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Carlo, San Borondón

Kein Seglergarn:
Die Bruden av Mandal
2. Kapitel


              

Die nachfolgende Geschichte ist frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit anderen Berichten oder Erzählungen ist rein zufällig. Gleiches gilt für die verwendeten Namen, Bezeichnungen, Techniken und geografischen Orte

Ihre Stimmen erinnerten entfernt an das Zwitschern von Vögeln. Ein leises, sich überlagerndes Gepipse entfloss dieser zarten Gesichtsöffnung, die Äonen früher in ihrer Entwicklung ein Mund gewesen sein mochte. Wohl eine Fülle meinen Ohren verborgener Frequenzen umfasste ihr Stimmumfang, der einem großen Orchester gleich Wissen vermittelte - demjenigen, der die Gabe zu hören und zu verstehen hatte. Ich hatte lange versucht, ihren Umgang miteinander zu begreifen, aber schon das Wenige, was ich zwischen diesen Wesen wahrnehmen konnte, entzog sich nach Momenten der Erkenntnis meinem Vorstellungsvermögen. Unfassbar große Wissensinhalte flossen komplexen Empfindungen gleich hin und her. Ich versuchte mir davon ein Bild zu machen, indem ich mir vorstellte, jede Regung meines Ichs in meinem Körper bewusst wahrzunehmen und zu steuern, aber auch dieses Mittel zum Verständnis war von der Wirklichkeit weit entfernt Und sie hatten Humor. Ich glaube, dass sie Witze erzählten, denn zuweilen piepste nur einer von Ihnen, um plötzlich ein aufgeregtes Echo der Zuhörer in sich aufzunehmen. Dann wiegten sie ihre großen Köpfe und schlossen die großen Augen. Sie ruhten - oder auch nicht. Ich empfand immer eine starke Bindung zu Ihnen, ein wenig schmerzlich war diese Zugehörigkeit, eine Hinwendung aus einem So-sein-zu-wollen und einem Nicht-so-sein-zu-können. Und ich lebte nun einmal in ihrer Welt.

An den Anfang kann ich mich nicht entsinnen, vielleicht gab es keinen Anfang. Ich weiß nur, dass ich früher immer schlafen musste, und wenn ich aufwachte war dieses wunderbare Wesen bei mir und sang. Der Gesang war nicht im Raum, er war mehr in mir, und ich wusste, dass die Melodien von dem Wesen kamen. Auch hatte ich ein großes Wissen über die Welt, aber ich hatte keine Sprache so wie sie. Ich dachte mit Symbolen und in Bildern, die in mir waren, und andauernd entwickelte ich neue Zusammenhänge, mit denen ich versuchte, mich zu erklären und zu erkennen. Alles erfuhr ich von diesem Wesen, auch das Sehen in eine andere Welt, in der wir nicht sein konnten, und zu der ich eine unerklärbare Sehnsucht empfand. Meine Welt war geordnet, aber die andere Welt war in ständiger Veränderung und dennoch geordnet, die Bilder waren immer wieder anders und auch wieder gleich, und die Zeit musste eine andere sein. Alles geschah rasend schnell. Oder gar nicht.

In dieser Zeit kam das Wesen wieder zu mir und ließ mich ein langes, sehr hohes Pfeifen hören, das sich in Geräusche veränderte die nicht gleichmäßig, sondern wie zerhackt tönten. Sie waren mir vertraut. Ich erkannte die Symbole. Es war eine Sprache, die ich verstehen und sprechen sollte, und wenn ich Symbole dachte, hörte ich die Worte der Sprache, und nach einer Dauer sprach ich die Worte zu den Symbolen und bald waren es Worte ohne Symbole, die ich zu Wissen der anderen Art entfaltete.

Mein Wesen war wieder bei mir, und ich hörte im Raum die Sprache, die ich verstand, aus dem Wesen. "Du weißt jetzt, dass Du nicht so bist wie ich. Du bist ein Mensch, der ein ganz anderes Leben ist. Eines ist uns gemeinsam: Du weißt, dass ich dich liebe, und ich weiß, dass du mich liebst. Wir werden einander bald nicht mehr erleben können, weil ich weiß, dass du wieder dorthin gehen musst, von wo Du gekommen bist. Ich kann in deiner Welt nicht sein, und es gibt Menschen so wie du einer bist in dieser Welt, die den Ort, an dem du aus deiner Welt zu mir gekommen bist, entdeckt haben." Ich versuchte zu verstehen und fühlte mich plötzlich sehr einsam: "Wie soll das sein, bitte erklär mir alles!" Mein Wesen faltete die Augen zusammen und ruhte. Ich hatte mich auch in Ruhe begeben. Dann vernahm ich wieder die Worte im Raum aus meinem Wesen: "Ich bin hier und auch wieder nicht hier, wo du bist. Wisse, dass du mich wahrnimmst, weil ich von einem anderen Ort und aus einer anderen Zeit das belebe, was ich für Dich bin. Ich bin hier so, weil ich diese Welt erfahren will, und ich habe mich zu dieser Insel gemacht, die dieser Welt entspricht. Du bist zu mir gekommen, weil ich dich gerettet habe vor dem Untergang mit einem Schiff, und ich habe dich erfahren. Aber jetzt werde ich die Insel aus der Zeit nehmen, in der du bist. Seit du hier bist, ist eine andere Zeit vergangen als in der Welt aus der du gekommen bist. Du kannst in die Vergangenheit gehen aber auch in der Gegenwart bleiben." Mein Wesen faltete die Augen ein und auch ich ruhte auch, dann waren wir in der Gemeinsamkeit einer tiefen Verbundenheit für den Abschied in die Gegenwart. "Wie ist das, was du bist, sage mir, wie du dich erkennst", versuchte ich das Gespräch weiterzuführen, weil ich Angst vor dem Ende bekam.

"Ich habe dir vieles erklärt und du weißt alles über die Welt, in der du leben wirst, aber etwas weißt du nicht! Ich habe ein Geschenk für dich. Alles wirst du vergessen, aber mein Geschenk wird einmalig sein und du wirst damit deinen Verstand reinigen und das Universum in Deinen Händen halten Ich habe in den Welten zwei Gedanken. Sie sind sehr leicht und sehr schwer. Mit den schweren Gedanken kann ich die leichten gestalten. Alle Gedanken sind in Kreisen. Die Kreise können ganz klein und sehr groß sein. Ist der Kreis klein hat er keine Zeit, ist er groß, hat er eine Zeit. Viele Kreise bilden eine Spirale mit vielen Zeiten. Mit einem schweren Gedanken kann ich in einem leichten Kreis die Zeit in einem Raum zu einem kleinen und schweren Kreis umbiegen. Dieser Raum ist zwar noch in dem leichten Kreis, aber zeitlich versetzt. Es reicht eine minimale Änderung der Zeit, um einen Raum durch einen anderen zu ersetzen. Deswegen wirst Du alles, was dich hier umgibt, nicht mehr wahrnehmen, wenn ich damit in eine andere Zeit gehen werde. Hier ist mein Geschenk. Es ist ein winziger Teil des schweren Kreises, mit dem ich dich in deine Zeit bringen werde. Ich habe ihn in dieser kleinen Kugel neu gebildet. Wenn du in deine Welt kommst, wirst du die Kugel nicht bewegen können, weil sie zu schwer ist. Ich habe sie in eine Trage gelegt, auf der sie in deinem Boot liegen kann. Richte die Kugel immer wieder neu aus, sonst wird sie zerbrechen." Mein Wesen wies auf das Gestell, in dessen Mitte eine kleine schwarz glänzende Kugel lag. Ich nahm die Kugel aus dem Gestell, betrachtete sie auf meiner Handfläche. Ich legte sie zurück in die Fassung des Gestells, wobei ich in eine tiefe Ruhe überging.

Als meine Wesen die Augen auffaltete sah ich mich selbst in ihnen. Es nahm Abschied von mir, und ich ging durch ein Bild hinaus auf die Insel. Ich erkannte die Schönheit der Welt und sah am Horizont ein Schiff, dem ich begegnen würde. Meine Erinnerung bahnte sich ihren Weg in das Vergessen. Unten am Strand lag mein Boot, mit dem ich mich vor mehr als dreihundert Jahren auf die Insel gerettet hatte.


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Irgendwo da draußen, in Südwest




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