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Carlo, San Borondón

Landgang
Bei der Nachspeise


              

Die nachfolgende Geschichte ist frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit anderen Berichten oder Erzählungen ist rein zufällig. Gleiches gilt für die verwendeten Namen, Bezeichnungen, Techniken und geografischen Orte

Am Wochenende habe ich auf Lista den Amerikaner getroffen, und wie die meisten Ausländer arbeitet er im Offshore. Er machte einen durchaus nüchternen Eindruck - die Leute auf den Plattformen können sowieso nicht anders als nüchtern sein - und dann kam er zur Sache. Erst muss ich sagen, wir waren bei Gru und Chris eingeladen. Es gab Renrücken mit eingemachten Beeren aller Art und Pilzen, dazu einige Flaschen Rotwein aus Südafrika und anschließend Pfannkuchen mit Eis und roter Soße. Dazu noch ein paar Ports. Es ist nicht so einfach, diese Schichtdienstler zusammenzubringen, aber abgesehen vom Essen und einem Kuhsturm draußen hinter den dicken Mauern (alter Hof aus Granitmauern) waren wir irgendwo westlich von La Palma. Der Amerikaner hat den seltenen Namen John, und was er nun von sich gab, war so detailliert beschrieben - ich hatte bisher nur die Eindrücke von Gru kennengelernt - dass ich mittlerweile weiß, wie ein Einkaufzentrum auf San Borondon aussieht - kein Unsinn, nein, ich bin überzeugt, es muss traumhaft schön sein. Da sitzt ein hemdsärmeliger Ölbohrer und erzählt Dinge, die er vielleicht in London gesehen haben könnte, aber es war nicht in London, es war 100sm westlich von La Palma.

Bei der Nachspeise

"Mein Name ist John Gilbert Holtkoetter, und ich bin seit 38 Jahren Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika. Aufgewachsen bin ich in einem Tal unweit Santa Fe in New Mexico. Meine Mutter ist eine selbständige Geschäftsfrau, sie will sich immer noch als Projekt-Managerin einen Namen machen und bringt damit meinen Vater auf die Pappel, der schon längst nur noch seine Hühner zählt und rumschimpft, weil ein Coyote oder ein Racoon, oder auch der Hund von Dayton, der eigentlich zu den Stinktieren zählt, also - der Hund. - was wollte ich noch sagen, ja, dort leben sie heute noch, und auf dem Rio Grande hatte ich mein erstes Kanu, das eigentlich Holguin, einem Hispanic, gehörte, und daher kommt meine Liebe zu allem, was mit Wasser zu tun hat." John zog mit ausgestreckter Hand einen Bogen über den Tisch, erwischte eine Kerze, die zischend in der roten Soße ihr Licht aushauchte. Wir hatten ein vorzügliches Abendessen genossen, und John war in der unübertreffbaren Stimmung, die Offshorer beim Landgang entwickeln können. "War das so schon mal brauchbar für den Anfang - skaal, Gru! Du bist nicht nur die beste Seglerin, du bist auch unser bester Doktor und eine Superfrau, aber du bist vor allen Dingen die beste Köchin!" - "Das war brauchbar, John, aber du solltest doch von San Borondón erzählen, und nicht deine Kindheitserinnerungen auspacken." Gru zog ihm die Serviette aus der Hand. "Setzt Euch da in die Ecke, ich mache hier eben klar Schiff!"

Chris hatte als Hausherr für Gemütlichkeit gesorgt und den Eisenofen angefeuert. Draußen versuchte sich der erste Herbststurm über dem weiten Lista-Land.

Gru und Chris hatten John und mich zu einem San Borondón-Abend eingeladen. Und das kam so: Auf der Krankenstation der SO27 Plattform hatte Gru eine lädierte Hand behandelt. Die Quetschung ließ Schlimmes vermuten, aber nun konnte sie den Bohrmeister beruhigen. Eine Woche Landgang, und dann würde er wieder arbeiten können. Sie blickte aus dem Kabinenfenster. Ein klarer Tag zeichnete ein kontrastreiches Wolkenband auf den Horizont. "Wie San Borondon", murmelte sie vor sich hin und drehte den Wasserhahn zu. Sie trocknete ihre Hände und wandte sich dem Patienten zu. "Du kannst gehen, John, pack deine Sachen, um drei gehst du ab!" Sie begegnete dem schrägen Blick des Bohrmeisters, und ihr Gesicht formte sich zu einer Frage: "Ist noch was?" - "Nein, nein - schon gut und danke für den Verband, aber hast du nicht gerade San Borondon gesagt!?" - ".habe ich was gesagt", wiederholte Gru. Sie hatte wohl verstanden, aber was in aller Welt wusste ein kantiger Bohrmeister über San Borondón. Sie nahm erst jetzt die Augen wahr, die ihre Antwort einforderten. "Ich soll was gesagt haben?" Sie versuchte, ihn in eine Verunsicherung zu leiten, aber sie wusste auch, dass Menschen dieses Schlages unempfindlich reagieren. "Du hast San Borondón gesagt, und ich habe San Borondón verstanden!" John zog sich ein Lächeln über die Lippen und hob die verbundene Hand in Kopfhöhe, als ob er dann besser hören könnte. "Ist es nicht so!?" Für Gru gab es keine Zeit, ihre Gedanken zu ordnen. Die Bilder sprudelten aus der Erinnerung hervor, sie standen in ihren Augen als sie den Mund leicht zur Antwort öffnete und doch wieder schloss. Sie schluckte: "Es ist so, aber was weißt du über San Borondón?" Die Antwort schien aus weiter Ferne zu kommen, sie glitt an ihr vorbei und hinterließ einen andauernden Nachhall: "Ich war dort, ich kenne die Insel!" Nur noch die dröhnende Stille der Bohrinsel füllte den Raum

Um drei nahm der Hubschrauber John mit an Land.

Gru erreichte mich zwischen zwei Sitzungen im Institut für Geo-Wissenschaften in Oslo. Ich hatte lange nichts mehr von ihr gehört und war umso mehr überrascht, als sie mich zum Wochenende in ihr neues Zuhause auf Lista einlud: "Ich habe einen weiteren San Borondón Fall für dich, du wirst es nicht glauben, aber ich habe jemanden getroffen, der auf der Insel war - ja, das klingt alles so plausibel, was John erzählt, du musst ihn einfach kennenlernen!"

Selbstverständlich sagte ich zu. Chris hatte mich in Stavanger abgeholt, und nun vertieften wir uns schon seit Stunden in John's Erzählungen und in Skizzen, mit denen er alles illustrierte.


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San Borondón




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