reden und warten auf die Enthüllung. Und siehe da, vor unseren Augen spielt sich historisches ab - die Einweihung des südlichen europäischen Fernwanderwegs hier auf La Palma (Caldera-Runde, Reventon, Routa de Los Volcanes). Dazu angereist sind Vertreter des europäischen Wanderverbands aus neun verschiedenen Nationen mitsamt tschechischem Verbandspräsidenten. (Zitat wortwörtlich aus seiner in deutsch gehaltenen Rede : "wir danken spanische Regierung für Kohle" - hätte gern die spanische Übersetzung des Dolmetschers verstanden). Im Wissen von dem nun derart aufgewerteten Wanderweg, den wir uns für heute ausgesucht hatten, haben wir den Weiterweg bis zum Refugio El Pilar sehr erhaben fortgesetzt - ganz nach dem Zitat einer neben uns stehenden Engländerin, die meinte - man kann den Fernwanderweg ganz gehen, müsse es aber nicht, aber es sei ein erhabenes Gefühl, zu wissen, dass man auf einem Teil dieses Weges gehe. Anbei ein paar Photos, viel Vergnügen daran - das gelbe T-Shirt ist der Tscheche, die anderen wichtigen Persönlichkeiten und Präsidenten sind uns unbekannt - kennt Ihr vielleicht?



Europäischer Fernwanderweg von Lissabon nach Fuencaliente


Europäischer Fernwanderweg von Lissabon nach Fuencaliente


Europäischer Fernwanderweg von Lissabon nach Fuencaliente


Europäischer Fernwanderweg von Lissabon nach Fuencaliente



Freitag 02.05.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 54 % Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 26,5 Grad - niedrigste Temperatur 17,0 Grad

Costas macht sich auf La Palma keine Freunde

Mit Costas ist hier nicht der Wirt eines griechischen Lokals gemeint, sondern hier nutzt man das als Kurzform für "Demarcación Provincial de Costas" eben sagt sprachsparend einfach nur Costas. - Diese Behörde untersteht prinzipiell dem Ministerium für Umwelt in Madrid, welches übrigens aus pragmatischen Gründen wohl nicht Umweltschutzministerium heißt. - Allerdings darf ich manchmal derbe anzweifeln, ob die in Madrid wirklich wissen, was unser provinzieller Ableger hier auf den Kanaren so alles veranstaltet. - Da ist ja immer noch die Sache mit dem Siedlungsabriss offen und wir warten ganz gespannt, ob sich denn dieser Abriss alleine auf die Hütten beschränkt, oder auch die Paläste mit einbezieht, die auf den 100 Meter Küstenstreifen ungesetzlich aus dem Boden gestampft wurden. - Nun holt Costas zu einem erneuten Schlag aus, nur will man gerade mal keine Häuschen abreißen, sondern Tische, Stühle und Sonnenschirme. - Zielort für die nächste Attacke von Costas ist Puerto de Tazacorte, dort gefällt es den Herren aus Tenerife nicht, dass die Restaurants so viele Tische, Stühle und Sonnenschirme auf der Promenade stehen haben. - Es gibt da wohl eine Verordnung die das regelt, wie weit die Bestuhlung von der Küstenlinie entfernt sein muss und da besteht wohl deutlicher bürokratischer Handlungsbedarf.

Glatt die Hälfte aller Tische und Stühle sollen weg, geht es nach dem Willen der Inspektoren, die sich wohl vor Ort selbst ein Bild über die Lage gemacht haben sollen. - Vielleicht war das Bier nicht kalt genug, die Kellnerin nicht ausreichend freundlich oder man hat die Herren dort nicht entsprechend ernst genommen und empfangen, auf jeden Fall haben die den Ort auf dem "Kieker" und das bedeutet nichts Gutes. - Nimmt man den dortigen Restaurants die Hälfte der Tische auf der Promenade, dann kommen die in arge Bedrängnis, denn außer wenn es regnet, will doch keiner drinnen sitzen, sondern die Nähe zum Meer genießen. - Man mag ja über die Qualität der gereichten Speisen in manchen Restaurants geteilter Meinung sein, aber die gehören doch längst zum Bild des kleinen Hafenorts und es gibt doch wirklich niemanden, der sich an der Bestuhlung dort stört. - Außer den Oberforstinspektoren der Küstenbehörde natürlich. - Es ist ja auch nicht so, dass die Restaurants dort erst seit gestern Stühle und Tische auf der Promenade stehen haben, sondern die sind seit ganz vielen Jahren dort und die Gemeinde hat auch ordentliche Lizenzen vergeben. So darf man wohl fragen, warum kommen die jetzt plötzlich daher und nicht bereits damals, als man die Tische und Stühle auf die Promenade gestellt hat. - Es ist auch noch reichlich Platz, um ungestört an den Lokalen vorbei zu gehen, und wenn man uns diese Lokale wegnimmt, oder die Bestuhlung so verkleinert, dass man im Sommer nicht mehr draußen sitzen kann weil alles belegt ist, dann hat man uns erneut ein Stückchen unseres Lebensstils weggenommen und auch eine große touristische Attraktivität. - Das gleiche gilt ja auch für die Restaurants die in den, nach Costas illegalen Siedlugen, wie El Remo, La Bombilla ihre Dienste anbieten. - Die Kioske an der Playa Nueva, in Puntalarga und am Faro in Fuencaliente sind ja bereits gefallen, allmählich wird er lästig dieser Costas und nicht nur das, er gefährdet das Gewerbe, die daran hängenden Arbeitsplätze und die immer spärlicher auftretenden Gäste der Insel, denn die müssen dann im Sommer abends anstehen um einen Tisch unter freiem Himmel und am Meer zu ergattern.


Die Schirme des Anstoßes



Freitag 02.05.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 52 % Luftdruck 1015 hPa

Schiffbruch ohne Interesse

Vor der Küste Marokkos, genauer gesagt vor dem Hafen von Trafaya, ist vorgestern ein Fährschiff der Reederei Armas auf dem Weg nach Fuerteventura wohl gesunken. - Wohl gesunken, weil es keine verlässlichen Nachrichten darüber gibt, wie denn der aktuelle Stand ist. - Was man weiß ist, dass alle knapp 120 Passagiere gerettet wurden und die Besatzung das Schiff danach auch verließ, das alles an die 5 Kilometer vor der afrikanischen Küste. - Da Schiff ist die "Assalama" und gehört zwar der Reederei Armas, fährt aber unter Flagge Panamas und soll angeblich mit kubanischer Besatzung unterwegs gewesen sein. - Angeblich ist so auch das häufigste Wort welches man in den wenig erreichbaren Pressemitteilungen erfährt und die meisten Zeitungen bringen auch nur einen kleinen abgeschriebenen Bericht darüber. Lediglich Canarias 7 widmet diesem Vorfall die Schlagzeile und es ist absolut unverständlich warum das so ist. - Der Vorfall an sich kann sich so zugetragen haben: Das Schiff legte um 10:00 vormittags ab und beim Drehen im schmalen Hafen von Tarfaya kam es zu einer Kollision mit der Hafenmole. Einige berichten von kräftigem Seegang, andere aber widersprechen dem und so weiß man noch nicht, warum das Schiff an die Mole gekracht ist. - Was aber sicher scheint, die Besatzung des Schiffes hat die Folgen der Kollision unterschätzt und ist trotz des Zusammenstoßes aus dem Hafen ausgelaufen. Erst später, wie viel später lässt sich auch nicht zweifelsfrei sagen, die Berichte gehen von 30 Minuten bis zu einer Stunde, stoppte das Schiff und die Besatzung rief den Alarm aus, das Schiff zu verlassen.

Zuerst wurden wohl die Frauen und Kinder in den Rettungsbooten zurück ans afrikanische Festland gebracht, die Männer und später die Besatzung fuhren mit den Fischerbooten zurück, die aus Tarfaya kamen um zu helfen. - An Bord waren wohl knapp 120 Passagiere, davon nicht mal die Hälfte Bürger der Kanarischen Inseln, der andere Teil Saharauis und Marokkaner. - Inzwischen spricht man auch von drei Verletzen, die sich Prellungen bei der Kollision zugezogen haben sollen und von 30 Passagieren die bereits mit dem Flugzeug nach Gran Canaria gebracht wurden. - Andere Quellen zitieren gestrandete Reisende die komplett ohne Geldmittel und Gepäck in der Stadt El Aiun nun auf Hilfe warten und nicht wissen wie es weiter geht. - Das Schiff wird von manchen Quellen auch bereits als gesunken gemeldet, die Reederei hat aber wohl verlauten lassen, dass es "technisch gesehen noch nicht gesunken sei", allerdings die Hoffnung auf Rettung nicht sehr groß ist. - Zum Schiff selbst gibt es etwas mehr Klarheit. Gebaut wurde das Schiff 1967 in Finnland auf der "Wärtsila" Werft und fuhr die ersten acht Jahre in er Ostsee Liniendienst zwischen Schweden und Finnland. 1975 wurde das Schiff an die Trasmediterranea verkauft und fuhr dann bis 1999 unter deren Flagge und dem Naman "Ciudad de La Laguna" diverse Routen zwischen den Kanarischen Inseln und im Mittelmeer. 1999 verkaufte man das Schiff dann an die Reederei Armas und nun erhielt es den Namen "Volcán de Tenagua" um erneut im Liniendienst auf den Kanaren eingesetzt zu werden. - Erst im vergangenen Jahr wechselte das Schiff die Flagge, wurde in Panama registriert und umgetauft auf den Namen "Assalama" und bedient seit dem die Linie von Tarfaya in Marokko nach Puerto del Rosario auf Fuerteventura. Als einzige Photoquellen kann man auf zufällige Aufnahmen in einem Reiseblog zurückgreifen, der von ein paar jugendlichen Fahrradfahrern veröffentlicht wird, welche gerade die westafrikanische Küste bereisen. - Man muss auf der Seite zum 30. April zurückscrollen. - http://ateondevaiscom1000euros.blogspot.com/



Donnerstag 01.05.08 - 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 62 % Luftdruck 1013 hPa
Höchsttemperatur heute 24,5 Grad - niedrigste Temperatur 17,8 Grad

Archäologie braucht keine Eile, aber Geld

Es ist ja noch gar nicht so lange her, dass man der Archäologie auf den Kanaren und La Palma so echte Bedeutung zugemessen hat. - Seit der Eroberung der Kanarischen Inseln durch die Krone und das Kreuz war man eher dazu geneigt, sich von den Ureinwohnern dieser Inseln zu distanzieren. - Das machte man halt so unter dem breiten Mantel der Hispanisierung und gipfelte unter der Franco-Herrschaft sogar darin, dass man gezielt prähispane Fundstätten zerstört hat. - Das ist, nicht nur aus diesem Grund vorbei und ich weiß nicht so recht ob man in diesem Falle Gott sei Dank sagen soll, aber auf keinen Fall Kirche sei Dank. - Lassen wir die glatten Kanäle der Ungereimtheiten, heute ist Archäologie schick und man besinnt sich, nach über 500 Jahren, auf eine eigene Geschichte und ein eigenes Vorleben welches uns vom spanischen Mutterland unterscheiden soll. - Das ist erlaubt, selbst Franz Joseph Strauß brabbelte immer etwas vom Volk der Bajuwaren, obwohl er eher wie ein Abkömmling numibischer Sklaven aussah, welche die Römer zum Zeit- und Arbeitsvertreib mit an den Limes genommen hatten. - Auf den Kanaren lebten eben vor den spanischen und portugiesischen Entdeckern und Eroberern bereits Menschen hier, die wohl nordafrikanischer Abstammung waren, man wähnt es seien Berbervölker aus dem heutigen Libyen gewesen.

So richtig viel weiß man allerdings nicht, da die seinerzeitige Inquisitionspolitik durchaus effizient und konsequent war, so dass die Forschung auf diesem Gebiet ein sehr weites Feld umspannen muss. - Inzwischen hat man allerdings bereits reiche Schätze an Fundstücken zusammengetragen, und professionelle Archäologen setzen für uns daraus ein immer schärferes Bild zusammen, wer denn nun diese ominösen Ureinwohner waren und wie man sich deren Alltag vorstellen soll. - Die Benahoaritas sind sogar in den letzten Jahren richtig en vogue und es gehört fast schon zum guten Ton, dass man seinen Kindern nun Namen der Ureinwohner gibt anstatt der typisch spanischen Namen, obwohl man doch eher von dort abstammt und nicht von den Menschen, die hier vorher bereits Ziegen gehütet haben und die raue Landschaft der Insel so lange genießen konnten, bis sie von Kreuz und Schwert von hier vertrieben wurden. - Man bastelt sich daraus inzwischen sogar so etwas wie eine eigene Identität und manchmal ist es fast drollig anzuhören und zu sehen, wie die Enkel andalusischer oder venezolanischer Immigranten voll auf kanarischer Ureinwohner machen. Das ist meist nicht wirklich glaubhaft oder gar politisch zu sehen, aber der Drang sich abzugrenzen, den gibt es fast überall. - Dabei fällt es auf, dass besonders unter den jungen Menschen, und dazu zähle ich inzwischen alle unter 40 Jahren, dieser "Ethno-Trend" heftig greift und durchaus sozial als völlig korrekt eingestuft wird. - Gut, das hält die gesetzten Familienväter und Mütter dennoch nicht vom Gottesdienst ab und der Pfarrer tauft einen Airam und einen Tanausú genau so wie einen José oder einen Francisco. - Die Basis der katholischen Kirche hier vor Ort hat längst einen breiten Pragmatismus gelernt, einfach aus schierem Überlebenswillen möchte man meinen.

Um nun der Bevölkerung, und natürlich auch den Besuchern der Insel die Fundstücke und Kostbarkeiten aus der Zeit vor José und Francisco auf La Palma besser zeigen zu können, hat man in Los Llanos extra ein archäologisches Museum erstellt, das "Museo Arqueológico Benahoarita", kurz (MAB). - Das Museum ist nun seit genau einem Jahr eröffnet, aber leider beinhaltet es immer noch nicht alle Fundstücke die man gerne ausstellen wollte. Bevor es das Museum gab, brachte man nämlich sämtliche Fundstücke in die "Sociedad La Cosmológica" in die Hauptstadt Santa Cruz und die wollen nun natürlich ihren kompletten Schatz nicht einfach wieder rausrücken, bloß weil so eine moderne Stadt wie Los Llanos plötzlich ein Museum hat. - Ja, so sind wir manchmal, Lokalpatrioten bis zu den prähistorischen Fußnägeln. - Oder sollte es da gewisses pekuniäres Interesse geben? - War nur mal so dahingedacht, das macht man an Feiertagen besonders gerne und einfach. - Auch wenn das Museum nun eben seit einem Jahr bereits geöffnet ist, irgendwie gerade noch rechtzeitig vor den Kommunalwahlen, fertig ist es immer noch nicht, wie gesagt fehlen innen noch viele Ausstellungsstücke und außen ist der Vorplatz immer noch nicht "museumslike" sondern noch äußerst rustikal. - Es muss mal wieder Geld her, sonst kann man die Außenanlagen nicht beenden und so muss man noch mal 140.000 Euro suchen und das soll die Inselregierung bitte machen und nicht die Stadt Los Llanos, denn immerhin ist das ja ein "Inselmuseum" und kein "Stadtmuseum". Baubeginn war übrigens im Jahr 2001, wie viel das Museum dann wirklich gekostet hat, wenn es einmal wirklich fertig ist, darüber habe ich inzwischen bereits den Überblick verloren. - Aber das macht nichts, jeder Cent den man hier in Museen steckt, der kann nicht in den Bau weiterer unnötiger Verkehrswege fließen und so ist der Mammon zumindest schon mal von der Straße. - Ein paar Photos vom Museum können Sie HIER betrachten, diese stammen vom Eröffnungstag.


Guanche hat Ruh



Donnerstag 01.05.08 - 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad, Niederschlag 0 mm Luftfeuchte 75 % Luftdruck 1013 hPa

Schön reden und schönreden

Es gibt Menschen, die können wunderschön reden, es macht Spaß zuzuhören denen und die kostbare Zeit verfliegt im Nu. - Dann wieder gibt es Menschen, die versuchen sich im schönreden, das mit der rosaroten Brille, wenn man versucht eine hässliche Kröte als möglichen Prinzen noch unters Volk zu bekommen. - Die Schönredner gibt es überall, obwohl der Duden dieses Wort als substantiviert nicht anerkennt, ein schrecklicher und bedauernswerter Fehler und wieder mal weiß niemand, wo denn plötzlich dieses vorwitzige "n" herkommt, denn die Menschen rednen ja nicht, sondern reden, wenn das aber einer wirklich tut, dann ist er nämlich ein Redner und kein Reder. - Vielleicht wollte man uns nicht noch weiter verwirren, denn es gibt ja auch noch den Reeder, auch der kann schön sein, sowie schön reden und natürlich auch schönreden. - Bevor wir jetzt komplett abgleiten, schnell noch zum Thema. - Touristisch gesehen, tritt La Palma in dem Monaten Mai und Juni in die Phase des kontrollierten Tiefschlafs ein, kontrolliert deshalb, weil es immer so war. - Die darauf folgenden Sommermonate Juli, August und September sind es kaum besser, allerdings bevölkern in den Monaten reichlich Festlandsspanier unsere Küstenregionen, das so genannte Hinterland sparen die aber aus, vielleicht genetisch bedingt kann der Iberer nur Urlaub am Meer machen, vielleicht weiß er es aber auch einfach nicht besser, weil es ihm noch keiner gesagt hat.

Aber auch der internationale Gast hat im Sommer etwas anderes vor, als gerade La Palma zu besuchen, mit durchaus plausiblen Hintergründen. - Einmal blüht es im Sommer sogar in Mitteleuropa und auch dort man kann wunderbar Wandern gehen, Fahrrad fahren und den Baggerseen weiteren Stickstoff hinzufügen und auf der anderen Seite sind die sommerlichen Flugverbindungen nach La Palma nicht gerade als üppig zu bezeichnen und man muss durchaus Phantasie walten lassen und Eigeninitiative, um überhaupt auf diese Insel zu gelangen. - Übrigens ist La Palma im Sommer noch schöner als im Winter, aber das hört sich ja schon wieder nach schönreden an und das will ich mir auf keinen Fall nachsagen lassen. - So ganz alleine mit diesem Problem steht La Palma in diesen Monaten nicht da, auch die beiden anderen kleinen Inseln der Provinz Tenerife, nämlich La Gomera und El Hierro verfallen nun in den Tiefschlaf. - Um dem entgegenzuwirken versammelten sich nun die Räte für Tourismus der genannten Inseln mit der Oberchefin des Ressorts für alle Kanaren, übrigens allesamt Frauen, also spräche man besser von Rätinnen und nicht Räten und vermeide auf jeden Fall ein zweites "t", um eine positive Meldung und Meinung auf den angetrockneten Sektor loszulassen. - Man spricht nicht gerne von Krise, auch wenn die Belegungszahlen auf La Palma einen, seit über Jahren sinkenden Durchschnitt aufweisen und nun von oben auf die 50% Marke sinken. - Wir sollen positiv denken und auch solche Nachrichten verbreiten. "Me gustaría que cuando hablamos del turismo fuésemos bastante positivos" sagt uns Rita Martín, Rätin für Tourismus der kanarischen Provinzregierung, "Es würde mir gefallen, dass wir sehr positiv auftreten, wenn wir von Tourismus sprechen" heißt das auf Deutsch und weist auf die hervorragenden Merkmale der kleinen Inseln hin, die eher auf dem landschaftlichen Sektor liegen und nicht im klassischen Tourismus der "Sonne und Meer" Fraktion. - Gut, verarschen können wir uns selber und das sogar besser, versuchen doch gerade diese Institutionen unser Tourismusangebot seit Jahren dem allgemein üblichen und konfektionierten Massentourismus anzugleichen. - Vielleicht sollten wir es wirklich positiv sehen, Valium und Lithium werden von der Provinzregierung in Sonderprogrammen an Hoteliers und Gastronomen verteilt und sollte im Mai und Juni mal wirklich ein störender Gast auftauchen und uns sein sauer verdientes Geld aufdrängen wollen, dann kommen die positiven Tourismusrätinnen sicher angelaufen, um sich dem Fall persönlich anzunehmen. - Die Welt ist schön! - War das jetzt positiv genug?




Familie Ellen & Simon Märkle

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