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Freitag 19.09.2014 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 36 % - Luftdruck 1015 hPa


Fulanito de tal dice hoy: Vayamos al grano
Gehen wir auf den Kern. - Nicht lange fackeln, nicht drum herum reden, gleich auf den Punkt kommen.




Früchte der Saison, "tunos" oder Kaktusfeigen. - Wer die nicht mit bloßen Fingern greift, ist nicht feige, sondern weise... - Gut abgebürstet, in Wasser geschwenkt, dann in den Kühlschrank, ein Labsal besonders an heißen Tagen.





Donnerstag 18.09.2014 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 19 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 25,1 Grad - niedrigste Temperatur 19,5 Grad

Wirres und zusammenhangloses Zeug
Busfahren, Hausbesetzer und polizeilicher Bargeldtransferservice

Unsere jüngere Tochter hat die ersten beiden Wochen Studium fast hinter sich, und sie hat es prima erwischt mit ihrer Wohnsituation. - Mit dem Studium auch, obwohl ich immer noch ein bisschen fremdle mit den Bildern die sie uns schickt, von den ersten Obduktionen an Ratten und Kaninchen, und dabei eine ganz interessante Beobachtung, dass von den Vegetarier unter den Kommilitonen meiner Töchter überhaupt niemand umgekippt ist, aber von den Karnivoren wohl. - Es fühlen sich also beide Töchter wohl in Las Palmas oder Umgebung, das beruhigt uns natürlich auch ganz allgemein, aber intern streiten wir schon ein bisschen, wer denn als erster einen Besuch dort starten darf. - Im Gegenzug, und wahrscheinlich aus voller Berechnung haben Beide bereits ihre Weihnachtsflüge nach La Palma gebucht, sicher auch mit dem Hintergrund, wenn die Alten an Weihnachten denken und jetzt bereits die Menüplanung beginnen und strategische Pläne für den Einkauf und Ausflüge anlegen, dann entfällt denen vielleicht auch der Wunsch, selbst nach Gran Canaria zu reisen...

Am Montag können wir alle gratis mit dem Bus fahren, 24 Stunden lang, von A nach B und nach Garafía auch, und wieder zurück, denn La Palma nimmt zum ersten Mal in seiner Geschichte an der "SEM" (Semana Europea de la Movilidad) teil, an der Europäischen Woche der Mobilität. - Diese zelebrieren wir wie überall in Europa vom 16. - 22. September und wir sind nicht so wirklich in der Lage auch für die Fahrradfahrer viel zu machen, denn die spielen eigentlich auch eine große Rolle bei der europäischen Idee, von Individualverkehr abzurücken, und neue, oder vielleicht besser alternative Transportsysteme zu bemühen. - Bei uns radelt man aus sportlichen Gründen, und das wohl immer mehr, keine Frage, aber bei unserer Orographie wird man nicht wirklich hingehen können und darauf bauen, dass die Leute per Fahrrad zur Arbeit kommen, oder ihre Besorgungen erledigen. - Mit dem Bus, das ist eine andere Geschichte und hier gibt es natürlich deutlichen Verbesserungsbedarf, obwohl unsere Busse bereits schnell und auch pünktlich fahren. - Allerdings werden die immer noch zu wenig genutzt und nach wie vor gilt vielen von uns das Auto als einziges mögliches Fortbewegungsmittel, für viele kommt Busfahren überhaupt nicht in Frage, mag es immer noch ein dämliches Statusdenken sein, und da muss noch deutlich dran gearbeitet werden. - Inzwischen hat ja die Inselregierung eine Studie in Auftrag gegeben, wie man denn den öffentlichen Nahverkehr verbessern könnte hier auf der Insel und wir dürfen hoffen, dass mögliche Vorschläge dann auch aufgegriffen und umgesetzt werden.

Der Leerstand viele Häuser und auch Wohnungen auf der Insel fällt auf. - Mögen es Zweitwohnungen sein, Ferienhäuser, oder eben einfach Anwesen, für welche es keine Erben gibt, oder die sich nicht dafür interessieren, wer aufmerksam über die Insel geht, dem wird das nicht verborgen bleiben. - In Santa Cruz hat das nun zu einem Umstand geführt, welcher der Stadtverwaltung deutliche Kopfschmerzen bereitet, denn es gibt inzwischen Hausbesetzer, die sich ehemalige Sozialwohnungen ausgesucht haben, in diese eingezogen sind und nun einfach nicht mehr heraus wollen. - Natürlich könnte man die mit Polizeigewalt aus den Wohnungen holen, aber das ist hier spätestens seit der Krise und der vielen Zwangsenteignungen durch Banken und deren helfenden Gerichten äußerst verpönt, und die Presse greift solche Fälle natürlich gierig auf und die Stadt wird sich hüten, dort diese Familie mit zwei Kindern, deren Einkommen lächerlich gering ist, mit Gewalt aus der Wohnung zu holen. - Auf der anderen Seite hat man natürlich Angst, dass dieses Beispiel sich ausweitet und es gibt wohl auch schon weitere Familien und Einzelpersonen, die auch bereits angekündigt haben, sie werden sich Wohnraum einfach so besorgen, falls die Stadt nicht mit Sozialwohnungen dienen könnte. - Da hat man jahrelang geschlafen, dann eben noch die Verschärfung durch die Krise, und wenn dann viele Bedürftige mitansehen müssen, dass genau die Wohnung, aus der sie selbst oder Bekannt rausgeklagt wurden jahrelang leer steht, weil der Markt einfach nichts mehr hergibt, dann stehen da nicht nur unangenehme Fragen sondern eben auch vollendete Tatsachen auf dem Tagesplan der Gemeinden.

Andere Probleme schildert man uns aus der Gemeinde Tazacorte. - Dort wird von einem besonderen Shuttleservice berichtet, welchen die Lokalpolizei eingerichtet haben soll. - Oder zumindest in einem Fall, so ganz schlau wird man aus der Pressemeldung nicht, wie häufig das denn vorgekommen ist. - Es geht um Falschparker in Puerto de Tazacorte, und wenn die Polizei diese stellt, dann wollen die gleich Bargeld haben. - Allerdings sind nicht immer alle Leute gleich flüssig, oder nehmen zum Strand eh nur ein paar Euro mit, also sind diese Strafen, meist um die 45,- Euro, bereits reduziert wenn man schnell bezahlt, nicht immer aus der Geldbörse zu bezahlen. - Aber es gibt in Puerto de Tazacorte keinen Geldautomaten, also können die Polizisten nur ein Knöllchen verpassen und darauf hoffen, dass der Gast das irgendwann bezahlt. - Über die Guardia Civil funktioniert das internationale Kassieren bereits mehr oder weniger fruchtbar, die Gemeinde, vertreten von der Stadtpolizei, muss da versuchen gleich zu kassieren. - Also fahren die Polizisten die Gäste hinauf in den Ort Tazacorte, gehen dort mit den Leuten an den Geldautomaten und fahren dann die Leute wieder runter nach Puerto de Tazacorte. - Ich dachte eigentlich auch, die Polizei hätte andere Dinge zu tun, aber vielleicht wäre es noch einfacher, man würde sich darum bemühen, einen Geldautomaten in Puerto de Tazacorte aufzustellen.






Donnerstag 18.09.2014 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 34 % - Luftdruck 1016 hPa


Gastbeitrag von Rose Marie Dähncke
Original - Fortsetzung - Teil 4 von 4

Sonnabend und Sonntag war ich nun festgenagelt zu Hause. Es waren sonnige Tage, und ich ging in meinem Garten immer hin und her. Aber das ist nicht dasselbe wie Autofahren.

Montag war Rosenmontag, Dienstag auch ein Karneval-Feiertag, keiner arbeitet. Mittwoch hatte ich einen Kliniktermin, auf den ich ein Dreivierteljahr gewartet habe. Natürlich fuhr ich da hin, auch ohne Fahrerlaubnis. Ich bereitete mich auf jeden Fall schon mal mit ganz derben Verteidigungspassagen vor, die mir in Spanisch nicht gerade leichtfielen, aber leider kam nichts davon zum Einsatz, ich wurde nicht angehalten. Donnerstag und Freitag fuhr ich sogar in unsere Hauptstadt, d.h. bis nahe dran und nahm dann ein Taxi. Alle Parkplätze waren mit Karussell-Monstern und Verkaufsbuden vollgestellt, so dass man keine Parkmöglichkeit hatte.

Ja, und Sonnabend und Sonntag gehe ich nun wieder in meinem Garten hin und her. Der Werkstattleiter hat mir bestätigt, dass der Hersteller das Dokument per E-Mail schicken wird. Aber wann?

Montag. Als erstes in die Werkstatt. Der Chef ist immer noch sehr nett. Er hat schon früh um acht beim Hersteller angerufen und Bescheid bekommen, dass es diese Woche wohl was wird mit der Bescheinigung. Er würde mich anrufen. Er entschuldigte sich, dass eher nichts zu machen war, da der Autohersteller die vorhergehende Woche geschlossen hatte (na, RENAULT, geht wohl nicht so gut, was?).

Mittwoch. Ich versuche es mit meinem fast immer erfolgreichen Trick, ich nehme dem Werkstattleiter für seine Gattin eine schöne Orchidee mit 14 herrlichen Blüten mit, in durchsichtiger Geschenkverpackung, das macht enormen Eindruck. Auch diesmal, bei ihm. Er griff sofort zum Telefon und sprach hinein. Ja, sagt er mir dann zuversichtlich, das läuft nun an, man wird die APIN oder NUGF oder TIFN oder so ähnlich konsultieren, ob die Bescheinigung durch E-Mail übermittelt werden darf, oder ob das nur auf dem Postwege möglich ist. Ich sagte ihm, bitte erklär mir das verständlicher, ich schreibe darüber. Das tat er gerne: also es gibt da eine Aufsichtsbehörde (die mit der obigen Abkürzung) für die Ausstellung von Bescheinigungen, wo man Erlaubnis einholen muss für die Vergabe von Dokumenten und auf welchem Wege. Und diese Behörde wollte der Autohersteller nun konsultieren. Und ich musste erst mal warten, was dabei herauskam. Meine Orchidee hat zwar sehr gute Dienste geleistet, aber die dadurch gewonnene tiefgründige Auskunft ließ meine vierte Wut auflaufen: diese ganzen Probleme und unhaltbaren Zustände verdankte ich der Unwissenheit des TÜVs! Gibt es denn so was, dass sie dort gegen gutes Geld Autos kontrollieren und nicht wissen, wie die aussehen?! Das ist doch nicht zu fassen!

Es gibt in der Zwischenzeit immerhin auch Erfreuliches. Ich fahre mit dem Auto umher trotz Verbotes und habe vorgestern die Verlängerung meines Führerscheins erledigt. Dabei parkte ich in der Hauptstadt im totalen Halteverbot, reserviert für eine Abteilung der Inselregierung. Ich wollte es mal so richtig drauf ankommen lassen. Ich hatte auch keine Quittung über die Autoversicherung dabei, weil die Post verloren gegangen war. Der Postbote hatte unsere Briefe wohl wieder einmal beim Nachbarn unter den Stein gelegt anstatt unter den unseren. Und - hinter der Hand gesagt - mein Führerschein war schon vor mehr als einem Jahr abgelaufen, weil sie ihn nur für ein Jahr verlängert hatten statt für zwei. Lauter solche Sachen machen sie hier. Leider hatte mein renitentes Parken auf dem Regierungsplatz keine Folgen, gerne hätte ich mal mit einem von da oben lebhaft gesprochen.

Freitag. Meine Lesebrille ist kaputtgegangen, und ich fahre zum Optiker. Na klar, ich will ja nun nicht wegen dem TÜV aufhören zu gucken. Ich kaufe auch gleich einen Vorrat an Lebensmitteln, denn ich will ja auch nicht verhungern.

Das dritte Wochenende ist da. Ich gehe wieder im Garten hin und her, immer hin und her. Dabei finde ich eine gute Portion Pfifferlinge unter meinen Kastanien. Ist ja wenigstens etwas.

Donnerstag der dritten Woche. Ich sitze wie auf Kohlen und warte und warte und warte auf den Anruf, dass irgend etwas läuft in meiner Angelegenheit. Nichts. Am besten ist, ich fahre mal wieder ganz persönlich in die Werkstatt. Als der Chef mich von weitem sieht, greift er sofort nach dem Telefon und spricht hinein, und nickt mit dem Kopf, und guckt ein bisschen rum. Als ich an seinen Empfangstisch komme, kann er mir das Neueste berichten: also die Richtigkeitsbescheinigungsantragsaufsichtsbehörde erlaubt nur echte Bescheinigungen auf dem normalen Postwege. Da kann ich wohl lange warten.

Aber nein - heute ist Sonnabend, und was sehe ich da in meinem Computer?! Die Bescheinigung! Dann ging das doch auf diesem Wege, und alles Vorausgesagte war falsch, zum Glück. Welche Freude. Und mein Auto ist tatsächlich original, auch von vorne, woran der TÜV Zweifel hatte. Zwar gehe ich ab heute nun schon das vierte Wochenende in meinem Garten hin und her, aber Montag kann ich nun endlich wieder mit dem Auto fahren und mir die Plakette abholen.

Hurra, heute ist Montag. Freudig eile ich zum TÜV, auf der anderen Seite der Insel, immerhin einige 30 km zu fahren. Und freudig lege ich dem zuständigen Angestellten die tolle Bescheinigung des Herstellers vor. Warum guckt er denn so irgendwie verständnislos??? Warum vergleicht er denn immer wieder den Wortlaut mit der Tüv-eigenen Urkunde? Ja - d.h. nein - stimmt denn etwas nicht? Und nun kommt's, halten Sie sich fest: "Leider kann ich diese Bescheinigung nicht anerkennen, das Wort für das fragliche Teil ist nicht das, was wir erwartet haben". Himmel - Arm - und Zwirn! Wusste nun die Autofabrik nicht, wie ihr Teil hieß, oder hatte sich der TÜV seine eigene Bezeichnung ausgedacht? Und die war gültig? "Und was soll ich nun machen?" fragte ich ziemlich ungehalten. "Sie brauchen nur vom Hersteller in einer neuen Bescheinigung das richtige Wort gebrauchen zu lassen, und dann kommen Sie wieder her".

Na, das wäre ja noch schöner! Nochmal drei Wochen Kontaktsuche und Warten auf eine neue Bescheinigung. Und dann wieder her. Das kam gar nicht infrage. Ich forderte, den Direktor sprechen zu dürfen. (Man hat mir manchmal schon - leicht bemängelnd - gesagt, ich hätte doch etwas männliche Charakterzüge, nicht so vollkommen weich und weiblich, da kann ich nur sagen, wie sollte ich denn sonst das Leben meistern, wenn ich ganz alleine mit solchen Geschehnissen fertig werden soll.) Ich durfte ihn sprechen. Ziemlich barsch sagte ich ihm, dass ich drei Wochen ohne Auto war, weil sein Personal die Typen nicht kennt, und dass ich verärgert bin, dass nun wieder neue Probleme auftreten. Er wand sich ein bisschen mit Drumrumgerede, neuen Gesetzen usw., wollte aber in meinem Falle nichts machen können.

"Sie brauchen doch nur eine neue Bestätigung, dass die Stoßstange original ist, dann werden wir weitersehen" wollte er mich trösten. Ich war hingegen der Meinung, wenn die Stoßstange als nichtoriginalverdächtig reklamiert wird, muss der TÜV das doch nachweisen können, aber wir wurden uns so nicht einig. "Gut", sagte ich, "geben Sie mir bitte Ihre Karte, ich möchte diese Angelegenheit beim Verbraucherschutz reklamieren". So eine Karte hatte er nicht (ist das zu fassen, von einem Betrieb mit Riesenanlage und diversen Angestellten und einem Direktor?), aber ich ließ nicht locker: "dann schreiben Sie alles auf einen Zettel, die Betreiberfirma komplett mit eingetragener Registernummer, Ihren Namen mit Ausweisnummer, volle Anschrift der TÜV-Anlage, Telefon, Webseite und E-Mailanschrift".

Er war ein kleiner Mann. Und ein Flüsterer - ein Spanischflüsterer. Ich verstand ihn nicht immer, und ließ ihn eine Erklärung gerne zwei- und dreimal wiederholen, aber er blieb geduldig, denn er hatte ein bisschen Angst vor mir (wäre auch eine weitere erfreuliche Charaktereigenschaft: sie ist angsteinflößend). "Ich werde mal in Madrid anrufen, vielleicht können wir das auf diesem Wege regeln" kam er mir entgegen, "würden Sie bitte draußen warten, ich rufe Sie dann wieder rein". Ich sah auf die Uhr und wartete draußen. Nach einer geschlagenen Stunde marschierte ich ohne Hilfe und Voranmeldung wieder zu seinem Büro und fragte, was nun sei. "Ja, leider nimmt in Madrid niemand ab". Und das erträgt dieser Direktor eine Stunde lang? Ich nicht! Mir ist entfallen, was ich diesem kleinen Direktor alles sagte, es war sehr viel, sehr hart, obwohl mir eigentlich die Worte fehlten für diese hundsgemeine Situation, aber es wirkte. Er sah sich das Auto mal persönlich an, fand natürlich nichts zum Reklamieren, denn Stoßstange ist Stoßstange, aber erst einmal angezweifelt, vielleicht doch nicht?. "Wir machen jetzt ein Foto von der Stoßstange und mailen das dem hiesigen RENAULT-Verkäufer (nicht der RENAULT-Werkstatt, wo man mir schon so gut geholfen hatte), und Sie fragen dort nach Jaime, der hilft Ihnen weiter. Und wenn alles erledigt ist, dann kommen Sie wieder hierher und legen die Papiere hier vor. Ich klebe Ihnen schon mal das Fahrerlaubnisetikett an die Scheibe. Sie müssen nicht sofort kommen, aber in den nächsten Tagen". Na, das war ja schon mal was Positives. Erneut musste ich das Auto durch die Kontrollanlage fahren, um an einer Stelle das Foto zu machen. Nach dieser großartigen Entwicklung bestand ich dann nicht einmal auf den Zettel mit allen Betriebsdaten, weil eine Reklamation ja vielleicht überflüssig wurde.

Nun denn, noch ein paar Kilometer weiter zum RENAULT-Händler. Dort war man sehr freundlich. Mehrere guckten sich das Auto an, fanden es normal, eine Angestellte machte Fotos von allen Seiten von der Stoßstange, auch im Halbprofil, denn das vom TÜV gemailte Foto war wohl nichts. Jaime war besonders nett und erklärte, dass er nun den Fahrzeugschein für ein paar Tage dort behielte und nachtragen würde, dass das Auto vorne eine originale Stoßstange hätte, dann wäre beim nächsten TÜV nicht mehr mit Problemen zu rechnen. Ich ließ mir ein Glas Wasser geben, denn meine heftigen Kopfschmerzen machten eine Tablette dringend nötig.

Meine Gefühle waren sehr gemischt, als ich mich auf den Heimweg machte. War das nun alles normal? Sollte ich eigentlich gar nichts zu meckern haben sondern mich freuen, dass alle so entgegenkommend waren? Mir fällt ein, dass auf dem Fahrzeugschein noch kein Seitenspiegel vermerkt war, kein Scheibenwischer, auch keine hintere Stoßstange und deren originale Richtigkeit. Den Gedanken, was da noch alles auf mich zukommen kann, schiebe ich ganz schnell beiseite.

Überhaupt mache ich jetzt mit der Geschichte Schluss. Wird ja schon recht langweilig, und ich habe auch keine Lust mehr. Entweder klappt es nun beim nächsten Versuch mit den korrigierten Autopapieren, oder es klappt nicht. Auf jeden Fall schwöre ich Stein und Bein, dass sich alles genau so zugetragen hat, wie hier beschrieben. Nur ein paar aus Wut geheulte Tränen habe ich unterschlagen, weil sie mir peinlich waren.

Legen Sie diese Geschichte nicht so weit weg, oder erinnern Sie sich wenigstens daran, wenn Sie ein neues Auto kaufen. Lassen Sie sich als erstes, möglichst vom Hersteller, eine Bescheinigung geben, dass alles am Auto original ist, sonst kann es Ihnen genau so ergehen wie mir. Oder Sie schiffen sich bei Problemen dann einfach ein, und lassen die Inspektion anstandslos auf einer anderen Insel oder sogar auf dem Festland machen. Ich kenne so jemand mit einem speziellen Jeep, der hier nie durch den TÜV kommt.

Ende gut, aber nicht zu fassen

Zwei Jahre später bei der nächsten Prüfung legte ich freudig mein mit viel Mühe und Umstand erworbenes Papierchen vor, und der Angestellte sagte: "Was ist dass denn, das brauchen wir nicht".




Aus dem Archiv von Reimund Ignatz, aber auch ein Renault...





Mittwoch 17.09.2014 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 17 % - Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 27,6 Grad - niedrigste Temperatur 20,1 Grad

Sand in die Hauptstadt streuen
Die Gelbschnabel-Sturmtaucher fühlen sind abgesetzt

Vorher noch ein bisschen Wetter. - Der Wind hat nun endgültig gedreht, auf Nordwest, aber immer noch reicht das Tief nicht bis hinab auf unsere Breiten, also werden wir wohl weiter ohne Niederschläge aus- oder hinkommen. - So ganz sind wir uns auch noch nicht einig, ob wir denn überhaupt schon Regen wollen, die Winzer sagen Nein, die Tourismusdiener auch, der gesunde Menschenverstand sagt ja, und die Bananenbauern auch. - Wenn was kommt, dann nicht viel, aber richtig Azorenhoch ist auch noch nicht wieder angesagt, das drückt sich ohne große Ambitionen auf dem Nordatlantik herum und macht auf FDP. - Aber man muss anerkennen, der Sommer ist vorbei, die Stabilität geht verloren, auch wenn in den letzten Wochen sogar die Instabilität so stabil war, dass Langeweile am Himmel aufgekommen ist, hoffen wir doch inständig, dass nun das Azorenhoch bitte nicht sogar noch auf AfD macht…

Juni 2013 erklärte man uns den Rückstand von gut einem Jahr bei den Arbeiten am Stadtstrand von Santa Cruz de La Palma auf höchst interessante Art und Weise. - Das Brutverhalten der Gelbschnabel-Sturmtaucher verbiete das Heranschaffen des notwendigen Sandes, den man vor der Küste Puntallanas gewinnen wollte. - Ich habe das damals schon nicht geglaubt, denn der Gelbschnabel-Sturmtaucher brütet nicht unter Wasser, und man saugt den Sand dort vom Boden auf uns spült diesen dann vor die Küste Santa Cruz´. - Jetzt ist es ein gutes Jahr später und man hat tatsächlich angefangen, den Sand anzuspülen, aber die Geschichte mit den "Pardelas cenicientas", wie man die Vögel hier nennt, ist nie wieder aufgetaucht, und es ist auch nicht wirklich unsere hervorragendste Eigenschaft, dass wir den Dingen auf den Grund gehen, oder noch Jahre später nachhaken. - Also lassen wir die Vögel einfach in Ruhe, und inzwischen haben wir eine völlig andere Geschichte, warum der Strand ein paar Jahre später kommt als geplant, und diese Geschichte ist wieder ein bisschen glaubhafter, weil es um menschlicher Irrtümer und Unterlassungen geht, und um fehlende Papiere, die auch Geld bedeuten können.- Nur mal kurz ausgeholt, der Strand selbst ist Angelegenheit Madrids, die übernehmen Planung und Ausführung, gute 25 Millionen sollen da verbaut werden, allerdings muss damit auch die Abwasserplanung für die Hauptstadt neu geordnet werden, denn dort, wo der Strand hin soll, da steckt die jetzige Pumpstation und auch die Hauptleitungen, welche die gesammelten Knödel der Hauptstadt ins Klärwerk schicken. - Da die Hauptstadt zum Teil auf Meereshöhe liegt, kann man das sonst auf La Palma reichlich vorhandene Gefälle natürlich nicht mehr nutzen, also muss gepumpt werden, und die Planung sowie die Ausführung der neuen Abwasserleitungen, die waren eigentlich mal Sache der Regionalregierung, also des Gobierno de Canarias. - Aber dort winkte man entgegen früherer Aussagen ab, man wolle damit nichts mehr zu tun haben, denn die autonome Region der Kanaren bekäme so viel weniger Geld für Infrastrukturmaßnahmen aus Madrid, dass man für solche Spielchen hier auf La Palma kein Geld übrig hätte. - Das Ganze hat natürlich eine politische Note, in Madrid regiert die Partido Popular in absoluter Mehrheit und das Gobierno de Canarias wird geführt von einem Pakt der Coalición Canaria und den Sozialisten der PSC/PSOE, und man gönnt eben unserer Hauptstadt den Strand nicht, wenn es ein Projekt aus Madrid ist.

Schließlich schaffte man es noch, Madrid zu überreden, die notwendigen 2 Millionen Euro für die neuen Abwasserleitungen aufzubringen, und alles war zunächst glücklich und zufrieden. - Dann kam die Geschichte, dass plötzlich die Öffentlichkeit zu sehen bekam, wo man denn die Abwasserpumpstation hinstellen wollte und seit dem geraten alle weiteren Termine komplett ins Schwanken. - Direkt am Eingang der Stadt, dort wo jeder Besucher vorbei muss und auch jeder, der aus dem Hafen kommt, dort wollten Techniker, abgenickt von einem Rudel blinder Stadträte, die Pumpstation aufstellen, nach dem Motto: Wanderer, kommst du nach Santa Cruz, sag, du hättest uns pumpen gesehen, gehört und gerochen, genau so wie es die Stadtverwaltung befahl. - Inzwischen sind sich alle einig, das Ding darf dort nicht gebaut werden, und auch hat man sich, nach monatelangen Verhandlungen mit der Hafen- und schließlich auch mit der Küstenbehörde geeinigt, wo die Pumpstation anstatt dessen hinkommen, da keilt die Hafenbehörde noch einmal nach. - Grundsätzlich ist der Standort gut, gleich hinter der Hafenmole keine 200 Meter von dort entfernt, wo die Pumpstation ursprünglich hin sollte, aber man müsse den neuen Standtort viel besser vor den Schlägen des Meeres schützen, also muss da erneut nachgebessert werden. - Mit dieser neuen Maßnahme ist man nun bei an die 1,4 Millionen Euro, was nur die Verlegung der Pumpstation kosten wird, und das Cabildo Insular hat von Anfang an gesagt, sie werden das schultern, auch wenn man ursprünglich mal von einem Betrag von wenigen Hunderttausend Euro ausgegangen ist. - Immerhin, es geht weiter, und warum man jetzt erst anfängt, den Sand aufzubringen, das mag damit zu tun haben, dass denen bei unangenehmen Wetter mal ein Ponton auf dem Weg in die Hauptstadt gekentert ist, welches als Plattform dienen sollte bei der Aufgabe, den Sand dort aufzubringen. - Die Gelbschnabel-Sturmtaucher sind plötzlich nicht mehr die Protagonisten, obwohl sie immer wieder nisten, (manchmal kann ich nicht anders) Geld, Bürokratie und jede Menge Menschlichkeit, vertreten durch Irrtum und Schwamm drüber, spielen jetzt den ersten Bagger dort am Strand und vielleicht wird es ja kommendes Jahr noch etwas mit dem "Anschwimmen" dort in Santa Cruz.




Da hängen Schläuche an den Schwimmern




Und dieses Gefährt soll den Sand ansaugen und vor die Hauptstadt spucken





Mittwoch 17.09.2014 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 28 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 12 % - Luftdruck 1015 hPa
Puntagorda, 1.260 Meter - Temp. max. 28,4 - Temp. min. 15,8 - Feuchte 20 - 93 % - Regen 1mm

Gastbeitrag von Rose Marie Dähncke
IQ eines Autoreifens - Fortsetzung - Teil 3 von 4

8 Jahre später: um unser Inselchen richtig zu verstehen, muss ich diese recht üble Geschichte auch noch anhängen. Nachdem das Auto x-mal durch den TÜV gegangen war, hatte ich plötzlich Probleme. Alle Proben fielen zufriedenstellend aus, was kein Wunder war, denn ich hatte am Vortag alles überprüfen lassen und 80 € bezahlt. Aber man gab mir die Plakette der Fahrerlaubnis nicht, und ich durfte das Auto nicht fahren. Ich sollte eine schriftliche Bescheinigung beibringen, dass es sich um ein Originalauto mit Originalteilen handelt, denn man zweifelte die vordere Stoßstange mit dem Autokennzeichen an, es kam dem Angestellten so fremd vor.

Es war Freitag, der Tag danach. Ich musste das sofort erledigen, denn sonnabends wurde nicht gearbeitet, sonntags schon gar nicht, und ab Montag haben wir Karneval für 14 Tage oder mehr, und dann geht hier überhaupt nichts. Also los, zu meiner RENAULT-Vertragswerkstatt. Man ist dort sehr freundlich und entgegenkommend, aber das nützte gar nichts. Die TÜV-Station nahm den Hörer nicht ab, als der Werkstattchef dort nachfragen wollte, was nun geschehen soll. Eine halbe Stunde lang nichts, nada (das Übliche, wie ich gehört habe). Als endlich eine Verbindung zustande kam, war der Angestellte, der die Zweifel in die Welt gesetzt hatte, zum Frühstück.

Das war's, bisher. So wie immer: nichts geht, aber das ist normal, und die Palmeros haben sehr viel Geduld im Warten. Ich sitze im Auto und schreibe das schon mal nieder als Ventil zum Ablassen der ersten Wut von gestern und der zweiten Wut von heute. Ich habe Hunger, und Durst, und kalte Füße. Kein Verständnis habe ich dafür, dass die vom TÜV nicht die gängigen Autotypen kennen, keinen Katalog zum Nachschlagen haben oder einfach im Internet nachsehen oder Kontakt zum Hersteller aufnehmen können. Sind die denn alle blöd? Ich bin nicht die einzige, die solch ein Auto fährt, davon gibt es genug auf der Insel, die ständig durch die Kontrolle gehen, und das kennen die nicht?

Na gut, ich warte weiter.

Zwei Stunden sind vergangen, bis mir der Werkstattchef die endgültige Auskunft gibt: er hat mit allen einschlägigen Stellen gesprochen und ist zum Schluss an den Hersteller in Frankreich verwiesen worden, nur der kann die entsprechende Bescheinigung ausstellen. Falls der Hersteller das per E-Mail tätigt, und der TÜV eine E-Mail-Nachricht anerkennt, dann kann das in wenigen Tagen geregelt sein. Fordert der TÜV allerdings eine schriftliche Bestätigung per Post, dann dauert es sicher lange. Und solange darf ich das Auto absolut nicht bewegen.

Meine dritte Wut hielt sich nun nicht in Grenzen. Man darf nicht vergessen, ich bin uralt, lebe alleine und wohne in den Bergen weitab von irgendwelchen Nachbarn, und ich brauche das Auto. Sehr böse bin ich auf alle Beteiligten, außer dem Werkstattchef, der ist wirklich sehr nett.

Bestimmt berichte ich Ihnen wieder, wenn es etwas Neues gibt. Sie werden ja auch wissen wollen, wie das nun weitergeht. Vielleicht trifft Sie eines Tages so etwas Ähnliches, oder der Schlag, falls Sie die Sprache nicht genügend können, um sich da durchzufinden. Wenn ich den Werkstattchef richtig verstanden habe - und das nehme ich an, denn er hat es von Hand nachvollführt an einem nebenstehenden Auto - werden sogar nichtoriginale Zierleisten reklamiert und verhindern die Fahrzulassung. Anscheinend hat man nun endlich erkannt, wie unfallträchtig Zierleisten sind, wenn es sich nicht um die Originale handelt.




Dienstag 16.09.2014 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 28 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 12 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 29,2 Grad - niedrigste Temperatur 22,4 Grad

Ánimo Stephan, Ánimo Maikel
Zwei Männer sollten, wollten, müssten nach oben

Fangen wir an mit Stephan Hawking, der war bereits drei Stunden auf La Palma, auf dem Weg zur "Starmus-Konzerenz", welche kommende Woche auf Tenrife stattfindet. - Wir sind natürlich mal wieder neidisch, warum man diese wunderbare Geschichte nicht bei uns stattfinden lässt, und vielleicht sollten wir einfach mal die Umstände betrachten, wir sind leider nicht in der Lage, eine solche Konferenz und die ebenso wichtigen Rahmenveranstaltungen auszurichten, da uns sowohl die Infrastrukturen fehlen, wie auch die Erreichbarkeit. - Führende Köpfe der Astrophysik treffen sich dort, mehrere Nobelpreisträger und auch Künstler und Musiker, und es ist denen, dabei muss man immer wieder Garik Israelian als treibende Kraft nennen gelungen, eben auch Stephan Hawking nicht nur zu begeistern, sondern auch auf die Kanaren zu locken. - Garik Israelian war auch stark daran beteilig gewesen, dass wir hier auf der Insel fast ein Sternenkonzert, komponiert von Jean-Michel Jarre, gehabt hätten, und zwar zur Einweihung des Grantecan. - Schieben wir das Nichtgelingen dieser großen Aufgabe seinerzeit einfach mal auf die fehlende Finanzierung, alle anderen Gedanken dazu machen keinen Spaß. - Stephan Hawking kann aber nicht mit dem Flugzeug reisen, sondern muss immer mit dem Bus, oder eben über das Wasser mit dem Schiff reisen, und so kam es eben auch, dass der Station mit der "Oceana" hier auf La Palma machte, bevor er eben weiter nach Tenerife reiste. - Aber Stephan Hawking, genau so wie die Geschichte um die Starmus-Konferenz gehört eben doch auch nach La Palma, und wenn man das alles glauben mag was man lesen kann, wenn man lesen kann, dann gibt es durchaus noch Hoffnung, dass wir Stephan Hawking hier auf der Insel doch noch mal begrüßen dürfen. - Am 25.9. findet im Grantecan, dem größten optischen Spiegelteleskop der Welt, eine Veranstaltung statt, auch im Rahmen der Starmus-Konferenz, welche 108 Minuten Runder Tisch genannt wird. - Der erste Aufenthalt eines Menschen im All dauerte 108 Minuten, ja, Juri Gagarin, und so lange geben sich nun herausragende Wissenschaftler Zeit, dort offen Fragen und Visionen zu erörtern. - Das Ganze wird in Echtzeit ins Tagungshotel auf Tenerife übertragen, wo dann die anderen Teilnehmer dabei sein können. - Stephan Hawking möchte wohl auch dabei sein, und auf dem höchsten Berg unserer Insel Ecken ein einen Runden Tisch fragen, und wie es heißt, muss man die Ärzte davon irgendwie überzeugen, dass man Stephan in einen Hubschrauber steigen, und ihn in einer Höhe von 2.426 Meter zu den anderen Wissenschaftlern stoßen lässt. - Wäre natürlich Klasse, Stephan Hawking bei dieser Konferenz auf der Insel zu haben. Den Mann, der uns alle hoffen lässt, dass das Gottesteilchen doch nicht zwischen Schenkeln baumelt, sondern fest im Hirn verwurzelt ist. - Aber bitte keine Experimente, besteht auch nur die geringste Gefahr für den Mann, dann wollen wir nicht die Insel sein, auf der Stephan Hawking Probleme bekam. - Stephan ánimo, ob auf Tenerife, oder auf La Palma, oder sonst wo.

Der Maikel hingegen ist ein Hausgewächs, Maikel Chacón genauer gesagt, und meines Erachtens die spitzeste Feder der palmerischen Journaille, und wer hier spitz ist, dem versucht jeder auf die Feder zu hauen. - Jahrelang schrieb Maikel Chacón äußerst erfolgreich für das Blatt El Día, und man mochte vielleicht nicht seine Nähe zur Coalición Canaria, aber sowohl der Stil, wie auch die Bereitschaft sich dem Feuer so weit zu nähern, dass es heiß wurde, und diese Unvorsicht entlockte uns allen immer wieder Bewunderung. - Wer zu nah am Feuer fliegt, der fällt, und auch wenn es heute einfach nur heißt, man kann sich in den regionalen Zeitungen keine ausgewachsenen Journalisten mehr leisten, die eben mehr machen, als aus vorgetexteten Presseerklärungen die orthographischen Fehler eliminieren, das größte journalistische Talent unserer Insel steht ohne Zeitung da. - Als Wirt in Tazacorte, ich weiß nicht, ob das befriedigen kann, und stundenweise ein Programm im Radio, vielleicht auch nicht. - Aber Maikel ist wieder da, und wie er selbst in seinem Editorial bemerkt, vielleicht braucht man inzwischen pro Journalist eine Zeitung, und wenn man dazu die virtuellen Medien bemüht, dann ist das sogar durchaus machbar. - Als Beispiele räumt er prominent ein, Digna Martín, ehemalige Mitarbeiterin bei El Día und Diario de Avisos, heute ganz vorne in Sachen online-Zeitung mit ihrem "Blatt" elapuron.com, oder Esther Medina und Martín Macho die La Palma Ahora (Diario.es) geboren haben, nachdem Canarias7 sich eigentlich um La Palma gar nicht mehr kümmert. - Alles echte und gute Journalisten, die entweder zu teuer, oder zu aufmüpfig wurden, und wie der Wandel in der Presselandschaft weltweit vorantrabt, darauf reagieren wir ja alle nur, aber keiner weiß, wie das wirklich weiter geht. - El Time nennt Maikel seine online-Zeitung, angelehnt an das allererste Blatt, welches hier auf La Palma für die Insel Ende des neunzehnten Jahrhunderts erschienen ist. - Google würde daraus jetzt "The Times" machen, ich weiß nicht, ob Maikel solche Ansprüche, oder zumindest Wortspiele im Kopf hat, aber sicher will er einfach nur seinen Beruf wieder ausüben und darauf freue ich mich ganz besonders. - Man schreibt halt nicht gegen die Hand, die einen füttert, das wird aber eben auch nicht so leicht, wenn man vor Werbeeinnahmen leben muss, oder nehmen wir ruhig auch meinen Fall, wie weit kann ich negative Vorgänge hier auf der Insel benennen, wo ich doch gleichzeitig davon lebe, dass reichlich Inselgäste uns besuchen kommen? - Niemand ist also ganz frei von Drücken und muss sich seinen Wege suchen, mit dem er seinem Spiegelbild standhalten kann, aber auch Einkommen generiert. - WWW.eltime.es - Pflichtlektüre, nicht weil es neu ist, sondern weil es keinen gibt, der mehr weiß über La Palma, und in Ecken geleuchtet hat, in denen kein Licht zurück kommt, sondern vom Schwarzen Loch der Kaziken aufgesogen wird. - Jede Zeile ein Vergnügen, auch wenn man eigentlich noch mehr dazwischen lesen muss. - Ánimo Maikel, schreib!




Die "La Palma Times..."





Dienstag 16.09.2014 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 70 % - Luftdruck 1013 hPa

Gastbeitrag von Rose Marie Dähncke
Nachtrag - Ein Jahr später. Peinlich. - Teil 2 von 4

Ich fühle mich Ihnen gegenüber, die Sie vielleicht auf mein Anraten dieses tolle Auto gekauft haben, verantwortlich und muss Sie nun leider auf eine kleine Schwäche hinweisen: das Vorderteil kann abfallen, einfach so.

Mir passierte das an einem Sonntag, als ich auf der asphaltierten Straße durch unser Dorf fuhr. In der Kurve knallte vorne etwas auf die Fahrbahn und gab dann rhythmische polternde Aufschläge von sich. Die drei mir gerade entgegenkommenden Autos rissen entsetzt die Augen auf und sprangen beiseite. Ein Fahrer zeigte noch geistesgegenwärtig auf mein Auto. Zum Glück hatte ich die Möglichkeit, hier ohne Gefahr für andere auf der Stelle zu bremsen und auf unseren Dorfplatz auszuweichen, der ohne Kantstein am Wege liegt.

Da sah ich nun die Bescherung: das ganze Vorderteil, das noch vor der angeblichen Stoßstange angebracht ist, war abgeklappt und hing wohl noch an einem kleinen Scharnierchen o.ä., denn es fiel nicht ganz ab, stieß aber auf die Erde auf. Mit meinem geringen technischen Verstand begriff ich trotzdem, dass das Befestigungssystem kaum länger als ein Jahr halten konnte. Die ganze Vorderteilklappe war mit drei kleinen Plastikdübeln in drei einfache Löcher in einer Plastikverkleidung eingelassen. Ein Dübel fehlte ganz, einer war kaputt, und der dritte hatte wohl keine Lust mehr; kann man ihm nicht verdenken. Um wieder nach Hause zu kommen, musste ich das Teil nun irgendwie befestigen, mit Draht oder Strick, aber am Auto selbst war nichts, um es festzubinden. Also mit voller Kraft Vorderteil anheben, Knie drunter, festhalten, Loch suchen und mit dem einzigen Dübel einrasten. Das Ding war schwer, denn es war nicht nur das Nummernschild daran befestigt, nein, das war das wenigste, es war neben etlichem Gestänge auch ein grobes Gitternetz aus Plastik eingebaut. Das ist bei Geländewagen wohl dafür vorgesehen, um eventuelle Kühe davon abzuhalten, direkt in den Motor zu gelangen und dort alles zu verstopfen.

Am nächsten Tag auf der Fahrt in die Werkstatt stieg ich immer wieder aus, um die Lage zu inspizieren, und trat auch mal mit dem Fuß zu. Der junge Mechaniker war sehr nett und interessiert, so etwas hatten sie (angeblich) noch nie. Nach zwei Stunden konnte ich den Wagen wieder in Empfang nehmen. Freudestrahlend teilte er mir mit, man hätte nun eine größere Schraube genommen und die Dübel wieder ersetzt. Nun sollte es wohl halten.

Mir wäre es viel lieber gewesen, sie hätten alles auf Nummer Sicher fest angeschweißt, und meine Begeisterung war nicht groß. Er sah mir wohl Zweifel an und wollte mich gerne mehr in Sicherheit gewogen sehen. "Wissen Sie" sagte er, "man kann das natürlich auch noch auf andere Weise unterstützen: Sie müssen einfach schneller fahren, ganz schnell fahren!" Er stellte sich seitlich zum Vorderteil des Autos, ging etwas in die Hocke, streckte den Arm vor und spreizte alle Finger ab, blähte die Hand förmlich auf. Und damit machte er dann - wummm! -, schöpfte die Luft und schmiss sie gegen das Auto. "Sehen Sie, so...wummm- wummm" und zweimal knallte er die Luft gegen das Auto, "so kommt der Wind, wummm!, dieser Fahrtwind angeflogen, wenn Sie schnell fahren. Und je schneller Sie fahren, wummm-wummm-, desto mehr drückt dieser Wind gegen das Auto, und dann fällt das Vorderteil nicht mehr so leicht ab".

In meinem Blick sah er wohl immer noch keine völlige Überzeugung. Konnte er auch nicht, denn ich dachte immer nur an E-wie Emil, und deshalb wohl setzte er noch hinzu "wenn jetzt etwas abfällt, ist es wohl eher ein Rad als das Vorderteil".

Mein Rat: fahren Sie ganz, ganz schnell, damit das Vorderteil nicht abfällt und passen Sie gut auf, wenn dann das Rad abfällt.







Montag 15.09.2014 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 14 % - Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 28,0 Grad - niedrigste Temperatur 19,4 Grad

National- Regional- Insel- oder Freizeitpark?
Die Caldera de Taburiente sucht ihre Identität, und wir den materiellen Nutzen

Ganz unter uns, dem Krater ist das furz piep egal, mit welchem Vornamen wir ihn ansprechen, und ob Madrid, das Gobierno de Cananrias oder das Cabildo Insular de La Palma über die Verwaltung dieses Parks entscheiden. - Uns aber sollte das nicht egal sein, denn der Nationalpark Caldera de Taburiente ist nicht nur ein Garant dafür, dass sich heimische Flora und Fauna dort geschützt weiterentwickeln können, sondern dieser enorme Senkkrater ist auch die touristische Attraktion Nummer eins auf dieser Insel. - Da entstehen von Anfang an Interessenlagen, und ganz lange hat einfach und alleine der Name, Nationalpark dafür gesorgt, dass kein Inselfürst, politischer Steigbügelhalter oder Lobbyist daran knabbern konnte, aus dem Nationalpark ein profitorientiertes Unternehmen zu machen. - Ob das so bleibt, oder bleiben soll, das wird zukünftig wohl in den Händen regionaler, oder sogar Inselpolitiker liegen, denn die Nationalparks sind seit Jahren bereits in den Händen der autonomen Regionen. Der fast pathologische Föderalismus in Spanien schreckt eben auch nicht davor zurück, aus nationalen Aufgaben regionale Freuden zu machen, und hier auf den Kanaren geht das noch weiter, seit einer Entscheidung des "TSJC" (Tribunal Superior de Justicia de Canarias), also des höchsten kanarischen Gerichtshofes, kann jede Insel die Verwaltung ihres eigenen Nationalparks fordern. - Im Falle La Palmas ist dies übrigens noch gar nicht geschehen, Tenerife ist da Vorreiter, und ab 2015 wird wohl die Verwaltung des Nationalparks Teide in die Hände des Cabildo Insular de Tenerife übergehen. - Das heißt aber auch noch nicht, dass die dann tun und lassen können was die wollen mit dem Nationalpark, aber natürlich nimmt der Inseleinfluss zu, und es wird ein Kunststück werden, aus Inselinteressen und eigentlichen Zielen eines Nationalparks, eine hinnehmbare, oder sollten wir sogar träumen, eine nachhaltige Angelegenheit werden zu lassen. - Dabei wird das Wort Nachhaltigkeit erneut auf die Probe gestellt, und man könnte auch den Wunsch äußern, dass die Besucher und damit auch Nutznießer des Nationalparks sich auch an den Kosten des Unterhalts der Anlagen beteiligen. - Bitte keine Parallelen jetzt zur PKW-Maut in Deutschland schlagen, dass hat unser Nationalpark nicht verdient, aber ich denke eben, dass man so viel mehr aus dieser ganz eigenen und natürlichen Ressource machen könnte, als das was den Park heute ausmacht.

Keine Frage, es muss immer die höchste Schutzdoktrin für die Flora und Fauna erhalten bleiben, allerdings darf ich die Frage stellen, ob das wirklich an jeder Stelle und auf jedem Meter des Nationalparks bedeuten muss, dass dort keine andere Nutzung betrieben werden kann, die nur sekundär etwas mit der Schutzaufgabe eines Nationalparks zu tun hat. - Natürlich stellt man hinten raus die Frage nach der Rentabilität, und wie wir hier als Inselvolkswirtschaft mehr Einkommen mit unseren natürlichen Ressourcen generieren können. - Das ist keine Frage von Ethik oder Moral, sondern eine Notwendigkeit, und wird jedem Interessierten absolut verständlich, wenn man das transparent und zweckbezogen, und auch nachhaltig macht. - Wir werden mittel- wie langfristig nicht umher kommen, auch für den Besuch im Nationalpark zu kassieren, und wenn die richtigen und einsichtigen Leute in dem Moment am Drücker sind, dann sind das handsame Summen von vielleicht 2 Euro pro Person und Tag, welche aber bitte auch erklärt werden, warum der Besucher diese bezahlen muss und wohin diese fließen. Nicht so wie in Fuencaliente, wo der Besucher 5 Euro für den Parkplatz am San Antonio bezahlen muss, ganz egal, ob er das Besucherzentrum besuchen will oder nicht. - Darüber hinaus gibt es viele weitere Möglichkeiten aus einem Nationalpark finanziellen Nutzen zu ziehen, ohne auch nur im Geringsten auf die Schutzaufgaben zu verzichten, hunderte von Nationalparks auf dieser Welt schaffen den Übergang von Aufgabe zu nachhaltiger Bewirtschaftung und alleine, wenn wir es schaffen könnten, dass der Nationalpark durch Einnahmen sich selbst tragen kann, ist ja der Ruf nach Nachhaltigkeit bereits erfüllt.

Konzerte an ausgesuchten Stellen, mit der Möglichkeit das Publikum per Maultieren oder anderswie da hin zu bringen. - Ausstellungen mitten in der Natur des Nationalparks, Schulungen in jeglicher Materie unter dem Himmel und dem Eindruck dieser gewaltigen Natur. - Geführte Themenwanderungen und ein Teil der Einkünfte dieser Wanderung bleibt im Nationalpark, und schließlich der größte Wurf wäre eben, wenn das Projekt des nachhaltigen Betriebs des Nationalparks seine eigenen Studien anbieten könnte. - Da gibt es noch viel schlauere Leute mit viel mehr Ideen als ich die in ein paar Sätzen formulieren kann, und eigentlich habe ich Angst davor, dass man die Verwaltung und letztendlich damit auch die Verantwortung über einen solchen gewaltigen Schutzraum einer so anfälligen Korporation überlassen will, wie es ein Cabildo Insular denn nun mal ist. Aber auf der anderen Seite müssen wir auch die Möglichkeiten sehen, die wir uns erarbeiten müssen, um endlich mehr Wert aus unseren natürlichen Ressourcen zu erzielen. - Das alles könnte geschehen, eben wenn die Verwaltung an die Inselregierung übergeht, und wenn ich mir im Moment so die Besetzung unserer Inselverwaltung ansehe, dann könnte man wohl damit rechnen, dass man durchaus auf ein positives Ergebnis hoffen könnte. - Allerdings besteht eben auch die Gefahr, dass lokale Lobbyisten, hier Kaziken (Caziques) genannt, die Nachhaltigkeit und den Ertrag aus unseren natürlichen Ressourcen so ganz und gar nach ihren Vorstellungen einsammeln, und da wünscht man sich dann ganz schnell die sicher unflexible, aber eben auch harte Hand aus Madrid zurück. - Was lernen wir daraus, auch wir müssen die richtigen Leute an die richten Stellen setzen und das macht man in unserem System durch Wahlen und medialen Druck und Sozialismus und Kirche sind eben auch nur so gut, wie die Leute, die das vorantreiben. - Und wieder sind wir bloß einen halben Zentimeter weiter gekommen, und trotzdem ganz verschwitzt.




Blick vom Bejenado in die Caldera de Taburiente





Montag 15.09.2014 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 16 % - Luftdruck 1016 hPa
Puntagorda, gestern 1.260 Meter - Temp. max. 32,9 - Temp. min. 15,4 - Feuchte 20 - 51 %

Gastbeitrag von Rose Marie Dähncke
IQ eines Autoreifens - Teil 1 von 4

Glauben Sie mir, der Intelligenzquotient eines Autoreifens ist wirklich erstrebenswert. Er ist viel höher als landläufig angenommen. Jedenfalls war er höher als meiner, als ich die Erfahrung mit ihm machte. Und das frustriert.

Das Ganze hängt mit meinem Auto zusammen. Ein tolles Auto! Ich habe es noch nicht lange und kenne bisher erst einen sehr kleinen Teil seiner immensen Funktionen. Trotzdem traue ich mich schon überall damit hin, wo kein Anderer je mit seinem Auto gewesen ist, und wo sonst auch niemand fahren darf außer Medio Ambiente, unserer Umweltbehörde. Da ich dieser aber pilzlich immer willig zur Hand gehe, gehöre ich dazu und darf. So komme ich nun mit dem neuen Auto überall hin, manchmal auch ein wenig vom rechten Wege ab, schließlich hat es Vierradantrieb.

Diesmal hatte ich mir eine Gebirgspiste bis 2300 m ü.M. ausgesucht. Kurven, Kurven, Kurven. Fast unbefahrbar geröllig-steinig, mit tiefen Auswaschungen, Erdrutschen von der Bergseite her, grobem Steinschlag und großen Vulkanbrocken als ständige Hindernisse, die irgendwie umfahren werden mussten. Ein Stück der Strecke war mehr einer Bobbahn ähnlich als einem Fahrweg. Immer bergauf, bergauf. Aber ich, stolz auf meinen Mut und Unternehmungsgeist, schaffte das natürlich alles. Vielleicht war das gewagte Unternehmen aber schon das Anzeichen für minderen IQ, denn ein Intelligenterer würde diese Fahrt erst gar nicht unternommen haben. Da hatten natürlich die Pilze schuld, denn ich wollte zu gerne die Arten dieser Höhen- und Klimalage ergründen (ich fand auch welche). Auf dieser abenteuerlichen, viele Kilometer langen Piste traf ich keinen Menschen, ich war mutterseelenallein. Und das war gut so, denn plötzlich bemerkte ich am Armaturenbrett eine kleine rote Leuchte, die mir bestimmt einen Schreck eingejagt hätte, wenn es einen Zweck gehabt hätte. Hatte es aber nicht. Hier war niemand, der mir in einem schlimmen Falle helfen konnte, und das Handy hatte hier keine Deckung. Ist das nicht himmlisch, dass es auf der Welt noch ein Fleckchen gibt ohne Handydeckung?! Sogar in meinem Haus habe ich fast keine, und man muss schon aufs Dach steigen, wenn man sich in eine vorbeiirrende Welle einschleichen möchte. Also, dachte ich, wenn es was Schlimmes ist, bist du sowieso verloren, und wenn es nur ein kleiner Defekt ist, überlebst du es vielleicht. Die ABBA vom Sechs-CD-Wechsler unter meinem Fahrersitz sangen (Fernandoo---) unerschrocken weiter. Das machte mir Hoffnung. Auf der roten Leuchte sah ich vier pfeilähnliche Striche mit kopfigem Haken. Ohne Lesebrille konnte ich das nicht so genau erkennen. Aber plötzlich wurde ich erleuchtet: mein Wagen ist eben sensationell! Er ist nicht nur mit einem stromlinienförmigen, an den Motor angeschlossenen Kühlschrank ausgestattet, der bei jeder Hitze gekühlte Getränke und ein erfrischendes Picknick bereit hält, sondern er stellt auch den zusätzlichen Antrieb der vier Räder selbständig und unbemerkt an, wenn er es für nötig hält. Das wird es sein, sagte ich mir, diese vier Zeichen sollen sicher die vier Räder darstellen, im Profil, oder Halbprofil, oder überhaupt. Das war mir sehr lieb, denn bisher hatte ich damit noch keine Erfahrung. Und so fuhr ich mit geballter Kraft immer weiter, immer höher, immer unwegsamer. Später das Gleiche wieder bergab, und die vier Räderzeichen blieben treu im Visier. Sehr tröstend. Auch hinab waren die Kilometer nicht weniger geworden, die Kurven auch nicht, und ich fuhr und fuhr. Die Hindernisse waren noch die gleichen, schwierig zu passieren, aber dazu hatte ich ja den tollen Wagen. Letztlich der Pilze wegen! Um sie auch in unwegsamem Gelände zu erforschen.

Aber - was ist jetzt los??? Plötzlich ist die rote Lampe aus! Die Räder sind weg!! Was das nun soll. Die Piste war genau so ruppig wie vor- und nachher. Nach eigenem Gefühl hatte sich die Zusatzkraft weggestellt. Ich erlaubte mir, den Blick einmal vom Weg zu erheben und mehr voraus schweifen zu lassen, und da sah ich doch tatsächlich in einer Entfernung von etwa 200 Metern durch den lichten Kiefernwald hindurch ein kleines Stück der Teerstraße, von der ich vorher abgezweigt war. Also hatten die Räder es geahnt mit hoch entwickelter Intuition, dass wir uns der Straße nähern, oder mit einem präzisen Gedächtnis für die Kilometerzahl der Piste und entschieden sich: 'nun haben wir es bald hinter uns; wir können schon mal abschalten'.

Was sagen Sie nun? Ist das ein bemerkenswerter IQ? Oder nicht?

Mein Auto heißt Scénic RX 4 und ist von RENAULT. Sollten Sie sich auch kaufen.


Anmerkung, vielleicht sollten Sie einfach noch einen Tag warten mit der Bestellung, es geht morgen weiter...






Sonntag 14.09.2014 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 34 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 27,2 Grad - niedrigste Temperatur 20,0 Grad

Kurznachrichten, eine Woche liegen gelassen
Wetter andersrum und weitere Empfindlichkeiten

Bislang gilt das Jahr 2014 als ein Jahr der Wetterstabilität. - Und als Ausrufezeichen haben wir halt zu vermelden, dass es keine Ausrutscher gab bislang. - Der Frühsommer und auch der Sommer ein bisschen zu frisch, aber das liegt auch daran, dass wir eben keine Ausreißer bei den Temperaturen nach oben hatten. - Nicht ein Calima bislang, gerade mal knapp über die 30 Grad und die 40 nicht annähernd in Sicht. - So war es auch für die Feuerwehrleute nicht besonders schwierig, die auftretenden Feuer gleich am Anfang des Geschehens noch zu beherrschen, aber auch hier gebrauchen wir immer wieder das Wort bislang, denn es kann durchaus noch Ungemacht kommen. - Fast den gesamten September nun stecken wir in einer weiteren stabilen Situation, nämlich Wetter verkehrt, aber kaum einer merkt es, da selbst dieses große Tief über den Kanaren uns nicht wirklich etwas anhaben will. - Wir sind zu weit südlich, um in den Niederschlagsbereich zu kommen, aber das Azorenhoch, welches uns sonst hier den Wetterhof macht, das liegt mitten auf dem Atlantik, und so lange das Tief da nicht endlich nach Osten zieht, wird das Wetter auch so bleiben. - Hier kommt der Wind seit vielen Tagen aus der "falschen" Richtung, aber da die Temperaturen und Feuchte angenehmen sind, interessiert das auch keinen, dass wir momentan dem falschen Wetter frönen. - Auf der Terrasse sitzend hört man es, der Wind raschelt anders mit dem Laub und den Palmen als bei Nordostpassat, unserem "Hauswind", und da hier im Tal alle Häuser darauf hin ausgerichtet sind, sich unter den manchmal scharfen Passat zu ducken, aber nicht gegen Winde aus Westen oder Süden, sitzt man plötzlich unter den Pergolen im Wind. - Nicht schlimm, es weht sanfter Wind aus Süden und die kommenden Tage wird das so bleiben. - Zunächst noch ein bisschen wärmer, und dann lassen die Temperaturen wieder deutlich nach.

El Paso erreicht das 21. Jahrhundert und hat es endlich geschafft, im Herzen der Stadt eine WiFi-Zone einzurichten, die von jedem Besucher aber auch Einwohner kostenlos genutzt werden kann. - In vielen anderen Gemeinden spricht man schon lange darüber, in El Paso hat man wenig darüber gesprochen aber gemacht, und nun kann man, auf dem Platz vor der Tourismusinformation und auch auf der "Plaza Franzisca Gazmira", das ist der Platz gegenüber der Tourismusinformation auf der auch der noch immer nicht betriebene neue Kiosk steht, sich mit seinem Tablet oder Smartphone ins Netz begeben. - Man braucht aber einen Schlüssel, den Zugangscode für "Wifi Ciudad de El Paso" und den erhält man in der Tourismusinformation. - Dann kann man für eine Stunde ins Netz, kostet dem Nutzer nichts, aber es geht halt auch nur, wenn die Tourismusinformation besetzt ist. - Die hat zwar wohl lange Öffnungszeiten, aber eben auch nicht 24 Stunden am Tag. - Sinnvoll ist das auf jeden Fall für die Besucher von außerhalb, denn hier hat inzwischen jeder seine "Flat" mit permanentem Zugang zum Netz, aber für Gäste und Besucher ist das natürlich eine interessante Geschichte. - Auch wenn so gut wie jedes Café oder jede Kneipe sein WiFi den Gästen zur Verfügung stellt, gerade für die Kreuzfahrer, die auch Ausflüge ins "Hinterland" machen, und El Paso die Inkarnation für Hinterland überhaupt ist, eine schöne Geschichte. - Weißbeinige Engländer gehobenen Alters sitzen auf Steinen und Bänken und senden Grüße an ihre Familien per "Guasap", wie wir hier für WhatsApp sagen, und das könnte dann so lauten. - Hello Darling, we are in a Town whose name I forgot, but here on Las Palmas Island it is very nice and the Gin on the ship doesn´t cost anything if you order it before 8 pm. - Daddy always gets to bed already half past nine…

Wissen Sie was echte journalistische Bescheidenheit bedeutet? - In allen Blättern berichten wir darüber, dass Los Cancajos, mit Puerto Naos eines der beiden touristischen Zentren der Insel, jetzt wieder einen Geldautomaten erhalten soll. - Ja, die hatten keinen mehr, es lohnte sich nicht mehr sagte das Geldinstitut, welche den letzten aufgestellt hatte, und die Gastronomie und alle Geschäftsleute und natürlich die Gäste auch, die fordern seit Monaten von der Inselregierung und der Gemeinde, man möchte doch bitte dafür sorgen, dass man in dem Ferienort wieder an Bargeld gelangen könne. - Weder die Inselregierung, noch die Gemeinde sind eigentlich dafür verantwortlich, dass Banken Geldautomaten aufstellen, aber man hat wohl verhandelt und nun erklärte sich die Banco Santander bereit, in der Tourismusinformation einen Geldautomaten aufzustellen, die Gemeinde hat da Geschick bewiesen. - Friede, Freude, Bankomat, und hat man Ihnen erzählt, dass wir am internationalen Flughafen La Palma auch keinen Geldautomaten haben? - Aber auch daran arbeitet bei uns jetzt die Politik, und bald haben wir wieder was zu schreiben…

Jetzt noch in eigener Sache. - Schicken Sie mir bitte weiter Gastbeiträge, ich habe noch eine Geschichte von Frau Dähncke, die wir auf drei Tage aufteilen müssen, dann hat sich das. - Das fing so schön an, so viele Leute haben sich daran beteiligt und es wäre doch wunderbar, wenn das auch weitergehen könnte. - Also kramen Sie Ihre La Palma Geschichten hervor, oder wenn Sie hier einen Betrieb haben, dann lassen Sie uns das auch wissen, und das darf ruhig auch Werbung sein. - Veranstaltungen, gastronomische Vorhaben, Ausstellungen, Sie können ja gut nachschlagen, wer und was alles Gastbeiträge in den vergangenen Wochen verfasst hat, und wie gut das angekommen ist. - Also, zehn Finger in die Tasten, teilen Sie sich mit, wenn nicht einer alles machen muss, dann macht das richtig Spaß!




Das Azorentief... Grafik von der Agencia Estatal de Meteorología, kurz AEMET.





Sonntag 14.09.2014 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 34 % - Luftdruck 1019 hPa

Fulanito de tal dice hoy: Vaciar el costal
Den Sack ausschütten. - Ein Geständnis abgeben, alles raus lassen, alles was man bislang über eine Geschichte oder auch über einen anderen Menschen zurückgehalten hat plötzlich ans Tageslicht holen.




Farbspiele um einen sommerlichen Sonnenuntergang auf der Westseite.





Samstag 13.09.2014 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 39 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 27,1 Grad - niedrigste Temperatur 19,6 Grad

Krank sein ist Scheiße
Auf La Palma nicht ganz so sehr

Zunächst Mal, ich bin froh, dass ich wieder fit bin, zu Hause sein kann, umendlich auch wieder an dieser kleinen Nachrichtenfront meinen Beitrag leisten zu können. - Viermal war ich nun in einem Krankenhaus hier auf den Kanaren, wobei aber zwei Aufenthalte davon nur kurz wegen einer Untersuchung waren, also nicht wirklich zählen. - Hier auf La Palma war ich zweimal im Hospital Insular, und außer dem Umstand, dass ich dort sein musste, kann ich das Ding absolut empfehlen. - Zunächst habe ich ja noch versucht, mich selbst zu kurieren, ich wusste ja, was mir fehlt, aber irgendwann ging es dann nicht mehr und aus einem geplanten Kurzbesuch im Gesundheitszentrum in El Paso ließ man mich nicht mehr gehen, sondern brachte mich ins Krankenhaus. - Widerstand ist irgendwann zunächst zwecklos und dann dumm. - Die machen dort wirklich alles, damit es einem gut geht, und auf der Notfallstation, wo man logischerweise zunächst ankommt, dort schwirrt dermaßen viel Personal herum, dass man keinen Moment außer Beobachtung ist. - Nach ein paar Minuten reißen die einem bereits die Kleider vom Leib, man wird verkabelt und bereits nach zwanzig Minuten ging es dann zu Röntgen und eine Stunde später dann zum Ultraschall und nach zwei Blutproben entschloss man sich dazu, dass meine Diagnose zutreffend war, und man konnte auf weitere Untersuchungen verzichten. - Also weg von der Notfallstation, hinein auf "Planta", auf Station, und dort geht es äußerst gemütlich zu, ein großer Unterschied zwischen der betriebsamen Hektik dort, wo es auch oft genug um Leben oder Tod geht, dahin, wo man sich erholen soll, und mit ärztlicher Hilfe wieder genesen. - Es sind alles Zweibettzimmer, alle mit Balkon, alle mit Blick aufs Meer und nachdem man mir ein Bändchen mit meinen Daten ans Handgelenk gebunden hatte, nahm ich das Angebot des "all inklusive" einfach mal ohne den Druck, ich muss so schnell wie möglich hier wieder raus, wahr. - Ich hatte ja schon keine Schmerzen mehr, kaum noch Kabel an mir herumhängen und die Sonnenaufgänge auf der Ostseite sind legendär.

Ich muss natürlich auch eingestehen, dass ich furchtbares Glück hatte, mein Zimmernachbar schnarchte nicht, sondern war ein ruhiger Zeitgenosse mit dem ich mich geeinigt hatte, dass wir die Tür zum Gang immer nur angelehnt lassen, und nicht ganz offen, wie das sonst der Usus ist in Krankenhäusern auf den Kanaren. - Wie das auf dem Festland aussieht, weiß ich nicht, aber hier stehen die Türen zu den Zimmern offen, was dem Personal natürlich auch einen einfacheren Überblick erlaubt. - Überhaupt, das Personal, nicht nur reichlich, sondern auch beachtenswert kompetent und überaus freundlich und bemüht, es ist so, wie ich es immer gesagt habe, die Schwierigkeiten im kanarischen Gesundheitsdienst liegen in der Organisation, und der wohl Fehlbesetzung in der Leitung der Betriebe, nicht aber an der Qualität und Professionalität des Personals. - Mir erschien es fast, als hätten die sogar noch Kapazitäten locker, im unserer Station waren mehrere Betten frei, jeden Moment war eine Krankenschwester zugegen und gar zweimal am Tag wurde das Zimmer gereinigt. - Vielleicht sind das auch die Auswirkungen, dass wir Infrastrukturen auf der Insel für über 80.000 Einwohner vorhalten, wohl aber nur noch zwischen 60.000 und 65.000 dauerhaft auf der Insel wohnende Einheimische sind. - Vielleicht hatte ich einfach nur Glück, sowohl bei der Aufnahme in der "Urgencia", so wie auch auf "Planta", nirgendwo musste ich warten, oder wurde irgendwo auf die Seite geschoben und jede, aber auch wirklich jede Krankenschwester oder sonstige Bediensteten waren von ausnehmender Freundlichkeit und äußerst besorgt um das Wohlergehen ihrer Patienten. - Nein, die haben mir dort nichts in den Tee getan, ich kenne ja auch die Kehrseite der Medaille, denn in dem Moment, wenn man aus dem Krankenhaus wieder raus ist, und den Status "Urgente" verliert, in dem Moment greift die ursprüngliche Bezeichnung des Wortes "Patient" (kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: Ertragen, Ausdauer, Geduld) wieder furchtbar klebrig. - Wartet man dann auf den Facharzttermin, dann kann das Monate, bis Jahre dauern, bis man dran kommt, und den Unterschied zwischen den hervorragenden Zuständen in der Notfallmedizin und auf Station im Krankenhaus, und der Lücke zum Facharzt, daran sollte man mal wirklich ordentlich arbeiten, und nicht nur Presseerklärungen, alles würde besser, darüber verfassen. - Haben Sie keine Angst vor dem Krankenhaus hier, es gibt auch genügend Deutsch sprechendes Personal und wundern Sie sich nicht über offene Türen, oder darüber, dass es gegen Mitternacht noch mal einen Tee oder Saft zu Trinken gibt. - All inklusiv halt. - Ich bin trotzdem froh, wieder draußen zu sein, denke aber, wie nach jedem Aufenthalt dort, mit Dankbarkeit daran zurück.

Die wirkliche La Palma- Nachricht stammt aber von gestern, Stephan Hawking war auf der Insel, allerdings leider nur auf der Weiterreise nach Tenerife. - Ich konnte vom Balkon aus meines Krankenzimmers noch das Einlaufen der "Oceana" beobachten, wusste aber nicht, dass Stephan Hawking darauf war und das wussten die Autoritäten der Insel wohl auch nicht. - Natürlich wusste man noch weniger, dass der sich mit seiner Begleitung dann doch die Hauptstadt ansehen wollte, und so kam es zu einem wohl dreistündigen Besuch auf La Palma. - Stephan Hawking darf nicht mit dem Flugzeug reisen, so muss er den Bus nehmen, oder die Bahn, und wenn er über das Meer will das Schiff, und dieser außerordentliche Wissenschaftler ist auf dem Weg zu "Starmus-Konferenz" welche vom 22. - 27. September auf unserer Nachbarinsel Tenerife stattfindet. - Dort wird er nach dem Programm an zwei Vorträgen teilnehmen, und viele andere namhafte Wissenschaftler werden auch dort zugegen sein, und sich mit den großen Fragen rund um unser Universum beschäftigen. - Unsere Inseloberen sind nun ein bisschen vergrätzt, weil keiner zugegen war, und den wohl gescheitesten Kopf unserer Epoche nicht begrüßen konnte, aber ich könnte mir denken, dass der nicht nur intelligent, sondern auch schlau genug war, nichts zu sagen, um bloß eben keinen großen Bahnhof am Hafen zu produzieren. - Es gibt noch das Gerücht, Stephan Hawking wäre am 25.9. auf La Palma um an dem Runden Tisch teilzunehmen, der im größten optischen Teleskop der Welt stattfindet, dem Grantecan hier auf La Palma. - Das Programm von "Starmus" gibt allerdings diesen Besuch nicht her, aber Stephan Hawking hat uns Jahrzehnte immer wieder überrascht, wir werden also abwarten müssen.




Der Blick aus dem Krankenzimmer, rechts am Horizont der Teide auf Tenerife





Samstag 13.09.2014 08:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 17 % - Luftdruck 1018 hPa


Gastbeitrag von Federico
ROUND THE WORLD

Ich durfte Captn Bob (74 ) als Gast in der Marina Tazacorte kennenlernen. Das Stahlschiff "ROAMER", schwarz gepinselt, ein bisschen abgenutzt lag am Steg 1. Zwei dicke Holzmasten mit den Segel umwickelt ragten wie zwei Telefonmasten in den Hafenhimmel.
Capt Bob, ein Arbeitersohn aus Brighton, arbeitete auf einer Ölplattform bevor er sich 1985 entschied einhand die Welt zu umrunden. Ständig in Geldnot, ließ er trotzdem die "ROAMER" nach seinen Ideen bauen. Der Geschäftsführer der Ölfirma unterstützte ihn mit einem größeren Geldbetrag. Danach stach er in See und startete seine Weltreise. Von Brighton aus ging es zunächst nonstop nach Südafrika. Seine Bordkasse leerte sich ziemlich rasch und um die wieder aufzustocken übernahm er fuer 6 Monate die dortige Hafenkneipe.

Nach der Kneipenzeit segelte er weiter nach Neuseeland und Australien. Bei der Kap Horn Umrundung erlitt die "ROAMER" Mastbruch. Unter Notbesegelung schipperte er nach Falmouth zurück und beendete seine zweijährige Weltumsegelung. Auf seiner mitgeführten Schreibmaschine schrieb er seine Erlebnisse nieder.

Er sagte: "Ich kann nicht still sitzen. Viele Menschen denken ich sei ein "windiger" Kerl weil ich wieder losziehe, aber ich muss weiter segeln. Ich bin sehr glücklich meine Tage auf der "ROAMER" zu beenden, und einfach auf dem Meer zu treiben. Das scheint mir viel weniger depressiv zu machen als meine Tage im Pflegeheim zu beenden." Ich wünschte Captn Bob "fair winds" Richtung Azoren. Er wird mir berichten, wenn er in Brighton den Anker fallen lässt. Übrigens konnte sich Captn Bob in der Marina Tazacorte sehr sicher fühlen, denn am Nebensteg lag das Schiff von Tatort Kommissar Boris Aljinovic.

Sein Buch " ROAMER ROUND THE WORLD" engl. bei Roamer Books www.segeln-lapalma.eu

Mit freundlichen Grüßen
Federico







Mittwoch 10.09.2014 14:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 43 % - Luftdruck 1014 hPa

Der Siebold weilt noch im Krankenhaus, er lässt Sie alle herzlich grüßen.
Es geht allerhöchstwahrscheinlich hier am Samstag den 13.9.2014 wieder weiter.


Samstag 06.09.2014 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 34 % - Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 27,8 Grad - niedrigste Temperatur 21,2 Grad

Kurznachrichten
Was die Zeitungen so hergeben

Die Ruta del Gallo ist zu Ende, der kulinarische Rundwanderweg durchs Aridanetal, wo man in bestimmten Etablissements eine Tapa und ein Getränk für 2,50 Euro serviert bekam. - Das macht man bereits zum neunten Mal, und nun stehen auch die diesjährigen Sieger fest. - Der Erste Preis, Gallo de Oro genannt, geht an die Cafetería Marex mitten in Los Llanos. - Die nennen das Gericht "Marex R-Evolution" und dabei handelt es sich um Stockfisch in Zwiebelgemüse mit einer leichten Soße aus Yam-Wurzeln, Gelatine aus Honig-Rum und Koriandersprossen, und das Ganze wird angerichtet auf einem Teller auf dem die Dekoration roter Mojo in Form von Hahnenkrallen ist und aus Senf zwei Logs der Insel La Palma. - Wirklich sehens- und probierenswert, kein Wunder, dass Marex da gewonnen hat. - Zweiter Preis, Gallo de Plata, geht an das Restaurant Balcón Taburiente, das mit dem Blick in die Caldera, und dort servierte man "Springende Tintenfische". - Dritter Preis, Gallo de Bronce geht an das Casa del Mar in Puerto de Tazcorte, und dort gab es einen Sepia-Spieß, welcher den Juroren so gut geschmeckt hat, dass auch dieses Gericht prämiert wurde. - Weiter gibt es noch die "Tapa Popular", dort wählen die Gäste und nicht Juroren, und hier gewann das Restaurant Carmen, in der Urbanisation Celta in El Paso, und die gewannen mit einem ausgelösten Kaninchen. - Ein weiterer Preis ging nach El Paso, nämlich der der Tapa Palmera, also möglichst nah am kulinarischen Mittelpunkt der Insel, wo immer dieser sein mag, und dieser Preis geht an das Restaurant Franchipani mir der Tapa "Mar Crujiente" also knuspriges Meer. - Wir gratulieren! - Nicht verschweigen aber sollte man, diese Aktion verliert über die Jahre immer mehr an Attraktivität, es nehmen weniger Restaurants teil und auch das Publikum ist nicht mehr so zahlreich auf Tapa-Tour, wie in den anfänglichen Jahren der Ruta del Gallo. - Man wird da einige Dinge ändern müssen um das wieder lockender zu machen und besonders sollte man auf die Wirte hören, die so ganz eigene Vorstellungen von dieser Aktion mitten im August haben.

Los Llanos baut, die Inselregierung bezahlt. - Wie haben die das nur wieder hinbekommen, dass man den eigenen Stadtsäckel schonen kann und dafür bezahlt die Inselkorporation möchte man fragen. - Das hat politische Hintergründe, so wie immer eigentlich, denn es geht um die Erweiterung der Fußgängerzone in der Avenida Venezuela und die hatten genau noch die geplant, welche heute in Los Llanos in der Opposition sitzen, im Cabildo Insular aber in der Regierung. - PP + PSOE plant als Stadtrat die Fußgängerzone, fliegt aus dem Stadtrat und baut nun als Inselregierung das eigenen Projekt in Los Llanos. - Da werden andere Gemeinden sicher auch wieder neidisch und auf komische Gedanken gebracht, 49% der Zeit vieler Politiker bestehen darin, fremde Gelder zu finden (andere 49% für Dementis und 2% wird gearbeitet - Nein, nicht alle, aber leider sehr viele) Allerdings wird erst im kommenden Jahr die Erweiterung der Fußgängerzone in Angriff genommen, im Haushalt 2014 ist dafür kein Geld mehr vorhanden und man will auch mit den Anwohnern und den Geschäftsleuten dort sprechen, wie die denn das mit der Baustelle dann sehen und nehmen werden. - Das hat man allerdings schon einmal gemacht, noch von Seiten der Stadt und damals hat man beschlossen, man verschiebt die Bauarbeiten auf nach das Weihnachtsgeschäft 2013/2014, aber dann war das Geld alle, weil man inzwischen woanders investiert hatte. - Mal sehen, nächstes Jahr sind im Mai Kommunalwahlen, ob bis dahin die Fußgängerzone da ist, oder ob dann eventuelle politische Veränderungen wieder alles über den Haufen werfen.

Im Februar dieses Jahres sprang ein junger Deutscher aus Übermut, oder wohl auch mit besoffenem Kopf von Bord der AidaStella in das Hafenbecken von Santa Cruz de La Palma. Es wurde daraufhin eine Rettungsaktion eingeleitet, an dem ein Rettungsschiff und ein Hubschrauber beteiligt waren. - Der junge Mann konnte aber aus eigener Kraft den Jachthafen erreichen und stieg dort aus dem Wasser. - Nachdem man ihm in Krankenhaus untersucht hatte und er keine Verletzungen aufwies, schickte man ihn wieder zurück zum Schiff. - Der Kapitän allerdings verweigerte dem Passagier die Weiterfahrt, wohl auch um Nachahmer abzuschrecken und der Gast musste sich selbst um seinen Rückflug nach Deutschland kümmern. - Jetzt kam auch noch die Rechnung für den Rettungseinsatz, und die ist viel geringer aus als befürchtet, 1.320,- Euro waren fällig, die nach einer lokalen Meldung auch bereits bezahlt worden sind. - Wer auf den Kanaren aus grobem Unfug oder zu hohen sportlichen Risiko eine Rettungsaktion auslöst, der kann für die Kosten herangezogen werden. - Wer allerdings als Wanderer irgendwo umknickt und rausgetragen werden muss, oder sogar per Hubschrauber aus der Caldera, der muss nicht fürchten, das bezahlen zu müssen. - Und dass man nicht vom Schiff springt, irgendwie versteht sich das von selbst und die Kommentare hier sind alle gleichlautend, 1.320,- Euro ist eigentlich ein viel zu günstiger Kurs für Hubschrauber und Rettungsschiff.




Bild aus dem Facebook-Auftritt der "Ruta del Gallo"





Samstag 06.09.2014 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 49 % - Luftdruck 1016 hPa

Gastbeitrag vom Kulturbeauftragten
Kammerklänge zum Vierten

Um mal ganz ehrlich zu sein.........ich war zuerst skeptisch. Im Sommer 2011 konnten wir vorläufig letztmals eine Oper produzieren, eine wunderbare "Così fan tutte" im Teatro Circo de Marte in Santa Cruz. Danach gab es weder Masse noch Kasse, und wir mussten uns überlegen, ob wir aufhören sollen. Wir, das sind die palmerischen Opernfreunde von ACAPO (Asociación Cultural Amigos Palmeros de la Ópera), genauer gesagt eigentlich nur die drei, die sich in diesem Verein ständig "bewegen".

Nein, aufhören sollte keine Option sein, aber mit äußerst knappem Budget war eben auch nur ein kleineres Genre möglich. Und das ist, wenn es um Klassik geht, die Kammermusik.

Großartige Gagen konnten wir auch nicht bieten, also zogen wir einen anderen Trumpf aus dem Ärmel, nämlich die Schönheit La Palmas. Unterstützung fanden wir bei einem Hotelier aus Los Cancajos (Danke, Manolo!), der gratis Übernachtung mit Frühstück für die Musiker anbot. Wir buchten Flüge, organisierten Transfers, Proben, Ausflüge und nicht zuletzt die Konzerte, und schon bald erhielten wir erste Anfragen von Künstlern, ohne groß die Werbetrommel gerührt zu haben. Unsere guten Beziehungen zu Musikern in ganz Europa taten ein Übriges, und schon war der erste Kammermusikzyklus mit zehn Konzerten konfektioniert.

Von Beginn an war es unser Anliegen, über den Verkauf von Abonnements Musikfreunde dauerhaft an unsere Konzertreihe zu binden, mit großem Erfolg. Die Zahl der Dauerkarteninhaber stieg Jahr für Jahr auf zuletzt 160, eine ebenso erstaunliche wie erfreuliche Zahl. Im gleichen Maße stieg die Qualität der Darbietungen, wobei wir stets darauf geachtet haben, eine Mischung aus palmerischen, kanarischen, festlandsspanischen und europäischen Interpreten zu präsentieren. Spätestens mit dem dritten Zyklus konnten dann echte "Highlights" erlebt werden, die das altehrwürdige Theater zum Beben brachten. Beifall, Jubel, Bravorufe, Fußgetrampel, Gänsehaut, da war alles dabei!

Nun ist der vierte Zyklus unter Dach und Fach, das Plakat ist fertig, siehe unten, die Abokarten und Programme kamen heute aus der Druckerei, es kann also wieder losgehen. Sämtliche elf Konzerte kann und will ich hier nicht vorab besprechen, das kommt später an dieser Stelle, Stück für Stück. Bekannte Namen sind dabei (ja, manche Musiker wollen unbedingt wieder hierher kommen!), klangvolle neue ebenfalls. Wer Herrn YouTube und Frau Google kennt kann sich ja schon mal schlau machen. Nur als kurze Vorschau auf das erste Konzert am 24. September: Die ECHO-Preisträgerin Rebekka Hartmann bringt nicht nur ihre exzellente Pianistin und ein tolles Programm mit, sondern auch ihre Geige Bj. 1675 aus dem Hause Stradivari! Das wird für La Palma eine Mehrfachpremiere.

Wer an einem Abo für alle elf Konzerte interessiert ist, der meldet sich bitte bei mir unter 607 687418 bzw. musicasa@web.de oder kommt am kommenden Montag ab 12 Uhr ins KaChoTe in El Paso, gleich beim Seidenmuseum. Ich werde alle Unterlagen dabei haben. Die Abonnenten der vorherigen Konzertreihe haben Anspruch auf ihren bisherigen Sitzplatz.

Mit musikalischen Grüßen

Ödi Jonitz, ihr Kulturbeauftragter







Freitag 05.09.2014 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 78 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 25,1 Grad - niedrigste Temperatur 20,7 Grad

Wirres und zusammenhangloses Zeug
Familie 50%

Jetzt ist es so weit, eine Hälfte der Familie ist jetzt auf Gran Canaria und die andere Hälfte sitzt auf La Palma bedröppelt herum, und sortiert die Ruhe im Haus. - Es war noch aufregend die letzten Tage, für die jüngere Tochter ist das ja alles noch neu, das Wegziehen und alleine woanders leben und was nimmt man mit, was bleibt hier, und ganz oft mussten wir den Koffer wiegen, ob der nicht doch schon die erlaubten 30 Kilo überschritten hat. - Inzwischen ist sie in ihrer Wohnung angekommen, die andere Tochter hat sie mit Freunden vom Flughafen abgeholt, also musste sie die ersten Stunden nicht alleine verbringen. - Die beiden Töchter studieren zwar auf der gleichen Universität, aber deren Fakultäten liegen so weit auseinander, dass sie nicht zusammen wohnen können. - Die eine ist in Tafira, oberhalb von Las Palmas, die andere studiert nahe Arucas und hat im Westen Las Palmas eine Wohnung und muss dann morgens ein paar Kilometer mit dem Bus zur Fakultät fahren. - Andauernd gucken wir jetzt auf das Handy, ist eine neue Nachricht da, wann kommen die ersten Bilder und sicher fragt meine Frau heute Abend beide Töchter ab, was sie denn gegessen hätten. - Eltern sind so, und wir werden mal gucken, wie wir uns hier den Alltag einrichten.

Gestern Abend regnete es doch glatt hier im Tal. - Da sagte meine Tochter noch zu mir, Papa, da hängt so eine dunkle Wolke, kann das regnen? - Nein, es ist immer noch Sommer, das wird nicht regnen. - Keine drei Minuten später war ich nass und blamiert, so kann es kommen. - Der Regen war aber gleich wieder vorbei, hat nur ein bisschen von meinem Ego abgewaschen, für die Pflanzen brachte das überhaupt nichts, und der Regenmesser konnte den halben Millimeter kaum anzeigen. - Die Anstalten melden keinen Regen für die kommenden Tage, allerdings ist das Azorenhoch viel zu weit westlich und wir geraten in den Einfluss eines Tiefdruckgebietes, welches aber zu weit nördlich liegt, um uns Regen abzugeben.

In Barlovento eröffnet die Tankstelle erneut, welche vor drei Monaten geschossen wurde. - Damals gab es reichlich Protest, da nun die Bürger von Barlovento und auch den noch weiter nördlich liegenden Dörfern nach Los Sauces zum Tanken fahren müssen und es hieß, das rechnet sich nicht mit der Tankstelle. - Nun aber macht die wieder auf und man fragt sich, warum sich das jetzt wieder rechnen soll. - Andere vermuten aber, die Tankstelle musste schließen, weil der Anbieter DISA mehr als 30% des Marktes an Tankstellen bestreitet und das geht laut einem Gesetz nicht. - Dann wurde die DISA in Fuencaliente geschlossen, und jetzt die in Barlovento wieder eröffnet, so dass man vermutet, es könnte daran liegen, dass der Konzern zu viele Tankstellen hatte. - Wobei, es sind eh nur drei Anbieter hier auf der Insel welche Tankstellen haben, und drei mal dreißig macht neunzig und nicht einhundert Prozent, also kann sich keiner so wirklich an die Vorgaben halten.

Am Montag geht die Schule wieder los, zunächst sind die Kleinen dran, die älteren Schüler reihen sich dann ab Mittwoch wieder ein. - Auch in diesem Jahr gibt es vorab schon wieder den ewig gleichen Ärger, in den ländlichen Bereichen werden bestimmte Kurse nicht mehr angeboten. - Jetzt hat es Garafía erwischt, in der dortigen Schule soll es dieses Jahr keine erste "ESO" mehr geben, das entspricht der siebten Klasse, weil nur noch vier Schüler dort in dieser Jahrgangsstufe sind. - Die sollen nun nach Puntagorda in die Schule, und dagegen wollen sich die Eltern und auch viele Menschen aus Garafía wehren, weil man eben so wieder ein bisschen mehr isoliert wird, da oben im Nordwesten der Insel. - Da stellt sich immer wieder die grundsätzliche Frage, was ist wichtiger, die ländlichen Gebiete nicht durch noch weniger Service und Infrastrukturen weiter zu schwächen, und damit erneut Anstoß zur Landflucht zu geben, oder mit den öffentlichen Geldern so effizient umzugehen, dass man einfach hinnehmen muss, dass man für vier Schüler keinen Unterricht abhalten kann. - Der Sparzwang spielt in dem Moment natürlich auch eine große Rolle und dient damit als Argument für den Bildungsrat der autonomen Region Kanarische Inseln und es sieht nicht gut aus für den Wunsch in Garafía, dass weiter alle Kurse gegeben werden können.




Da geht sie hin...





Freitag 05.09.2014 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0,5 mm - Luftfeuchte 49 % - Luftdruck 1019 hPa
Puntagorda, gestern 1.260 Meter - Temp. max. 27,5 - Temp. min. 16,0 - Feuchte 44 - 63 %

Gastbeitrag von Wolfgang Seidel
Wer möchte einen Weinberg auf La Palma?

Eine kleine Geschichte von einem Weinberg auf La Palma Als wir uns vor 11 Jahren auf La Palma nieder ließen gab es zunächst viel zu tun. Das Häuschen in Las Manchas musste so umgebaut werden, wie wir uns das vorstellten. Dann musste eine Garage gebaut werden und anschließend sollte ja auch noch der Garten schön gestaltet werden.
In dieser Zeit arbeitete mein Freund noch an einem Pajero, den er wohnlich gestaltete. Er war ja schließlich Architekt.

Eines schönen Tags kam er zu mir und stellte fest, dass wir jetzt nicht mehr so viel zu tun hätten und sein Wein würde für die vielen Gäste, die er bewirten wolle, nicht mehr ausreichen. So hatte er die Idee, dass wir uns gemeinsam einen Weinberg zulegen sollten. Dann hätte ich in der Winterzeit auch wieder mehr zu tun. Er würde die Sommerarbeit im Weinberg, die Ernte und das Keltern gerne übernehmen, zumal er ja in seiner Bodega dafür bestens ausgerüstet sei. Gesagt getan.
Nach ca. 10 Besichtigungen von Angeboten kauften wir im "Romanciadero", also oberhalb der Bodegon Tamanca, einen 1200 m² großen Weinberg mit wunderschönen Rebstöcken in bester Lage.
Bereits die erste Ernte war sehr gut und wir lernten von Jahr zu Jahr besser wie man einen guten "Rosado" herstellt, denn wir ernteten die roten und die weißen Trauben gleichzeitig und stellten daraus auch eine Maische her, die zu einem köstlichen Wein führte. Der Wein hatte im Abgang einen leichten Muskatgeschmack und war immer sehr süffig. Unsere Gäste und wir waren sehr zufrieden.

Doch vor 3 Jahren verstarb mein Freund. Die Winterarbeit, das Säubern des Weinbergs, das Schneiden und das erste Spritzen, erledigte ich weiter hin. Für die Sommerarbeit, das Spritzen, das Ausgeizen und die Ernte hatte ich aber niemanden. So war es einem glücklichen Umstand zu verdanken, als mir ein anderer Freund für 3 Jahre seine Hilfe anbot.

So ein Weinberg macht viel Freude. Man kann dort oben in absolut ruhiger Lage seine Arbeit tun und genießt den Blick zum Tamanca - Berg und zum Meer. Ein schöner Grillplatz hat uns dort schon viele fröhliche Stunden mit lieben Freunden beschert.
Der Weinberg ist gut gepflegt. Ich habe auch schon viele neue Rebstöcke selbst gezogen und dann vor Ort eingesetzt. Es macht Spaß, zu sehen, wie so ein Setzling treibt und nach wenigen Jahren selbst Früchte trägt.

Zusammenfassend kann man sagen, ich hänge sehr an dem Stückchen Erde auf unserer "Isla Bonita" und freue mich über jeden Liter Wein, den wir mit Freunden genießen.

Langfristig muss ich jedoch daran denken, dass mir diese Arbeit immer schwerer fallen wird und da wäre es schade, wenn der Weinberg dann verwildern würde. Deshalb habe ich mich entschlossen, auf diesem Wege nach einem Partner zu suchen, der eventuell Interesse an so einem schönen Weinberg hat und der die Arbeit gegen den Weinerlös übernehmen möchte. Sollte jemand so einen schönen Weinberg kaufen wollen, so würde ich den zu günstigen Konditionen auch abgeben. Hauptsache, das Stückchen Erde auf "meinem" La Palma bleibt in Liebhaberhänden. Ich würde sowohl an deutsche als auch an spanische Interessenten verkaufen.
Mein Name ist Wolfgang Seidel ich bin jederzeit unter rajada@gmx.net erreichbar.
Anbei noch einige Bilder vom Weinberg und der Arbeit










Donnerstag 04.09.2014 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 27 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 46 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 27,3 Grad - niedrigste Temperatur 20,4 Grad

Wir freuen uns auf die Wintersaison
Tourismussektor lebt in ständiger Hoffnung

Der Winter kann nur besser werden, nach dem Sommer… - So schlimm war aber der Sommer dann auch wieder nicht, wir dürfen, angesichts der doch sehr wenigen Flugverbindungen doch noch zufrieden sein. - Auch sind die Gäste zum Teil sehr phantasievoll gewesen, wie man zu uns kommt, denn es gibt viele Wege auf die Insel. - Natürlich ist es per direktem Charter am bequemsten, keine Frage, aber wer zum Beispiel aus Norddeutschland im Sommer zu uns wollte, der musste sich etwas einfallen lassen. - Im Winter sieht es nun wieder viel besser aus, das kennen wir auch schon aus den anderen Jahren, auf La Palma war immer im Winter deutlich mehr los als im Sommer, aber in den letzten Jahren sind die Unterschiede noch deutlicher geworden. - Das kommt natürlich auch daher, dass früher, also vor der Krise, im Sommer die Festlandsspanier und Gäste von den anderen Kanareninseln das Wegbleiben vieler ausländischer Gäste vergessen gemacht haben. - Da gab es ja im Sommer oft die lustige Möglichkeit für die Wirte die Tische dreimal am Abend zu belegen, zunächst kommen die Mitteleuropäer von der Wanderung und essen recht früh, und sind um halb acht schon wieder weg. - Dann kommen die Insulaner von den anderen Inseln, die sind dann um 22:30 fertig und um die Uhrzeit fällt ja den Festlandsspaniern ganz plötzlich ein, dass man ja mal was essen könnte. - Da will man langfristig wieder hin, aber dazu müssen wir das Ding mit der Krise knacken, und den Leute wieder Arbeit geben, und vor allem Geld, was man ausgeben kann. - Also lebt der Tourismus auf der Insel zumeist von den Mitteleuropäern im Moment, und wenn dann solch ein "trockener" Sommer kommt, dann wird breit gejammert und geflucht, und alle sehen mit großer Hoffnung auf die Wintersaison und die deutlich mehr Flugverbindung aus Mitteleuropa und besonders aus Deutschland auf die Insel. - Und in der Tat, das sind mehr Verbindungen als noch im vergangenen Winter und das macht natürlich den Sektor erwartungsvoll, dass Tourismus auf La Palma doch mal wieder zum Geschäft wird, wenn auch nur in der Wintersaison. - Im Sommer brauchen die Fluggesellschaften ihre Flieger für andere, sicherere Ziele, wo man auf jeden Fall mit gewaltigen Auslastungen rechnen kann, da sind eben dann, unteren anderen, die Balearen, Griechenland und die Türkei zu nennen, und für uns bleiben dann zu wenige Flieger übrig. - In der Wintersaison stehen diese aber wieder zur Verfügung, denn Mallorca im Winter ist auch schon, aber oft auch sehr kalt, und da sehen wir auf den Kanaren wieder besser aus und locken mit unserem ewigen Frühling. - Unser neuer Tourismusrat freut sich natürlich auch über diese guten Nachrichten und es bleibt auch die Hoffnung, dass wir für den kommenden Sommer vielleicht ein oder zwei Flugverbindungen aus Deutschland mehr bekommen, da die Auslastung der Flieger in diesem Sommer sehr hoch war. - Was kein Wunder ist, bei den paar Maschinen, aber vielleicht lässt sich da auch noch was machen. - Ideal wäre natürlich eine gleichbleibende Saison, aber das werden wir wohl nicht mehr erreichen, und es gibt ja auch Regionen, die nur eine kurze Sommersaison haben und danach ist praktisch null Betrieb, so sollte unser Jammern auch angemessen klein gehalten werden. - Und auf den Winter freuen sich nicht nur diejenigen, welche in der Tourismusbranche direkt arbeiten, sondern auch die Gastronomen, die Ladenbesitzer, die Taxifahrer und überhaupt eben alle, welche auch ihren Teil daran haben, wenn Urlauber als potente Konsumenten unsere Insel bevölkern. - Also, haken wir den Sommer ab, auch wenn der noch 2 Monate nach der touristischen Zeitrechnung dauert, ab November fliegen wieder richtig viele Maschinen auf die Insel, zumindest verglichen mit dem Sommer. - Denn die anderen Inseln, die lachen über unsere Zahlen, aber dort bezahlt man den Erfolg des vielen Tourismus eben auch mit den negativen Begleiterscheinungen dessen, was man Massentourismus nennt. - Und was braucht man für Massentourismus, richtig, Massen. - Also bei uns keine Chance.




Unser Flughafen hat noch deutliche Kapazitäten frei





Donnerstag 04.09.2014 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 20 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 51 % - Luftdruck 1017 hPa


Gastbeitrag von Petra Herrmann
Ausstellung, vom 6. bis 19. September

Liebe Kunstfreunde und Freunde des Kunstraums La Palma, Es ist soweit.
Der Kunstraum La Palma wird an einem neuen Ort unter meiner Regie mit meinem künstlerischen Berater Helmut Kiesewetter wiedereröffnet. Ich freue mich sehr, dass ich in Villa de Tazacorte einen geeigneten Raum gefunden habe, wo wir weiterhin der Kunst einen geeigneten Rahmen bieten können.
Das Konzept des Kunstraumes hat sich geändert. Wir präsentieren die Künstler jetzt viermal im Jahr 14 Tage lang. Die Ausstellungen beginnen immer mit einer Vernissage und enden mit einer Finnissage, zu denen jeder herzlich eingeladen ist.
Zwischendurch hat man aber auch jeden Tag, außer Sonntags, Zeit, sich die Ausstellung in Ruhe anzuschauen und mit dem Künstler ins Gespräch zu kommen.
In der ersten Ausstellung, vom 6. bis 19. September, zeige ich Bilder von Helmut Kiesewetter. Die Eröffnung wird mit kleinen Häppchen und palmerischen Weinen des Weingutes Juan Mattias Torres, Fuencaliente, begleitet.
Ich freue mich sehr auf ein Wiedersehen mit Ihnen.

Helmut Kiesewetter ist ein deutscher Künstler, der inzwischen die Hälfte des Jahres auf La Palma lebt und arbeitet.
Was ihn hier besonders fasziniert ist die Energie des Meeres und der Vulkane und besonders das Licht.
In den 90ziger Jahren entdeckte er hier die Farbigkeit der Cochenille Laus und verarbeitete sie in seinen Arbeiten zusammen mit TippEx, Essenzen und Graphit.
Heute benutzt er meistens Ölfarben, die er in einer ihm eigenen Weise anwendet. Er trägt Schicht auf Schicht mit einem dünnen Pinsel so auf, dass ein Relief entsteht, in dessen Spitzen sich die einzelnen Farben mischen und so sehr feine Effekte entstehen. Je feiner die Spitzen werden, umso stärker wird das haptische Empfinden des Betrachters angesprochen. Dieser Malprozess ist sehr aufwendig und dauert oft hunderte von Stunden. Kiesewetter schafft eine Komplexität, die ein reiches Spektrum an Anknüpfungspunkten für die eigene Bild- und Kunsterfahrung hat.
Kiesewetters Arbeiten waren hier auf La Palma schon in El Paso, Tijarafe, santa Cruz de La Palma und Brena Baja zu sehen.
Der Kunstraum La Palma zeigt zum 2. Mal seine Werke und verbindet dies mit der Neueröffnung der Galerie in Villa de Tazacorte, nahe der Casa Massieu, Calle Perez Gàldos 2 unter der Leitung von Dr. Petra Herrmann.







Mittwoch 03.09.2014 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 49 % - Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 26,9 Grad - niedrigste Temperatur 18,9 Grad

Peristaltik auf dem Dach der Insel
Inselregierung macht Stoffwechselendprodukte zur Chefsache

Mit was sich diese Inselregierung alles beschäftigen muss. - Zuletzt mit jeder Menge Scheiße, aber immer gibt es eine Lösung, und das ist gut so, manchmal liegt sie sogar auf der Hand… - In der Hauptstadt musste man ja eingreifen, da die Pumpstation für die Abwässer vom Stadteingang weg soll und schließlich hat man es geschafft, diese wenig attraktive Einrichtung ein paar hundert Meter weiter zu verlegen und hinter der Hafenmole zu verstecken. - Die ist zwar noch nicht gebaut diese Pumpstation, aber die Inselregierung hat versprochen, die Mehrkosten zu tragen und eben mit der Hafen- und Küstenbehörde verhandelt, damit auch von bürokratischer Seite alles in Ordnung geht. - Von der Pumpstation hängt auch das weitere Vorgehen um den Stadtstrand ab, der kann erst weitergebaut werden, wenn diese wichtige knödeltransportierende Infrastruktur erstellt wurde. - So heißt es immer, auch wenn das nicht ganz einleuchtend ist, vielleicht will man so auch nur die Verzögerungen bei der Fertigstellung des Strandes erklären. - Aber immerhin, die Inselregierung hat fatale Planungsfehler der Stadt Santa Cruz abgebügelt und eine Lösung erschaffen, die hoffentlich auch bald umgesetzt wird. - Um die gleichen Stoffwechselendprodukte geht es auch auf dem höchsten Berg der Insel, dem Roque de Los Muchachos, dort wo die vielen Observatorien des "ICA" (Instituto Astrofísico de Canarias) stehen. - Schon immer diskutiert man über die Abwässer der Einrichtungen, und es gibt genügend Kritiker die behaupten, die Observatorien würden ungeklärte Abwässer in den Boden leiten, und auf diese Art und Weise den Wasserhaushalt der Insel gefährden. - Das ist aber nicht richtig so, denn alle Observatorien haben eigenen Klärbecken mit Abscheidern, allerdings kann man da nur von einer Vorklärung sprechen, und diese Wasser gehen dann wohl in die Umwelt. - Aber es handelt sich dabei nur um Wasser aus Duschen und Toiletten, welches nach dem Einsickern ins Erdreich und die Felsen bald schon komplett geklärt sind, so viel können die Wissenschaftler da oben gar nicht aufs Klo gehen, dass das eine Gefahr für den Wasserhaushalt der Insel darstellen könnte, das ist einfach abwegig. - Die Reinigungsmittel für die Teleskope, die gelangen auch nicht in das Abwasser, sondern werden mit Tüchern aufgebracht und auch wieder abgeholt, die Verteuflung der wissenschaftlichen Einrichtungen da oben auf den Bergen von manchen Zeitgenossen ist nicht wirklich nachzuvollziehen.

Aber es soll ja nun auch ein Besucherzentrum dort entstehen, und das fordern die Inseloberen seit vielen Jahrzehnten, aber bislang konnte man sich niemals wirklich auf das Wie und besonders wer bezahlt einigen, aber da gibt es inzwischen neuen Bewegung. - Das IAC hat einen neuen Präsidenten, die Insel eine neue Inselregierung und die haben sich schnell darauf geeinigt, dass dieses Besucherzentrum kommen soll. - Im Rahmen dieser Geschichte bietet nun der dafür verantwortliche Inselrat Carlos Cabrera auch die Knödellösung für den Roque an, denn mit dem Besucherzentrum vervielfacht sich ja sicherlich die Abwasserlast. - Die Abwässer sollen mit einem Pumpwagen abgeholt, und nach Llano Negro gebracht werden, von wo aus diese dann über Rohrleitungen in ein Klärwerk verbracht werden, das sei die beste und bezahlbare Lösung, ein echtes Klärwerk auf dem Berg sei zu aufwendig, denn man muss auch bedenken, dass dort die Temperaturen nachts unter den Gefrierpunkt sinken können und das alles deutlich teurer machen würde. - Außerdem ist das dort alles Landschaftsschutzgebiet und damit verbietet sich das mit der Kläranlage sowieso, also holt man die "Schwarzen Wasser" die "Aguas negras" wie man hier sagt, per Saugwagen ab und fährt diese den Berg herunter. - Saubere und einfache Lösung, ein paar Arbeitsplätze fallen auch noch dabei ab, und vielleicht erstickt damit dann auch endlich die dämliche Diskussion darüber, dass diese Observatorien eine Gefahr für den Wasserhaushalt der Insel seien. - Man rechnet mit einer Investitionssumme von 600.000 Euro, das ist wohl für die Auffangtanks der Einrichtung und dann die Rohrleitung von Llano Negro zum Klärwerk, allerdings steht da in der Pressemeldung nichts von den laufenden Kosten, die natürlich auch anfallen werden. - Lösungen gibt es immer, man muss diese nur machen, und bislang fällt unsere neue Inselregierung positiv auf, denn man versteckt sich nicht vor den auch unangenehmen Dingen. - Jetzt wollen wir natürlich auch noch Taten sehen und nicht nur Projekte, das gilt für die Abwässer genau so wie für die projektierte Tierauffangstation, welche in Tijarafe eine Lösung für die vielen ausgesetzten und streunenden Hunde der Insel geben soll. - Den Beifall für das nicht wegducken gibt es heute schon, das Chapeau aber erst, wenn die Tierauffangstation arbeitet, und die Knödel vom Dach der Insel wirklich weggekarrt werden.




Auf dem höchsten Berg der Insel, die Observatorien des IAC
Foto von Wolfgang Hempel





Mittwoch 03.09.2014 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 19 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 65 % - Luftdruck 1016 hPa
Puntagorda, gestern 1.260 Meter - Temp. max. 30,8 - Temp. min. 15,9 - Feuchte 36 - 67 %

Fulanito de tal dice hoy: Unir los cabos sueltos
Die losen Enden zusammenbinden. - Alle Kräfte bündeln, um ein Thema, oder eine Angelegenheit, endgültig abzuschließen.




Der Delfin in der Caldera. Bild von Joachim Schneider.




Dienstag 2.09.2014 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 69 % - Luftdruck 1016 hPa
Höchsttemperatur heute 22,7 Grad - niedrigste Temperatur 20,8 Grad

Die Gebetsmühle, es wird immer alles besser
Zahl der Arbeitslosen sinkt erneut im August

Na ja, nicht für alle Zeitungen und Fernsehanstalten. Immer noch gibt es hier die lustige Ansicht, man könne die Zahl der Arbeitslosen am Vormonat vergleichen, und so ergibt sich das groteske Bild, je nachdem am welchen Kanal sieht oder Zeitung man liest, ist die Zahl der Arbeitslosen im August gestiegen, oder eben auch gesunken. - Das mag auch ein bisschen mit der politischen Ausrichtung der Medien zu tun haben, für die Opposition ist das Glas halbleer, und für die Regierung halbvoll. - Derart hervorragend informiert entlässt man uns dann in die Woche, und ich bin immer noch der Meinung, man kann Krisen eher herbeireden als wegplaudern kann, aber schlechte Laune und Kaufzurückhaltung ist das Letzte, was wir im Moment brauchen. - Vom Aufschwung spüren wir dennoch noch nichts, aber es lassen sich eben Trends beschreiben und es scheint, beim Einzelhandel kommt wieder mehr Geld an, nicht unbedingt weil so viel mehr Leute nun wieder Arbeit haben, sondern weil diejenigen, die immer in Lohn und Brot standen, jetzt wieder ein bisschen mehr Konsum wagen, weil man eben mit einer rosaroten Brille durchaus Buffalo schon erkennen kann. - Auf jeden Fall ist Mariano Rajoy nicht John Maynard, ich fürchte sogar, er wäre der allererste von Bord, aber dieses Gedicht ist seit der Schulzeit bei mir einfach als wunderbares Bild stecken geblieben. - Allerdings steigt die Verschuldung des Landes trotz der langsam wieder atmenden Konjunktur weiter an, aber das scheint die Troika und auch Madrid nicht weiter zu beunruhigen.

Die Entspannung auf dem Arbeitsmarkt kommt auch leider "unten" noch gar nicht an, das zeigt sich auch hier auf der Insel, wo immer noch 10.573 Menschen ohne Arbeit sind, und um das man greifbarer zu machen, das wäre so, als wären in Deutschland etwa 10 Millionen Menschen arbeitslos. - Ich darf aber auch erwähnen, dass die Arbeitslosigkeit hier auf der Insel, und sowieso in ländlichen Regionen anders von der Gesellschaft aufgenommen wird als in Städten und Ballungsgebieten, hier gibt es wohl viele Menschen, die wenig haben, aber kein Elend, denn das verhindern Familie, Nachbarschaft, Freunde und auch eine sehr rührige Kirche mit der Caritas, das muss man bei aller Kritik auch wieder sagen. - Und sehr viele auch haben kleine Nebenjobs, die aber eben nicht gemeldet werden, also die klassische Schwarzarbeit, wobei ja in solchen Krisenzeiten gesellschaftlich diese Form des über Wasser halten durchaus große Akzeptanz findet. - Auch mit fällt es schwer, da immer gleich mit dem Solidaritätshammer zu kommen, denn oftmals macht man es den Leuten schier unmöglich, das Gewerbe anzumelden, und wenn halt ein paar Monate nur monatlich vielleicht 600 Euro reingekommen sind, und mehr als die Hälfte davon an Kosten für die staatlichen Versicherungen draufgehen, und noch 27% Steuer, dann meldet man seine Firma einfach wieder ab, weil es nicht geht. - Wie viel Schwarzarbeit sich eine Region oder das ganze Land leisten kann, das wäre mal eine höchst interessante Geschichte, für die ehrlichen Steuerzahler wird es halt immer schwerer die Last zu tragen, aber wer will schon mit dem Finger auf einen armen Tropf deuten, der auch noch drei Kinder hat, und mal eine Woche ein Haus anstreicht. - Ideal eben wäre, so viel zu verdienen, dass man nach den Abgaben und Steuern auch noch eine Familie ernähren kann, und dahin ist es oftmals ein weiter Weg. - Aber die Zahlen auf dem Arbeitsmarkt nähren eben weiter die Hoffnung, auch wenn das viel schneller gehen sollte, denn immer noch sind in Spanien 4.427.930 Menschen arbeitslos gemeldet, und das ist weiterhin eine gewaltige Last nicht nur für den Staat, sondern auch für die Gesellschaft. - Aber immerhin, im gleichen Monat des Vorjahres waren es noch 4.698.783 und das sind 270.853, oder 5,76% weniger. - Geht man von der Höchstzahl überhaupt aus, die erreichten wir im Februar des vergangenen Jahres, mit 5.040.222, dann haben wir seit dem 612.292 Arbeitslose weniger, und das macht zumindest Mut, oder einfach einen besseren Eindruck als zu schreiben, dass wir im August 8.070 Arbeitslose mehr haben, als im Juli. - Elf Monate hintereinander ist nun die Zahl der Arbeitslosen gesunken, sollte der September das auch wieder hergeben, dann haben wir das Jahr voll gemacht und dann können wir auch langsam wirklich verkünden, es geht wieder ein bisschen bergauf, und nicht einfach nur, es geht nicht mehr weiter bergab.
Wer das noch mal alles ganz genau nachblättern will, der kann das in einem sechzigseitigen Bericht von der "Sepe" HIER machen.












Dienstag 2.09.2014 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 66 % - Luftdruck 1016 hPa
Puntagorda, gestern 1.260 Meter - Temp. max. 31,7 - Temp. min. 16,9 - Feuchte 27 - 64 %

Gastbeitrag von Franz Trommer - Wanderung in die Caldera, Teil 2
Con las botas puestas - Gestiefelt und gespornt

wollten wir nun von Los Brecitos zur Playa de Taburiente wandern, dann zur "Schlucht der Todesängste" absteigen um anschließend durch das Bachbett wieder zum Ausgangspunkt zurückzukehren. So ging es munter zum Einstieg eines traumhaft schönen Panoramaweges, der durch duftende Pinienwälder hinunter in Richtung Playa führte. Kleine hölzerne Brücken halfen uns über Seitentäler hinweg, Gewässer rauschten, Dunst stieg auf. Nach einer Stunde erreichten wir den ersten Aussichtspunkt, eine mit hölzerner Barriere gesicherte Plattform, die einen ersten Blick auf die Felsnadel des Roque Idafe zuließ. Weiter absteigend weitete sich nach zwei Stunden das Tal zu einem riesigen Kessel, der umgeben ist von den unglaublich hohen, zinnenbestückten Mauern der Caldera; wir hatten die Playa de Taburiente erreicht.

Klares Wasser rauschte. Wir setzten uns nieder und verzehren unseren mitgebrachten Proviant, der, wie könnte es anders sein, bei uns aus Brot, Ölsardinen und Wasser besteht. Apfel und Apfelsine genügten zum Nachtisch. Ich trank heimlich vom kühlen Nass, das mir wesentlich besser schmeckte als unser mitgebrachtes aus der Flasche. Christel durfte das nicht sehen, sonst würde ich wieder zu hören bekommen: "Trinke kein Quellwasser, sonst wirst du ein Reh!" Aber Rehe gibt es hier nicht, höchstens Eidechsen und Frösche. Was für ein gruseliger Gedanke! Aber die hiesigen Frösche hatten wohl noch nie von Hans Christian Anderson gehört. Und Christel würde mich bestimmt mit einem Kuss erlösen.

Hier mitten in der Caldera gibt es auch einen Zeltplatz, wo Wanderer mit Genehmigung des Touristenverbandes (vorher einzuholen) bis zu drei Tagen zelten und weitere Wandermöglichkeiten in die Caldera hinein, zum Beispiel zum Wasserfall, der Cascada de La Fondada, nutzen können. Und dann gibt es in der Caldera an versteckter Stelle noch eine Sache der besonderen Art, von der kaum jemand etwas weis und wo man auch nicht hinkommen kann, denn die Wege sind unpassierbar. Einige Mönche, die absolut keinen Besuch wünschen, sollen dort "permanento" in aller Abgeschiedenheit von der Außenwelt hausen. Von der Cumbrecita aus konnte ich mit dem Fernglas ihre Hütten und Felder sehen. Ob heutzutage dort aber tatsächlich noch jemand lebt, konnte ich nicht erfahren.

Allzu lange konnten wir nicht rasten und stiegen nun zum Bachbett des Barranco de los Angustias ab. Der Gedanke, was uns nun erwarten würde, bereitete mir einige Bauchschmerzen, denn im Wanderführer stand etwas von Schwindelfreiheit und Trittsicherheit. Und absolut schwindelfrei sind wir beide nicht. Sollte aber Christel hier nicht mehr weitergehen können, dann bliebe uns nur der Weg zurück, den wir gekommen waren. Aber den würden wir an diesem Tag nicht mehr schaffen, was eine Übernachtung in der Caldera zur Folge gehabt hätte. Für so einen Fall waren wir aber nicht ausgerüstet.

So ging ich denn mit gemischten Gefühlen voraus. Ungenügende Ausrüstung bedeutet immer ein zusätzliches Risiko, wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht. Der Pfad war steil und voller Geröll, die Abgründe tief, aber nicht senkrecht. Es ging nicht in den reinen Fels hinein, das beruhigte mich etwas. Nur keine Panik! Den Blick in die wunderschöne Schlucht beim Atoja ersparten wir uns, das ist nur etwas für absolut schwindelfreie Wanderer.

Aufsteigende Wanderer begegneten uns. Sie hatten es noch schwerer als wir, ihr Schweiß floss in Strömen. Unten, am Barranco angekommen, fielen wir uns dann in die Arme und schüttelten uns die Hände, als hätten wir den Nanga Parbat bezwungen. Sogleich wurden die Schuhe ausgezogen und die trotz teurer Spezialwandersocken qualmenden Füße ins Wasser gehalten. Ah, das tat gut!

Über uns, gleich einem riesigen Wachtposten, ragte die Felsnadel des Roque Idafe auf. Doch die Zeit drängte, mir mussten weiter, mal links, mal rechts vom Wasser begleitet, das Bachbett hinunter. Doch die Gefahr war noch nicht vorüber. Wir wissen, dass sich das Bächlein bei einem plötzlichen Wettersturz blitzschnell in einen reißenden Fluss verwandeln könnte, so dass das die Schlucht zur Falle würde. Sollte so ein Fall eintreten, dann müsste man ganz schnell nach oben in die Felswand klettern. Das aber ist nur an wenigen Stellen möglich, es sei denn, man verfügte über die sportlichen Qualitäten einer Bergziege. Doch wir hatten jetzt Mitte Oktober und es herrschte noch Sommer-Passat-Wetter, also kein Problem. Unser Reiseführer benannte uns November und Dezember als die risikoreichsten Monate. Da kann dann der Passat aussetzen und den atlantischen Tiefdruckgebieten den Weg zu den "Inseln des ewigen Frühlings" freimachen. Und es ist tatsächlich vorgekommen, dass einige Touristen in der Schlucht vom Wasser überrascht- und anschließend tot in Tazacorte angespült worden sind.

So wanderten wir frohen Mutes weiter. Unsere Wanderstöcke waren dabei sehr hilfreich. Große Steine versperrten uns den Weg und mussten überklettert werden. Über den Steinen fanden sich oft dicke Äste eingeklemmt, ein Zeugnis dessen, wie hoch das Wasser hier manchmal anschwoll. Um eine kleine Staumauer zu umgehen, kraxelten wir ein Stück in den Berg hinauf. Wieder einmal hatten wir grandiose Aussichten: Eng das Tal, weiße Wolkenfetzen hoch oben am blauen Himmel, dort Sonne, hier unten Schatten. Über uns an der Wand eine einsame, verlassene Hütte, Stufen waren im Fels eingeschlagen. Wer hier wohl lebte? Zwei junge Leute, deutsche Wandersleute, wie konnte es auch anders sein, saßen davor und ruhten sich aus. "Na, ihr wollt euch hier wohl ansiedeln?", rief ich hinauf. "Gerne", ertönte es zur Antwort. "Aber wie bekommen wir unsere Bierkästen hier herauf?" Wir ließen die Frage im Raum stehen.

Nach weiteren drei Stunden Wanderung, dabei ständig über Steine kletternd und springend, weitete sich der Barranco, die Wände traten zurück. "Sieh, dort hinten steht unser Auto", Christel freute sich. Zurück von unser Wanderung, eine der spektakulärsten, die wir je machten, waren wir froh und traurig zugleich. Werden wir das Herz der Caldera jemals wieder sehen?

Diesen Beitrag habe ich meinem Buch "Die Sehnsucht nach dem Anderswo" entnommen. Erschienen im BS-Verlag Rostock, erhältlich im deutschen Buchhandel, ISBN 978-3-86785-145-9 oder im Internet bei Amazon. Allerdings- nach La Palma versenden weder der Verlag, noch Amazon, aus welchen Gründen auch immer. Das trifft auch für das Buch "Die Sau des dicken Jägers und andere Tierarztgeschichten" zu. Wer also "permanento" auf der Insel lebt und dennoch ein Buch zugesendet haben möchte, wende sich unter f.trommer@t-online.de direkt an mich. Unter dieser Adresse nehme ich natürlich auch Eure Kritiken entgegen.
Besten Dank auch für die Info von Ragna Kühnke, dass es im schönen Norden der Insel La Palma durchaus noch Rebhühner gibt. Ich hoffe aber, dass diese unter Schutz stehen und sich die Jäger auch dort mit der Jagd auf die Langohren zufrieden geben.







Montag 1.09.2014 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 59 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 25,3 Grad - niedrigste Temperatur 21,4 Grad

La Palma sucht Passform
Zu kleiner Riese, oder zu großer Zwerg?

Die großen Kanareninseln haben spezifische Probleme, die kleinen Inseln natürlich auch ihre Zipperlein, und La Palma hat alle, ob groß, ob klein. - Ich verspreche, ich gewöhne mir der Reimen nicht an, Sie können ruhig weiterlesen… - Für eine Frau ist das sicher so am einfachsten zu verstehen, man ist im Schuhladen und versucht verzweifelt passende Schuhe zu bekommen, aber diejenigen, welche gut aussehen, die sind entweder zu klein, oder zu groß. Man nimmt also zwei Paar mit, ein Paar zu groß, ein anderes zu klein und ärgert sich jedes mal, wenn man ein Paar anzieht. - Für Männer, man bräuchte einen Bohrer, 7,5 Millimeter, 7 ist zu klein, 8 zu groß, also hält man drauf, und rüttelt so lange mit dem Siebener rum, bis es passt, aber wie das aussieht… Wir suchen ganz einfach unsere Passform, und eiern dabei immer wieder herum, was oder wer wir denn eigentlich sind. - Nehmen wir den Tourismus, der hat sich früher mal von selbst entwickelt, als Politiker noch leben ließen und nichts taten, auch nichts dagegen, und heute wollen wir den Tourismus entwickeln und finden keine Richtung, weil wir nicht wissen, was wir eigentlich sind. - Die Einen sagen, nur Nische, wir können niemals als Kopie anderer Destinationen durchgehen, die Anderen sagen, wir müssen ranklotzen, sonst erreichen wir nie die "Kritische Masse" an Unterkünften, damit uns die Reiseveranstalter überhaupt wahrnehmen, und ich meine mal, da liegt die Zukunft nicht unbedingt in der Goldenen Mitte, weil es da kein Gold gibt. - La Gomera und El Hierro brauchen sich darüber keine Gedanken zu machen, die sind einfach klein, wir aber stehen unter dem Druck, mal die dritte Insel gewesen zu sein, an der Zahl der Einwohner, so wie auch der Wirtschaftsleitung der Kanaren, und das setzt auch die Politik unter Zugzwang. - Inzwischen haben uns Fuerteventura und Lanzarote sowohl bei den Einwohnern ,wie auch in der Wirtschaftsleistung zum Teil deutlich überholt, und weil wir hier es kaum noch wagen, an die Landwirtschaft zu glauben, schielen große Teile der Bevölkerung nach dem Goldenen Kalb Tourismus, wobei mir das eher wie eine goldene Prostituierte vorkommt. - Ehrenhafter Beruf, aber es geht eben nur ums Geld, schnell, schnell, und alles andere bleibt außen vor. - Ich möchte dabei noch zu bedenken geben, dass auch auf Fuerteventura und Lanzarote die Arbeitslosenquote nicht geringer ist, als die auf La Palma, das Geld, welches die vielen Gäste auf den Inseln lassen wird also nicht so verteilt, wie es der Liebe Gott, oder der schlaue Karl, ja der Marx, es sich so ausgedacht haben.

Aber auch in der Landwirtschaft begegnet uns das Problem mit der, was ist es denn jetzt, Größe oder Winzigkeit, wenn dann mal jemand kommt, und bei unseren Winzern nachfragt, man wolle ein paar Container Wein kaufen, dann müssen die sagen, nein, wir können nicht, wir bekommen nur einen halben Container voll. - Neulich war ein deutscher Honigfachmann auf der Insel, der hat bei einem befreundeten Imker zuschlagen wollen, es sei hervorragende Qualität, und er wolle gerne diesen Bienensaft in Deutschland verkaufen. - Aber unter drei Tonnen lohnt sich das gar nicht, also wieder umdrehen, jetzt waren wir wieder zu klein fürs Geschäft, und müssen unseren Honig weiter selbst essen. - Das schaffen wir sogar, aber es nimmt einem auch oft den Mut, sich überhaupt noch anzubieten, weil man eben auf dem globalen Markt wie der Hanswurst dasteht, nachliefern ist nicht, wir haben nichts mehr, und müssen auf die neue Ernte warten. - Das machen wir, aber der Verbraucher natürlich nicht, und schwupps, sind wir aus dem Geschäft. - Da klingt dann auch immer wieder dieses süße und verführerische Lied von "Slow Food" und "Slow City" oder meinetwegen Langsaminsel durch, von Ziegenkäsen aus Rohmilch auf denen der Name der Ziege und sowie der Melkmagd handgeklöppelt stehen, und zwar linksgedreht auf Weizengrasstroh gelagert. - Da mach´ ich mit, keine Frage, aber von dem bisschen können wir halt dann doch nicht leben, schon gar nicht 65.000 Menschen, von 85.000, wie es immer noch in den offiziellen Zahlen heißt, will ich doch schon gar nicht mehr reden. - Und wenn wir halt nur klein-klein machen, dann schicken die globalen Reiseveranstalter keine Flieger mehr zu uns, denn die haben ja längst verlernt, nach Stücknutzen zu rechnen, sondern die brauchen Masse. - Schwungmasse, die wir nicht haben, gut, mancher meiner Freunde schon, aber das ist wieder ein ganz anderes Thema. - Wir sind zu klein, um auf groß zu machen, und zu groß, als dass man uns mit der Ponyhofsolidaritätsbörse durchfüttern könnte. - Klingt alles ein bisschen nach notwendiger Therapie, aber leider versuchen sich Politiker daran, zwar im Moment die besten, die wir seit langem haben, aber irgendwie erinnert mich das immer wieder an die Geschichte vom Scheinriesen, und Jim Knopf und ist hier wirklich jemand, der die Lokomotive fahren kann?

Und noch ein Jahrestag. - Heute sind es ganz genau drei Jahre, dass ich nicht mehr rauche, und weil es Scheiße aussieht, wenn man den Chapeau vor sich selbst zieht, lasse ich das ganz einfach. - Übrigens, sollten Sie noch rauchen, dann lassen Sie es doch, wenn ich aufhören konnte, dann Sie sowieso!

Und noch was, plötzlich platzt eine dunkle Wolke ins Tal, verdeckt den darüber so blauen Himmel und in El Paso hat es sogar kurz genieselt. - Da wollte uns doch irgendjemand unbedingt sagen, es ist nicht mehr August, sondern bereits September, und in vier Monaten ist Weihnachten. - Gut, ich habe verstanden!






Montag 1.09.2014 08:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 38 % - Luftdruck 1018 hPa
Puntagorda, gestern 1.260 Meter - Temp. max. 31,1 - Temp. min. 17,4 - Feuchte 20 - 43 %

Gastbeitrag von Franz Trommer - Wanderung in die Caldera, Teil 1
A quien madruga, Dios le ayuda. Morgenstunde hat Gold im Munde.

Deshalb klingelte der Wecker zu urlaubsmäßig unchristlicher Zeit bereits 5.30 Uhr. Wir, meine Frau Christel und ich, wollten in die Caldera hineinwandern, dann zur "Schlucht der Todesängste" absteigen um anschließend durch das Bachbett wieder zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Also- raus aus den Betten, gefrühstückt, das Auto angeworfen und schon passierten wir den Ort Los Llanos und fuhren hoch zum Lomo de Caballos; denn von dort aus führt die einzige Zufahrtstraße zur Caldera in die Schlucht hinab. Die Asphaltpiste wurde schmaler und endete schließlich an einem Info-Häuschen des staatlichen Touristenverbandes. Ich hielt an und erkundigte mich nach dem Wetter und dem Wasserstand des Baches. Alles sei in Ordnung, die Wetteraussichten wären gut, der Wasserstand unten in der Schlucht normal und es gäbe keine Probleme. So konnten wir unsere Fahrt unbekümmert fortsetzen, obwohl sich die "Straße" nun in eine schreckliche Schotterpiste verwandelt hatte. (Die ist aber zwischenzeitlich asphaltiert worden, ist dennoch immer noch sehr schmal und nur mit Vorsicht zu befahren). Wir bedauerten unser armes Auto aufrichtig. Die Piste wand sich unterdessen in steilen Serpentinen hinab bis zum Grunde des Barranco de las Angustias, der "Schlucht der Todesängste". Von hier aus kann man im Bachbett stromaufwärts in die Caldera hineinwandern. Doch es gibt noch einen zweiten Weg. Dieser quert das Bachbett und führt dann auf der andere Seite der Schlucht in Serpentinen steil nach oben, wo einige Hütten des winzigen Ortes Los Brecitos in 1140 Metern Höhe gleich Adlerhorsten an der Wand der Caldera kleben. Dieser Ort ist heutzutage nicht mehr dauerhaft bewohnt, hier nächtigen nur noch Touristen. Wie dem auch sei- dorthin wollten wir, das sollte der Ausgangspunkt unserer Wanderung sein. Doch zum Laufen war die Strecke, zumindest für uns, zu weit. Wir würden sonst die Wanderung in die Caldera hinein und über das Bachbett wieder hinaus nicht an einem Tage schaffen. An eine Weiterfahrt mit einem Auto ohne Allradantrieb war jedoch nicht mehr zu denken, zu schlecht und zu steil präsentierte sich die Piste. Außerdem kann man dort oben mangels Platz nicht parken und müsste sofort wieder umkehren. Also ließen wir unseren fahrbaren Untersatz neben den Autos der anderen Wandersleut, die gleich uns die Tour machen wollten, unten im Barranco stehen und harrten mit diesen der Dinge, die da in Gestalt eines Jeeps kommen sollten. Der ließ dann auch nicht lange auf sich warten und war überraschend pünktlich mit einer Fremdenführerin zur verabredeten Zeit zur Stelle. Die zählte uns durch, damit niemand von uns in der Caldera verloren ginge, und ließ noch einige aktuelle Informationen verlauten. Der Fahrer verstaute uns dann nach Körpergewicht im Wagen und ab ging die Post hinauf in den Berg. Die Fremdenführerin ließen wir zurück.

War damals die Schotterpiste hinab in den Barranco schon miserabel genug gewesen, so möchte ich den Streckenabschnitt, der nun folgte, sehr milde als katastrophal bezeichnen. (Heute ist die Strecke befestigt und Kleinbusse baggern die Wandersleute nach oben. Wer da mitfahren will, sollte sich aber rechtzeitig kundig machen). Im Schritttempo schlich der Jeep die Piste hinauf. Ich saß am Fenster und hatte einen guten Blick hinab in die Schlucht. Das Hinterrad des Wagens kurvte in den Kehren oft nur wenige Dezimeter vom Abgrund entfernt. Eine seitliche Begrenzung oder gar Leitplanken waren nicht vorhanden. Nur gut, dass Christel nicht sah, was mir leider nicht erspart blieb. Sie saß glücklicherweise in der Mitte des Wagens und war in eine Unterhaltung mit unseren Mitfahrern vertieft. Mir wurden die Hände feucht und ich gestand mir ein, hier nicht fahren zu können. So musste ich den Fahrkünsten unseres Wagenlenkers vertrauen, der zu seiner Unterstützung ein Kreuz und die Heilige Maria an sein Armaturenbrett geschraubt hatte, das tröstete. Wir passierten die "Adlerhorste", dann waren wir am Ziel. Der Jeep hatte knapp eine Stunde für die ca. 15 Kilometer lange Strecke gebraucht. Danke, Señor für die Fahrt, danke dir, Maria, dass du uns beschützest hattest.

Diesen Beitrag habe ich meinem Buch "Die Sehnsucht nach dem Anderswo" entnommen. Erschienen im BS-Verlag Rostock, erhältlich im deutschen Buchhandel, ISBN 978-3-86785-145-9 oder im Internet bei Amazon. Allerdings- nach La Palma versenden weder der Verlag, noch Amazon, aus welchen Gründen auch immer. Das trifft auch für das Buch "Die Sau des dicken Jägers und andere Tierarztgeschichten" zu. Wer also "permanento" auf der Insel lebt und dennoch ein Buch zugesendet haben möchte, wende sich unter f.trommer@t-online.de direkt an mich. Unter dieser Adresse nehme ich natürlich auch Eure Kritiken entgegen.
Besten Dank auch für die Info von Ragna Kühnke, dass es im schönen Norden der Insel La Palma durchaus noch Rebhühner gibt. Ich hoffe aber, dass diese unter Schutz stehen und sich die Jäger auch dort mit der Jagd auf die Langohren zufrieden geben.









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