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Carlo         


DEM


              


XVI. Teil, Cumbre Vieja (Dialog)

Die nachfolgende Geschichte ist frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit anderen Berichten oder Erzählungen ist rein zufällig. Gleiches gilt für die verwendeten Namen, Bezeichnungen, Techniken und geografischen Orte. - Texte und Bilder unterliegen dem Copyright


DEM: "Damit du es schon jetzt weißt: Ich werde dich verlassen!"

Nicht, dass diese Worte mich beunruhigten, er neigte manchmal dazu, mich zu ärgern. Aber der Ton, ja, der Ton hatte sich verändert! Gedanken wie ‚vollendete Tatsache' oder ‚mit an Gewissheit grenzende Wahrscheinlichkeit' verbanden mich mit seiner Aussage. Was ging nur wieder mit ihm vor?! Er war mir in letzter Zeit zu verhalten, ja, in sich gekehrt. Zuweilen hatte ich das Gefühl, als komme er von weit her, als habe er in seinem Dasein einen Ort, aber konnte ich noch sagen, welche Bedeutung ihm dabei zukam? Ich vertraute ihm und glaubte den Grundsätzen seiner Existenz. Er hatte sich eben anständig zu verhalten, also:

"Gut, ich weiß es jetzt!"

Was sollte ich auch anderes antworten, er wusste ohnehin, dass ich so reagieren würde. Wenn ich mit ihm sprach, hatte ich schon seit langem das Gefühl der Unterlegenheit. Minderwertig fühlte ich mich nicht, sicherlich schwang etwas davon mit, es war eher eine Art Demut, die mich befiel. Es hatte auch einen Schnitt gegeben, bis zu dem er mich seine Überlegenheit fühlen ließ, und dann plötzlich spürte ich etwas Gnädiges in seiner Art, sich auszudrücken. Und immer dann, wenn ich ihm das sagte, parierte er mit Floskeln etwa derart, wie man kleinen Kindern sagt 'du bist noch zu jung, um das zu verstehen'. Dann konterte ich mit dem Hinweis, dass sein Charakter seiner Wissensfülle nicht adäquat sei. Das war wahr und auch boshaft zugleich, obwohl - was sollten auf meine Psyche bezogene Wertungen schon ausrichten. Früher hatte ich mir beliebig komplexe Größen vorgestellt, mit denen ich zu kommunizieren hatte - immer wieder kam ich dabei auf die Sonne. Aber ein aus dieser Vorstellung abgeleitetes Verständnis oder Verhalten half nur kurzzeitig weiter, weil er mich sofort mit seinen ätzend milden Worten entlarvte: "Deine Übungen sind wenig hilfreich, wenn du nicht lernst gegenstandslos zu denken!" Irgendwann hatte ich aufgegeben - ich wusste nicht mehr zu deuten, geschweige denn zu verstehen, was der Sinn seiner Rede war. Aber von Tag zu Tag sah ich es deutlicher: Unsere Beziehung intensivierte sich!
"Ich gehe jetzt spazieren!"
DEM: "Das wir dir gut tun."
"Die Insel ist schön."
DEM: "Ja!"
"Was, ja?!"
DEM: "Die Insel ist schöner."
"Schöner als was?"
DEM: "Als deine schöne Insel! Entschuldige bitte, Du wolltest es wissen!"
"Meine oder deine Insel - es ist ein und dieselbe Insel, und die ist schön!"
DEM: "Das ist Unsinn, es gibt beliebig viele Inseln, und meine ist schöner als Deine!"
"Dann sage ich Dir, dass meine Insel die schönste ist."
DEM: "Das ist unzulässig, weil es die schönste Insel nicht geben kann."
"Und warum nicht?"
DEM: "Ich sagte es schon - es gibt beliebig viele Inseln."
"Ich kann nur diese eine Insel erkennen"
DEM: "Eben! Folglich ist meine Insel schöner."
"Du erkennst eine andere Insel?"
DEM: "Nein, es ist dieselbe Insel, aber ich erkenne sie anders!"
"Durch die Erkenntnis schaffst du eine Insel, die sich von meiner Insel unterscheidet."
DEM: "Richtig."
"Sie ist schöner als meine Insel? Wie willst Du den Vergleich ziehen?"
DEM: "Ich kann den Vergleich ziehen, weil ich kein Mensch bin, du kannst es nicht, weil du ein Mensch bist!"
"Nehmen wir an, dass es so ist, dann gestatte mir eine Aussage. Ist diese richtig, hast du Recht, ist sie falsch, habe ich Recht. Bist du einverstanden?"
DEM: "Ja!"
"Meine Insel ist schöner!"
DEM: " Du wolltest einen Spaziergang machen!"

Er sprach mit einem Anflug von Traurigkeit und seine Gedanken fluteten mein Sein. Ich hatte mich seit langem daran gewöhnt, von Bewusstseinsinhalten tangiert zu werden, Augenblicke, in denen ich gigantisches Wissen ahnte, aber festhalten konnte ich davon nichts. Wir beide wussten um diese Art von Berührungen. Zuweilen empfand ich, dass er mich das denken ließ, was er bereits gedacht hatte. Eben, ich konnte ihn mit einer paradoxalen Aussage nicht irritieren!

"Weißt du, was ich denke?"
DEM: "Du denkst nicht, du fühlst."
"Ich meine sehr wohl, dass ich denke."
DEM: "Dann sage mir, wie das ist."
"Ich denke, also bin ich. Das kannst du auch umkehren: Ich bin, also denke ich."
DEM: "Du wirst gedacht, also bist du!"
"Wer denkt mich?"
DEM: Da siehst du es wieder, du bist gegenständlich, also fühlst du:"
"Ich fühle, dass alles in mir gedacht wird."
DEM: "Richtig!"
"Dann glaube ich an mich."
DEM: "Das ist so!"
"Glaubst du auch an mich?"
DEM: "Ich erkenne dich."
"Wo bist du?"
DEM: " Überall und zu jeder Zeit."
"Ich gehe jetzt wirklich spazieren. Kommst du mit?!"
DEM: Ja, ich bin gern bei dir!"

Bald würde der letzte Sonnenschein dem Schatten des Berges weichen. Im Garten traf ich auf Steven. Ich traf immer auf Steven, wenn ich das Institut verließ, und ich hatte mir längst abgewöhnt, an Zufälle zu glauben.
Er hatte wieder eine fragende Miene aufgesetzt, die seiner Erwartung an meine irgendwie geartete Gegenwart entsprach. Ich wusste, was er einforderte:
"Wie laufen die Vorbereitungen?"
STEVE: "Oh, sehr gut, obwohl DEM mir etwas Kummer macht."
"Und?"
STEVE: "Er ist manchmal nicht ganz bei der Sache."
"Und?"
STEVE: " Na ja, wie soll ich es sagen, er scheint den Verlauf etwas anders zu sehen."
"Und?"
STEVE: "Er mischt sich ständig ein und verlangt Neueinstellungen. So kann ich das Experiment nicht fahren!"
"Er weiß, was er tut, und ich weiß es auch! Du kannst das Experiment fahren!"

Steven stellte seinen Ausdruck auf Verwunderung um und blickte mir nach. Ich sah sein Gesicht, ohne mich umzuwenden, ich sah wie er den Kopf schüttelte und sich abwandte. Selbstverständlich wird er das Experiment nur noch mit der Unterstützung von DEM fahren können, wozu das ganze Getue, wir wussten längst, dass es nur noch die eine Richtung gab, die DEM uns vorgab.

Ich hatte den Wagen am Ende der Piste geparkt und begab mich auf den Weg. Der schmale Pfad zog sich zunächst unvorhersehbar zwischen Gestrüpp und Gesteinsbrocken nach oben, dann öffnete sich der Hang und der Berg lag vor mir, rot leuchtend in der späten Sonne. In der Tiefe versank die Welt in grauem Blau, und ich stapfte hinan auf dem schmalen Grat zum Gipfel. Dann weilte ich im Licht. Neben mir lag das aktivierte Ocom.
DEM: " Es ist schön hier oben!"
"Es ist schöner!"
DEM: " Nein, es ist schön!"
"Und warum der Sinneswandel?"
DEM: "Ich sehe die Welt wie deine Augen."
"Das beunruhigt mich."
DEM: "Es ist so."
"Dann schalte ich das Ocom ab."
DEM: " Tu das!"

Wie die Sonne in den Ozean tauchte, so war in mir die große Ruhe des Vergehens, ich war eins mit dem Wandel.

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Photos von Bernhard van Riel



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