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Carlo, San Borondón

Landgang - Nach dem Essen


              

Die nachfolgende Geschichte ist frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit anderen Berichten oder Erzählungen ist rein zufällig. Gleiches gilt für die verwendeten Namen, Bezeichnungen, Techniken und geografischen Orte

Nach dem Essen

John war mit uns in eine andere Welt eingetaucht:
"Land - Land", rief ich zu den anderen, und obwohl klar war, das alle die beiden Berge über dem Horizont sehen konnten, erfreute mich der Anblick und die Hoffnung, bald wieder Boden unter den Füssen zu haben derart, dass ich immer wieder ein "Land - Land" über die Wellen rief, wenn ich den einen oder anderen Kajak sichtete.

Ich hatte mich auf den Bermudas einer Gruppe von Extrem-Sportlern angeschlossen mit dem Vorhaben, den Atlantik in Kajaks zu überqueren. Nun waren das keine gewöhnlichen Kajaks - wir nannten sie einfach Hochseekajaks: Sie trugen auf beiden Seiten Ausleger, die wir dicht an den Rumpf ziehen aber auch weit ausstellen konnten, und mit diesen Mini-Trimaranen unter einer Art Surfersegel fegten wir mit beachtlicher Fahrt dahin. Auf den Azoren ergaben sich einige Ruhetage, die wir dringend brauchten. Unser nächstes Ziel - Madeira - hatten wir infolge schlechten Wetters verfehlt und mussten mehrere Tage an Bord unseres Begleitschiffes verbringen. Schließlich lagen unsere 12 Kajaks etwa 100 SM westlich der Kanaren und liefen mit einem frischen Nordwind auf die Insel La Palma zu. Das Feld verteilte sich über einige SM. In meiner Nähe sah ich die Segel unseres Führungstrios immer wieder über die Kämme huschen. Die beiden anderen Boote lagen nur zwischen 100 und 200 m an Steuerbord querab, vielleicht etwas zurück. Irgendwann kamen mir Zweifel. Das Land war wohlmöglich nicht La Palma? Unser Begleitschiff konnte ich etwa 2 sm achteraus in der Nähe des Hauptfeldes ausmachen. Die müssten auch längst die Kennung haben, also weiter! Ich werde nie vergessen, wie die beiden riesigen Kegel in Nordost hervortraten. Sie erinnerten mich an Pico, eine Insel der Azoren. Der eine Kegel lag nördlicher und dahinter am Fuß etwas verdeckt ragte der andere Berg auf. Ich kann nicht sagen, welcher der beiden höher war, aber ich denke, dass beide zwischen zwei- und dreitausend Meter hoch ragten, ebenmäßige Kegel, um die sich auf halber Höhe eine flache Wolkenbank schloss. Nach Stunden zeichnete sich im Norden ein flacher Küstenstreifen ab, der sich bis zum Horizont hinzog. Aber überwältigend waren die unzähligen Hügel und Berge vor mir, die über der Küste sich sanft staffelten und nach Süden hin verliefen. Dieser Höhenzug mochte vielleicht einige hundert Meter erreichen, die zurückliegenden Berge waren wahrscheinlich nicht höher als tausend Meter. Diese Landschaft war sichtlich alt, keine schroffen Felsen und Kanten, selbst zur Küste hin, die jetzt deutlich zur erkennen war, zogen ebenmäßige Hänge. Hier konnte ich zwischen abgeschliffen felsigen Streifen weite Strände erkennen. Buchten und Kanäle unterbrachen die Küste.
Als ich um einen felsigen Vorberg in eine Bucht steuerte, glaubte ich meine beiden Begleiter unmittelbar hinter mir. Ich wähnte sie in eben einer solchen andächtigen Begeisterung wie mich selbst und mochte mich nicht nach ihnen umschauen. In der Bucht bekleidete üppiger Pflanzenwuchs die Hänge. Es war ein Grün über Grün, und nach den Wochen auf offener See empfand ich die Wärme und Stille wie eine unwirkliche Wohltat. Mein Kajak trieb mit einem kaum wahrnehmbaren Lüftchen über das glatte Wasser. Die leichte Dünnung schob sich zwischen die flachen Felsen, die sich zu einer engen Fahrrinne zusammenfanden, an deren Ende ich eine kleine Hafenanlage mit Booten in leuchtenden Farben bemerkte. Hier war kein Wind. Ich zog die Ausleger heran und paddelte zu einer breiten Slipstelle. Hier barg ich den Kajak hoch und breitete das Segel aus.
Etwas beunruhigt wartete ich auf die beiden anderen Boote, aber nun, vielleicht waren sie in eine Nachbar- Bucht eingelaufen. Ich war allein in einer überwältigend heilenden Natur.
Mit der unbestimmten Erwartung, etwas Außergewöhnliches entdecken zu können, rannte ich von der Slipanlage auf die andere Seite des kleinen Hafens und fand einen Weg zwischen den Hängen und Felsen. Ich folgte den Windungen und kam nach einigen Minuten bedächtigen Gehens an eine Straße, die offensichtlich an der Küste entlanglief. Mit leichtem Gefälle kam sie von einem Hügel im Süden und zog sich nach Norden weithin bis zur Küste hinab. Es war weit und breit niemand zu sehen. Auf der gegenüberliegenden Seite führte an einer kultivierten Böschung ein Weg hinauf. Er war mit einem Geländer aus naturbelassenem Holz zur abfallenden Seite abgegrenzt und zog sich um einen Hügel herum. Ich lief hinüber und den Weg hinauf, der mich bald von der Rückseite auf die Anhöhe führte. Zwischen den Bäumen konnte ich etwas Weißes erkennen, das sich alsbald zu einem hölzernen Pavillon gestaltete. Von hier oben führten einige Wege in eine hügelige Parklandschaft. Das Grün der Bäume und Büsche über einer üppigen Bodenvegetation war wie der Hintergrund für eine kaum zu beschreibende Fülle von Blüten und Früchten. Ich wandte mich wieder dem Pavillon zu. Über weiß gestrichenen, geschnitzten Säulen und Geländern ruhte ein vielseitiges schwarzes Dach. Vermutlich würde der Ausblick von dort über die Küste atemberaubend sein. Ich stieg den jetzt steil nach oben führenden Weg langsam hinauf und hörte unerwartet Schritte hinter mir, und dann eilte ein junger Mann mit dunklem Lockenkopf grußlos an mir vorbei. Ich verweilte ein Moment und fand sein Verhalten etwas befremdend. Er trug ein weißes blusenartiges Hemd, darüber eine offene schwarze Weste. Seine Beinkleider lagen eng an und waren unter den Knien zugebunden. Die kräftigen, nackten Beine steckten in Sandalen. "Ein Ranger", dachte ich und wunderte mich, wie ich auf diesen Einfall kam.


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Landgang




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