La Palma Halbaktuell
Nicht mehr so ganz frische Nachrichten von einer kleinen grünen Insel im Atlantik


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Donnerstag 01.11.2018 17:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 44 % - Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 23,8 Grad - niedrigste Temperatur 15,3 Grad

Plaudereien am atlantischen Kamin
Was die Anderen übrig lassen


Das Wetter lässt sich bislang erfreulich an, schließlich haben wir Winter, oder sagen wir besser Regenzeit. - Das mit den vier Jahreszeiten stimmt hier auf den Kanaren eh nicht wirklich, und der Spruch mit dem ewigen Frühling, genau so wenig. - Eigentlich kennen wir nur Sommer und Winter und übersetzen das so: Die Jahreszeit, in welcher es überhaupt nicht regnet, und die andere Jahreszeit. - Also jetzt hat die andere Jahreszeit begonnen und da wir uns eher Sorgen um unseren Wasserhaushalt machen, als um die Sonnenstunden, dürfen wir vermelden, der Oktober hat hier auf der Westseite bereits an die 50 Millimeter Niederschlag gelassen. - Auf der Ostseite natürlich deutlich mehr, die bekommen nicht nur den Regen eines einlaufenden Tiefs ab, sondern immer auch noch die Nachwehen, wenn auf dem Atlantik bereits wieder das Azorenhoch regiert und so den Wind mitsamt Feuchtigkeit als Passat an die Nord- und Ostseite der Insel bläst. - Locker die doppelte Menge an Niederschlag haben die erhalten, aber dass alles in der Welt mindestens zwei Seiten hat, nicht nur die Wurst, das wissen ja auch deutlich schlauere Leute als wir. - Auf der Westseite allerdings bringt der Passat nichts, außer Fallwinden im Aridanetal, wir sind auf die knappen Tiefdruckgebiete angewiesen, welche eben ausschließlich im Winter der Azorenhochschleuder entgehen. - (Hochschleuder als Wortspiel, da es die vom Westen her anbrausenden Tiefs so weit in den Norden, also nach "oben" schleudert, dass diese nicht bis "runter" zu den Kanaren wirken können.) - Ganz wichtig aber dabei ist nicht nur die Menge des Niederschlags, sondern natürlich auch noch wie der Regen fällt, und am allerliebsten ist uns da die Hamburger Version, langsam und stetig. - Und genau so hat das auch funktioniert hier bei uns im Westen, keine Starkregen, sondern für die Landwirtschaft gut brauchbare Niederschläge ohne negative Folgen.

Einfach nur nach der Regenmenge die Jahre für den Wasserhaushalt zu bewerten ist nämlich sehr zweifelhaft. - Kurze Starkregen bringen mehr Gefahren mit sich als Nutzen, alles was die Erde nicht schnell an Niederschlägen aufnehmen kann, läuft sonst eben ungenutzt in den Atlantik und nimmt auf seinem Weg dahin auch noch die knappe und kostbare Schicht an Humus mit, welche diese junge Insel in ihrer kurzen Lebensperiode anhäufen konnte. - Betrachtet man das Inselrelief, dann wird einem auch schnell klar, wie das Wasser und damit die Erosion diese Insel beeinflusst, und in ein paar Millionen Jahren wohl auch dafür sorgen wird, dass dieses Eiland wieder unter dem Meeresspiegel versinkt. - Aber das Wasser birgt auch akute Gefahren, nicht nur in geologischen Zeiträumen betrachtet, und Gedanken an Mallorca in diesem Jahr oder Madeira vor ein paar Jahren machen uns das immer wieder klar. - Dennoch kann das auch bei uns passieren, es muss nur die falsche Niederschlagszelle am falschen Hügel "kleben" bleiben und schon reißt auch bei uns ein fließender Barranco alles mit in die Tiefe, was Menschen in die Nähe des natürlichen Wasserablaufs gestellt haben. - Meist sind die Leute ja so weise, nicht in, oder an eine Schlucht zu bauen, aber nicht immer erkennt man die Gefahren, oder will davon einfach nichts wissen. - Dabei weisen die Risikopläne der Insel sogar klar darauf hin, selbst die größte Stadt der Insel, Los Llanos de Aridane wird von zwei Barrancos durchzogen, welche man allerdings ohne wache Augen gar nicht wahrnehmen wird. - Sicher hat der "Barranco Tenisca", welcher vom Riachuelo in El Paso bis hinunter nach Tazacorte führt, in den letzten Jahrzehnten nicht mehr durchgehend Wasser geführt, allerdings ist der Spruch der alten Leute, dort wo Wasser floss, wird auch wieder Wasser fließen, vielleicht besser in Erinnerung zu behalten. - Nicht auszudenken was passieren könnte, sollte sich eine fette Niederschlagszelle aus Südwesten an den Südhängen des Bejenado stundenlang abregnen, und den Barranco Tenisca somit wieder mit Wasser bis zu seiner Mündung in Puerto de Tazacorte bestücken. - Ich will da niemandem Angst machen, allerdings ist ein solches Szenario viel wahrscheinlicher, als jegliche Gefahr durch ein vulkanisches Ereignis auf unserem Inselchen. - Wer die Risikopläne innerhalb des Raumordnungsplans (PIOLP) der Insel alle mal studieren will, (Wasser, Vulkan, Feuer) der kann sich HIER versorgen und das ist nun erneut der Moment, in dem alle Inselmakler mich wieder hassen…

Die Winterzeit ist allerdings auch die ökonomisch bessere Jahreszeit für die Insel, da nun wieder das internationale touristische Halbjahr angelaufen ist. - So viele Flüge wie noch nie aus dem Ausland, wobei besonders Deutschland wieder als geballte Urlaubsmacht auftritt und man kann sich erneut fragen, wo sollen denn die Leute alle unterkommen, wenn wirklich sämtliche angekündigten Flieger voll bei uns landen werden. - Da fürchten Beobachter aus der "Bettenbranche" natürlich gleich wieder ein Streichprogramm der betriebswirtschaftlichen Art der Fluggesellschaften, und solch ein Hin und Her mit den Flugverbindungen ist niemals gut für nachhaltige Planungen. - Immerhin hat man es schließlich geschafft, mit dem "Kunstgriff" "Vivienda vacacional" eine legale Form der privaten Ferienvermietung zu schaffen, welche viele Anbieter endlich und nötig aus einer bislang ungeregelten Ecke heraus holt. - Man kommt ziemlich einfach an diese Papiere, die Gemeinden und die Inselregierung sind fleißig dabei, allerdings sollten alle Nutzer wissen, das Ding rund um die "Vv" ist noch nicht komplett zu Ende gedacht und dreht in Teilen auch noch die Runden durch juristische Instanzen. - Grundsätzlich kann man aber nur jedem Häuslebesitzer raten, welcher bislang ohne gesetzlich Grundlage sein Haus dem geneigten Gast angeboten hat, sich in diese Schiene zu begeben.

Aber lassen Sie uns kurz auch die möglichen Folgen betrachten. - Gerade im städtischen Bereich tragen solche Angebote nämlich zur weiteren Gentrifizierung bei, was auf La Palma noch nicht wirklich deutlich spürbar ist, und in den touristischen Zonen kann geballtes Auftreten von privaten Zimmern schon dazu führen, dass die Hoteliers sich angegriffen fühlen. - Das darf man ruhig ein bisschen weiterdenken, denn auch für La Palma deutet sich hier eine mögliche Gefahr an, welche die Verfügbarkeit von Flugmöglichkeiten auf die Insel einschränken könnte. - Die Reiseveranstalter sind bislang die Garanten für die Fluggesellschaften, auch die Route nach La Palma zu bedienen, läuft aber das Geschäft zukünftig eher an den "Tour Operaters" vorbei, und hauptsächlich über die, wie soziale Medienpilze aus dem Boden schießende Portale wie die Luftmatratzenfrühstücker (Airbnb), dann könnten solch kleine, und mit viel Risiko für die Reiseveranstalter behafteten Ziele wie La Palma schnell wieder hinten runter fallen und wir ganz den Launen der Billigflieger ausgeliefert sein. - Da dreht sich der Wind so schnell, dass man noch gar nicht so genau weiß, wie man denn seine Flügel halten soll und bei all dem, für uns viel zu schnellen Wandel, gibt es immer wieder noch die Hoffnung, dass alle neuen "Hypes" auch immer lukrative Nischen hinterlassen. - Für solch kleine Krauter wie uns, also "La Palma Urlaub" allemal, wir sind sowieso die Nische der Nische und hoffen, dass uns die großen Portale so viel Luft lassen, dass Atmen nicht zum Japsen wird. - Allerdings bleibt auch wieder im touristischen Geschäft für die Insel die wenig schmeichelhafte Aussage: Es ist eigentlich völlig egal, ob wir an einer touristischen Marke basteln, oder einen strategischen Plan aufstellen, die Infrastrukturen für Besucher zu verbessern, unsere touristische Zukunft wird nahezu gänzlich von außen bestimmt. Wie ein solch kleines "Produkt", welches unsere Insel letztendlich in dieser "Industrie" darstellt, überhaupt in den Rahmen globaler Finanzinteressen passt, das wird sich zeigen müssen.

Tourismus, Landwirtschaft, das sind, neben den Einkünften aus staatlichen Zuwendungen, zu denen ich auch Renten und Gehälter der öffentlichen Dienste zähle, die privaten Säulen unserer Inselvolkswirtschaft. - Die Zahlen, wer denn nun da die Vorherrschaft hat, die lassen sich gnädig dehnen, es kommt halt immer darauf an, zählt man die Subventionen mit, die Einkünfte aus Synergieeffekten und wie weit man in die letzte Reihe der Wertschöpfungskette vordringt. - Geschenkt, wer denn nun mehr zum "Ibp" beiträgt, also zum Inselbinnenprodukt, auf zwei Beinen steht es sich zwar ausgeglichen, aber niemals so gut, wie auf vier, oder gar noch mehr tragenden Säulen. - Industrie ist zu verwerfen, weit von den Kontinenten, noch dazu doppelte Insellage, denn alle Güter kommen und gehen über Tenerife, die Mutter aller Inseln, und überhaupt, was sollen wir Improvisationskünstler und Nischentüftler denn überhaupt produzieren, was Andere nicht besser, wahrscheinlich noch günstiger, sicher aber billiger als wir herstellen können. - Es gibt Gedanken über Energieproduktion, welche auch exportiert werden könnte, aber das mal grob nachgerechnet, und selbst noch ohne "Tesla- Handicap", ist das auch ein schwieriges Geschäft und wohl anderswo deutlich effektiver zu erledigen. - Wir könnten auch auf "Offshore" machen, also Jersey oder Cayman für Arme, oder besser für Reiche mit Armen, aber dann sind wir ja doch irgendwie wieder Europa und ein Teil Spaniens, und irgendwie passt das doch auch gar nicht zu uns.

Irgendwas mit Hochtechnologie, also was Kleines, Leichtes, was man nicht transportieren muss, nicht lagern und was auch nicht so leicht kaputt geht und dafür können sich sogar noch mehr Leute begeistern als nur ich. - Allerdings schoss unser Lieblingspräsident aller Präsidenten dann doch zu schnell vor, als er bereits vor fast einem Jahrzehnt einen Technologiepark plante und sogar die Anschubfinanzierung bereits auf dem Papier hatte, es kam einfach keiner, der dort am Flughafen unserer Insel sich niederlassen wollte um hoch zu technologisieren. - Aber so ist das halt, richtig kluge Köpfe sind ihrer, oder sollten wir sagen, unserer Zeit meist voraus. - Oder ist es etwa einfach nur naiv, uns als Guanchensiliconvalley anzubieten? - Vielleicht liegt es auch daran, dass wir eher mit Silikon als mit Silikat umgehen können, meist besonders reichlich nach dem ersten Regen. - Dabei haben wir die allerbesten Voraussetzungen dafür bereits geschaffen, oder vielleicht gerechter gesagt geschenkt bekommen, denn die Idee, auf unserem höchsten Berg, dem Kumpelberg, dem Roque de Los Muchachos, ein Observatorium vom Allerfeinsten hinzustellen, das was ursprünglich auch nicht unsere eigene Idee.

Zusammen mit Izaña auf Tenerife bilden unsere vielen Teleskope das "IAC" das "Instituto Astrofísico de Canarias" und neben Hawaii und Chile sind unsere Apparate die führende Technologie der Astrophysik auf der Welt. - Noch haben wir mit dem "Grantecan" sogar das größte optische Spiegelteleskop, und neu die größten Cherenkov-Teleskope der Welt, und niemand aus der Branche der Sternengucker kommt in seinem Metier an uns vorbei. Auch wenn uns gerade ein Rückschlag erreicht, denn das erhoffte 30 Meter Teleskop, das so genannte "TMT" soll nun doch auf Hawaii gebaut werden, und nicht bei uns auf dem Dach der Insel. - Gut, wir waren immer nur der Plan B für das Riesending, aber wir hatten uns wohl Hoffnungen gemacht, nachdem es hieß, dort auf Hawaii könnte es Probleme mit der Aufstellungsgenehmigung geben. - Das hat sich nun Anfang dieser Woche geklärt, die Baugenehmigung wurde wohl von einem Gericht dort bestätigt und so rücken wir ein deutliches Stück weiter weg, von B nach A zu rücken. - Ganz raus aus dem Rennen sind wir aber dennoch nicht, es gibt auf Hawaii seitens einiger Einwohnergruppen Widerstand gegen weitere Observatorien auf deren Berge. - Macht nichts, mit den bereits dort auf dem Roque installierten Teleskopen sind wir bereits Weltspitze und haben immer wieder bewiesen, dass wir auch größer können als Bananenrepublik, allerdings ist es uns bislang nicht wirklich gelungen, auch Forschungsstandort zu werden. - Das droht so ein bisschen, dass zwar bei uns die technischen Installationen stehen, die Beobachtungen aber woanders kontrolliert werden und sowieso die Forschung. Dazu sollte man vielleicht noch einen Hebel suchen, um kompletter Standort zu werden, nicht nur Bereitstellungsraum für Hochtechnologie. - Wo dieser Hebel liegt, und wie der überhaupt aussieht, das weiß ich nicht, aber irgendwie die Angelegenheit mit einer physikalischen oder überhaupt naturwissenschaftlichen Fakultät einer Universität zu verknüpfen, könnte doch so verkehrt nicht sein. - Vielleicht sollte man ja sogar über den eigenen kanarischen Horizont hinaus mal was versuchen, weit gucken ist doch eh ein Teil des astrophysikalischen Modells, und wenn die Propheten und Profen des eigenen Landes schon nicht hören und spuren, dann könnten wir es doch auch mal mit Bildungsimmigration versuchen. - Also Hirnimport statt Hirnflucht, und dieses Bild müssen Sie mir gestatten, denn "Fuga de cerebro" also Hirnflucht, so nennt man hier das Phänomen, wenn die Klugen gehen, und wir bleiben.

Gut in den Zusammenhang passt, dass man inzwischen auch die touristische Möglichkeit sieht, auch interessierten Laien die guten Beobachtungsmöglichkeiten der Insel näher zu bringen. - Bislang wächst das alles auf sehr privater Basis, nun aber hat man uns das Projekt eines Zentrums für Sternenbeobachtung präsentiert, welches sich eben an uns Normalastros richtet. - Und gut gemacht, das Zentrum liegt nicht auf dem Roque selbst, ist auch nicht Teil des dort gerade in Bau befindlichen Besucherzentrums, sonder diese Station befindet sich besuchernah im oberen Teil des Aridanetals, genauer gesagt in El Paso, nämlich in Mendo. - Manchem klingelt bei dem Namen "Mendo" alter Schlager, manchem auch altes Zeug, und in der Tat, dort wo das zukünftige "Centro de Apoyo Ambiental y Recreativo" stehen soll, dort hat man viele Jahre lang den gesamten Inselmüll verbrannt und später Sperrmüll zwischengelagert. - Im Jahr 2006 wurde das Gelände dann aber geschlossen und über mehrere Jahre hin aufwendig versiegelt und zurückgebaut. - Allerdings ist man ganz vorsichtig in Sachen wann denn dieses Zentrum zur Verfügung stehen kann, und so ganz privat erzähle ich Ihnen auch noch, dass hier auf der Insel im kommenden Jahr Wahlen sind, wir also manches Projekt vorgestellt bekommen, dessen Halbwertzeit eher vierteljährlich neu berechnet werden sollte. - Aber der Weg ist richtig, auch wenn die Brücke noch nicht da ist.

Als Familiennachrichten habe ich leider die schlechte Kunde, dass eine unserer ältesten Katzen nicht mehr lebt. - Mops, der große, graue Kater ist letzte Woche gestorben, es ist der erste Verlust aus dem "Inneren Kreis" unserer achtköpfigen felinen Schar. - Wir hatten ja bereits mehrere Tiere aus der Umgebung aufgenommen, welche bereits so krank waren, dass es eigentlich nur noch um das Wann und Wie ging, aber so richtig aus der Familie, also nach zusammen fast 12 Jahren, das war dann noch ein anderer Brocken. - Nierenversagen, keine Chance mehr, eine "Zivilisationskrankheit" wie man sagt. - Allerdings hat mir der sanfte Riese die Angelegenheit ganz einfach gemacht, er ist eines Nachts selbst gegangen, ich musste ihn erst gar nicht auf den Edelstahltisch des Tierarztes heben, für den letzten Dienst. - Damit hat er mir einen riesigen Gefallen getan, ich habe doch immer so viel Angst davor entscheiden zu müssen, wann es denn so weit ist, das Leben eines anderen Individuums zu beenden, um eventuelle Qualen zu verhindern. - Mops lag die letzten zwei Wochen meist unter seinem Lieblingsbaum, der großen Sapote gleich neben unserem Wohnhaus. - Er hatte ja kaum noch Kraft, aß und trank aber immer noch ein wenig von den gereichten Leckereien, und noch bevor eben die Entscheidung getroffen werden musste, geht es noch, oder quält er sich schon, da lag er morgens bereits tot unter seinem Baum. - Friedlich, und da liegt er weiterhin, ein bisschen tiefer, mit viel guter Erde über sich.




Die Regenzeit ist da. - Das einzige Gewitter diesen Winter, dauerte nur 10 Minuten und war dann wieder weg






Natürliche Abflüsse Westeite der Insel, aus dem PIOLP





Farewell sanfter Riese





Donnerstag 04.10.2018 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 60 % - Luftdruck 1015 hPa
Höchsttemperatur heute 24,3 Grad - niedrigste Temperatur 19,8 Grad

"Noble" geht die Welt nach Tazacorte
Inselthema tunnelt sich ins Aus


Monatelang haben wir uns hier auf der Insel um die "Mutter aller Probleme" die Köpfe heiß geredet, und als das Problem dann da war, dann wurde es zum Fliegenschiss. - Martin und Angela haben wenige Gemeinsamkeiten, allerdings ist Ausharren, oder Wegmerkeln, oder eben Ausbrettern, dann doch irgendwie die selbe Philosophie: So schlimm wird es schon nicht werden, wie Pack, Pöbel und Journaille das auch schildern und erwarten mögen. Allerdings geht es hier nicht um Migranten, also auch um mich, sondern um den Tunnelblick. - Keiner spricht mehr darüber, dass nun nachts für ein paar Stunden der alte Tunnel gesperrt ist und man zwischen Mitternacht und 06:30 Uhr über den Süden oder das Refugio El Pilar fahren muss, wenn man von der Ost- auf die Westseite der Insel will. - Man könnte das auch so beantworten, es will eigentlich um die Uhrzeiten eh niemand diesen Weg auf sich nehmen, und wenn, dann hat er es eh nicht anders verdient, als 20 Minuten seiner kostbaren Lebenszeit zusätzlich auf die Straße schütten zu müssen. - Wir haben wahrlich andere Probleme, fast schämt man sich jetzt auch ein bisschen dafür, darüber so einen großen Aufstand gemacht zu haben und wenn ich mich richtig erinnere, gab es sogar Rücktrittsforderungen gegen unseren Rat für Straßenbau im Inselparlament, wegen der der Causa Tunnel. - Wer den Rücktritt fordert, der tritt selbst hinein, nicht nur ungeschriebenes, sondern sogar noch jungfräuliches, wie unbeachtetes Gesetz, weil´s einfach viel zu schön wär´.

Der Sommer will noch nicht so richtig weichen, obwohl wir bereits die "Sol picante" hatten, also die "stechende Sonne". - Dieses Phänomen tritt meist in der Winterzeit auf, da der Hintergrund extrem saubere Luft ist, also frei von Saharastaub, Nebel oder anderer Schwebstoffe, welche als Filter, wenn auch unbeabsichtigter, dienen könnten. - Dann sticht die Sonne spürbar auf der Haut und selbst manche Pflanzen leiden darunter, empfindliche Blätter bekommen braune Stellen und unbedarfte Wanderer in unseren Bergen einen Sonnenbrand, welcher mit den Ausdruck, sich gewaschen zu haben, völlig falsch beschrieben wird. - Aber schon lugt auch schon ein kleines Tief herüber, so klein, dass man es auch locker nur als "Störung" bezeichnen könnte. - Allerdings bereits eine wintertypische "Störung" für unser Wettergeschehen. Das Azorenhoch war nicht kräftig genug, um eben dieses "Tiefchen", wie sonst üblich, auf dem Nordatlantik zu halten und strikt nach Mitteleuropa zu drücken. - So kann es ab Sonntag/Montag bereits zu den ersten winterlichen Niederschlägen kommen. - Damit meinen wir Regen aus dem Westen und damit auch die einzige Möglichkeit überhaupt, Niederschläge ins Aridanetal zu bekommen. - Darüber hinaus könnte uns diese "Störung" auch eine Weile begleiten, da nach Norden hin noch weitere Tiefs warten und sich so schnell auch kein neues Azorenhoch bilden kann, welches uns dann wieder Wetteralltag bringen wolltw. - Ob uns wirklich bereits der erste Winterregen beschert wird Anfang kommender Woche, das ist jetzt noch nicht sicher, auf jeden Fall ist da kein Monster unterwegs mit Starkregen oder Sturm, sondern eben nur der zweite Fingerzeig, nach der "stechenden Sonne", dass nun der Sommer auch bei uns Altersflecken bekommt.

Das Inselthema überhaupt seit ein paar Tagen aber ist der erste Besuch eines Kreuzfahrtschiffes im Hafen von Tazacorte. - Wobei die Einschränkung erlaubt sei, das allererste Schiff war die finnische "Kristina Regina", welche im Dezember 2002 zur ersten Einweihung des neuen Hafens von Puerto de Tazacorte gekommen war. Allerdings schließt sich hier gleich doch wieder ein Kreis, denn die damalige "Kristina Regina" und die heute im Hafen liegende "Island Sky" haben wohl Gemeinsamkeiten. - Beides sind "Old Fashion Vessels", also Schiffe, welche so aussehen, wie man das noch aus den Zeiten des "Blauen Bandes" kennt. - Und da setzt wohl auch der Hebel der "Noble Caledonia" an, der Reederei, welche die "Island Sky" und ein paar andere gleichgesinnte Fahrzeuge durch die Weltmeere und Flüsse schickt. - Gegen die monsterhaften schwimmenden Städte, welche die modernen Massenverschickungsfrachter, als Schiffe verkleidet das Kreuzfahrtsegment endgültig aus dem "Dunstkreis Christlichen Seefahrt" ins Industriesegment schipperten, siedeln und "segeln" ein paar kleine, meist auch feine Nischenanbieter, die zwischen Nostalgie und Individualismus eine Spalte wie auch Sparte wittern. - Das kennen wir hier nur zu gut, Nischen belegen ist unsere Spezialität, allerdings oft leider nicht aus trefflicher Weisheit, sondern meist aus Unterlassung. - Ein, mir wohlbekannter Teil meines Seins, die bräsende Zynismusdrüse, die hat sogar mal den Satz geformt: Wir sind immer zu spät dran, auf irgendeinen Zug aufzuspringen, meist rettet uns das aber vor dem Globalisierungsvor- rück- und zuschlag. - Allerdings selbst für das "Slow-Movement" zu langsam zu sein, das macht uns dann doch einzigartig.

Schluss mit den Wortspielereien, irgendwie muss man doch dem verlorenen Hafen von Puerto de Tazacorte, oder wie man auch gerne sagt, dem Hafens des Aridanetals, ein Sinn geben. - Zweimal in den letzten 15 Jahren neu eingeweiht, weil gleich zweimal, für insgesamt an die 80 Millionen Euro ausgebaut. Und dennoch findet sich einfach keine Reederei, oder auch kein Ziel, welches der eigentlichen Aufgabe dieses Hafens, nämlich Fracht- und Fährverkehr aufnehmen soll. - Beide Erweiterungen sollten Dynamik, Arbeitsplätze und damit Wohlstand nach Tazacorte bringen, aber das ist nur zum Teil geschehen. - Immerhin, die Fischerboote liegen nun sicher im Hafen und die Marina ist schick und nützlich geworden, allerdings waren dafür die Euro-Millionen nicht vorgesehen, sondern eben für einen Fracht- und Fährhafen. - Allerdings liegt Puerto de Tazacorte schlichtweg auf der falschen Inselseite, denn so gut wie alle Schiffe, welche La Palma anlaufen, kommen aus Tenerife und fahren auch dort wieder hin. - Die Mutter aller Inseln liegt allerdings östlich von uns, und um Tazacorte, also die Westseite zu erreichen, müssten die Schiffe etwa eine Stunde Fahrzeit mehr aufwenden. - Darüber hinaus hat der Hafen von Puerto de Tazacorte überhaupt keinen Infrastruktur, keine Kräne und was man sonst noch braucht, um "echte" Schiffe zu be- und entladen, und darüber hinaus sind beide neuen Molen für "echte" Schiffe auch deutlich zu kurz geraten. - Lediglich El Hierro könnte von Puerto de Tazacorte aus ohne Umweg angefahren werden, allerdings gibt es so gut wie überhaupt kein Frachtaufkommen zwischen El Hierro und La Palma und Passagiere, an guten Tagen vielleicht gerade im zweistelligen Bereich. - Das hatte man schon mal zwei Sommer lang versucht, die Reederei Armas schickte die "Volcán de Tauce" zu uns nach "Tarajal", wie der Hafen von Puerto de Tazacorte auf offiziellen Blättern heißt, auf dem Weg von El Hierro nach Santa Cruz de La Palma. - Dabei fuhren mehr Leute von Tazacorte nach Santa Cruz, als von El Hierro nach La Palma und als die Subventionen dafür ausliefen, war auch Armas unsere Inselseite kein Schiff mehr wert.

Ein paar Großsegler sind gekommen, allen voran die Alexander von Humboldt 2, welche das eigentliche Eröffnungsschiff für die neueste Mole war. - Glossig dabei, das Schiff musste noch am Abend von der neuen, neuen Hafenmole an die alte, neue Hafenmole verlegen, da das Wasser an der neuen Neue zu bewegt war für die Nacht. - Seitdem legen alle Schiffe, eben diese Großsegler wie die Alex2, die Alva oder die Salomon gleich an der alten, neuen Mole an und lassen das neuere Bauwerk draußen liegen. - Aber das riesige Gelände vor der neuen, neuen Mole, das wird gerne genutzt, mal um den vielen Kindern der Insel das Fahrradfahren beizubringen, mal um einem Konzert Raum zu geben, oder eben einfach nur, um auch mal eine Strecke auf der Insel zu joggen, welche keine Höhenmeter bolzt. - Aber ein Hafen ist eben nur ein Hafen, wenn dort auch Schiffe verkehren und so versucht man alles erdenkliche, um auch den Hohn der Bevölkerung loszuwerden und die investierten Millionen ein bisschen zu rechfertigen. - Da kommen eben Kreuzfahrtschiffe genau recht, denen es eben egal ist, ob ein Hafen eine Stunde weiter weg ist als ein anderer, und ob es dort Hafentechnik für ein Frachtterminal gibt. - Allerdings entwickelt sich ja das Kreuzfahrgeschäft in Richtung Megalomanie, und wie bereits erwähnt, man hat in Puerto de Tazacorte lieber gleich zwei Stummelmolen gebaut, als eine, welche auch ein Schiff mit Normalgröße aufnehmen könnte. - So kann man doch noch eine schöne Geschichte basteln, eben aus dem kleinen Hafen und den kleinen Schiffen, welche eben diese Nischen belegen, und wenn dann noch dazu ein solches der "Noble-Kategorie" daher kommt, dann wittert man selbst bei uns einen Erfolg. - Das Schiff mag zwar bereits etwas älter sein, 1992 gebaut, aber liest man den Katalog der Reederei, der "Noble Caledonia" dann wird einem schnell klar, für rund 500 englische Pfund am Tag, pro Person, da muss schon was geboten werden, was eben Aida und Carnival nicht können und auch nicht wollen. - Liest man den Katalog weiter, dann erfahren wir, dass das Schiff bereits am 8. Oktober wieder bei uns erwartet wird, um dann weiter auf die Kapverden zu fahren. - Ob das aber bereits einen dauerhaften Besuchstermin hergibt, das wissen wir natürlich nicht.

Hätten wir, oder zumindest unsere noblen Inseloberen gerne, und so hat man den vergessenen Bahnhof am Hafen heute zumindest nachgeholt. - Apropos zu langsam. Die Passagiere der "Island Sky", an die 90 rüstig bis rostige Kronjuwelen mit Brexit-Zukunft, die waren bereits in unseren besten zwei Bussen vor der Einweihung entschwunden, die Insel zu erkunden. - Man muss halt früher aufstehen, um Rentnern den Tag mit dusseligen Reden madig zu machen und so können wir nur hoffen, dass diese muntere Schar unsere Insel an der lieblichen Landschaft wiedererkennt, wenn man Zuhause die 14.000 Bilder der neuntägigen Kreuzfahrt auf die Platte lädt. - Meine Frau frug mich noch, warum man denn überhaupt dann die Politiker, bis rauf in die Höhen des Gobierno de Canarias holt, wenn die Gäste bereits den Rollator im Bus verstaut haben, und man muss halt ganz einfach anerkennen, es geht dabei einzig um das gute Gewissen und noch mehr um die gute Presse. - So erwartet man eben auch von den Medien den Hinweis, die "Island Sky" läutet das Erwachen des Hafens von Puerto de Tazacorte ein und Dank der weisen Entscheidungen, gleich zwei Hafenmolen zu kurz zu bauen und lediglich 80 Millionen europäische Euro in den Atlantik gelegt zu haben, sind heute 90 britische Rentner auf der Insel, welche unserem Eiland mit Reichtum drohen. - Man nennt solche Krüppelhäfen dann einfach "Puerto Boutique", man muss eben nur phantasievoll sein und bessere Autoren haben als Welke oder der Postillion. - Die Geschäftsleute der Gemeinde wurden sogar per Schreiben aufgefordert, doch heute ganz freundlich zu sein, schließlich wollen wir uns von der besten Seite zeigen, allerdings waren Besucher bereits in El Paso das Seidenmuseum besuchen und wurden anschließend noch in die Berge gekarrt. - Ich fürchte mal, da bleibt nicht viel kleben, also finanziell gesehen, aber vielleicht erzählen die Reisenden ja nach der Heimkunft, welch nettes indigene Volk auf diesem kleinen Inselchen sie empfangen hat , und dass man da unbedingt mal wieder hinreisen muss um Glasperlen zu verteilen.

Also, Hafen und Schiffsgröße passen schon mal zusammen, und ein bisschen gibt das auch die Brötchengröße vor, welche wir vielleicht backen sollten. - Tückisch bei der Kreuzfahrt für die besuchte Region ist auch, dass die Ausflüge wohl schon bereits im Reisepreis inbegriffen sind, also so gut wie kein Gast des Schiffes sich heute aufgemacht hat, Puerto de Tazacorte den Reichtum zu bringen. - Macht aber alles nichts, nun kann niemand mehr sagen, der Hafen ohne Schiffe, und alle Zyniker werden höflich, bestimmt und nachhaltig aufgefordert, den Hafen "Tarajal" nicht mehr als den Schildas zu bezeichnen, sondern als Tor zu Welt des Aridanetals. - Ganz böse Zungen behaupten ja auch, der Hafen von Puerto de Tazacorte sei gar kein doppelter Flüchtigkeitsfehler der Mario Barth-Klasse, sondern von den Portugiesen (so nennt man bei uns auf der Insel die Bewohner der Hauptstadt Santa Cruz) extra so schräg geplant, dass mit den Mölchen dort im Westen die Vormachtstellung des wirklichen Hafen La Palmas nicht gefährdet wird. - Hier ziehe ich mich aus der Vermutungsschraube heraus, denn die Empfindlichkeiten zwischen West und Ost, die verstehe ich weder zwischen Rhein und Oder, noch eben diesseits oder drübschererdings auf der Insel. - Ich glaube ja doch eher, da hat irgendein Planer sich beim Planen falsch herum vor das Inselrelief gesetzt und dabei gar nicht gemerkt, dass Tenerife auf der anderen Seite liegt. - Nun warten wir noch auf die Millionen aus Europa, um die Insel zu drehen, und ich hoffe inständig, dass das nicht wieder der gleiche Ingenieur macht, welcher eben das Doppelte Molchen geplant hat. Sonst könnte es sein, dass die Insel nicht von West nach Ost, sondern von oben nach unten gewendet wird, denn drehen und wenden ist halt nicht gedreht wie gewendet. - Dann liegt zwar Tazacorte auch im Osten, also näher an Tenerife, aber da die Mole selbst für ausgewachsene U-Boote zu klein ist, könnte das auch eher suboptimal enden. - Mal sehen, was draus wird, 90 Briten machen noch keinen Frühling, und irgendwie hatte ich mir das mal anders vorgestellt, als man ausrief: Her mit den kleinen Engländerinnen!





Heute an der neuen, neuen Mole in Tarajal










Man kann die zwei Molen gut auseinaderhalten, beide allerdings zu kurz geraten.




Hier die Volcán de Tauce im Jahr 2005, als die jetzt alte, neue Mole noch die neue, neue Mole war. - Die Route El Hierro, Tazacorte, Santa Cruz de La Palma, Tenerife hielt zwei Sommer lang, einmal in der Woche.




März 2015, die eigentliche Einweihung der neuen, neuen Mole durch die Alexander von Humboldt 2. - Danach hat bis heute dort kein Schiff mehr festgemacht.




Und jetzt eine bereits historische Aufnahme, Dezember 2002, die Kristina Regina als erstes Schiff damals an der jetzt alten, neuen Mole. - Das Bild ist so klein, da man seinerzeit noch per Dampfmodem Daten ins Netz speisen musste und komprimierte und schnitt, wo es eben nur ging.





Dienstag 18.09.2018 18:30 Uhr - El Paso – Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 28 Grad – Niederschlag 0 mm – Luftfeuchte 12 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 28,6 Grad - niedrigste Temperatur 18,2 Grad

Jetzt ist der Sommer doch zu Ende gegangen
Wer durch den Tunnel fährt, der kann in die Röhre gucken


Der Sommer ist dann zu Ende, wenn die Brut die Insel wieder verlassen hat, also jetzt. - Acht Katzen und ein Kerl, mehr ist nicht mehr da, und das Problem sind nicht die Katzen, so sieht das meine Frau. - Zugkinder statt Helikoptereltern, ein kanarisches Modell, wobei man in vielen, oder vielleicht sogar den meisten Fällen, das statt auch durch ein und ersetzen kann. - Viele Menschen haben das hier gemein und man merkt deutlich an der allgemeinen Stimmung, dass die vielen Hoffnungen wieder weg sind, also zurück auf den anderen Inseln. Die kleineren Kinder gehen wieder in der Schule und die drei Monate dauernde Fiesta wegen der eisernen Jungfrau der Kiefer ist auch vorbei ist. - Endlich sagt die Vernunft, schade der Schweinehund, in, um und um uns herum. - Katerstimmung sicherlich ein bisschen, aber wenn anderswo unter solchen Umständen dann wieder in die Hände gespuckt wird, um neu zu beginnen, da brauchen wir erst mal eine Auszeit, eine Reflektionsperiode, welche durchaus bis Weihnachten dauern kann. - Da kommt die Brut ja dann wieder auf die Insel, der Sommer glüht dann erneut eine oder zwei Wochen und jetzt erst wird mir eigentlich klar, dass ich kein Helikoptervater bin, sondern von meinen Kindern erhoffe, sie würden die Sommer über mir einschweben lassen. Also falsch herum gekoptert. Abnabeln ist wichtig, aber beidseitig, vielleicht lerne ich das ja auch irgendwann, aber wahrscheinlich erst nächsten Sommer.

Vom Wetter her sieht das natürlich anders aus, hier kann der Sommer durchaus bis in den November andauern. - Aber auch nur, weil wir eben nicht afrikanisch bestimmte Temperaturen haben, sondern unser ganz spezielles Klima, welches ganz eigen ist und wohl eher mit Madeira und den Azoren zu vergleichen ist, als mit anderen Regionen in unserer räumlichen. wie kulturellen Nähe. - Immer Hochdruck, seit März dieses Jahres bereits, also im Einfluss dessen, was der Mitteleuropäer als Azorenhoch kennt, und eben die Wettermaschine für den eurasischen Kontinent darstellt. Für uns bedeutet das, kühle Temperaturen selbst im Sommer, da der stetige Nordostwind frische Luft weit oben im Nordatlantik sammelt, und zu uns herunter trägt, und damit unsere Breitengrade um kühle Längen schlägt. - Die große Frage lautet immer, ab wann im Herbst oder Winter kippt dieses System, welches eben als weiteren Nebeneffekt die von West nach Ost wandernden Tiefs so weit in den Norden rückt, dass uns das Nass von dort nicht erreichen kann. - Ein bisschen blickt der wetterinteressierte Inselbürger in dieser Jahreszeit auch immer auf die höchst informativen Seiten der NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) welche, beknnter als "Hurricane Center", echt bereits mit Coolheitsfaktor 5 bewindet(klar für uns Wetternerds), hervorragend verfasste Vorausschauen für Stürme und Hurrikane liefert. - Aber auch da gilt wieder das gleiche, so lange das große Hoch dort über den Azoren wacht, bleibt hier das Wetter langweilig. - Man kann es auch ein bisschen pathetischer sagen, besonders wenn uns die Fallwinde des Passats hier im Westen mal wieder die Kübel von der Terrasse pfeifen: So lange dieser Wind weht, kann uns nichts passieren. - Das gilt übrigens auch für den Flughafen. - Wind, auch starker Wind aus Nord oder Nordost, der macht nichts, das ist der gute Wind, alles was aus Süden, oder noch schlimmer den Vornamen „Westen“ trägt, das kann Unheil bringen.

Der momentane Aufreger auf der Insel liegt mal wieder auf der Straße, oder besser gesagt im Tunnel. - Im alten Inseltunnel, also diese enge und knappe Tropfsteinhöhle, durch welche fast der gesamte Fahrzeugverkehr von der Ost- auf die Westseite der Insel geführt wird. - Auch wer nicht die Gnade der frühen Geburt hat, der wird sich vielleicht sogar noch daran erinnern, wie es vor dem Jahr 2003 war. Damals gab es nur diesen einen Tunnel um von einer Inselseite auf die andere zu kommen. - (Fast hätte ich es gar nicht bemerkt, dass ich zunächst „richtige Seite“ geschrieben habe, statt „andere Inselseite“...) Es war schon kritisch, diesen alten Tunnel in beide Richtungen zu betreiben, wenn sich dort 2 LKW oder Busse begegneten, dann legte man erhöhten Wert auf die Fahrpraxis der Kapitäne. - So hoffte man ja bereits lange, noch im alten Jahrtausend auf einen, oder besser 2 neue Tunnel, musste aber bis ins neue Millenium warten. - Der Tunnelneubau wurde aber eigentlich nur halb abgeschlossen, denn neben der, seit 2003 in Betrieb befindlichen Röhre, welche nur den Verkehr von West nach Ost aufnimmt, sollte ja knapp nördlich davon noch eine zweite Röhre entstehen, welche dann natürlich den Gegenverkehr auch zweispurig aufnehmen könnte. - Das war Teil der großen „Eje Transinsular de Canarias“ und damit auch wieder ein Teil der dafür vorgesehenen Autobahn von Santa Cruz de La Palma zum Hafen von Tazacorte. - Nun wissen wir ja alle, dass kein Mensch diese Autobahn braucht, und eigentlich ist das Ding auch schon vom Tisch, aber von dort eben noch nicht im Mülleimer gelandet, sondern in einer Ablage, welche durchaus von Zeit zu Zeit mediale Blähungen von sich gibt. - Ob wir irgendwann auch die zweite Tunnelröhre ohne Autobahn bekommen, damit vernünftig bleiben und eher vorhandene Trassen nutzen, das liegt noch vollständig in den Sternen, aber eben auch in der europäischen Zahlungsbereitschaft gegenüber ihrer ultraperipheren Zone, und welcher Hansel (also Juanito) gerade am politischen Drückerchen ist, und ob der Benzin oder Biogas in den Adern hat.

Der heutige neue Tunnel, obwohl er nach nun 15 Jahren schon gar nicht mehr so neu ist, der ist aber eben nur für den Verkehr in eine Richtung geplant und erlaubt. - Das war damals auch die Zeit der großen Unfälle in den Alpentunnel und dann erließ man ja viele neue Vorschriften in Sachen „Fahren im Berg“, was sicherlich richtig und wichtig ist, aber eben lokale pragmatische Lösungen manchmal behindert. - Man kann die zweispurige Röhre zwar auch für den Verkehr in beide Richtungen öffnen, was hin und wieder auch geschieht, aber das beschränkt sich auf Notfälle und ist zeitlich auf den Notfall limitiert. - Wenn schlechtes Wetter zum Beispiel Steinschlag auf der Zufahrt zum alten Tunnel ausgelöst hat, dann öffnet man den neuen Tunnel für beide Richtungen, muss aber dann nach Beendigung des Notfalls wieder auf Normalverkehr zurück gehen. - Seit Jahren nun steht eine Generalüberholung der alten Tunnelröhre an, auch dringend erforderlich, auch von vielen gewünscht, aber nun droht eben ein Verkehrschaos, da man den neuen Tunnel nicht für einen Ersatzverkehr dauerhaft nutzen kann. - Die Überholung des alten Tunnels lässt sich irgendwie nicht als Notfall verkaufen, ob da nun übereifrige oder einfach nur unbestechliche Techniker am Werk waren, welche einer Nutzung des neuen Tunnels über mehrere Monate nicht gutheißen, das lassen wir mal offen.

Man muss also eine andere Lösung finden, da der alte Tunnel nicht ohne zumindest temporäre Komplettschließung saniert werden kann. - Eifrig durch die Presse gekaut hat man jegliche pragmatische Lösung inzwischen verwerfen müssen, der zuständige Rat für Verkehr im Inselparlament, dem Cabildo Insular, traut sich inzwischen nicht mehr, gegen der Rat von Technikern Grünes Licht für eine „inseleigene Lösung“ zu geben, und beklagt das öffentlich, nachdem er für jeglichen Ärger, der sicherlich kommen wird, zuständig scheint. - Aber er will zumindest keine rechtlichen Probleme bekommen, was sicherlich auch wieder verständlich ist. - Die jetzige Lösung heißt, der alte Tunnel wird saniert, 24 Stunden am Tag, aber lediglich für die Zeit von 0 Uhr bis 06:30 komplett für den Verkehr gesperrt. - Tagsüber fließt der Verkehr wie gehabt, aber sicherlich mit Behinderungen und wohl möglich auch kurzzeitigen Sperrungen in Richtung Ost nach West. - Von West nach Ost gibt es überhaupt keine Sperrungen, allerdings möchte man für eventuelle Notfälle bereit sein und wird deswegen zeitweise eine Spur des neuen Tunnels als Reserve sperren. - Daraus bin ich überhaupt nicht schlau geworden, was diese „Reservespur“ soll, aber vielleicht ist es auch zu spät für mich, jetzt noch schlau werden zu wollen.

Zwischen 00:00 Uhr und Nullsechshundertdreißig müssen die Verkehrsteilnehmer, welche von Ost nach West wollen, also über die Südstraße fahren, oder die Verbindung über die Cumbre Nueva/Refugio El Pilar wählen. - Eigentlich sind nur noch ganz wenige Autos zu der Zeit auf der Strecke unterwegs, es betrifft damit gar nicht so viele Leute und die Aufregung sollte sich somit eigentlich in Grenzen halten. - Allerdings fürchtet man nun natürlich, dass damit die Gesamtzeit, welche die Tunnelsanierung dauert, deutlich verlängert wird, aber seitens der Inselregierung wird da freudig erklärt, man rechne weiterhin mit vier Monaten, eher weniger sogar, da man erneut mit der ausführenden Firma verhandelt hätte. - So sollen noch Ende dieses Jahres die Arbeiten am alten Tunnel abgeschlossen sein, welch freudige Nachricht. - Ob das wirklich so funktioniert, wie man uns das weismachen will, das ist eine andere Geschichte, denn wir sind beharrlichere Dinge gewohnt, was unsere öffentlichen Bauten angeht. - Aber immerhin, wir sind planerisch nun in der Ersten Welt angekommen, also in der Welt, in der hochkomplexe Dinge eigentlich gar nicht mehr zu machen sind, da viele Vorschriften sich gegenseitig widersprechen und eigentlich undurchführbar machen. - So manch einer erinnert sich nun gerne, oder zumindest nostalgisch an die Zeit zurück, als man Notfalllösungen mindestens ein Leben lang anwenden konnte, aber früher war eben lediglich alles anders, und sicherlich nicht besser. - Man könnte ja auch jeden Abend einen größeren Stein auf die Straße auf die östliche Zufahrt des alten Tunnels legen, und damit eine Notfallöffnung des neuen Tunnels für beide Seiten erzwingen, aber solch göttlich-endemische Lösungen haben wir uns seit unserem Beitritt zum Club der Ersten Weltler wohl selbst unmöglich gemacht.

Die meisten Inselgäste werden also gar nichts mitbekommen von unserer Tunnelpolemik, und wir bereiten uns ja wieder auf einen guten Winter vor, zumindest was eben der Zustrom an Inselgäste ausmacht. - Nachdem der Sommer aus internationaler Sicht eher schlecht war, bietet der Winterflugplan so viele Verbindungen aus Deutschland an, wie noch nie zuvor. - Ob das gut geht, ich weiß es nicht, denn es bleibt zu fürchten, dass nicht alle dieser Verbindungen auch erfolgreich sein werden. - Da ja Flugpläne inzwischen nichts anderes mehr sind, als wage Absichtserklärungen der Gesellschaften vielleicht dann und wann in Erwägung zu ziehen, auch wirklich ein Flugzeug auf den Weg zu bringen, lässt sich jetzt natürlich noch nicht sagen, ob diese vielen Verbindungen wirklich zu so vielen Gästen auf der Insel führen werden. - Man hat durchaus seit Jahresanfang nämlich spüren können, dass manch internationale Anbieter sich wieder aus dem La Palma-Markt zurückgezogen hat, nachdem auf den anderen Insel wieder Kapazitäten frei geworden sind. - Die Türkei und Ägypten sind als Kanaren-Konkurrenz wieder vermehrt im Spiel und auch Marokko knabbert an unserem, so sicher geglaubtem traditionell konservativem Urlaubsmarkt. - Letztendlich hängt es auch vom Wetter ab, ob La Palma touristisch einen guten Winter vor sich hat oder nicht, denn es ist verständlich, aber auch immer wieder erstaunlich, wie deutlich die Buchungszahlen vom Wetter in Mitteleuropa abhängig sind. - Jetzt weiß ich gar nicht so recht, was ich Ihnen wünschen soll, also wohl eher Gesundheit und gute Laune, als gutes Wetter! Bis zum nächsten Mal...





Echte Eunuchenfreundschaft, Paul und Fredi





Samstag 25.08.2018 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 44 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 26,8 Grad - niedrigste Temperatur 20,2 Grad

La Palma auf Sollstärke
Würde der Sommer doch niemals enden


Erst in den letzten Tagen haben wir endlich den Fluch besiegt, der da hieß in diesem Jahr, in Mitteleuropa ist es wärmer als bei uns. - Jetzt hat sich der Sommer endlich eingerichtet, gut und bequem, allerdings fehlt die große Hitze und auch der manchmal störende Staub aus der Sahara glänzt durch vornehme Abwesenheit. - Ein lauer Sommer bislang, kaum Waldbrandgefahr, obwohl wir gut gerüstet sind auf den Kanaren. - Tagsüber kratzen wir von unten mit wohlfeilem Abstand an der dreißig Grad-Marke, nachts an die zwanzig, aber ein geschicktes und schattiges Plätzchen ausgesucht, lässt uns immer den kühlen Zug des Passats spüren. - Wer aber in die Berge geht, der muss gewaltig aufpassen, sich nicht zu verbrennen. Einmal die Meereshöhe, dann die Nähe zum Äquator und was man auch nicht vergessen darf, wir haben derart saubere Luft, dass alles, was die Sonne ausstrahlt, eben noch kräftiger bei uns auf der Haut landet. - Und eben diese Verbindung mit dem leicht kühlenden Hauch des Passats, welche einem noch vorgaukelt, man sei nicht vom Sonnenbrand bedroht, die kann dann den Ausschlag geben, sich einen gewaltige Verbrennung auf dem zarten Organ abzuholen. - Hut, lange Ärmel und lange Hosen sind da schon gute Vorbereitung, oder Cremes mit einem Lichtschutzfaktor nahe einer dreistelligen Losung, wobei ich für den Kollateralgewinn, keine stoppelig-käsigen Männerbeine mehr optisch konsumieren zu müssen, schon unendlich dankbar bin.

Aber mitteleuropäische Sandalenträger sind eh nicht so häufig bei uns im Sommer anzutreffen, wir haben deutliche Nebensaison, was den internationalen Tourismus angeht. - Kein Wunder, bei der Temperaturverteilung auf dem Kontinent, möchte man sagen, aber es liegt wohl eher an der Rückkehr zu mageren Flugverbindungen im Sommer nach La Palma aus Deutschland. - Das wird diesen Winter wieder ganz anders werden, da schweben Flugpläne durch Äther, Raum und Web, welche ein touristisches Börsenzucken nahelegen. - Mal sehen, ob unser Inselchen die großen Erwartungen an sich selbst erfüllen kann, bislang haben wir es ja noch immer geschafft, jedem versuchten Aufschwung endemisch-autochthonen Widerstand entgegen zu setzen, auch wenn unser Nomenklaturkader politisch nachwachsender Rohstoffe lauter als jemals davon spricht, wahrhaftig die Hausaufgaben gemacht zu haben. - Man meint damit endlich Rechtssicherheit für Investoren hergestellt zu haben, welche unbedingt glauben, noch einen gra(n)tigen Fels im Atlantik zum massentauglichen Renditeabwurfressort umwandeln zu müssen. - Es wird so schlimm nicht werden, denn alle um uns herum können zwar ganz bestimmt nicht besser, aber sicherlich billiger arbeiten und anbieten, als dieser, zum ewigen "Roh" bestimmten Diamanten an Eiland.

Diesen Sommer aber ist die Insel dennoch voll, aber es lohnt sich, schon genauer hinzusehen, wer denn da der Gastronomie endlich volle Häuser beschert und auch die Orte wieder mit dichtem, fröhlichem und manchmal sogar lautem Leben füllt. - Es sind weniger Urlaubsgäste, aus Mitteleuropa sowieso, aber auch der nationale Tourismus vom Festland hat noch nicht wieder die Geschwindigkeit aufgenommen, welche eigentlich erwartet wurde. - Es sind vielmehr Eigengewächse, Familien und Freunde, also innerkanarische Dunstglocke mit ein bisschen Heimwehfieber, aber auch einer Ecke Schuldbewusstsein, der eigenen Ursuppe so lange den Rücken gekehrt zu haben. - Vielleicht schwingt das soziale Aufmerksamkeitspendel gerade wieder in Richtung Heimatverbundenheit, oder das nur alle drei Jahre stattfindenden Spektakel der Wanderung der Schutzheiligen El Pasos - und ein bisschen auch der ganzen Westseite - lockt so viele Mischpoke nach La Palma. - Ganz böse Stimmen behaupten allerdings, noch mehr als diese, dann doch irgendwie hehren Gründe, könnten auch die neuen Brachialrabatte aus der erneuten politischen Sedierungskampagne für Inselgruppen und Exklaven in Spanien sein, denn seit diesem Frühling erhalten alle Bewohner der Balearen, Kanaren, Melilla und Ceuta 75% Rabatt auf Reisen zwischen den Inseln und inzwischen auch dem Festland, anstatt der bislang bereits gewährten 50% Abschlag. - Der Reisepreis hat sich also nochmal halbiert, so fliegt und fährt man inzwischen für rund 10 Euro von einer Insel auf die andere und sorgt so natürlich für einen deutlich angestiegenen Reiseverkehr quer über das Archipel. - Nur ganz hartgesottene und zwingend eindimensionale Berichterstatter und Endempolitiker wundern sich so noch über diese gewachsene Schar an Reisende und verfallen nur zu gerne wieder in die lustige Statistikdeutungen, von bis zu vierstelligen Hurrachiffren auf dreistelligen Skalen.

Macht nichts. - "Right or wrong, my Island", sagt sich hier der bilinguale Resident und es ist schon ein Erlebnis, vielleicht 85.000 Menschen auf einer Insel zu erleben, welche dem geduldigen Papier nach an die 85.000 Einwohner hat. - Jetzt ist er völlig durchgedreht, der Siebold, nicht mal mehr selten schreiben hilft da noch, mögen Sie jetzt meinen, aber die Sollstärke 85.000 Menschen, welche bei uns auf La Palma als Einwohner gemeldet sind, die erreichen wir eigentlich nie, oder eben nur diesen wunderbaren Sommer lang. - Aufmerksame Beobachter der Insel und ihrer Verpflogenheiten wissen ja, dass etwa nur 55.000 bis 65.000 Menschen dauerhaft auf La Palma leben, wie viele es genau sind weiß man nicht, das liegt immer am Zustand der Schätzungsdrüse des Betrachters. - Schüler, Studenten, Pendler, aber auch Ausländer, welche wieder gegangen sind, sich aber nicht abgemeldet haben, oder eben Leute, die aufs Festland gezogen sind, aber ihre Privilegien als Canario nicht ablegen wollen, alle diese Leute finden weiter ihre Bedeutung in den städtischen "Padrones", sind aber nicht physisch da. - Die Gemeinden, welchen die Aufgabe zufällt, diese Listen aktuell zu halten, die sind natürlich überhaupt nicht daran interessiert, Bürger zu verlieren, da jeder gemeldete Mensch bares Geld für den Gemeindesäckel bedeutet. - Allerdings konsumieren diese nicht vorhandenen Bürger auf der Insel selten, fügen also dem Bruttoeilandprodukt kaum was hinzu. - Auf der anderen Seite wären viele staatlichen oder regionalen Einrichtungen mit Sollfüllstand komplett überfordert, wie Gesundheitsdienst oder viele Ämter und auch der Nahverkehr. Ich will mir eigentlich gar nicht richtig vorstellen, wie es wäre, sollten wirklich 85.000 Menschen an diesen Diensten oder Leistungsträgern zerren, welche die Insel bereit hält.

Diesen Sommer allerdings scheinen sich alle ein Feierdichein gegeben zu haben. So viele "Biopalmeros" habe ich noch nie auf einen Haufen gesehen, also alle, welche die Gnade der Inselgeburt hatten, und damit auch unsere Brut, gesellen sich eben dieses Jahr hinzu. - Und stündlich bis andauernd wird berichtet, wen man denn nun wieder gesehen hätte, nach so vielen Jahren, wer denn nun dick, dünn, schludrig, schwul oder gar wohlhabend geworden sei, und von wem man plötzlich alles gegrüßt wird, und mal wieder oder auch wider grüßt. - Ich gebe es zu, die Gnade meiner lang zurückliegenden Geburt bewahrt mich davor, mich an alle und jeden zu erinnern, welche denn da mal durch mein Lebenslinienlabyrinth geschlendert sind, aber ich habe ja geduldig bis beharrliche Familiengewissen um mich herum, welche mir dann schon ganz genau sagen, wer denn nun wer ist, war, sein wird und warum man den oder die nicht grüßt, diejenige und denwelchen aber auf alle Fälle. - Manchmal ist es ein Tritt gegen den Knöchel, manchmal auch nur ein kleiner Anraunzer, wenn ich wohlmöglich wieder mal gegen die Grußformeln verstoßen habe, und in gewissen städtischen Hotspots der koffeinhaltigen wie klatschbasierten Versorgung grüße ich einfach inzwischen alles und jeden und wie es scheint, grüßen alle und jeder zurück. - Es scheint da ein gewisses globales Verständnis zu geben, auch dein Gegenüber hat zwar nicht die geringste Ahnung, wer du eigentlich bist, aber irgendwas sagt einem, man grüßt besser einmal zu viel, sonst ist der Knöchel am Abend blau.

Hier gibt es allerdings wirklich geschlechtsspezifische Unterschiede. Frauen sind stinkesauer, sollten sie nach 72 Jahren nicht wiedererkannt werden, obwohl Haarfarbe, Figur, Name, Gang, Haltung und manchmal sogar das gewählte Geschlecht nicht mehr mit dem übereinstimmen, wem man eben vor 72 Jahren mal den Vortritt beim Einstieg in den Schulbus gegeben hat. - Ich hingegen frage nach dem Knöcheltritt nur noch selten, woher ich denn den, oder die eigentlich kennen muss und manchmal bin ich richtig froh, wenn meine Anstandsfrauchen bemerken, guck mal, der hat uns gar nicht wieder erkannt und gar nicht gegrüßt, der Rüpel. - Was meine Frauen nicht bemerkt haben ist, dass der Rüpel und ich uns wohl gegrüßt haben, allerdings auf echte Männerart, nämlich so knapp und maskulin, dass überhaupt keine Zeit bleibt darüber nachzudenken, wer denn eigentlich das Gegenüber ist. - Andere nehmen das natürlich nicht wahr, wahrscheinlich kennt man sich auch überhaupt nicht, aber das spielt doch eigentlich auch gar keine Rolle. - Es gibt wirklich Leute hier, die grüße ich seit Jahrzehnten, weiß aber immer noch nicht, wer das eigentlich ist, ein wirklich schlauer Kopf hat mal zu mir gesagt, vielleicht grüßt du die ja genau deswegen immer noch.

Die Insel ist voll. - Voller Eigengewächse allerdings, und dem flüchtigen Betrachter von Außerhalb mag das gar nicht auffallen, denn eigentlich sind ja nur die da, die auch hier hin gehören. - Auf keinen Fall taugt das nun zu einer Migrationsdebatte, wer denn nun hier her gehört und ob es denn überhaupt welche gibt, die nicht hier her gehören, aber die jetzige Sommerbesetzung der Insel scheint wohl homogen zu sein. - Allerdings dünnt sich das bereits wieder aus, Schüler und Studenten haben noch eine Weile Gnadenfrist, aber Pendler und Urlauber warten bereits wieder an Flugsteigen und Hafenmolen, um auf die drübschere Seite des Archipels zu gelangen. Eben dahin, wo man zwar wohnt, arbeitet, Geld verdient, und auch viele andere Dinge macht, aber doch nicht wirklich zu Hause ist. - Man mag über so hohe Subventionen mit der Fliegerei kritisch nachdenken, oder auch, warum man zu Zehntausenden den fleischlosen Erzählungen von Jungfrauengestalten folgt, mir aber ist jede Ausrede recht, mein Zuhause mit allen denen zu füllen, welche eben auch hier Zuhause sind. - Und sollten Sie sich von mir übergangen fühlen, also ich hätte Sie nicht gegrüßt, das stimmt nicht, Sie waren nur nicht schnell genug, es zu bemerken, mein bläulich geprügelter Knöchel zumindest dient mir als ewiger Beweis.





Man kann es durchaus schlechter erwischen, mit dem zu Hause meine ich...





Dienstag 08.08.2018 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 29 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 28 % - Luftdruck 1017 hPa
Höchsttemperatur heute 30,8 Grad - niedrigste Temperatur 24,4 Grad

Sommerfrische - La Palma
Nicht mal heute ist es wärmer als in Mitteleuropa


Glauben Sie keinem der Ihnen erzählt, der Klimawandel kommt. - Das stimmt nicht, denn der Klimawandel ist immer da, schon immer und wird auch immer da sein. - Allerdings gibt es da dieses Problem mit der Geschwindigkeit des Wandels, und ob uns denn der Wandel mitnimmt. - Statistisch gesehen war immer schon alles da, und mir kommt in Spanien immer alles Deutsch vor, wenn man Wetterphänomene mit dem Klima verwechselt. - Aber wie gesagt, der Klimawandel ist da, die Frage eben kann nur lauten, wie schnell denn rasen wir in die Warmphase einer Eiszeit und hat alles um uns herum, und auch wir denn die Zeit, da mit zu wandeln. - Nicht mal heute, am heißesten Tag des Jahres auf der Insel ist es wärmer als in Mitteleuropa und ich muss zugeben, es ist auch das allererste Mal der Fall, dass die Weinlese in Deutschland vor der hier auf der Insel beginnt. - Meine Nachbarn Pedro und Antonio, welche es eigentlich jedes Jahr schaffen, ihren eigenen Weinvorrat komplett zu tilgen, konnten es mir gestern gar nicht glauben, dass man in Deutschland bereits in rheinischen Lagen die ersten Beeren zupft und Maische daraus presst. - Bei uns sind die Trauben noch ziemlich klein und freuen sich gerade heute vielleicht über das Wetter, welches sich auch mal heiß gibt. - Allerdings wird es in Mazo auf der Ostseite, fast auf Meereshöhe sicherlich auch bald mit der Weinernte losgehen.

Man könnte ja nun eine ganz gewagte These aufstellen welche lautet, es gibt nicht nur benachteiligte Gegenden auf der Welt durch den Klimawandel, sondern auch Ecken, welche zumindest kurzfristig sogar bevorteilt werden. - Bitte den Hinweis kurzfristig beachten, da niemand auch nur annähernd voraussagen kann, wie sich drastischer Klimawandel mittel- oder gar langfristig auswirkt. - Gehen wir mal davon aus, dass ein Absinken der Temperaturunterschiede zwischen den Polen und den wärmeren Regionen die Stabilität der bereits vorhandenen Wetterphänomene erhöht. - Das würde auch bedeuten, dass das Azorenhoch noch ortsfester würde und winterliche Tiefdruckgebiete, welche von Westen nach Osten über den Atlantik "fegen" dann nur noch "schlendern". - Für uns, die Kanaren, und auch das westlicher Nordafrika würde das kühlere Temperaturen im Sommer bedeuten und mehr Niederschläge im Winter. - Besser kann es gar nicht kommen, möchte man zunächst sagen, und in der Tat, die letzten Sommer waren eher kühl und dieses Jahr bislang, sogar das kälteste seit sehr vielen Jahren. - Aber das Wasser im Winter war noch nicht so reichlich wie gewollt, aber wenn man nun dieser These folgt, dann würde in Zukunft eben das Azorenhoch von März bis November stabil sein und dann in den Wintermonaten die Tiefs nicht nur anderthalb Tage auf raschem Durchzug kostbares Nass bei uns lassen, sondern vielleicht gleich mal zwei Wochen lang, und damit auch nach neuen spanischen Kunstausdrücken verlangen. (Tiempo Hamburgueso oder des Landmanns ständige Verzückung)

Nein, ich spinne nur rum, ich sehe mir halt täglich die Wettervorhersage für Mitteleuropa an und vergleiche dann die Temperaturen mit unseren und muss feststellen, dass es seit Ende März, dort wo die "Guiris" wohnen, höhere Tagesmaximalwerte herrschen, als bei uns. - Wir kennen ja den Spruch bereits, bei uns fängt der Sommer erst am 40. April an, aber inzwischen haben wir den einhundertsiebenunddreißigsten April und heute das erste Mal zwei Tage über 30 Grad hintereinander, wenn auch nur ganz knapp. - Darum Sommerfrische und morgen ist auch schon wieder der Einzug frischer Luft aus dem Nordatlantik angekündigt, denn von dort holt unser fleißiger Wetterbartel die Luft, meist sogar bis aus isländischen Regionen. - Das eben macht unser Frühjahr so ein bisschen frisch ums flatternde Beinkleid, aber eben auch den Sommer erträglich, denn wir dürfen nie vergessen, Bruder, oder von mir aus auch Schwester Sahara, oder Mischpoke Sahel, liegen auf gleicher Breite, nur ein paar hundert Kilometer östlich. - Schon viele Gäste waren ganz angetan von unserem Temperaturspektrum zwischen 18 Grad nachts und 24 Grad tagsüber, interessant eben nur die Richtung, in welche diese touristischen Zugvögel gereist sind. - Na ja, vielleicht sollte man langsam die Bananen durch Zuckerrüben ersetzen und ich könnte mir auch gut vorstellen, wie man lokale Fachleute von hier zur Beratung an den Niederrhein schickt, wie das denn geht, mit dem Bananenanbau. Ich spinne doch nur vor mich hin und her, seriös geht anders, aber mit Sicherheit können eben echte Spezialisten auch nicht sagen, ober wir denn nun schon kurz vor der Katastrophe stehen, oder kurzfristige Wetterkapriolen mit Klima verwechselt haben.

Ansonsten geht hier alles so seinen wenig aufregenden Gang, aber man merkt, dass die Krise nun endgültig überwunden scheint, zumindest lautet inzwischen die oberste kommunale wie regionale Faustregel: Es wird wieder geklotzt, kleckern war gestern und ist als schmuddelig anzusehen. - Bei uns in El Paso ist dieses Jahr ja wieder "echte Bajada", also das alle drei Jahre stattfindende Spektakel der Niederkunft unserer Schutzpatronin. - Nur alle drei Jahre wird diese ja auch physisch in den Ort getragen, (wobei ich nur ganz knapp gerade einer Gedankenreise um physisch, getragen und Jungfrau entkommen bin) auf jeden Fall ist unsere Stadt bis Anfang September im Ausnahmezustand und lässt sich das Geld kosten, welches wir wohl physisch gar nicht haben. - Macht nichts, zweieinhalb Monate Rahmenprogramm, wobei sich mir emphathielosen Hobbyasketen immer nicht so ganz wirklich erschließt, was Autotuning, Pferderennen, Dominoturniere "Curvy-Fashion" LGTB-Love-Happenings und viele Veranstaltungen mehr, von denen ich nicht mal weiß, wie man das richtig schreibt, mit der Niederkunft einer kreuzkatholischen Jungfrauenstatue zu tun haben. - Macht nichts, wir sind wieder wer, auch wenn wir eigentlich nicht mehr haben als vor ein paar Jahre, aber die Krise ist als vorbei anzusehen. - Unser Sparprogramm ist endgültig als gestrig anzusehen, das Schlagwort "Austerity" wieder zurück ins Fremdwörterlexikon gewandert und die Schäuble-Statue wieder gegen das Goldene Kalb ausgetauscht.

Plötzlich macht es wieder Spaß, Bürgermeister zu sein, wir haben nun für ein paar Wochen ein Stadion mitten im Ort, welches frotzelnd von dem lächerlichen Rest politischer Opposition als "Bernabeu" bezeichnet wird und feiern dort Konzerte und Galas, welche vor ein paar Jahren noch als Blasphemie gegenüber den Sparzwängen gegolten hätten. - Böse Zungen behaupten auch, unsere Loly, also die Sparbürgermeisterin, welche den Stadtsäckel trotz der Krisenjahre zur Roten Null gebracht hatte, sollte sich schon mal wieder bereit machen, in ein paar Jahren wäre es dann wieder so weit, dass man ihre Dienste erneut zu schätzen wüsste. - Aber lassen Sie sich von einem faltigen Enddreißiger in Dauerschleife nicht die Feierlaune nehmen, immerhin schwillt an den Tagen rund um die "Romería", also die wirkliche "Niederkunft" der Jungfrau die Einwohnerzahl unserer Stadt auf Sollniveau an, denn wirklich alles was irgendwie "Pasense" ist, läuft auf dieser Prozession mit. - Auch unsere Brut ist dann wieder bei uns, wobei wir dann nur Basislager in Sachen Unterkunft und Verpflegung darstellen, aber endlich wieder auch physischen Kontakt zu unserer Nachkommenschaft haben.

Aber es ist schon ein ganz tolles Fest und man muss ja nicht den ganzen Quatsch mit den zu vielen Rahmenveranstaltungen mitmachen, man pickt sich sein Programm raus und Pflicht ist natürlich die "Romería" selbst. - Und auch Plicht, so wie man das auch sonst wo beobachten kann, man trägt wieder Tracht. - Meine Töchter kamen sogar zur Anprobe extra vorbei, denn nicht jeder hat solch ein "Traje típico" in seinem Kasten hängen und so ist es durchaus üblich, dass man sich solche Kleidung für das Fest leiht. - Und wer nicht rechtzeitig kommt, der muss dann mit irgendwelchen billigen Plagiaten über die Runden kommen, aber meist ist das ja auch egal, denn nach ein paar Stunden "Romería" sind die meisten Pilger eh schon so verzückt und entrückt durch den sozialen wie religiösen Kleber ethylischer Natur, welcher jegliches unserer Feste in reichlicher Form begleitet. - Gegen Mittag geht es los, dort oben an der Wallfahrtskirche, welche die Jungfrauenstatue eben die Jahrhunderte über beheimatet hat. Und die fünf Kilometer, die schafft jeder, es ist immer bergab und wenn die ersten Karren, oft sind es wahre "Prunkwagen" im Ort ankommen, fahren die letzten erst los dort oben am Llano de las Cuevas, so groß ist die Publikumsschaar, welche sich an dem Tag trifft, um mindestens sich selbst, aber natürlich auch den Ort und die Jungfrau zu feiern.

Viva la Virgen und Viva El Paso heißt es dann immer wieder, aber der Umzug selbst ist bei weitem kein steifer, klerikaler Kasteiungsumzug, sondern verdammt fröhlich, fast schon teuflisch lustig und meist auch ein Heidenspaß. - Die Zeiten, als Gottesfurcht noch was mit Angst vor dem Pfarrer oder der Kirche zu tun hatte, sind auch hier längst vorbei, aber dennoch hat auch bei vielen jungen Leuten erstaunlich viel Glaube seine Bedeutung und oft auch Wirkung erhalten. - Dennoch sind die meisten nicht wegen des religiösen Hintergrundes da, auch wenn man das vielleicht gerne so verkaufen möchte. Es ist ein Volksfest und das gewaltig, laut, fast ein bisschen exzessiv und auch professionelle Zweifler dürfen sich dort blicken lassen und ich kann allen wirklich bestätigen, Weihwasser ätzt nicht! Und wenn der lustig gekleidete Typ mit dem rauchenden "Aschenbecher" schwenkt, Weihrauch ist nicht giftig, aber Gluten- und Laktosefrei und Sie müssen nicht in Deckung gehen. - Was noch die kommenden Tage so alles passiert, das können Sie HIER nachsehen und der große Tag, das ist Samstag der 18.8. - Ab Mittag gibt es jede Menge Busse, welche Sie aus dem Ortszentrum nach oben fahren, von wo aus Sie beschwingt dann mit den vielen tausend Pilgern wieder herabsteigen können in den Ort. - Lassen Sie ihr Auto stehen, man muss die Feste feiern bevor man fällt…






Donnerstag 19.07.2018 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 28 % - Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 26,2 Grad - niedrigste Temperatur 18,8 Grad

Paul lebt noch
Ich übrigens auch


Nein, ich fange nicht wieder an, regelmäßig zu schreiben. Aber mir war gerade so und vielleicht war es auch der dezente Hinweis einiger Leser, die sich häufiger nach Pauls Gesundheit erkundigen, als nach meiner. - Sicher, den eleganten Gang und dieses strahlende Selbstbewusstsein, das bekomme ich einfach nicht hin und glauben Sie mir, ich habe sehr oft versucht katzengleich zu werden. - Jetzt weniger vom Äußerlichen her, das wird nichts, da zumindest darf ich ganz ehrlich sein, eher reizt mich der geschenkte Gleichmut dieser edlen Wesen. - Den Druck, immer alles wissen zu müssen und das Attribut "aktuell" auch zu erfüllen, das gebe ich mir nicht mehr. - Scheint gesund zu sein, zusammen mit Diät und der pharmazeutischen Industrie habe ich in anderthalb Jahren sieben Kilo zugenommen und wer mich kennt, der weiß, das ist für mich ein durchaus existenzieller Zugewinn. - Meine Frau schiebt jetzt ein bisschen Panik, wenn der so weiter macht, dann wird der noch achtzig und dann wird wieder nichts mit dem ruhigen Inselleben zwischen Blumen, Katzen und unwichtigen Dingen. - Gut, ich arbeite daran, oder dagegen, das kommt ganz auf die Perspektive an, aber es gibt nun wieder deutliche Anzeichen, ich könnte doch noch das Rentenalter erreichen und genau das hatte ich mir doch auch vorgenommen. - Bis dahin müssen wir aber noch weitermachen und damit sind wir bereits beim ersten Thema, welches die Insel gänzlich, aber wohl nicht ganzheitlich betrifft, den Tourismus.

Vor ein paar Jahren, etwa zu dem Zeitpunkt als ich aufhörte regelmäßig zu schreiben, da bot sich der Insel ja ein galoppierender touristischer Zug an, auf den man nur eben hätte aufspringen könne. - Geschuldet einer interessanten soziologischen Bewegung, die sich zu anderer politischer Jahreszeit "Arabischer Frühling" nannte, sowie eines interessanten Bemühens des zornigen Mann vom Bosporus, bloß sämtliche Besucher zu verprellen. - Neben dem Wunsch, so billig Urlaub machen zu können, dass man das gleich dreimal im Jahr geben kann, erwuchs eben auch die Sehnsucht, oder sagen wir frecher der Hype, nach sicheren Destinationen, was immer sich auch hinter dem Wort "sicher" zu verbergen mag. - Hier haben unsere Inselchen und auch ganz Spanien sicherlich große Vorteile gegenüber anderen Regionen rund um unsere langen Breiten- wie auch breite Längengrade, und als die aufgeschreckten Reiseveranstalter feststellten, dass die anderen Kanareninseln bereits "full" waren, entsann man sich auch der Existenz unseres Eilands. - Plötzlich kamen Leute aus Ländern zu uns, die wir bislang nur vom Hörensagen kannten und fleißige Politiker, aber auch börsengeschulte Kader der Goldenen-Kalb-Fraktion bauten aus diesem gepumpten Aufschwung gleich wieder eine lockende Zukunft. - Ein kanarisches Bodengesetz und ein Gesetz für die "Islas Verdes", also die "Grünen Inseln" hat man aufgelegt und dort versucht, den durchaus vorhandenen Interessenten der touristischen Investoren endlich Rechtssicherheit zu geben. - So ganz klappt das nicht, denn gegen beide Gesetze wiederum sind Klagen anhängig und die Golfplätze rücken erneut in weitere Ferne, nachdem die Justiz einer Erhöhung der geforderten Bettenanzahl in den begleitenden Hotels der Golfplätze eine Absage bereitet hat. - Immerhin hat sich ein Investor das große Hotel in Puerto Naos unter das Konto gerissen, allerdings nicht als Betreiber, das macht weiterhin die Gruppe Sol Melía, aber man erhofft sich wohl Gewinne aus dem touristischen Hotelgeschäft auf der Insel. - Man darf daraus ruhig positive Stimmung basteln, auf der anderen Seite muss es die Planungsschmiede doch eigentlich auch wieder stören, wenn Investoren lieber in bereits vorhandene Infrastrukturen Geld stecken, anstatt neue Burgen zu bauen. - Der ganz- oder teilheitliche Beobachter könnte hier nun sogar applaudieren, Erhaltung des vorhandenen Anlagen geht vor Neu aus dem Boden prügeln, das hört sich doch nach der so oft besungenen "Blue-Economy" an. - Wie man das wirklich bewerten muss, ich bin da vorsichtig geworden, zu viele Züge sind bereits an uns vorbei gerauscht und oft war es gut, dass diese weitergezogen sind, mag unsere Weisheit auch nur ein Akt der gnädigen Unterlassung gewesen sein. Zum Sprung auf den fahrenden Zug des Fortschritts wäre man ja schon kognitiv bereit gewesen, ist es immer noch. - Aber wir sind halt ein bisschen schwer im Willensapparat, wieder einmal waren die Koffer nicht gepackt, wir haben die Papiere verlegt und haben sowieso den richtigen Zeitpunkt in der REM-Phase zugebracht, noch ohne gänzliche Handlungsfähigkeit erreicht zu haben.

Der "Arabische Frühling" ist zur ganzjährigen Verarschung verkommen, der zornige Mann vom Bosporus hat sein Ziel erreich und gibt sich wieder handsam, also kann man auch die touristischen Ströme wieder dorthin leiten, wo zwischen Herkunftsland und Destination noch mehr Spanne steckt, als hier bei uns auf den Inselchen. - Verdiente Wohlsprecher versuchen weiterhin die Zahlen gut zu reden, fangen wieder mit den lustigen Wortspielen um Passagiere, Besucher, Gäste und Touristen an, wobei hier kurz nur anzumerken sein, dass man jetzt als Bürger der Kanaren für Reisen zwischen den Inseln, und ganz frisch auch auf das Festland, nun zu 75% sein Flug- oder Fährticket subventioniert bekommt. - Hier erklären sich natürlich die ganzen Zuwächse im Reisesektor ganz einfach. - Mehr Urlaubsgäste allerdings haben wir aber nicht mehr auf der Insel, was dem geübten touristischen Auge sicherlich auffallen wird. Im Gegenteil, gerade unser Stammpublikum, also die deutschen Starkwadler (Natur- und Wanderreisende) aber auch Brezeldiebe (Überwinterer) haben sich zum Teil wieder von uns abgewandt, wobei ich kein Analyseergebnis melden kann, woran das nun eindeutig gelegen haben mag. - Da ist ganz bestimmt auch die Geschichte um Air-Berlin und Niki zu nennen, welche unsere Insel heftig getroffen hat, aber sicherlich ebenso eine gewisse Überhitzung. - Individualtourismus mag vor allem eines nicht, nämlich Scharen an Individuen, und ganz schnell reagiert unser Stammpublikum auf bereits kleinste Hinweise einer drohenden "Teneriffasierung". - Mögen die Bewohner der Mutter aller Inseln mir verzeihen, aber es ist halt immer in die Hose gegangen, wenn unser kleines Inselchen versucht hat, die große Schwester dort am Horizont zu kopieren. - Sofort reagieren auch wieder die Fluggesellschaften, es gibt wieder deutlich weniger Flieger aus Mitteleuropa nach La Palma und wie oft nun dieses Pendel zwischen Angebot, Nachfrage, Können und Wollen noch hin und her springt, das weiß wohl der Passat ganz alleine.

Am Vulkan kann es weniger liegen, dass uns wieder weniger Menschen aufsuchen, auch wenn die britische Presse, aber auch manch lokale Schreckschreiber hinter jedem kleinen Beben gleich eine Katastrophe wittern. - Mehrere Reihen an Schwarmbeben hatten uns letztes Jahr aus unserer vulkanischen Ruhe geworfen, obwohl uns doch eigentlich allen klar ist, dass die Baumeister "Hotspot" unter unseren Inseln noch nicht mit seinem Werk durch ist. - Allerdings war es eben bei uns unter der Insel seit der Eruption im Jahr 1971 derart ruhig, dass nun vulkanische Normalität Unruhe bei den Betrachtern der Szene ausgelöst hat. - Allerdings muss man diese Tätigkeit wohl in einem seit vielen Jahren stattfindenden Reaktivierungsprozess sehen, welcher die ganzen westlichen Kanaren betrifft und unser Inselchen nun endlich auch auf diese Vorkommnisse antwortet. - Wobei das Magma unter La Palma der am wenigsten aktive Teil der Episode zu sein scheint, unter Tenerife, auch Richtung Gran Canaria und natürlich ebenso unter El Hierro randaliert unser Schöpfer deutlich heftiger. - Aber wir sind wieder mit im Geschäft, sicherlich nicht der Mittelpunkt, aber komplett sollten wir das Thema noch nicht ausblenden. - Und man sieht ja aus dem, was auf Hawaii momentan Alltag ist, solch eine Eruption kann auch gut fürs Geschäft sein.

Lassen wir die Nebensächlichkeiten wie wirtschaftliche Dinge, Vulkanausbrüche und zukünftige Entwicklungen, und kommen zu den wirklich entscheidenden Dingen. - Wir haben es weiterhin nicht geschafft, die Zahl der "Internen Katzen" zu verringern. - Im Gegenteil, es sind nun deren acht, wobei ich den letzten Zugewinn der Gemeinschaft noch gar nicht vorgestellt habe. - Fredi haben wir den jungen Mann genannt, welcher als "Ersatz" für den verschollenen Leo gedacht war, es sich aber nur um eine Verwechslung handelte. - Zwar sieht Fredi dem Leo wohl ähnlich, aber er war es nicht, als man uns zum Tierarzt in Los Llanos lockte mit der Aussage, unser verschwundener Leo sei gefunden worden, und wir könnten ihn abholen. - Aber wir konnten natürlich Fredi dort nicht einfach zurücklassen, auch wenn es eben eine Verwechslung war, und seit dem ist der junge Kater eben bei uns und hat sich vorzüglich in die Gemeinschaft eingefügt. - Der eigentlich Knaller aber ist, Leo ist nach siebeneinhalb Monaten wieder aufgetaucht und damit sind wir erneut reichlich komplett an Krallen und Schnurren. - Schnodderige Zungen behaupten von uns, wir seien die "Guiris Locos" mit den vielen Katzen, aber Hand auf die Kralle, selten in meinem Leben wurde ich betörender angemacht. - Wo Leo war, warum der für den lächerlichen Kilometer vom Fußballstadion zu uns siebeneinhalb Monate brauchte, und was der alles in der Zeit erlebt hat, das wäre eine andere, Bücher füllende Geschichte. - Zudem haben wir momentan auch noch eine Logierkatze, denn auch unsere Brut fiel nicht weit vom Genstamm und weil unsere angehende Veterinärin natürlich keine normalen Katzen hält, sondern nur krumm und schief gewachsene, humpelt nun noch kleines Wesen mit seltsam geformten Hinterpfoten bei uns herum und bekommt es, wem auch immer sei Dank, gar nicht wirklich mit, warum die anderen Katzen auf Tische und Stühle springen können, sie aber nicht. - Paul sieht dem ganzen Treiben seit Anno-Katzenmal mit stoischer Geduld zu und war natürlich der allererste, welcher sich geduldig von dem, erst ein paar Monate alten Beinkrüppelchen bespielen ließ. - Alle Achtung alter Mann, ein Auge tränt schon ein bisschen, das Fell spiegelt auch schon eher geriatrischen Glanz wider und gerne lässt er sich auf den Schoß heben, anstatt zu springen, weil die Gelenke halt wegen der zu gerne genossenen industriellen parfümierten Tierkadavern schon ein bisschen "..ose oder …itis" aufweisen. - Aber Paul, als Integrationsgarant, weiterhin die Katze 0 - 0 - 0 auf meinem felinen Koordinatensystem und oft stelle ich sogar eine vierte Null noch dahinter und wer nun fragt, wie das gehen kann, mit vier Nullen, der hat noch nie Katzen und Kinder gehabt.

Da sind wir beim nächsten Thema, die selbstgemachte Brut. Hier überlasse ich den Grad des subjektiv bedingten Glorienabzugs meiner Schilderungen natürlich ganz ihren Fähigkeiten. Sie können mich ja nach 14 + 2 Jahren Schriftverkehrs, wenn auch meist einseitig, richtig einzuschätzen. - Die große Tochter, welche ja eigentlich die Kleinere ist, die zerstört sämtliche Arbeitsmarktstatistiken, in dem sie als unter Fünfundzwanzigjährige, in ihrem studierten Beruf bereits einen unbefristeten Arbeitsvertrag hat. - In Spanien wohl bemerkt, auf Gran Canaria, so viel darf ich noch berichten, und es ist wirklich selten dieser Umstand, wir haben oft genug darüber berichtet, wie wackelig und zerbrechlich, besonders für Jugendliche, der Arbeitsmarkt in unserem iberischen Land aufgestellt ist. - Auch genießt sie, eben gespiegelt vom elterlichen Wirken, die angenehmen Seiten des Arbeitnehmerlebens, besucht uns immer wieder im Urlaub und bringt auch hartnäckig jedes Mal den gleichen Partner mit zu uns, so dass wir uns dann doch entschlossen haben, uns den Namen des knackigen iberischen Hünen dann doch mal zu merken… Die kleine Tochter, vom Wuchs her allerdings die Größere, die braucht noch ein Jahr, ihr Studium abzuschließen, auch auf Gran Canaria, ist aber derzeit in der Schweiz auf Praktikum und hat es dort wohl vortrefflich erwischt und kommt in einer großen Tierklinik an ganz viele Aufgaben heran, welche halt in der universitären Theorie nur im trockenen Teich geübt werden können. - Allerdings droht diese wissbegierige Brut mit weiteren akademischen Höhen und rüttelt damit an meinen ganz privaten frührentlichen Plänen, welche eh nicht mit den Obrigkeiten (in dem Fall meine Frau und der Rentenversorger) abgestimmt sind. - Das war immer schon mein Problem, ich bin einfach nicht so alt, wie ich aussehe. - Das hat mir in meiner Jugend manchmal geholfen, in Erreichbarkeit von Kinovorstellungen, Schülerbällen, den Erwerb von ethylischen Getränken sowie anderen Götzendiensten, aber seit einigen Jahrzehnten ist es eher hinderlich, dass ich so alt aussehe, wie andere schon sind. - Aber wir haben einen wunderbaren Sommer vor uns und sind auch schon mitten drin. - Fast immer ist mindestens eines unserer Kinder zu Besuch, auch weil eben das große Stadtfest, die Bajada de la Virgen del Pino diesen August wieder alle "Pasenes" in die Heimat ruft, und es ist eben gerade für mich "Heimatvertriebenen" (Sohn eines Sozialisten aus dem Bayrischen Wald) dann doch ein wunderbares Bild, dass zumindest meine Brut eine Heimat gefunden hat und so etwas wie Traditionen sogar anerkennt und lebt.

Wobei ja Traditionen auch ab und zu schrecklich hinderlich sein können und wir in unserer kleinen, so auch manchmal garstig abgeschotteten Welt oft trotzköpfig alles zu Traditionen verklären, was irgendwie nach Endemie riecht. - Da liegen viele zynischen Fallen für strittig objektive Betrachter und meist hat ja nicht mal konstruktive Kritik was mit reiner Vernunft zu tun. - Das konnte ich jetzt endlich mal anbringen, da meine Frau sich ja gänzlich weigert, meine Feigheit gegenüber unserem hinterwäldlerischen Gehabe noch was zu unternehmen, doch endlich als historische Altersmilde anzuerkennen. - Integriert, assimiliert, aufgesogen und als "Guiri del turno" also Quotenausländer wieder rausgelassen. - Warum auch nicht, permanent aufrechter Gang verursacht in unserer Generation meist "Rücken" und ich kann es mir alleine zeitlich schon gar nicht mehr leisten, noch mehr medizinische Kunstrichtungen bemühen zu müssen. - Ich frage mich halt nach so vielen Jahrzehnten, wollen wir nicht, wollen wir nicht können, oder wissen wir, dass wir nicht können sollten und die ganze Weigerungshalten gegenüber Fortschritt unterliegt einem höheren Plan. - Reizvoll eigentlich daran zu glauben, wenn schon sonst nichts Höheres mein limbisches System überwinden kann und wohl schließt sich hier der Kreis hin zu Voltaire oder Leibnitz, es ist sicher die beste aller Welten. - Ganz sicher und wer daran zweifelt, der baue sich seine wohltemperierte Welt doch bitte selbst.

Sicher nicht, weil sie Candide gelesen haben, sondern eher frühabendliche Auswanderungsunterhaltung in den Prekariatsendern der privaten Szene genossen, kommen auch weiter viele Mitteleuropäer zu uns. Ich meine jetzt nicht diejenigen, welche eine wunderbare Zeit auf einer wundersamen Insel im touristischen Sinn verbringen wollen, sondern die Flüchtlinge, meist mitteleuropäischen Ursprungs, welche kommen, um hier zu leben. - Also die das tun, was wir auch getan haben und daran ist ganz sicher nichts auszusetzen, eher im Gegenteil, unterstützt das doch grundsätzlich die eigene These vom hiesigen da sein. - Also nicht das Dasein im Sinn von Sein oder nicht, sondern hier und heut und ganz lokal. - Und auch hier spiegelt die Zeit die Kommenden, aber auch Gehenden wider, und wie gelingt mir nun der Schritt, meine Eindrücke ohne den Makel der Mehrdeutigkeit zu zeigen. - La Palma hat immer schon Wandervögel angelockt, manchmal komische, manchmal lustige Vögel und sicherlich ziehen andere Leute eher ins Zillertal, als auf eine kleine Insel im Atlantik, deren Aufgabe eigentlich nur daraus zu bestehen scheint, den Passat auf seinem Weg in den Westen ordentlich zu ärgern. - Alles ist schneller geworden, auch scheint das auf die Rotationsgeschwindigkeit hinzudeuten, in welcher sich die parallele Welt derer mit Migrationshintergrund erneuert. - Und wenn wir davon ausgehen, das fast alle immer durch ihr Können und Wirken das Heil und umfassendes Wissen mit auf die Insel bringen, zumindest lauten die Vorhaben meist so, dann ist der Zugewinn für unsere Inselvolkswirtschaft sicherlich als enorm einzuschätzen.

Manchmal allerdings begreife ich nicht wirklich diese schnellere Welt, obwohl es natürlich schon reizvoll sein kann, dass es inzwischen auch digitale Esoterik gibt, man also Heiler und Gurus nicht mal mehr bis in den Norden der Insel verfolgen muss, sondern sich per Mausklick die Chakren glattbügeln lassen kann. - Oft pfiffig verknüpft mit dem allgemein wie speziell durchaus anerkannten akademischen Grad vom Coaching, was immer das auch sein mag. - Vielleicht wollen wir das auch so einfach haben, maximal drei Sätze, oder drei Sinnformeln, natürlich geteilt, bloß nichts Eigenes, dann kurz per Mausklick noch über Verfassungen abgestimmt oder Empörung ausgedrückt und schon hat man sein tägliches Weltwerk an Gutem vollbracht. - Warum das auch hier stattfinden muss, auf dem Inselchen, also La Palma als 3D-Browser mit Vibrationsalarm und in Eigenschämoptik, ich weiß es nicht. - Aber man braucht halt Bauern, als Bauernfänger, und das scheint sich über die Jahrtausende nicht geändert zu haben, in jeder Gesellschaft und überall ist die Zahl der Plätze, an denen ein Depp über die Straße geht, genau so hoch, wie die Zahl der Ecken, an denen die Schlepper auf den Deppen lauern. - Früher war eben nicht alles besser, sondern nur alles anders, und ein kleiner Tipp, unter uns, müssen Sie auch nicht unbedingt weitererzählen. Sollten Sie mal krank werden, dann gehen Sie bitte zum Arzt, nicht zum Coach, auch nicht auf die Couch, und schon gar nicht zu Dr. Google. - Und sollten Sie sich sonst nicht wohlfühlen, oft reicht ein Spaziergang im Wald, ein Vega Norte, und wenn das auch noch nicht hilft, schmeißen Sie den Alten Sack einfach raus. Aber das wissen Sie doch alles schon lange selber und wer für gute Ratschläge gutes Geld bezahlt, der ist ein guter gefangener Bauer. - Überhaupt, machen Sie Ihren eigenen Mist und hören nicht so sehr auf andere, und schon gar nicht auf mich! - In diesem Sinne, bis mir mal irgendwann wieder so ist.




Die seismischen Ereignisse der letzten 90 Tage laut Instituto Geográfico Nacional lassen doch deutlich erkennen, wo die magmatische Musik spielt.




Einfach nur so





Montag 16.10.2017 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 40 % - Luftdruck 1022 hPa
Höchsttemperatur heute 27,2 Grad - niedrigste Temperatur 22,5 Grad

Keine Veränderungen, keine Nachrichten
Keine Beben seit nunmehr 60 Stunden


Bis nun die Veröffentlichungen der chemischen Proben kommen, welche am Wochenende so zahlreich gewonnen wurden oder neue Schwarmbeben das anzeigen, setze ich die Berichterstattung über die Vorkommnisse hier wieder aus. - Um sich die Zeit bis zu den nächsten Rumms zu vertreiben, wenn dieser denn überhaupt kommt, können Sie ja das Tagebuch des San Juan nachlesen. - Carlo beschreibt als Zeitzeuge die Tage aus seiner Jugend im Juli 1949 und lässt uns dabei auch spüren, wie solch ein Ausbruch denn hier von sich gehen kann.






Sonntag 15.10.2017 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 33 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1022 hPa
Höchsttemperatur heute 33,0 Grad - niedrigste Temperatur 24,8 Grad

An die Heilige Barbara erinnern wir uns erst, wenn es donnert
Keine Beben seit nunmehr 36 Stunden


Die zweite Runde Schwarmbeben ist gestern (14.10.) gegen 04:17 zu Ende gegangen und erneut waren die Magnituden so niedrig, dass wir keines der rund 40 Beben bemerkt haben. - Ob, wann und wie die dritte Runde losgeht, das weiß niemand, aber alle sind äußerst gespannt, und wie bereits mehrfach beschrieben, wir haben inzwischen so viel technisches Material hier auf der Insel und Wissenschaftler frei rumlaufen, dass es geradezu schade wäre, sollte das schon alles gewesen sein. - Man kann nach diesen beiden Episoden auch unmöglich bereits Schlüsse ziehen, also abwarten, Seismographen gucken und nicht der Sensationspresse auf den Leim gehen, sondern sich informierten.

Hier kommt nun auch die Barbara ins Spiel, diese Dame aus der Heiligen Clique dient einer ganzen Reihe an Bevölkerungsgruppen als Patronin und Schutzbedienstete, unter anderen den Feuerwehren, Bergleuten und damit irgendwie auch den Geologen. - Der Spruch mit dem Donner und der Erinnerung, den kenne ich nur aus Spanien, Fulanito hätte gesagt: "Nadie se acuerda de Santa Bárbara hasta que no truena". - In der Überschrift steht die Bedeutung des Spruches dem Sinn nach und es gibt halt immer im Leben die Momente, in denen man sich vorbetet, Mensch, hätte ich nur damals aufgepasst, als man mir das zeigen wollte. - Somit ist die Barbara eigentlich ein omnipräsente Dame, denn selbst wenn man Geschichte eigentlich nachlesen kann, gibt es in Europa, und jetzt auch wieder in Österreich fatale Tendenzen, welche man eigentlich besser wissen müsste, hätte man nur die angebotene Information besser genutzt.

Der Kreis zu den momentanen Vorgängen unter der Insel und der Barbara schließt sich jetzt bei ein bisschen verärgerten Geologen, denn nun werden die von allen Seiten angegangen, was sollen wir denn tun, wenn tatsächlich das Unaussprechliche ausgesprochen und gebrochen wird. - Unaussprechliche, das sind eigentlich Männerunterhosen, lang, grau, gerippt, mit schnodderigem Eingriff, aber in der Tat, bei vielen hier auf den Kanaren gibt es ein Denkverbot in Sachen Vulkan, obwohl man auf einem solchen lebt, gebiert, gebaut und geliebt hat. - Und es hoffentlich immer noch tut. - Die meisten winken ab, aber keiner weiß, was er denn eigentlich tun sollte und seit Jahren schon, sogar seit Jahrzehnten, ich bin sogar Zeuge dessen, versuchen Wissenschaftler rund um die Kunst mit dem Hämmerchen zu schwingen dem Publikum beizubringen, was man denn tun sollte, falls der Vulkan genau das tut, wozu er da ist, nämlich neues Land und Leben schaffen. - Die "Involcan" bietet dazu seit Jahren Vortragsreihen an, tingelt über die Inseln und hält unter dem Namen "Canarias: Una ventana volcánica en el Atlántico" - Kanarische Inseln, ein vulkanisches Fenster im Atlantik eben durchaus interessante Beiträge. - Dabei geht es auch um den Schutz ziviler Einrichtungen, aber nur eine Handvoll Leute kommt immer zu diesen Vorträgen, meist lokale Politiker, welche noch ein passendes Pressefoto brauchen, ansonsten ist das Interesse äußerst schmal.

Dabei wäre das gar nicht verkehrt, sich überhaupt Gedanken dazu zu machen, wobei sich ja die Ausbrüche hier auf der Insel in den letzten Jahrzehnten und Hunderten eher zu einem lokalen Volksfest gewandelt haben, nachdem der erste Schock verflogen war. - Damals hatten die es ja auch besser, kein Twitter, keine britischen Zeitungen, keine Spontanspezialisten bei Facebook, welche bereits Szenarien durchs Netz jagen, die nun wirklich keine Grundlage haben, aber dennoch gekalbt werden. - Wir wissen auch viel zu viel, registrieren Beben Dank der Geräte, welche unser Hintern, aber auch unsere Katzen gar nicht spüren und wer weiß denn, ob das nicht alles einfach wieder in Alltag übergeht und wir nur was davon mitbekommen haben, weil die Wissenschaft und die Netzwelt derart präsent sind. - Kommt halt drauf an, wie die Barbara drauf ist, und man sollte den wissenschaftlichen Gruppen, aber auch den politischen Garden dankbar sein, dass man einen ausgereiften Plan bereithält, welcher uns allen bei Vulkandonner dienen soll. - Das ist der so genannte "Pevolca" (Plan Especial de Protección Civil por Riesgo Volcánico de la Comunidad Autónoma de Canarias) und das ist wirklich ein mächtiges Machwerk, als schnelle Lektüre oder Handbuch allerdings ein bisschen zu gewaltig. - Hoffentlich haben das wenigstens die vom Zivilschutz gelesen, die wären nämlich die wichtigen Leute, allerdings fürchte ich mal, da überfordert mit 342 Seiten A4 der gute Wille mal wieder die guten Leute. - Aber Sinn macht das dennoch, alle Seiten ausdrucken, heften, dann über den Kopf halten, da hat kein Vulkan eine Chance…




Seit 04:27 am 14.10.2017 ist wieder mal Sendepause
Grafik vom IGN




Aus der Familie Olzem nun eine Fleißarbeit, die Beben seit 8.10.2017 unter der Insel in 3D.
Vielen Dank!





Samstag 14.10.2017 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 30 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 5 % - Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 30,6 Grad - niedrigste Temperatur 24,0 Grad

Weitere Schwarmbeben rücken uns erneut in den Focus der Aufmerksamkeit
Gleiche Stelle, etwas schwächer, etwas höher


Schreibrente wieder abgesagt für mich, eine neue Episode an Beben unter der Cumbre Vieja lässt uns wieder aufhorchen. - Die Epizentren liegt fast exakt dort, wo auch der erste Schwarm sein Rumpeln hinterlassen hat, Raum westliche Cumbre Vieja, südlich Jedey, nördlich Los Canarios. - Die Beben waren insgesamt etwas schwächer, der einzige Rumms über 2,0 kommt gerade mal auf 2,1 aber die Beben liegen im Schnitt etwa 5 Kilometer höher als die Beben am 8. und 9. Oktober dieses Jahres. - Jetzt sind es rund 20 Kilometer Tiefe, nicht mehr deren 25 Kilometer. - Seit 04:17 herrscht erneut Ruhe unter der Insel und erneut hat man auf der Insel keines der Beben wahrnehmen können.

Auf jeden Fall wissen wir jetzt, mit einem Durchgang ist die Sache noch nicht erledigt und nun erwarten wir natürlich weitere Entladungen in den kommenden Tagen und Wochen. - Ob man nun aus den höher liegenden Hypozentren aber gleich aufsteigende Magma konstruieren will, das ist sehr umstritten, auch könnte man meinen, dass man nun durch die Verdopplung an seismischen Stationen viel genauer die Herkunft der Beben ermitteln kann. - Von den Gasanalysen, welche gerade genommen werden haben wir nichts weiter gehört, allerdings geistern Tabellen durchs geologische "Greynet", welche Bodendeformationen aus dem Süden der Inseln aufweisen sollen und zwar 3 bis 5 Zentimeter in einer Messstation im Süden, und das bereits kurz vor dem ersten Schwarmbeben. - Das Instituto Geográfico Nacional allerdings dementiert diese Aussagen und will keine Bodendeformationen entdeckt haben, wird jedoch kommende Woche eine weitere GPS-Station und zwei Neigungsmesser installieren.

Das Geografische Institut dient inzwischen mit weiteren Informationsseiten dem steigenden täglichen Bedarf an Information über die Vorkommnisse unter La Palma und bringt jetzt auch die ersten Grafiken außerhalb der ständigen Reihe. - So zeigt man mit den Balkendiagrammen auch sehr gut auf, dass der Schwarm an Beben gestern und heute Nacht deutlich geringer in der Anzahl war als die Startversion letztes Wochenende. - Auch bringt man ein Hörspiel (viele unter den Lesern werden gar nicht mehr wissen, was das ist) des Bebens um 20:54 Uhr und wir verfolgen dieses Beben auch weiter auf den Grafiken des IGN, weil es eines der wenigen ist, welche selbst wir interessierte Amateure erkennen können. - Weiter gilt, keine Aufregung, so lange die Beben so zart, so tief und so unregelmäßig kommen, muss niemand seine Tasche packen. - Nachfolgend die professionelle Sicht der Dinge wieder aus der Feder von Rainer Olzem und Timm Reisinger, Zukünftige Entwicklung La Palmas und der Kanaren.




Zum Hörspiel, 20:54 findet man den Urheber des Magma-Rap




Wir sprachen doch mal von Frequenzen... Das gleiche Ereignis aus anderer Sicht




Die vier neuen seismischen Stationen, das Hörspiel stammt von PLPI





Die Häufung der Beben seit letzter Woche



Zukünftige Entwicklung La Palmas und der Kanaren
Von Rainer Olzem und Timm Reisinger


Während der letzten fünf Jahrhunderte gab es auf La Palma sieben Vulkanausbrüche. Dabei lagen die zeitlichen Intervalle zwischen den einzelnen Ereignissen bei 22 bis 237 Jahren. Nur 22 Jahre vergingen zwischen den beiden jüngsten Eruptionen, der San Juan-Eruption von 1949 und dem Ausbruch des Teneguía im Jahre 1971, während das längste Intervall zwischen dem Ausbruch des El Charco 1712 und der 1949er San Juan-Eruption 237 Jahre betrug. In etwa der gleichen Zeitspanne von rund 500 Jahren ereigneten sich auf den Nachbarinseln Tenerife sechs und auf Lanzarote zwei Eruptionen.




Historisches Foto der Teneguía-Eruption von 1971 (von der Website: Museos de Tenerife - Centro de Documentation de Canarias y America - www.museosdetenerife.org)




Der allerjüngste Vulkanausbruch auf den Kanaren fand sogar erst vor wenigen Jahren statt, nämlich die Eruption eines submarinen Vulkans südlich von El Hierro. Im Juli 2011 begann auf El Hierro eine Serie von Erdbeben, wobei der Bebenherd zunächst unter dem Vulkankegel des Tanganasoga südwestlich von La Frontera im El Golfo-Tal lag. In den folgenden drei Monaten bebte die Erde mehr als 8.500-mal, einige Beben erreichten eine Magnitude größer 3 auf der Richter-Skale. Ende September 2011 verlagerte sich dann die seismische Aktivität an die Südspitze der Insel, wo am 10. Oktober vulkanischer Tremor einsetzte und sich später ein Förderschlot am Meeresboden 5 bis 6 km vor der Küste in 1.000 m Tiefe öffnete. Am 12. Oktober öffneten sich zwei weitere Schlote in einer Entfernung von 3,7 km und 2,7 km vor der Küste in Wassertiefen von 750 m und 500 m. Diese Ereignisse führten schließlich zu einem neuen Seamount südlich El Hierro.




Teneguía 2015: Auch heute noch treten heiße Gase aus dem Rand des Hauptkraters aus




Da stellt sich die Frage, wann und wo die nächste Eruption auf La Palma und auf den Kanaren stattfinden wird. Wird ein alter oder ein neuer Vulkan auf einer der Inseln ausbrechen oder ein neuer Vulkan auf dem Meeresgrund entstehen, der in nächster Zeit die Fläche einer der Insel vergrößert oder in ferner Zukunft gar eine neue Insel erschafft? Vielleicht wird sich in nächster Zeit El Hierro an seiner Südspitze flächenmäßig vergrößern, möglicherweise bildet der Seamount in ferner Zukunft aber auch das Fundament einer weiteren Insel des kanarischen Archipels.

Jede Insel mit prähistorischen oder historischen Eruptionen ist ein potenzieller Kandidat für zukünftige Ausbrüche, eine Eruption wird in einem absehbaren Zeitraum von Jahren bis Jahrhunderten auf einer der Inseln stattfinden. Für La Gomera ist die Wahrscheinlichkeit allerdings eher gering, da sich die jüngsten Eruptionen bereits vor etwa 2,8 Millionen Jahren ereigneten. Die größte Wahrscheinlichkeit eines neuen Vulkanausbruchs gibt es jedoch im Westen und Südwesten des Kanarischen Archipels bei La Palma und El Hierro, denn dort liegt vermutlich der mehr oder weniger ortsfeste Hotspot, über den der Ozeanboden - die ozeanische Afrikanische Platte - nach Osten driftet.




Heftige Ausgasung des Unterwasser-Vulkans vor El Hierro (vistaalmar.es)




"Eruptionen können auf den Kanarischen Inseln nicht vorhergesagt werden", so die klare Antwort von Professor Juan Carlos Carracedo von der Universidad de Las Palmas de Gran Canaria: "Am nützlichsten ist hier die Untersuchung der seismischen Aktivität, die einem Ausbruch vorangeht."

Die Untersuchung der seismischen Aktivität

Für die Vorhersage von Vulkanausbrüchen stehen generell fünf Überwachungsmethoden zur Verfügung, die je nach Vulkan-Charakteristik in unterschiedlicher Kombination eingesetzt werden: die Aufzeichnung seismischer Aktivität, die geodätische Überwachung der Topographie, die Messung gravimetrischer und magnetometrischer Veränderungen, die Erfassung von oberflächennahen Temperaturerhöhungen und die chemische Analyse aufsteigender vulkanischer Gase. Bis auf die Aufzeichnung der seismischen Aktivität sind die meisten dieser Techniken auf ozeanischen Vulkaninseln nur sehr begrenzt anwendbar.

Für die Überwachung der Seismischen Aktivität wird, um Tiefe und Herd vulkanischer Beben zu ermitteln, in der Regel ein Netz von äußerst empfindlichen Seismometern rund um den Vulkan eingerichtet. Ein Eruptionsprozess wird zunächst vom Aufstieg des Magmas eingeleitet. Wenn das Magma auf vorgezeichneten oder neuen Bruchlinien, Spalten oder Rissen zur Erdoberfläche emporsteigt, entstehen durch Spannungen im Umgebungsgestein und durch Entgasungsprozesse des Magmas charakteristische seismische Signale. Gestein zerbricht dabei und Risse beginnen zu vibrieren. Die Zerstörung von Gestein löst Erdbeben mit hoher Frequenz aus, die Bewegung der Risse dagegen führt zu niedrigfrequenten Beben, dem so genannten Tremor.




Ein moderner Seismograph (physicalthescience.blogspot.com)




Gerade die schwachen Erdbeben, die eine Stärke von weniger als 1 auf der Richter-Skala haben, sind häufig Anzeichen dafür, dass ein Vulkan aktiv wird. Mit Hilfe moderner Technik werden Veränderungen der seismischen Aktivität heute in Echtzeit ermittelt. Strukturen und Vorgänge unter der Erdoberfläche können damit unmittelbar und exakt dargestellt und analysiert werden.

Sowohl die CSIC (Consejo Superior de Investigaciones Científicas) als auch das IGN (Instituto Geográfico Nacional) unterhalten auf den Kanarischen Inseln ein Netzwerk von Messstationen zur Überwachung insbesondere der seismischen Aktivität. Diese seismischen Aktivitäten können schon Jahre vor einem Ausbruch stattfinden, bis sie mit zunehmender Aktivität auch von der Inselbevölkerung wahrgenommen werden. Aufgrund der Position der Kanaren auf einer relativ stabilen ozeanischen Platte, weit weg von seismisch aktiven Rift- und Subduktionszonen, ist die Seismizität auf den Inseln ohnehin gering. Kleinere Beben mit Magnituden auf der Richter-Skala kleiner 3 sind jedoch häufig, insbesondere im Bereich der untermeerischen Inselflanken. Diese Beben werden nicht - wie 90% aller Erdbeben auf unserem Planeten - durch plattentektonische Prozesse, sondern ausschließlich durch Magma-Intrusionen und durch vulkanische Aktivitäten verursacht. Nur etwa 3% aller Erdbeben weltweit sind vulkanischen Ursprungs.

Der Teneguía-Eruption 1971 gingen heftige Erdbeben voraus, die nicht nur die Bewohner von Fuencaliente in Angst und Schrecken versetzten und nicht mehr ruhig schlafen ließen, sondern auch die Menschen bis hinauf nach Los Llanos beunruhigten. In Fuencaliente wurden 2.500 Einwohner evakuiert und wohnten vorübergehend in Schulen, in Los Llanos übernachteten die Menschen aus Angst vor einstürzenden Häusern im Freien. Erst mit dem Ausbruch des Vulkans am 26. Oktober 1971 ließen die Erdbeben nach.

Das La Plama 24-Journal berichtete über den Zeitraum der Eruption, als die Angst vor den Erdbeben nachließ: "Von nun an war von Angst keine Rede mehr - die rund drei Wochen dauernde Geburt des Teneguía artete zu einem regelrechten Volksfest aus. Tausende stürmten die Montaña de Las Tablas, von wo das glutvolle Naturschauspiel aus sicherer Entfernung beobachtet, fotografiert und gefilmt werden konnte. Sonntags packten die Palmeros Kinder und Proviant ein - und ab ging´s zum Vulkangucken. Fechu, damals sechs Jahre alt, erinnert sich: "Alle haben sich dort getroffen und Picknick gemacht." Und mehr als das. Die Eruption des Teneguía feuerte zudem den 1971 noch in den Kinderschuhen steckenden Tourismus an. Die kleine, bis dahin nahezu unbekannte "Isla Bonita" rückte in den Focus von Millionen Fernsehzuschauern, und Reisebüros offerierten sofort Sonderangebote für Vulkan-Fans."

Niemand kann zurzeit sagen, wann es erneut zu solchen Schlagzeilen in den Nachrichten kommen wird.




Der Teneguía-Ausbruch von 1971 war ein gesellschaftliches und touristisches Großereignis, das La Palma erst als Urlaubsinsel bekannt machte (historisches Foto)





Freitag 13.10.2017 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 32 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 10 % - Luftdruck 1021 hPa
Höchsttemperatur heute 32,1 Grad - niedrigste Temperatur 21,9 Grad

Fast möchte man zur Tagesunordnung zurück
Nach drei Tagen, ein schwaches Beben um 14:30 Uhr


Manch einer wird sich fragen, warum machen wir hier eigentlich die Pferde scheu. - Ein paar kleine Beben, die kein Mensch spürt, und schon schicken die Heerscharen an Wissenschaftlern auf die Insel und tun so, als wären wir der plötzliche Mittelpunkt der seismischen Verzückung. - Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen. - In der Tat, diese Beben sind in einer vulkanisch aktiven Zone normal und üblich, und auch sehr schwach und zu tief um irgendjemand mit auch nur einem geringen Vorwissen zu beunruhigen. - Das außergewöhnlich aber daran ist, dass es eben hier unter der Insel 40 Jahre keine solche seismische Episode gegeben hat. - Eben weil es bei uns schon anormal ruhig war, ist diese, für vulkanisch aktive Zonen normale Aktivität neu, und darum der ganze Aufwand mit der nun stärkeren Überwachung und dem Medienecho.

Wenn wir nun die jetzigen Vorgänge unter La Palma mit denen unter El Hierro aus dem Jahr 2011 vergleichen, dann wird schnell klar, dass wir es hier bislang mit einem viel geringeren Ausmaß an Aktivität zu tun haben. - Von Juli 2011 bis Oktober steigerten sich unter der Nachbarinsel die Beben auf 50 bis 100 pro Tag, von denen bis zu einem Drittel auch über dem Wert von 2,0 lagen. - Das ist heute und hier anders, auch wenn wir nach ein paar Tagen noch kein Resümee ziehen dürfen, tippen die allermeisten Beobachter doch auf einen anderen Verlauf, eben auf eine horizontale Verschiebung von Magma dort unter der 20 Kilometer Marke. Und das nicht nur hier unter La Palma, sondern auch unter Tenerife und der Meerenge zwischen Tenerife und Gran Canaria, wo es auch seit Monaten bereits eine erhöhte Anzahl von Beben gegeben hat. - Am kommenden Montag hieß es, will man uns dann die Ergebnisse der Reihenuntersuchungen der mehreren Tausend "Schnüffelproben" geben, welche fleißige Wanderer mit lustigen Rücksäcken momentan auf der Insel sammeln. - Rainer Olzem und Timm Reisinger haben auch nun wieder Profikost für uns und erklären uns heute Grundlegendes um die Überwachung von Vulkanen, selbstverständlich immer im Bezug zu unserem Inselchen La Palma.


Der heutige Artikel von Rainer Olzem und Timm Reisinger lautet:

Die Überwachung von Vulkanen - Vorhersage von Vulkanausbrüchen


Vulkanausbrüche mit katastrophalen Folgen sind, statistisch gesehen, sehr selten. In ihrer Häufigkeit liegen sie zusammen mit Erdbeben nur auf Platz 5 der Hitliste der Naturkatastrophen, die häufigsten sind Waldbrände, Überschwemmungen, Seestürme und Heuschreckenplagen.

Für die Überwachung von Vulkanen stehen generell fünf Methoden zur Verfügung, die je nach Vulkan-Charakteristik in unterschiedlicher Kombination eingesetzt werden:

* die Aufzeichnung seismischer Aktivität,
* die geodätische Überwachung der Topographie,
* die Messung gravimetrischer und magnetometrischer Veränderungen,
* die Erfassung von oberflächennahen Temperaturerhöhungen und
* die chemische Analyse aufsteigender vulkanischer Gase.



Aufzeichnung seismischer Aktivität



Die Stationen zur Vulkanüberwachung auf La Palma (IGN)



Ein Eruptionsprozess wird zunächst vom Aufstieg des Magmas eingeleitet. Wenn das Magma auf vorgezeichneten oder neuen Bruchlinien, Spalten oder Rissen zur Erdoberfläche emporsteigt, entstehen durch Spannungen im Umgebungsgestein und durch Entgasungsprozesse des Magmas charakteristische seismische Signale. Gestein zerbricht dabei und Risse beginnen zu vibrieren. Die Zerstörung von Gestein löst Erdbeben mit hoher Frequenz aus, das sind die vulkanotektonischen Beben, die Bewegung der Risse dagegen führt zu niedrig frequenten Beben, dem so genannten Tremor.

Um Tiefe und Herd der vulkanischen Beben zu ermitteln, wird in der Regel ein Netz von äußerst empfindlichen Seismometern rund um den Vulkan eingerichtet. Denn gerade die schwachen Erdbeben, die eine Stärke von weniger als 1 haben, sind häufig Anzeichen dafür, dass ein Vulkan aktiv wird. Über ein automatisches Übertragungssystem werden die Daten direkt zum vulkanologischen Institut weitergeleitet. Mit Hilfe moderner Technik werden Veränderungen der seismischen Aktivität heute in Echtzeit ermittelt. Strukturen und Vorgänge unter der Erdoberfläche können damit unmittelbar und exakt dargestellt und analysiert werden.

Geodätische Überwachung

Dringt Magma aus der Tiefe nach oben, so können in bestimmten Bereichen des Vulkans Deformationen der Erdoberfläche in Form von Aufbeulungen, Absenkungen, Neigungen, Buckeln und Rissen entstehen. Diese Deformationen können mit meist in Bohrlöchern des Gesteins fest installierten Neigungsmessern (Klinometern) und Dehnungsmessern (Extensiometern) vor Ort gemessen werden. Diese Phänomene können aber auch schon mit einfachen Mitteln wie zum Beispiel mit einem Bandmaß oder durch aufgesprühte Linien erkannt werden.

Anfang August 1982 hatten Geologen im Kraterboden des Mount St. Helens in den USA viele schmale Bodenrisse entdeckt und sie mit Farblinien markiert. Zwei Tage später bereits waren die Linien deutlich gekrümmt, was eine Veränderung der Risse durch aufsteigendes Magma anzeigte. Wenige Tage später kam es zu einer heftigen Eruption des Vulkans. Im Oktober 2004 wurde am Mount St. Helens eine Aufbeulung einer Vulkanflanke von mehr als 100 m beobachtet, die auch mit bloßem Auge sichtbar war.

Eine komplexere und exaktere Methode zur Erfassung morphologischer Veränderungen ist zum Beispiel die Messung horizontaler Entfernungen mit Electronic-Distance-Meters (EDM). Ein EDM kann elektromagnetische Signale senden und empfangen. Die Wellenphase verschiebt sich dabei in Abhängigkeit von der Entfernung zwischen EDM und reflektierendem Objekt und gibt damit das Ausmaß der entstandenen Verschiebung an. EDMs haben Reichweiten bis zu 50 km und hohe Messgenauigkeiten von wenigen Millimetern. Oberflächenveränderungen vor allem größerer Gebiete und abgelegener Vulkane werden mit Hilfe von satellitengestützten geodätischen Messverfahren beobachtet.

Da sich in Folge von Deformationen des Geländes auch Grundwasser- und Oberflächenwasserstände relativ zu einander verändern können, werden oft Grundwassermessstellen eingerichtet und in gewässernahen Gebieten Fluss- und Seewasserpegel installiert.




Vulkanische Messstation



Messung gravimetrischer und magnetometrischer Veränderungen

Dringen heiße Gesteinsschmelzen in oberflächennahe Erdschichten, so werden lokale Veränderungen im Schwerefeld beobachtet. Diese örtlichen Veränderungen werden durch Dichteunterschiede zwischen Magma und Umgebungsgestein verursacht. Solche so genannten mikrogravimetrischen Anomalien lassen sich mit Hilfe von hoch empfindlichen Gravimetern entdecken, die an aktiven Vulkanen zum Einsatz kommen. Beim Magma-Aufstieg können auch lokale Änderungen des Magnetfeldes registriert werden, die durch thermische Einwirkungen verursacht werden.

Erfassung von Temperaturerhöhungen

Der Aufstieg des etwa 1.200°C heißen Magmas aus einer Magmakammer oder direkt aus dem oberen Erdmantel geht in erster Linie mit einer lokalen Temperaturerhöhung des Nebengesteins einher. Mit Hilfe ortsfester Stationen zur Temperaturmessung und durch Infrarot-Aufnahmen von Satelliten aus können solche thermischen Aufheizungen festgestellt werden, die durch oberflächennahe Stauung aufgestiegener Schmelzen entstehen.

Analyse aufsteigender Gase

Eruptive Gase sind die Haupttriebkraft der vulkanischen Aktivität. Änderungen ihrer Menge, ihrer Temperatur und ihrer chemischen Zusammensetzung sind für die Vorhersage eines Vulkanausbruchs von grundlegender Bedeutung. Generell sind die Schwankungen im Chemismus der Gase umso höher, desto heißer die Gase sind und desto reger die vulkanische Aktivität ist. Bei hohem Gasausstoß lässt sich die Konzentration gewisser Gase mit Hilfe ihres Absorptionsspektrums im sichtbaren Licht auch durch Fernerkundung bestimmen.

Die geochemische Überwachung erstreckt sich auch auf die Beobachtung von Grundwasser und von Quellen. Denn unterirdisches Wasser wird oft von vulkanischen Gasen kontaminiert, die dem Magma entweichen und sich im Boden ausbreiten.




Gasfluss-Messgerät des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung, Kiel, zur Messung der Schwefel-Dioxid-Konzentration in vulkanischen Gasen



Trotz der Vielzahl der Frühwarnsysteme und vieler neuer Erkenntnisse auf diesem Gebiet wird sich bei Vulkanausbrüchen eine gewisse Unberechenbarkeit nie ausschalten lassen. Parallel zur Vorhersage gefährlicher Eruptionen sind Schutzmaßnahmen, Risiko- und Handlungspläne, Aufklärung der betroffenen Bevölkerung und gesetzliche Regelungen für den Ernstfall notwendig.



Donnerstag 12.10.2017 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 40 % - Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 25,0 Grad - niedrigste Temperatur 18,6 Grad

Unter allen Wipfeln ist Ruh
Aber jeder Furz wird analysiert


Zu keiner Zeit bestand Gefahr für die Bevölkerung… Kennt man ja und leider hat eben die inflationäre Nutzung von verbalen Beruhigungskanons dazu geführt, dass immer mehr Leute den Aluhut greifbar nah an der Garderobe haben. - Die seismische Aktivität unter der Insel ist seit gestern Früh komplett eingeschlafen und so neigen wir eben dazu, die ganze Geschichte bereits als normale Episode einer Vulkaninsel abzutun. - Sieht wohl so aus, aber wir haben doch bereits gelernt, dass auch solche Pausen nicht unbedingt auf ein Episodenende hinweisen müssen, manchmal sogar als Cliffhanger dienen. - Wir haben uns es alle viel zu schnell aufgeregt, wegen der paar Minibeben unter der Insel solch einen Aufstand zu machen, das scheint wenig professionell. - Das ist die eine Seite der Ansicht, allerdings ist das Unnormale in dieser Normalität, dass eben gerade unter unserer Insel die letzten 40 Jahre alles komplett ruhig war, nicht mal solche Minibeben auftauchten. - So das Fazit über das, eigentlich viel zu große Echo für solch magere Beben, wenn ein Stummer einen Piep von sich gibt, dann wundern sich alle, wenn ein Plappermaul aber mal den Mund hält, dann bekommt das niemand mit.

Was unter der Insel stattfindet, darüber sind sich eigentlich auch alle einig, Magma ist auf dem Weg von irgendwo nach nirgendwo und bahnt sich dabei seinen Weg durch die Kavernen unter der Insel und begeht dabei diese seismische Ruhestörung. - So auch das Ergebnis des ersten Treffen unter den Regeln des "Pevolca", damit des Plans, wie man denn gegenüber vulkanischer Aktivität hier auf den Inseln zu reagieren hat. - Also völlig normal, das häufigste Wort im Antwortkatalog auf Fragen um die seismischen Aktivitäten, und so tief, so gering und ohne Anzeichen von aufsteigender Magma, dass man es eigentlich bereut, überhaupt aufgestanden zu sein. - Aber an der Geschäftigkeit der betroffenen Institute bemerkt man auch nicht nur deren Professionalität, welche seit Tenerife 2004 und El Hierro 2011 extrem zugenommen hat, sondern eben auch das Interesse, warum die alten Wipfel da plötzlich rülpsen und furzen.

Um die Furze kümmert man sich auch ganz besonders, man hofft nämlich durch die Ausgasungen über die Oberfläche besser verstehen zu können, was es um den Magmafluss da unter unseren Füßen auf sich hat. - An der Zusammensetzung und der Dichte der Gase meint man mehr über das Vorhaben des Magmastroms herauszubekommen, als über die seismischen Daten alleine und dazu hat man angefangen, Tausende an Proben zu sammeln, und das an der gesamten Cumbre Vieja. - Dazu schickt man geländegängige Mitarbeiter mit Schnüffelgeräten los, die leicht auf dem Rücken zu tragen sind, und nach einem bestimmten Raster auf der Karte drückt man den Schnorchel auf die Erde und das Gerät saugt die Gase ein und analysiert diese. - Bis man dann zu einem Ergebnis kommt, wird es Montag, also alles schön parallel zu den seismischen Aktivitäten im "Parlament" von Barcelona, nur wird man seitens des Nationalen Geographischen Institutes auf ein Ultimatum der Cumbre Vieja verzichten. - Nachfolgend bekommen wir eine Lehrstunde aus professioneller Feder, welche uns ausführlicher über das Phänomen der vulkanischen Beben der Kanaren informiert.



Nachfolgend ein aktueller Beitrag von Rainer Olzem und Timm Reisinger

Die Erbeben unter La Palma


Welche Ursache haben nun die vielen kleinen Erdbeben unter La Palma? Sind es tektonische Beben, sind es Einsturzbeben oder vulkanische Beben? Dazu muss man zunächst verstehen, wie die Kanaren und wie La Palma entstanden sind.

Betrachtet man die Lage der einzelnen Inseln der Kanaren zueinander und deren unterschiedliches Alter, so fällt auf, dass die Inseln zunächst einen von Nordosten nach Südwesten und danach einen von Ost nach West verlaufenden Inselbogen bilden. Nach Nordosten setzt sich der Inselbogen mit den untermeerischen Erhebungen Dacia, Conception Bank, Anika und Lars fort. Auch südwestlich von El Hierro liegt eine Kette von Seamounts auf dem Ozeanboden: El Hierro-, Endeavour-, Paps- und Tropic-Seamount.

Weiterhin fällt auf, dass das Alter der Seamounts und Inseln von Nordosten nach Südwesten abnimmt, so ist der älteste Seamount Lars vor 68 Millionen Jahren (Ma) entstanden, Anika vor 55 Ma, Dacia vor 47 Ma, Selvagens vor 30 Ma, Lanzarote und Fuerteventura vor 24 Ma, Gran Canaria vor 15 Ma, Tenerife vor 12 Ma und die jüngsten Inseln La Palma und El Hierro schließlich vor 2 bzw. 1 Ma.




Bathymetrische Karte der Kanaren und von Madeira mit den Inseln und zugehörigen Seamounts. Die fetten Linien markieren die Spur der Hotspots (Hoernle & Carracedo, 2008)




Dieser Abfolge im Alter der Inseln folgt auch der Grad der Erosion. Während die nordöstlichen Seamounts alte, bereits wieder bis unter die Meeresoberfläche erodierte ehemalige Vulkaninseln darstellen und die östlichen Inseln Lanzarote und Fuerteventura nur noch relativ flache Erhebungen über dem Meeresspiegel sind, weisen die jungen westlichen Inseln große Höhenunterschiede in ihrer Topografie auf. Sowohl diese Abfolge im Alter der Inseln als auch der Grad ihrer Erosion deuten auf eine Entstehung des Kanarischen Inselbogens durch einen sog. Hotspot hin.

Hotspots sind über lange geologische Zeiträume hinweg mehr oder weniger ortsfeste Magmenaufstiege aus dem Erdmantel, die Erdkruste dagegen wandert aufgrund der Plattentektonik über den Hotspot hinweg und das Magma bahnt sich dabei wie ein Schweißbrenner den Weg durch die Erdkruste und bildet nach und nach eine Kette von Vulkanen. Dabei ist in der Regel nur der jeweils jüngste Vulkan dieser Kette aktiv, während die älteren Vulkane immer mehr erodieren. Die derzeitige Position des Hotspots ist durch den aktiven Vulkanismus auf La Palma und im Atlantik vor El Hierro zu vermuten.

La Palma und die gesamten Kanarischen Inseln liegen weitab von tektonisch aktiven Plattengrenzen. Die Afrikanische Platte besteht aus der ozeanischen und der kontinentalen Platte, die sich gemeinsam mit einer Geschwindigkeit von 2,3 bis 3,0 cm/Jahr nach Osten bewegen, zwischen beiden Platten befindet sich keine Plattengrenze. Deshalb sind alle diese Beben unter La Palma rein vulkanischer Natur.

Unterschiedliche Arten vulkanischer Erdbeben

Die Vulkanologie beschreibt unterschiedliche Arten von vulkanischen Erdbeben: Vulkanotektonische Erdbeben, Langperiodische Erdbeben und den Tremor:

Vulkanotektonische Erdbeben werden durch steigenden Druck in einer Magmakammer ausgelöst, oder wenn Magma in die Erdkruste eindringt. Diese Beben werden nicht direkt durch Bewegungen des Magmas ausgelöst, sondern es sind - wie tektonische Erdbeben - Reaktionen auf geänderte Spannungsverhältnisse im umgebenden Gestein. Diese Erdbeben sind hochfrequent, sie schwingen im Bereich von 5-15 Hertz.

Langperiodische Erdbeben werden durch Vibrationen von Magmen und Gasen verursacht, die sich im Gestein bewegen und dieses zum Bersten bringen. Langperiodische Erdbeben sind niedrigfrequent im Bereich von 1-5 Hertz. Die Hypozentren dieser Beben liegen meist in geringer Tiefe und sind oft Zeichen eines bevorstehenden Vulkanausbruchs.

Die dritte Form vulkanisch bedingter Erdbeben ist der Tremor. Als beständiges langperiodisches Signal wird er durch den Aufstieg des Magmas verursacht, das die Spalten und Klüfte im Gestein vibrieren lässt. Nach neueren Erkenntnissen soll der Tremor durch "Magma-Wackeln" ausgelöst werden, das Schütteln, das auftritt, wenn aufsteigendes glutflüssiges Magma mit der umgebenden blasigen Gashülle interagiert. Wenn Tremor registriert wird, steht der Vulkan mit großer Wahrscheinlichkeit unmittelbar vor einer Eruption.

Einige Wochen bis Minuten vor einem Ausbruch bleiben die Erschütterungen bei fast allen Vulkanen auf ein enges Frequenzband zwischen 0,5 bis 2 Hertz beschränkt. Kurz vor und während der Eruption steigen dann die Beben auf eine höhere Frequenz an und die Bandbreite erweitert sich auf 0,5 bis 7 Hertz.

Sind die Erdbeben Vorboten eines bevorstehenden Vulkanausbruchs?

Allen Vulkanausbrüchen auf La Palma in historischer Zeit gingen mehr oder weniger starke Erdbeben voraus. Der Ingenieur Leonardo Torreani (1560-1628) berichtet von einem schrecklichen Erdbeben unmittelbar vor dem Ausbruch des Vulkans von Jedey 1585, dem ersten dokumentierten Vulkanausbruch auf La Palma. Der Ausbruch des Martin 1646 war von einem heftigen Beben begleitet, den Ausbruch des San Antonio 1677 sollen mehrere leichte Beben angekündigt haben. Auch dem Ausbruch des Vulkans El Charco 1712 gingen nach einem Augenzeugen bereits 5 Tage vorher viele Erdbeben voraus und mehr als 15 Beben in der letzten Nach vor dem Ausbruch. Die Eruptionen des San Juan 1949 sind gut dokumentiert, es wird von vielen leichten und heftigen Beben über die gesamte Aktivität von 37 Tagen berichtet. Auch der Eruption des Teneguía 1971 gingen schwere Erdbeben voraus, die bis nach Los Llanos zu spüren waren und die erst mit dem Ausbruch des Vulkans am 26. Oktober 1971 nachließen.

Die vielen aktuellen Beben auf La Palma mit Magnituden zwischen 1,1 und 2,6 auf der Momentenmagnitudenskala sind höchstwahrscheinlich vulkanotektonischer Art und sind damit auf Veränderungen der Spannungsverhältnisse im Gesteinsuntergrund durch Bewegungen des Magmas zurückzuführen. Sie wurden in Tiefen zwischen 20 und 33 km an der Grenze zwischen der ozeanischen Kruste und dem oberen Erdmantel registriert, also in einer Tiefe, in der auch der Hotspot zu vermuten ist. Bei solchen Beben, die in einem engbegrenzten Bereich und in einem begrenzten Zeitraum alle von ähnlicher Magnitude stattfinden, spricht man auch von Schwarmbeben. Die für vulkanische Beben relativ große Tiefe und die geringen Magnituden sprechen nicht für einen unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruch




Hier der "Tremor" unter El Hierro bei Beginn der unterseeischen Eruption vor deren Südküste aus dem Jahr 2011




Heute unter La Palma




Die beiden letzten Beben lieben bereits deutlich zurück. Grafiken vom besten Geografischen Institut aller Institute: IGN





Mittwoch 11.10.2017 18:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 25 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 36 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 25,4 Grad - niedrigste Temperatur 16,9 Grad

Vorbild Katalonien, vulkanische Reaktivierung, erst mal ausgesetzt
Zwei schwache Beben nachts


Allerdings können wir nicht irgendwo nachfragen, was denn diese Wechselgeschichte mit Schwarmbeben, und dann gar nichts mehr, zu bedeuten hat. - Zwei schwache Beben gegen 02:00 morgens, beide etwas unter 20 Kilometer und beide im Südwesten der Insel, dort wo auch die Vielzahl aller Beben gemessen wurde. - Es schwanken immer wieder die Angaben über die Anzahl der Beben welche bislang unter der Insel stattgefunden haben, das liegt auch daran, dass ganz schwache Beben, also unter 1,0 nicht immer exakt bestimmt werden können und daher der nationale Dienst diese gar nicht in den meisten Grafiken darstellt. - Es gibt durchaus Diskussionen darüber, ob man das nicht doch machen sollte, allerdings fürchtet man eben bei diesen schwachen Beben eine derart hohe Fehlerquote in der genauen Lokalisierung, dass man falsche Schlüsse auf die Gesamtentwicklung ziehen könnte. - Aber da gibt es eben unter den Spezialisten deutlich mehr als eine Meinung, aber die Darstellung der der Beben ab 1,5 ergibt auch bereits ein anschauliches Bild.

Heute findet ein Treffen der angesprochenen wissenschaftlichen Institute statt und dafür wird auch der "Pevolca" (Plan Especial de Protección Civil por Riesgo Volcánico de la Comunidad Autónoma de Canarias) bemüht, ein ambitiöser Plan, welcher als Gesamtkunstwerk vieler Institutionen eine Antwort auf jegliches vulkanisches Risiko darstellen soll. - Jahrzehnte hat man um einen solchen Plan gerungen und hauptsächlich geht es eben dabei auch um klare Richtlinien, wer was wie wo und wann zu tun und zu sagen hat, und was man dann tun sollte, damit der Vulkan nicht einfach den Katalanen machen kann. - Noch haben wir nichts über ein Ergebnis oder Nachrichten in Sachen heutiges Treffen erfahren, müssen also selbst auch abwarten, wie sowieso die Geduld des Geologen höchste Tugend scheint. - Und das nicht nur, weil die sich oft mit Zeitabschnitten beschäftigen, welche für uns Amateurklopfer gar nicht erfassbar sind, sondern weil man eben auch in einer Situation wie jetzt nur das analysieren kann was passiert, wenn man denn Aussagen treffen muss. - Erneut möchte ich darauf hinweisen, dass diese Wissenschaftler in Sachen Vulkanismus hier auf den Kanaren extrem ungern Voraussagen treffen, hat uns doch erst letztlich auch die Eruption, (oder waren es gar deren drei) unter und vor der Insel El Hierro gelehrt, dass man selbst auf den Kanaren schlecht Beispiel an vorhergegangenen Vorfällen nehmen kann.

Die seismische Aktivität hier unter La Palma ist derart gering, dass viele Gruppen sich überhaupt nicht damit beschäftigen wollen. - Auch der Großteil der Bevölkerung tut jeglichen Gedanken an so etwas gönnerisch mit einem Armwinken ab, nur hat die britische Sensationspresse uns doch schnell wieder entdeckt, stammt doch der Großteil der Schauergeschichten um den besagten Mega-Tsunami aus der Feder britischer Wissenschaftlicher und der BBC. - Witzig dabei ist, dass man sich hier in Zeitungen darüber aufregt, wie schnell solch unseriöse Berichterstattung doch stattfindet, man selbst beim Empören sich aber ebenso der Bilder bedient. - Ein bisschen wirkt das wie das Motto: Ich zeige Ihnen mal, welch unmögliche Bilder andere zeigen… Aber auch die ersten ernsthaften Videos machen die Runde, so hat Juan Ramón García Martel von der Universität Las Palmas bereits ein Video über die seismische Aktivität unter La Palma der Tage 8. und 9. Oktober gebastelt und allen bereitgestellt. - Der gleiche Wissenschaftler hat ähnlich gute Arbeiten auch im Zusammenhang mit der Eruption 2011 vor El Hierro fabriziert. - Hier wird einem auch ein bisschen die Entfernung der Beben zur Oberfläche klar, denn 20 Kilometer, das ist schon eine ganze Ecke. - In Sachen Katastrophen und anderen gut verkäuflichen Dingen bringe ich hier erneut den Artikel, der hier in der Seite bereits heimischen Geologen Timm Reisinger und Rainer Olzem, welche der Tsunami-Geschichte ein bisschen auf den Puls fühlen.




Gastbeitrag von Rainer Olzem und Timm Reisinger (aus dem Jahr 2015)

La Palmas Flankensturz und der Tsunami
Die Szenarien von Ward & Day und von McGuire und die Vorgeschichte


Der amerikanische Geophysiker Steven N. Ward von der University Santa Cruz in Kalifornien und der englische Geologe Simon Day vom Benfield Hazard Research Centre in London haben 2001 einen viel beachteten Artikel über einen bevorstehenden Zusammenbruch der Westflanke der Cumbre Vieja verfasst: Cumbre Vieja Volcano - Potential collapse and tsunami at La Palma, Canary Islands. Hier eine Übersetzung ihrer Zusammenfassung:

"Geologische Befunde weisen darauf hin, dass eine zukünftige Eruption des Cumbre Vieja-Vulkans auf La Palma eine Erdrutsch-Katastrophe an der Westflanke der Insel auslösen könnte, wobei 150 bis 500 km³ Gestein ins Meer stürzen würden. Mit einer geologisch plausiblen Einschätzung des Erdrutsches haben wir eine Modellierung vorgenommen, mit dem Ergebnis, dass durch diesen Kollaps der Inselflanke Tsunamis entstehen werden. Legt man diese Erdrutschmassen von 150 bzw. 500 km³ zugrunde, die mit einer Geschwindigkeit von 100 m/s ins Meer stürzen, so können Wellen entstehen, die das gesamte atlantische Ozeanbecken überqueren und an den amerikanischen Ostküsten Höhen von 10 bis 25 m erreichen."



Das Spaltensystem auf der Cumbre Vieja während der San-Juan Eruption 1949: nach Carracedo 2008 (links), historisches Foto von Bonelli Rubio während der Eruption (rechts)

Die Vorgeschichte: Am 24. Juni 1949 brach auf der Cumbre Vieja nach vielen vorangegangenen Erdbeben, die bereits seit Februar des Jahres auftraten, der Vulkan Duraznero aus, dem am 08. Juli die Spalteneruption des Llano del Banco-Vulkans und am 12. Juli die Explosion des Hoyo Negro folgten. Diese zeitlich versetzte vulkanische Aktivität an drei unterschiedlichen Ausbruchstellen auf der Cumbre Vieja zwischen dem 24. Juni und 30. Juli 1949 ist als San Juan-Eruption in die geologische Geschichte der Insel eingegangen. Gleichzeitig riss auf der Cumbre ein 3 km langes Spaltensystem auf, das vom Duraznero über das Hoyo Negro bis zum Llano del Banco reichte und Spaltenbreiten zwischen 1 und 4 m aufwies.

52 Jahre später inspirierte dieses Spaltensystem die beiden Geowissenschaftler Ward & Day zu ihrer spektakulären Einsturzhypothese. Sie gingen als worst-case-Szenario von einem Gesteinsblock von 25 km Länge aus - das ist der gesamte Südwestteil von La Palma von der Cumbrecita bis nach Fuencaliente -, von 15 km Breite - das ist die gemittelte Breite der gesamten Südhälfte La Palmas - und von 1.400 m Höhe. Das Gesteinsmaterial - immerhin mehr als 500 km³ - aus der durch den Flankensturz entstehenden 375 km² großen Abbruchfläche stürzt die steilen Gleithänge hinab und wird 60 km weit in den Atlantik verfrachtet, bis es den Meeresboden in 4.000 m Tiefe erreicht.

Der Felssturz verursacht innerhalb von 2 Minuten eine 900 m hohe Wassersäule, in 50 km Entfernung von der Küste beträgt die Wellenhöhe noch 500 m. Nach 10 Minuten kommt die Rutschung zum Stillstand, während die Breite des Tsunamis auf 250 km angewachsen ist und mehrere 100 m hohe Wellen die Küsten der westlichen Kanarischen Inseln Tenerife, La Gomera und El Hierro zerstören. In den folgenden 15 bis 60 Minuten bewegen sich die Wellen ostwärts auf die übrigen Inseln zu, während 50 bis 100 m hohe Wellen auf die Westküste des afrikanischen Festlands treffen.



Ankunftszeiten und Wellenhöhen des La Palma-Tsunamis nach Ward & Day (csegrecorder.com)

In Richtung Westen wandern die Wellen in einer 500 km breiten Front über den Atlantik und zerstören mit bis zu 25 m Höhe nord-, mittel- und südamerikanische Küsten und weite Inlandsbereiche, was einen Schaden von mehreren Milliarden Dollar verursacht. Auch die spanischen und englischen Küsten werden von 5 bis 7 m hohen Wellen überrollt.

Soweit das Schreckensszenario von Ward & Day. Ein Jahr später setzt Bill McGuire, ebenso wie Simon Day Mitarbeiter des Benfield Hazard Research Centre und dessen Direktor, in seinem Horrorszenario: "A Guide to the End of the World - Everything you never wanted to know" noch einen drauf: Die instabile Westflanke von La Palma könnte durch eine Eruption abgesprengt werden, und die ins Meer stürzende Landmasse könnte einen so gewaltigen Tsunami verursachen, wie seit menschlichen Aufzeichnungen noch nie erlebt. Es könnte noch fünf, zehn oder zwanzig Eruptionen benötigen, um die Flanke zum Absturz zu bringen, es könnte aber auch schon der nächste Ausbruch sein, es könnte jeden Moment passieren. Sein Ausspruch "es ist nicht die Frage, ob, sondern wann" bezeugt, dass McGuire, auch "Desaster Man" genannt, fest von seiner These überzeugt ist. Und wie es der Zeitgeist so erfordert, erwähnt er auch noch den Klimawandel, der durch steigende Meeresspiegel und vermehrte Regenfälle den Flankeneinsturz geradezu provoziere.

Dieses Szenario hat echte Science-Fiktion- und weniger wissenschaftliche Qualität. Es passt aber gut in den weltweiten medialen Katastrophen-Hype. Keiner kann zurzeit sagen, wie stabil die Westflanke von La Palma ist. Bereits im Jahre 1994 installierte geodätische Messgeräte zeigten jedenfalls keine außergewöhnlichen Bewegungen.

Mega-Tsunami vernichtet New York - Eine realistische Betrachtung

Die Medien in aller Welt griffen die Schreckensmeldungen von Ward & Day und von McGuire vom Londoner Benfield Hazard Research Centre über den Flankensturz auf La Palma und den größten von Menschen jemals erlebten Tsunami an den amerikanischen Ostküsten dankbar auf, denn mit der Angst der Menschen lässt sich wunderbar Geld machen: Mega-Tsunamis bedrohen Amerika (Die Welt), Mega-Tsunami - Welle der Zerstörung (ORF), Gefahr von den Kanaren (FAZ), Warum ein Felsriss in Spanien New York bedroht (Pravda).




Quelle: netambulo.com



Erfreulicherweise haben einzelne Wissenschaftler und Wissenschaftliche Institute zum Wahrheitsgehalt des medial inszenierten Horrorszenarios Stellung genommen. Trefflich die Arbeit der Delfter Wissenschaftler:

Die Fakultät für Hoch-Tief-Bau und Geowissenschaften der Technischen Universität Delft in Holland hat 2006 die Berichte von Ward & Day und von McGuire einer wissenschaftlichen Plausibilitätsprüfung unterzogen. Die holländischen Wissenschaftler bescheinigen Ward & Day und McGuire einen völligen Mangel an bodenmechanischen Kenntnissen: Die Insel habe eine sehr stabile innere Struktur. Das Risssystem, das sich 1949 beim Ausbruch des San Juan entlang der Südwestflanke der Cumbre Vieja gebildet hatte, sei nur ein "harmloses Oberflächen-Phänomen" und sei einfach eine Absackung des Vulkans, wie es sie schon früher gegeben habe. Insbesondere die alten Absackungen, die in keinem Fall zu einem Kollaps geführt haben, bewiesen im Grunde, wie stabil La Palma sei. Die Holländer modellierten die Insel höher und steiler, konnten aber keinen Flankensturz erkennen.

Sie modellierten auch den "Dampfkessel-Effekt" als Folge einer phreatomagmatischen Eruption, aber der Druck verpuffte ausschließlich nach oben und verursachte keinen seitlichen Druck, der die Flanke instabil werden ließ. Bei einer phreatomagmatischen Eruption kommt das glutflüssige Magma mit Meer- oder Grundwasser in Kontakt, wobei das Wasser schlagartig verdampft und sein Volumen auf das 1.000-fache vergrößert, was zu einer hochexplosiven Dampferuption führt.

Die Insel könnte möglicherweise in dem Fall instabil werden, wenn sie etwa um 1.000 m in der Höhe wachsen würde. Legt man die Wachstumsrate der Vergangenheit zugrunde, würde das mindestens 10.000 Jahre dauern. Der Vulkan hat seine kritische Höhe und Steilheit noch lange nicht erreicht. Und wenn in ferner Zukunft die Westflanke der Cumbre tatsächlich abrutschen würde, würde die Bewegung der ersten Meter mehrere Tage lang dauern, möglich wäre es außerdem, dass die Flanke ein Stück weit rutscht und dann in stabiler Stellung verharrt.

Und was den größten Tsunami in der Geschichte der Menschheit angeht: Welche Daten die Delfter Forscher auch in das Modell eingaben, sie konnten in keinem Fall einen signifikanten Tsunami erzeugen. Selbst unter den extremsten Bedingungen ermittelten sie nur eine Welle von 15 bis 100 cm Höhe an den amerikanischen Küsten. Ward & Day und McGuire würden offenbar einen falschen Algorithmus verwenden, um die Größe des Tsunamis zu berechnen.

Übrigens arbeitet das Londoner Benfield Hazard Research Centre im Auftrag großer Versicherungsgesellschaften, für die Schreckensszenarien stets ein wichtiger Motor ihrer Gewinne sind. "War es eventuell ein cleverer Schachzug von McGuire, durch die Auftragsforschung mit Ward & Day die mediale Aufmerksamkeit zu erregen und indirekt Werbung für große Versicherungsgesellschaften zu machen oder war es Zufall, dass schon kurz nach der Veröffentlichung alle namhaften Zeitungen und Zeitschriften über den bevorstehenden Mega-Tsunami berichteten?" fragt eine Studentin am Lehrstuhl für Geomorphologie der Uni Bayreuth und fügt hinzu: "Das ist eine Frage, die sich ohne Aussagen von Betroffenen wohl nicht beantworten lässt und auch die gegen McGuire gerichteten Unterstellungen basieren nur auf Spekulationen."


Dieser Text ist ein Ausschnitt aus dem Buch "Geologischer Wanderführer La Palma" von Rainer Olzem und Timm Reisinger und gehört nach meiner Auffassung längst auch zum Handgepäck einer Vorbereitung für eine Reise nach La Palma. - Auch für geologische Laien verständlich erklärt, bereiten die Wandertouren auf der Insel noch viel mehr Spaß, man kann die vielen Dinge, denen man mit Staunen auf den Touren begegnet, dann nicht nur beim Namen nennen, sondern weiß auch noch warum das so ist. - Nicht als Ersatz für den Rother Wanderführer, immer noch das Meisterwerk für La Palma auf Schusters Rappen, aber als ideale Ergänzung für Menschen, welche zwischen Ausgangspunkt und Belohnungsbier der Wanderung die Augen auf der Vulkaninsel La Palma offen halten. - Auf La Palma gibt es dieses Buch bei Sorpresa in El Paso zu kaufen, manchmal auch nur als Vorbestellung, oder man geht auf das Bestellformular in der Webseite Rainer Olzem und Timm Reisinger zum Buch.







Dienstag 10.10.2017 19:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 24 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 39 % - Luftdruck 1018 hPa
Höchsttemperatur heute 25,9 Grad - niedrigste Temperatur 18,2 Grad

Dreimal niesen ist noch keine Lungenentzündung
Auf der Suche nach Beben und flotten Sprüchen


Heute hat es noch überhaupt kein Beben unter der Insel La Palma gegeben und gestern ab sechs Uhr morgens nur noch eines, gegen 22:20 Uhr. - Dafür hat es kräftig im Süden Tenerifes gerummst, mit 4,0 bewertet, und das Beben, welches auch von Teilen der Bevölkerung im Süden der großen Nachbarinsel gespürt wurde, fand um 05:38 statt. - Auch die Wissenschaftler können keinen Bezug zwischen dem relativ starken Beben im Süden Tenerifes zu unserem Bebenschwarm herstellen und ob sich die Magmaaktivität nun anderswo hin verschiebt. - Genau so vorsichtig, wegen des plötzlichen Erscheinens der Beben unter La Palma, ist man nun mit deren plötzlichen Wegbleiben, weder das Eine kann gedeutet werden, noch das Andere, sondern läuft alles unter normaler Aktivität eines Inselarchipels, welches auf einem vulkanischen Hotspot liegt. - Dafür wird aber kräftig aufgerüstet hier auf der Insel, Involcan und IGN haben bereits neue Messstationen auf die Insel gebracht und es wird bereits gewitzelt, gehen Sie bitte auf Zehenspitzen durch den Wald, sonst könnten die vielen Seismographen Ihr Getrampel noch für Beben halten und auch rauchen Sie bitte nicht dort, da man sonst einen heftigen Anstieg bei der Messung der Gase feststellen würde.

Morgen gibt es dann ein erstes Treffen aller fachlich Beteiligten und man wird sicherlich danach auch eine Pressekonferenz geben, obwohl das öffentliche Interesse sich noch deutlich zurückhält, was sich aber sicher schnell ändern würde, falls ein stärkeres Beben auch von der Bevölkerung zu spüren wäre. - Man will natürlich auch vorsichtig sein mit der Berichterstattung und das ist gut so, man stelle sich nur vor, wenn unvorsichtige, oder noch schlimmer sensationsgierige Schreiberlinge aus den Vorgängen unter unserer Insel gleich ein katastrophales Szenario basteln würden. - Alles schon erlebt, dann wäre der Tourismus ganz schnell in Gefahr und das ist auch mit ein Grund, warum ich sofort darüber geschrieben habe. Wir dürfen solche Vorgänge nicht unkommentiert lassen, sonst frickeln sich alternative Fakten und viele "Likes" liebende Spontanexperten mal lustige, mal Schaden anrichtende "Nachrichten" zurecht. - Es ist nicht leicht, dabei die Waage zu halten, wir erinnern uns gut an die "Vulkanologische Krise" auf Tenerife in den Jahren um 2004, als maulkorbähnliche Aufforderungen an Wissenschaftler und Presse eine seriöse Berichterstattung um die damaligen Vorgänge dort sehr erschwerten. - Darüber hinaus bekamen sich auch noch die Professoren selbst in die Haare und alles endete mit erneuter Ruhe unter der Insel, ohne dass es zu einer vermuteten Eruption kam, aber man hat darauf hin seine Hausaufgaben gemacht. - So lief das dann im Jahr 2011 auf El Hierro schon viel besser, nicht nur mit der Eruption, sondern auch mit der Berichterstattung und den dargestellten Daten, welche für alle Welt sichtbar gemacht wurden. - Wer Verschwörungstheorien abwenden will, der kann am besten durch Offenheit dagegenhalten, und eben auch seine Worte gut wählen.

So hat auch ein alter Bekannter der kanarischen Vulkanologie nun dazu Stellung bezogen, der berühmte Juan Carlos Carracedo, heute Chef der "Estación Volcanológica de Canarias del Consejo Superior de Investigaciones Científicas" (Kanarischen vulkanologischen Station des hohen Rates der wissenschaftlichen Forschungen). - Der durchaus streitbare Wissenschaftler ist auch bekannt, zusammen mit dem Engländer Simon Day, für ein Risikobewertungsinstitut (Benfield Hazard Research Centre ) über ein mögliches Abrutschen der Westflanke der Cumbre Vieja zu forschen. - Das Worst Case Ergebnis daraus wird uns fast jedes Jahr in der Sauren-Gurken-Zeit als Aufschnitt serviert und dabei werden wir auch schon mal als Killerinsel oder gefährlichster Vulkan der Welt bezeichnet. - So viel Ehre haben wir sicherlich nicht verdient, allerdings verbinden wir eben den Namen Carracedo immer wieder mit diesem Thema. - Nun hat der verdiente Geologe aber einen anderen netten Vergleich gefunden der so lautet: "Man wird doch bei einem Patienten, nur weil er dreimal niest, nicht Lungenentzündung diagnostizieren". - Passt gut, denn diese kleinen Beben, auch wenn es in knapp 48 Stunden schon über einhundert waren ab 1,0 bis 2,7 dürfen überhaupt nicht in der Lage sein, für echte Beunruhigung oder gar bereits Angst zu sorgen. - Es ist völlig normal, dass sich unter den Kanaren Magma bewegt, das war immer so und wir immer so sein, allerdings hat der Patient, um zu Carracedos Bild zurück zu kommen, vierzig Jahre lang nicht genießt, also ist es doch mit einem Ausrufezeichen versehen, wenn er nun plötzlich dreimal niest.

Neben meinem Plappern bekommen wir nun auch noch professionelle Begleitung, die Geologen Timm Reisinger und Rainer Olzem, die ich zu meinen Freunden zählen darf, und die sich allerbestens auf den Kanaren und besonders La Palma auskennen, werden in den kommenden Tagen uns mit geologischem Grundwissen um Vulkanologie beehren. - Auch haben sie versprochen, falls unsere derzeitige vulkanische Aktivität doch in Richtung Eruption geraten könnte, sofort auf die Insel zu kommen. - Allerdings halten auch die Beiden die Aussicht für eher unwirklich. - Ich zitiere: "Alles kann passieren, von nichts (wahrscheinlich) bis zu einem Ausbruch (sehr unwahrscheinlich). - Den meisten sind diese beiden Geologen schon bekannt, sie haben mehrfach in meinen Seiten über die Geologie der Insel berichtet und sind auch Herausgeber des geologischen Wanderführer La Palmas. - Wenn die Beiden Zeit haben, dann gibt es fast jeden Tag nach meinem Sermon auch Fakten von Rainer Olzem und Timm Reisinger. - Und noch als mein Hinweis: Ich habe nicht die dauerhafte Berichterstattung wieder aufgenommen, wie mir das aus vielen Mails bereits wieder in die Finger gelegt wird, sondern werde lediglich bei solchen Themen wieder schreiben und sobald wieder Ruhe unter der Insel eingekehrt ist, ist auch wieder Ruhe bei meinen Nachrichten. - Nun folgt der erste Teil der Berichterstattung aus dem Hause Olzem/Reisinger.


Die unterschiedlichen Ursachen der Erdbeben

Geologen unterscheiden drei grundsätzlich unterschiedliche Arten von Erdbeben: tektonische Beben, vulkanische Beben und Einsturzbeben. Tektonische Beben.

Die Erde hat einen schalenförmigen Aufbau mit einer dünnen Kruste von im Mittel etwa 35 km Dicke, darunter folgen der 2.900 km dicke Erdmantel und schließlich der Erdkern mit einem Durchmesser von 6.940 km. Die Erdkruste besteht aus mehreren Einzelteilen - riesigen Platten. Angetrieben durch dynamische Prozesse im Erdmantel, durch sogenannte Konvektionsströme, wandern die Erdplatten langsam auseinander, gegeneinander oder aneinander vorbei. Es sind bis zu 16 Zentimeter im Jahr. Dieses Phänomen nennt man Plattentektonik.




Erdbeben treten überwiegend an den Plattenrändern auf (Quelle: BGR)


Dort, wo die Platten aneinander grenzen, bauen sich gewaltige Spannungen innerhalb des Gesteins auf, wenn sich die Platten in ihrer Bewegung verhaken und verkanten. Wenn die Erdkruste den Spannungen schließlich nicht mehr standhält, wenn also die Spannungen die Scherfestigkeit des Gesteins überschreiten, entladen sich die Spannungen durch ruckartige Bewegungen der Erdkruste und es kommt zu einem tektonischen Beben. Tektonische Beben machen 90% aller Erdbeben aus. Sie sind die gefährlichste Art von Erdbeben, haben meist eine hohe Energie und besitzen zudem die größte Reichweite.

Einsturzbeben
Einsturzbeben werden durch das Einstürzen von unterirdischen Hohlräumen im Gestein verursacht, auch durch den Einsturz unterirdischer Hohlräume im Bergbau (Gebirgsschlag). Einsturzbeben setzen weitaus weniger Energie frei als tektonische Beben und haben nur geringe Reichweiten. Sie machen rund 7% aller Erdbeben aus.

Vulkanische Beben
In vulkanischen Zonen aufsteigendes Magma kann ein lokales vulkanisches Erdbeben auslösen. Auch vulkanische Beben setzen viel weniger Energie frei als tektonische Beben und haben ebenfalls nur geringe Reichweiten. Etwa 3% aller Beben sind vulkanischen Ursprungs.

Wie wird die Stärke von Erdbeben gemessen?
Zur Beschreibung der Stärke von Erdbeben wurden viele unterschiedliche Skalen entwickelt. Grundsätzlich unterscheiden muss man zwischen der Magnitude und der Intensität. Während die Magnitude ein Maß für die bei einem Erdbeben freigesetzte Energie darstellt, beschreibt die Intensität die örtliche Schadenswirkung bzw. die Wahrnehmung durch den Menschen. Ein Erdbeben hat nur eine Magnitude als Maß der seismischen Energie, aber von Ort zu Ort unterschiedliche Intensitäten, die in der Regel mit zunehmender Entfernung vom Erdbebenherd abnehmen.

Intensität
Zur Bestimmung der Intensität eines Erdbebens wird meist die MSK-Intensitätsskala nach Medvedev, Sponheuer und Karnik (MSK) verwendet, die 12 Stärkegrade benennt. Die Intensität II wird grade noch gespürt, bei der Intensität VI treten erste leichte Gebäudeschäden auf, Intensität X ist allgemein gebäudezerstörend und Intensität XII schließlich tiefgreifend landschaftsverändernd.

Intensitäten werden nicht gemessen, sondern beruhen auf Beobachtungen. Sie hängen damit sowohl von der Entfernung zum Epizentrum als auch vom jeweiligen Baugrund und der Qualität der Bausubstanz ab. Das Epizentrum ist der Punkt auf der Erdoberfläche, der exakt über dem Erdbebenherd, dem Hypozentrum, liegt.

Magnitude
Die bekannteste Magnitudenskala ist die Richterskala, die 1935 von dem amerikanischen Seismologen Charles Francis Richter (1900 - 1985) und dem deutschen Seismologen Beno Gutenberg (1889 - 1960) entwickelt wurde. Zur Bestimmung der Magnitude werden die Bodenbewegungen eines Bebens mit einem Seismometer gemessen.




In einem Seismogramm werden Erdbebenwellen graphisch aufgezeichnet


Aus dem Seismogramm wird die größte Bodenbewegung abgelesen. Dieser Wert bestimmt, zusammen mit der Entfernung zwischen dem Standort des Seismometers und dem Bebenherd, die Magnitude. Die Berechnung ist kompliziert:

Die Magnitude eines Erdbebens nach Richter ist definiert als der Logarithmus der größten Auslenkung (in µm), mit der ein Standard-Seismometer (Wood-Anderson Horizontalseismograph) das Erdbeben aus 100 Kilometer Entfernung registrieren würde. Eine Auslenkung von 1 Millimeter entspricht 1000 Mikrometer - der Logarithmus von 1000 ist 3, somit ist der Wert auf der Richterskala 3, sofern das Beben in 100 km Entfernung stattfand. Richter hat eine Tabelle aufgestellt, in der man für jede Entfernung einen Wert für die Magnitude ablesen kann. Logarithmisch heißt, dass der Zuwachs um eine Magnitudeneinheit (z. B. von 6 auf 7) eine 10-fach größere Bodenbewegung und eine Steigerung der Bebenenergie um das 32-fache bedeutet.

Ein Erdbeben mit einer Magnitude von 2 - 3 auf der Richterskala ist nur selten spürbar und passiert weltweit mehr als 1.000 mal pro Tag. Erdbeben mit einer Magnitude von 3 - 4 sind leichte, meist spürbare Beben, die sich geschätzt bis zu 50.000 mal pro Jahr ereignen, doch selten Schäden anrichten. Erst Beben der Magnitude 6 - 7 sind starke Beben, die im Umkreis bis zu 70 km Zerstörungen bewirken. Magnituden von 9 - 10 ereignen sich alle 1 - 20 Jahre und richten im Umkreis von 1.000 km völlige Zerstörung an. Ein Erdbeben der Magnitude größer 10 wurde glücklicherweise bisher noch nie registriert, es käme einer globalen Katastrophe gleich.

Von der Richterskala heißt es, sie sei nach oben offen, was aber nicht stimmt, denn man kann mit den von Richter ausgewählten Messgeräten keine sehr starken Beben erfassen. Inzwischen haben Seismologen weitere Skalen entwickelt, die ebenfalls Magnitudenwerte liefern mit Werten größer 6,5. Eine der aktuellsten Skalen ist die Momentenmagnituden-Skala. Aber auch die Momentmagnitude ist nur in der Theorie nach oben offen, denn in der Praxis wird es auf der Erde niemals Werte über 10,6 geben. Ein Erdbeben der Stärke 10,6 wäre nämlich so stark, dass die gesamte Erdkruste aufbricht. Und weil nicht mehr als die gesamte Erdkruste aufbrechen kann, kann es auf der Erde auch keine Erdbeben geben, deren Momentmagnitude stärker als 10,6 ist.




Die Wellen der Station EHIG bei Mazo am 9.10.2017. - Die Linien selbst können bei starkem Seegang deutlich dicker werden, so wie das auf der Graifk des folgenden Tages zu sehen ist.







Und hier befindet sich die Station "EHIG"

Alle drei Grafiken hat das IGN zur Verfügung gestellt.




Montag 09.10.2017 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 21 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 55 % - Luftdruck 1020 hPa
Höchsttemperatur heute 23,7 Grad - niedrigste Temperatur 17,5 Grad

Cumbre Vieja erklärt einseitige Unabhängigkeit von den wissenschaftlichen Instituten
Nächtliche Schwarmbeben, dann Ruhe


Wir sind inzwischen immerhin bei über 40 Beben in den Stärken 1,1 bis 2,9 und alle diese Beben ziehen einen Kreis um die Cumbre Vieja, eines der aktivsten Vulkangebilde der Kanaren überhaupt. - Noch hat niemand diese Erdstöße gespürt, so ist diese plötzliche Unruhe im Untergrund auch überhaupt kein Tagesgespräch, allerdings würde sich das natürlich schnell ändern, wenn es auch Beben einer Stärke ab 3 geben würde. - Aber nun ist zunächst mal Ruhe, seit 06:11 Uhr hat kein weiterer Eintrag im Katalog unseres Nationalen Geographischen Institutes Erdbewegungen unter der Insel angezeigt. - Ganz böse Synapsen aus dem Verschwörungsreichsmilljöh betrachten allerdings alle nationalen Institute mit dem Aluhut auf, allerdings haben wir in den vielen Jahren "Quakehunting" auf den Inseln uns immer auf diese Institution verlassen können und tun das auch weiterhin. - Fehler können auch dort passieren, werden aber meist in wenigen Stunden korrigiert, so wie man heute Morgen ein Beben auch nah unter der Oberfläche gemessen hatte, das aber wohl ein Irrtum war. - Allerdings kommt es auch immer wieder zu Spannungen zwischen den nationalen Wissenschaftlern des IGN und den lokalen der Involcan und es ist schwer für Außenstehende einzuschätzen, was denn hier Professorengezicke ist oder ab wann es interessengesteuertes Formulieren oder gar Verschweigen gibt.

Was nun diese Pause in Sachen Beben zu bedeuten hat, das weiß auch wieder keiner, Vulkane verhalten sich niemals nach wissenschaftlichen Vorstellungen, uns hilft immer nur messen und vergleichen. Auf jeden Fall haben diese Beben unter der Insel das starke Interesse aller an der geologischen Beobachtung der Insel arbeitenden Institute nun geweckt und man verspricht uns ein Gipfeltreffen aller Beteiligten für Mittwoch und sind ganz gespannt darauf. - Als einziger und immer greifbarer Mann steht hier wieder Nemesio Pérez des "Involcan" zur Verfügung und der gilt als allerbester Kenner unserer zickigen Vulkane hier auf den Inseln. - Und hier erfahren wir eben, dass wohl im Sommer dieses Jahres auf der Cumbre Vieja erhöhte Gasausschüttungen gemessen wurden, diese allerdings immer noch im Rahmen "normaler" Werte zu sehen waren. - In der Tat gab es eine großangelegte Messaktion, an welcher auch internationale Universitäten beteiligt waren und das Involcan selbst hat im Juli dieses Jahres dazu eine Pressemeldung verbreitet in dem einerseits auf die erhöhten Werte hingewiesen wurden, aber eben auch auf die langfristigen Werte, anhand derer dann doch wieder Normalität in die Überschrift gezaubert wurde. - Die Kunst über Vulkanologie zu berichten, ohne die Menschen zu erschrecken, ist sicher nicht jedem gegeben und so wird uns noch oft der Versuch begegnen, Vorgänge als normal zu beschreiben, welche für den Homo erschrecktus auf der Straße ein Horrorszenario darstellen könnten. - Ein Versuch das anormal-normale um die jetzigen Vorgänge unter unserer Insel zu beschreiben könnte so lauten: Da es ganz normal ist, dass ein aktiver Vulkan seismische Aktivität produziert, war die jahrzehntelange Ruhe unter der Cumbre Vieja anormal, also ist die zur Normalität gewordene Anormalität jetzt endlich wieder normal…

Auf jeden Fall wird nun auch jede Menge an wissenschaftlichem Material nun auf die Insel geschleppt und wir werden uns auf Tabellen und Grafiken freuen, wie man diese auch seinerzeit auf El Hierro zusammengestellt hat, so dass jeder dem Vulkan minütlich den Puls fühlen kann und seinen Odem analysieren. - Was allerdings die Cumbre Vieja daraus macht, oder der Magmafluss unter der Insel, dort in 20 - 30 Kilometer Tiefe, das weiß keiner. - Alles kann gehen, auch ein völlig unspektakuläres Verschwinden der Tätigkeit dort im Untergrund und im Moment ist das alles noch eher auf "Nichts" gepolt und nicht auf Krawall, aber immer und nicht nur jetzt muss jeder der auf Vulkaninseln lebt eben wissen, dass seine Erdung zum Untergrund besonders sensibel und direkt ist. - Wir haben allerdings noch keine Taschen gepackt… - Also 67 Beben über 1,1 ab 7.10.2017 um 10:29 bis jetzt 9.10.2017 um 17:20 - Drei Beben über der Stärke von 2, keines der Beben wurde bislang von der Bevölkerung gespürt und fast alle Beben befinden sich genau unter dem südlichen Teil der Insel, also dem neuen Abschnitt, der Cumbre Vieja. - Heißt nur falsch herum, (Cumbre Vieja = Alter Gipfel) ist aber jünger als der nördliche Teil der Insel, welcher als nicht mehr aktiv bezeichnet wird. - Seit heute Morgen allerdings keine seismische Tätigkeit mehr, aber wir wissen ja, Anormalität bei Vulkanen ist völlig normal…




Grafik vom IGN (Instituto Geográfico Nacional)




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Sonntag 08.10.2017 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 26 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 28 % - Luftdruck 1019 hPa
Höchsttemperatur heute 26,6 Grad - niedrigste Temperatur 17,4 Grad

Es rappelt in der Kiste
Mehrere kleine Beben erinnern uns an unseren Ursprung


Na wenn der Siebold wieder schreibt, dann muss doch irgendetwas passiert sein. - Nicht ganz richtig, passiert ist eigentlich nichts, ich schreibe auch nicht wieder dauernd, sondern möchte Ihnen von unserem kleinen Beben erzählen, welche seit gestern Mittag unsere Aufmerksamkeit geweckt haben. - Genau zehn Beben über der Stärke von 1,5 mbLg (das Ding mit der nach oben offenen Skala…) hat es unter dem südlichen Teil der Insel gegeben und wer weiß, dass alle Kanaren vulkanischen Ursprungs sind, der wird sicher dazu meinen, das sei alles ganz normal. - Ist es eigentlich auch, allerdings war unsere Insel eben die letzten Jahrzehnte ungewöhnlich ruhig in Sachen seismischer Bewegung, seit dem Jahr 1973 hat es keine stärkeren Bebenserien mehr unter der Insel gegeben. Die wenigen Beben, welche wir dennoch hatten, die führte man auf den Einsturz unterirdischer Kavernen unter oder neben der Insel zurück, nicht aber auf magmatische Bewegungen. - So dachten wir auch zunächst, wieder einmal ein solcher Einsturz, allerdings bebte die Erde immer wieder bis heute Mittag und das in Stärken von 1,4 bis 2,9 wobei nicht berichtet wird, dass irgendjemand eines dieser Beben auch gespürt hätte. - Liegt wohl an der Tiefe der Ereignisse, meist zwischen 20 und 30 Kilometer unter der Insel.

Durch die Wiederholungen allerdings ist die These vom Einsturz irgendwelcher Hohlräume unwahrscheinlich geworden, so dass man nun davon ausgeht, dass es wohl unter dem südlichen Teil der Insel Bewegung von Magma gibt. - Wären wir nun auf El Hierro, auf Tenerife oder zwischen Tenerife und Gran Canaria, dann wären solche Ereignisse keine Meldung wert, aber genau unter unserer Insel ist das eben wohl zumindest beachtenswert. - Was nun daraus zu folgern ist, da geraten wir schnell an unsere Wissensgrenzen, denn nach der genauen Verfolgung der Vorgänge um das Jahr 2006 auf Tenerife oder der Eruptionen vor der Nachbarinsel El Hierro haben wir auf jeden Fall eines gelernt, die wirklichen Spezialisten in Sachen kanarischer Vulkanologie halten sich mit Vorhersagen äußerst zurück. - Darüber hinaus ist Sonntag, kaum ein Institut, welches sich mit der Materie beschäftigt ist besetzt, und lediglich Nemesio Pérez vom lokalen "INVOLCAN" (INSTITUTO VOLCANOLÓGICO DE CANARIAS) äußerst sich bislang dazu und eben genau so wissend, also kurz: "Es handelt sich wohl um eine Reaktivierung der magmatischen Masse unter der Insel, welcher nicht zwingend in einer Eruption enden muss." - Vom IGN, also vom Nationalen Geographischen Institut heißt es noch kürzer, man wird die Angelegenheit genau beobachten und hier auf der Insel kümmern sich bislang lediglich zwei Lokalzeitungen um die Vorgänge unter der Insel. - Da diese Beben niemand gespürt hat, ist auch niemand alarmiert und man kann nun wohl die interessante Frage stellen, wenn ein normaler Vorgang unnormal erscheint, weil er nicht andauernd stattfindet, darf man dann noch von Normalität sprechen?

Im Moment muss auch niemand alarmiert sein, die Tiefe der Ereignisse lassen eher darauf schließen, dass nichts passiert, allerdings wäre es auch wieder fahrlässig zu behaupten, es wird sicher nichts passieren. - Wir können auch am Anfang einer längeren Phase seismischer Aktivitäten stehen, falls sich unter der Insel Magma in den Kammern sammelt oder sogar aufsteigen will. - Wir wissen ja auch alle um die Geschichte mit der Drohung, ein Abstürzen der Westflanke des Vulkangebildes Cumbre Vieja könnte einen großen Tsunami auslösen, und deshalb sind alle immer besonders hellhörig, wenn sich im Süden der Insel La Palma etwas tut. - Allerdings müsste dazu schon deutlich mehr passieren, als eine Eruption, denn wir wissen ja aus der Geschichte, dass weder der Teneguía 1972, noch der San Juan 1949, und weitere Ereignisse davor, die Insel so weit schütteln konnten, dass die Flanke der Cumbre Vieja sich medienwirksam gebeugt hätte. - Wir müssen abwarten, wie sich das alles entwickelt. - Noch fehlen die Daten der Gase, aus denen man vorsichtig schließen könnte, ob Magma aufsteigt oder nicht und vielleicht kann ich bereits morgen wieder in meine selbst gewählte Nachrichtenrente gehen, sollten uns keine weiteren Beben mehr aus unserer Lethargie rütteln.






Grafik vom IGN (Instituto Geográfico Nacional)





Kolumne eingestellt im Februar 2017

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Sonntag 19.02.2017 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 15 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 47 % - Luftdruck 1021 hPa

Servus

Am Mittwoch bin ich endlich nach Hause gekommen, bin aber noch ziemlich klapprig und mache nur ganz langsame Fortschritte. - Aber ich lebe noch, das ist, zumindest für mich, die gute Nachricht, und nun werden wir in den kommenden Wochen sehen, wie ich wieder auf die Beine komme. - Auf jeden Fall habe ich beschlossen - gut, eigentlich bleibt mir gar keine andere Wahl - so einige Dinge zu ändern und dazu gehört auch, dass ich mehr Zeit für meine Familie, Firma und Freunde brauche. Auch muss ich versuchen Druck von mir zu nehmen und so werde ich diese Kolumne aufgeben, auch wenn es mir wirklich nicht leicht fällt. - Aber nach über 14 Jahren reicht das dann auch, ich hatte eh viel zu oft das Gefühl, das ist sowieso schon alles geschrieben und vieles wiederholt sich immer wieder. - Nun ist Schluss damit, auch wenn das Vielen nicht gefallen wird. - OK, Einige jubeln auch, besonders die Hochglanzwerbebranche der Insel, die oft ein bisschen pikiert über meine Rundschläge war, und auch die Halbalphabeten der Facebook-Generation, welche von mehr als drei Zeilen Text bereits hoffnungslos überfordert sind. - Aber die drei Fs (Familie, Firma und Freunde) kommen einfach zuerst, und ich bin wirklich angezählt, und muss haushalten mit meiner Energie.

Mit der Firma (Ferienhäuser La Palma Urlaub) geht natürlich alles normal weiter, aber wie das mit der Seite La Palma Aktuell in Zukunft weiter läuft, das lasse ich komplett offen. - Zunächst ändere ich da auch nichts, es kommen auch noch neue Bildergalerien dazu, Kai Stockrahm, Herbert Schaar und Richard Wurdel haben bereits neue Bilder angekündigt, also wird es sich auch weiterhin lohnen, ab und zu die Seite aufzuschlagen. - Sie dient ja auch weiter zum Nachschlagen oder stöbern, nur das "Aktuell" wird eben täglich ein bisschen trüber, aber darüber mache ich mir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine wirklichen Gedanken. - Vielen Dank für die Besserungswünsche, das waren so viele nette Nachrichten und auch ganz vielen Dank für die Jahre Begleitung in meiner Kolumne. - La Palma ist auf einem guten Weg im Moment, es geht wirklich aufwärts, auch wenn vielleicht schon fast wieder zu schnell, aber ich werde diese Entwicklung in Zukunft von meinem Schemel im Elfenbeinturm betrachten, und endlich mal die Schnauze halten.

Was aber noch erledigt werden muss, das ist die Geschichte um die Spenden für Frans Familie und natürlich werden wir den Spendern auch weiterhin Rechenschaft ablegen, wie denn die Gelder für die Ausbildung der Kinder verwendet wird. - Die ersten Überweisungen sind gerade unterwegs und da ich nicht mehr öffentlich darüber berichten kann, bitte ich alle interessierten Spender sich bei uns per Mail zu melden. - In Ihrer Mail geben Sie bitte an: "Ich habe am XX.XX.201X den Betrag von XXX Euro überwiesen und möchte gerne in den E-Mail-Verteiler aufgenommen werden." - Die von SOS La Palma werden darauf hin diese Angaben bestätigen und dann sind Sie in meinem Archiv für ein Rundschreiben, immer wenn sich was Neues in Sachen Frans Familie und den Spenden ergibt.






Samstag 28.01.2017 16:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe
Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 49 % - Luftdruck 1022 hPa
Höchsttemperatur heute 18,0 Grad - niedrigste Temperatur 11,8 Grad

Leider geht es mir gesundheitlich erneut schlechter und ich weiß noch nicht, wie das weitergeht. - Ich stelle nun die Nachrichten aus, ich habe wirklich keinen Kopf dafür im Moment, wann es weitergeht, das kann ich noch nicht sagen.




Ihre Familie Ingrid & Mathias Siebold
Calle el Torreón 5/7
E-38750 El Paso
La Palma, Islas Canarias, Spanien
Tel. von Deutschland: + 34 922 497216
email: m.siebold@la-palma-urlaub.de
Kanarische Ferienhäuser auf La Palma