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Carlo, San Borondón

Kein Seglergarn:
Die Bruden av Mandal
6. Kapitel


              

Die nachfolgende Geschichte ist frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit anderen Berichten oder Erzählungen ist rein zufällig. Gleiches gilt für die verwendeten Namen, Bezeichnungen, Techniken und geografischen Orte

Chris ließ sich Zeit. Er hatte in der frühen Morgensonne die Lage gepeilt und kurzerhand ein Bad genommen. Zwei Uniformierte schlenderten die Mole entlang und hielten in Höhe der Bruden inne. Sie riefen etwas von Mandale und Papel, was Chris dazu veranlasste unter Deck zu gehen. Er machte sich klar für einen Landgang und das dauerte. In der Hundekoje an Steuerbord schlief ein offensichtlich völlig erschöpfter Spencer. Gru hatte sich wieder in ihrer Eignerkoje eingeklemmt, damit sie nicht in dem stetigen Schwell hin und her rollte. Ein Blick aus dem Deckshaus zeigte das Bild zweier Beamter der Guardia Civil in stoischer Ruhe. - Ein neuer Tag in La Restinga.

Chris hatte das Dingi in der Nacht unter dem Spriet festgebunden und verholte es jetzt zum Fallreep. Auf der Pier verfolgten reglose Mienen sein Tun. Chris kannte die Zeremonie zur Genüge, nur keine Hektik, das würde die Staatsmacht beunruhigen. Er hangelte sich mit dem schweren Dingi an der Heckleine zur Pier, warf einen Tampen über den Poller und enterte nach oben. Man begegnete sich. Schiffspapiere, Fragen, Pässe, Telefonate - so etwas braucht seine Zeit. "Wo ist der dritte Pass - sie haben doch den Mann geborgen, wo ist der?" - "Ja, sicher, er schläft, er ist völlig entkräftet und braucht einen Arzt, er ist Engländer!" Chris sammelte sein Spanisch zusammen "Ich glaube nicht, dass er einen Pass hat." - "Gut - lassen Sie in schlafen!

"Sie werden von uns hören!" Der Beamte versuchte die Andeutung eines Grusßes und wandte sich ab. "Vorläufig können sie nicht auslaufen!" - Chris stand wie vom Donner gerührt in der Morgensonne: "Schicken sie mir lieber einen Kran, um das Ding da von Bord zu holen, und dann bekommen sie den Engländer und ich laufe aus, damit das klar ist!" - Die beiden Guardia Civil hielten kurz inne, drehten sich zu einander und blickten zurück: "Was hier klar ist, bestimmen wir!" Chris verfolgte den Wagen noch als er bereits die Straße nach oben erreicht hatte. Als "Offshore-Mann" war er nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen, aber das hier - das kratzte an seinen Nerven.

Gru hatte die Gelegenheit des unfreiwilligen Hafentags für einen Ausflug nach La Restinga genutzt. Sie konnte die ständigen Nörgeleien damit abschalten, und außerdem ging ihr Spencer mit seinen tausend Fragen auf den Geist. Nun saß sie wieder vor dem Niedergang und packte ihre Plastiktüten mit dem Versprechen aus, ein richtig gutes Essen auf den Tisch zu bringen, weil an ein Auslaufen wohl heute sowieso nicht mehr zu denken sei. Chris hatte sich in sein Schicksal ergeben und ein Sonnensegel über die Plicht gezogen. Er hatte mit Bjarne auf La Palma telefoniert, der bei Freunden untergekommen war. Sein Fuß war doch nicht gebrochen, und er könne schon wieder humpeln. Und rudergehen könne er auf jeden Fall. Chris hatte schließlich zugestimmt, dass Bjarne am nächsten Tag mit der Fähre nach El Hierro kommen und sich nach La Restinga durchschlagen werde.

Sie bemerkten das Schnellboot der Guardia Civil erst als deren Propeller ihr rauschendes Knattern an den Rumpf der Bruden schmetterten. Dann war Ruhe. Das Boot hatte an der Mole festgemacht. Gru sah sich das Anlegemanöver durch ein Fenster des Deckshauses an, Chris war aufgesprungen und achtete besorgt auf seine Heckleine und das Dingi, Spencer hatte sich auf der Heckbank zusammengekauert und wirkte verängstigt. Eine eigentümliche Stille legte sich über den kleinen Hafen, fast schien es, als ob sogar die Dünung flacher geworden sei. Gespannte Erwartung.

An Deck des Schnellbootes kam Bewegung auf. Zwei Herren in Zivil unterhielten sich am Seegeländer des Hecks und blickten dabei wiederholt zur Bruden. Obwohl die Entfernung nur zwei Längen betrug, nahm Chris den Kieker und sah sich die Gesichter näher an. Seine provozierende Art löste eine heranwinkende Handbewegung aus, die wohl einen Dialog vorbereiten sollte. Einer der beiden Herren rief in perfektem Englisch, ob man sich zu einem Gespräch mit der Crew der Bruden auf der Mole treffen könne.

Ja, es habe ein Vermessungsschiff namens Breton Bridget gegeben, das um 1700 mit Mann und Maus verloren ging. In der Musterrolle sei der Name Spencer Godfrey Guelderland aufgetaucht, er habe als Kartograph an Bord gearbeitet. Der eine der beiden Herren hatte sich als Mitarbeiter eines angeblichen Spanischen Ozeanografischen Instituts ausgegeben. Er sprach fließend Englisch und nannte sich Giuseppe Alvarez, der andere Herr wirkte eher unbeteiligt und hatte sich auch nicht vorgestellt. Seine Zurückhaltung wirkte nicht unfreundlich, er lächelte ab und zu und bemühte immer wieder sein Fotohandy. Nein, seine Art brachte etwas Bedrückendes mit sich, sie war wie eine baldige unangenehme Antwort. Chris hatte am Nachmittag einem Besuch auf der Bruden zugestimmt, weil er sich davon eine Beschleunigung der Übergabe an die Spanischen Behörden versprach. Bei Gru entwickelte sich hingegen der Eindruck drohenden Unheils. Sie wies Spencer mehrfach an, seinen Mund zu halten. Er habe schon viel zu viel preisgegeben.

"Und das ist ein Gerät von der Insel?" Sie standen um das Gestell mit der kleinen glänzenden Kugel. Herr Alvarez wandte sich zu seinem Begleiter: "Sehen sie das!?" - "Ja, das ist eindeutig!" Herr Alvarez neigte sich zu Spencer und sprach sehr leise: "Welches Gewicht messen Sie dem Gestell zu?" - Gru wusste schon bei der Frage, dass Spencer sich gleich ihr zuwenden werde, sie sah seine Hilflosigkeit und aufkommende Angst: "Es ist schwer, aber nicht so schwer, schließlich haben wir es aus dem Dingi gehoben!" Ihre Antwort würde das Unvermeidliche nur hinauszögern, sie wusste es, aber sie versuchte dennoch, den nicht vorhandenen Ausweg zu finden. Herr Alvarez war geduldig, er wies Gru zurück und ging mit Spencer geschickt beiseite. Er nahm seine Hand und hielt sie lange fest. Spencers hilflose Blicke liefen über in ein ungläubiges Zuhören, Satzfetzen wie‚ der Wissenschaft dienen und "Fortschritt der Menschheit" flatterten über das Deck und "nicht zuletzt werden Sie mit ihrer zukünftigen wissenschaftlichen Arbeit ein sorgloses Leben führen können, Herr Guelderland!" Mit dem Arm um Spencers Schulter hatte Herr Alvarez sich wieder den anderen zugewandt. Gru wusste, es würde ein schwerer Abschied werden.

Noch vor Abend hatte der Bordkran des Schnellboots das Gestell in die Last gehievt. Spencer ging unmittelbar danach von Bord und folgte Herrn Alvarez. Gru hatte Spencer in die Arme geschlossen und beteuert, sie werde sich hier auf dieser Insel wieder mit ihm treffen. Das Dingi nahm die örtliche Guarda Civil in Obhut.

In der Abenddämmerung legte das Boot der Guardia Civil ab.


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