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Carlo         


DEM


              


XI. Teil, Santa Cruz de La Palma

Die nachfolgende Geschichte ist frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit anderen Berichten oder Erzählungen ist rein zufällig. Gleiches gilt für die verwendeten Namen, Bezeichnungen, Techniken und geografischen Orte. - Texte und Bilder unterliegen dem Copyright


Wenig spektakulär, aber nicht unbemerkt trafen die Chartermaschinen an diesem Donnerstag kurz nacheinander ein. Der Beobachter drückte seine Zigarette aus. Einige der Fluggäste entsprachen nicht dem Anschein eines Urlaubers. Das Gerücht gewann Gestalt. Irritiert folgten seine Blicke den Passagieren, die zwei Kleinbussen zustrebten, die offensichtlich mit Genehmigung das Flugfeld befahren konnten. Andere Reisende bestiegen einen Wagen der Flughafenverwaltung und fuhren geradewegs zu einem Hubschrauber, der sofort in Richtung Breña Alta abhob. Ein Learjet landete. Es tat sich nichts. Eine außerplanmäßige Binter landete. Der Hubschrauber kam zurück und setzte in der Nähe des Lears und der Binter auf. Noch während der Rotor auslief, öffneten sich die Türen der beiden Maschinen und jeweils zwei Personen in dunkler Kleidung strebten eilig zum Weiterflug. Der Diario de Avisos titelte am nächsten Tag mit "Hochrangige Delegation erörtert Tunnelbauprojekt".

Madame Salembier ließ die befremdliche Szenerie sekundenlang auf sich wirken. Es war ihr erster Besuch auf den Kanarischen Inseln, und ausgerechnet diese kleine, abgelegene Insel hatte man sich für das Treffen ausgesucht. Sie wandte sich dem offensichtlichen Eingang zu und nestelte an dem Tragegurt ihrer Umhängetasche. Die beiden Herren folgten ihr mit kurzem Abstand, sie hielten inne, als die Señora ihre Schritte verlangsamte, darauf bedacht, zusammenzubleiben und doch Distanz zu wahren. Niemand konnte ahnen, wie dieses Trio die Zügel der Welt in den Händen hielt. Und dennoch war der Tagungsort scheinbar nicht wie gewohnt abgesichert. Lediglich einige Beamte der Guardia Civil hatten die Zufahrt gesperrt. Die vor Tagen angereisten Spezialisten aus dem Umfeld des Alfonso verhielten sich unauffällig. Ein Hauch Freiheit von den eigenen Zwängen streifte das Gemüt der Señora, und sie lächelte.

Ihre Eigenheit nahm sich ihrer selbst an. Niemand würde jemals dieses Lächeln sehen können, gar nicht daran zu denken, es wohlmöglich zu deuten. Sie fühlte sich in sich geborgen und ruhte in ihrem Selbstverständnis als sie über die Schwelle schritt. Die angenehme Kühle des großen Raumes verband sich mit einem Duft althergebrachter Bewohntheit. Sie wartete bis ihre beiden Begleiter aufgeschlossen hatten und folgte dann den Hinweisen zu einer kleinen Gruppe stilvoll wartender Herren.

"Willkommen auf La Palma, Señora!"
"Danke!"
"Es ist alles vorbereitet! Möchten Sie sich zunächst zurückziehen?"
"Nein, wir fangen sofort an!"
Sie wechselte einen Blick mit Alfonso und Sergej, wandte sich dann bestimmend dem Durchgang zu, der einen hellen Terrassenraum erschloss, aus dem eine gedämpfte Stimmenvielfalt zu vernehmen war. Sie ignorierte die Versammlung von Persönlichkeiten und ließ sich einen Platz zuweisen, der deutlich ihr zugedacht war. Das Stimmengewirr schwand dahin, vor einer angewachsenen Erwartung. Sie genoss diesen Moment, wie sie ihn immer wieder erlebte, eine gleich bleibende Wohltat für ihr Wesen. Stehend legte sie ihre Tasche mit Bedacht auf den Stuhl zu ihrer rechten. Sergej würde eben einen Platz weiter sitzen können. Sie wartete bewusst, ohne in die Runde zu blicken, die fast atemlos ihren Bewegungen folgte. Man würde sich erst setzen, wenn sie saß! Sie durchlebte die Sekunden immer wieder gern, wenn sie den Raum mit ihrem Ich ausfüllte, ein Publikum langsam spielend in ihren Bann zog bis sie erlösend mit einem leichten Nicken zur Seite, einer schnellen Kopfbewegung, die eine Begrüßung andeuteten sollte, Platz nahm. Stets folgte ein murmelndes Stühlerücken und dann erwartungsvolle Stille.
Die Señora war eine grazile Erscheinung mit durchaus weiblicher Ausstrahlung, die sie gezielt charmant einzusetzen wusste. Ihr schulterlanges fülliges Haar schloss natürlich wellend ihr Gesicht ein. Sie liebte es, die blonde Pracht mit einer leichten Neigung des Kopfes zur Wirkung zu bringen, eine Attitüde ganz selbstverständlicher Art. Sie trug immer ein dunkelblaues Kostüm mit taillierter, fast boleroartiger Jacke. Sie legte Wert auf die Sichtbarkeit ihres schmalen Gürtels, der eine stramm sitzende weiße Bluse abgrenzte. Nie öffnete sie den Ausschnitt mehr als den obersten Knopf. Sie trug keinen Schmuck.

Ihre eigentliche Identität war nur wenigen Vertrauten bekannt. Sie war immer zugegen, wenn es um Großes ging, niemand erahnte hinter dieser Frau ein Finanzgenie mit weltweiten, alles entscheidenden Beziehungen. Begrüßungsworte, einführende Reden der Regierungsrepräsentanten, die Bedingungen und Fragen aufwarfen, Stellungnahmen von wissenschaftlicher Seite, Ansätze politischer Auseinandersetzung - die Señora wirkte desinteressiert und bat um ein Glas Wasser - ein Zeichen für Alfonso, der zu ihrer linken Platz genommen hatte.
Alfonso räusperte sich vernehmlich und begann, die Lippen zu bewegen. Die Erörterungen erloschen. Er legte die Hände flach auf den Tisch, hob sie einige Male an, wartete auf hinreichende Ruhe.
"Wir sind nicht hier, um ihre unterschiedlichen Auffassungen kennen zu lernen" - er sprach sehr leise - "wir haben Ihnen weit reichende Entscheidungen mitzuteilen, aus denen sie Ihre Maßnahmen ableiten werden." Er blickte in die Runde und fixierte einige der hervortretenden Erscheinungen, um deren ungewollte Zustimmung einzuholen. "Die erste Entscheidung ist vor einigen Jahren zustande gekommen. Die Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika, Russlands, Japans, Chinas und die Europäische Union haben in Moskau die Charta für das Projekt ‚San Borondon' unterzeichnet. In diesem Zusammenhang wurde die Arbeitsgemeinschaft für den Bau des Brüters etabliert. Dieses Gerät der Grundlagenforschung übertrifft alles, was bisher von Menschenhand geschaffen wurde. Namhafte Großunternehmen aus der ganzen Welt haben ihre Mitwirkung eingebracht. Die Finanzierung erfolgt durch die Teilnehmerländer, durch die Industrie und durch eine weltweite Kapitalaufnahme am Markt. Einzelheiten zum Projekt entnehmen Sie bitte der Broschüre, die sie später erhalten. Nur soviel sei gesagt: Im Fall einer erfolgreichen Realisierung wird das Projekt ‚San Borondon' unser Weltbild völlig ändern. Die Erde wird über nahezu unbegrenzte Ressourcen an Energie verfügen, und gleichzeitig wird die Menschheit sich dem Weltall zuwenden." Alfonso hatte bei den letzten Worten seine Stimme etwas angehoben. Er bewegte seinen Blick sehr langsam zu der weiten Fensterfront, die unter der hohen, säulengetragenen Pergola die Weite des Himmels über dem Meer eröffnete. Genau so langsam ließ er seine Augen wieder in die Runde ziehen. Er bewegte die Lippen.
"Die zweite Entscheidung haben wir vor drei Jahren in Madrid getroffen. Die Spanische Regierung hat sich bereit erklärt, das Projekt nach Fertigstellung des Brüters zu übernehmen und zu betreiben, nachdem aus allen Standortvorschlägen die Insel La Palma ausgewählt wurde. Die Begründung zu dieser Entscheidung entnehmen sie bitte der Broschüre. Wir haben den Standort des Brüters etwa 30 Seemeilen südwestlich von La Palma in etwa 2.500 Meter Tiefe auf einem Plateau bestimmt. Daher rührt der Name in Anlehnung an eine sagenumwobene Geisterinsel, die von Zeit zu Zeit sichtbar wird, zumindest wird das berichtet. Das eigentliche Betriebs- und Forschungszentrum wird unweit dieses Tagungsortes im Berg untergebracht. Das Gelände ist bereits ausgewiesen. Wir werden dort vordergründig einen Park für Grundlagenforschung errichten, eine großzügige Gartenanlage mit einzelnen Gebäuden wird entstehen, und wir werden Wohnungen bauen. Als kolatterales Ziel haben wir den Wissenschaftsstandort La Palma ausgewiesen."

Die Señora faltete die Hände vor der Brust. Sergej sah sich in die Pflicht genommen und nickte seinem Übersetzer zu. Er richtete sich etwas auf. Seine hellblauen Augen forderten Aufmerksamkeit ein. Er hatte sich während seiner jungen Jahre als Dozent in Moskau darin geübt, sehr schnell mit seinen Zuhörern einen Blickkontakt aufzunehmen. Sekundenbruchteile reichten für den Blickwechsel, zumeist dem so angesprochenen nicht bewusst, und dennoch wirksam. Sein Wesen war geprägt von Extremen. Seine riesenhafte Gestalt ließ nicht ein Genie vermuten. Als Technologe und Organisator hatte er Anteil an fast allen großen industriellen und wissenschaftlichen Projekten der letzten Jahrzehnte. Er überdachte mit hoher Konzentration kurzzeitig selbst komplexe Sachverhalte. Seine Vorgaben waren unantastbar. Er verstand es meisterhaft, Menschen auf ein gemeinsames Ziel zu verpflichten.
"Seit einigen Jahren bereite ich das Projekt ‚San Borondon' vor. Wie üblich bei derartigen Vorhaben geht es nicht ohne eine gewisse Diskretion, aber heute an diesem schönen Ort kann ich für Sie den Vorhang etwas anheben. Das Projekt beinhaltet den Bau eines etwa 500 Meter durchmessenden Druckbehälters, in dem sich die eigentlichen technischen Einrichtungen befinden. Kern des Systems ist der große Autoklav mit Sitz des Brüters für parallele Materie. Der Energiebedarf des Brüters ist sehr hoch. Wir werden daher drei Fusionskraftwerke für den Betrieb benötigen. Der Brüter funktioniert wie ein schwarzes Loch und wird eine große Menge Wasser verbrauchen. Wenn sich alles wie geplant entwickelt, können wir Gravitation steuern, mit anderen Worten erzeugen und aufheben. Ich habe für Sie eine Broschüre mitgebracht, aus der Sie weitere Informationen entnehmen können, und ihre Fragen beantworte ich dann später."
Sergej erlöste seine Zuhörer mit einem lauten Lachen, in das er einige spanische Lustbarkeiten einpflanzte, die wohl nur er zu verstehen wusste. Die Anspannung wich. Die Señora folgte nach Sergej in den freien Raum, wie immer überraschend mit ihrer dunklen und angenehm warmen Stimme. Sie machte nach einigen einleitenden Worten eine akzentuierte Pause, hob dann wieder etwas lauter an. In fließendem Castellano mit leichten französischen Einschlag, unterstrich sie die Bedeutung ihrer Anwesenheit: "Sie interessiert sicherlich mehr, welche Auswirkungen das Projekt auf diese Insel und ihre Wirtschaft haben wird, und ich kann Ihnen drei wesentliche, begleitende Baumaßnahmen nennen. Zunächst wird das wissenschaftliche Zentrum in das Vorhaben eines neuen Verbindungstunnels auf die Westseite einbezogen, weil wir eine stabile Kabeltrasse durch den Berg benötigen. Außerdem ist vorgesehen, den Flughafen auszubauen, dann beabsichtigen wir die Erweiterung der Hafenanlage an der Westseite, weil wir eine Basis für die Inspektions- und Versorgungseinheiten benötigen. Die erforderlichen Mittel sind in unserem Etat "Infrastrukturmaßnahmen" enthalten. Des Weiteren sehen wir eine Modernisierung der Verkehrswege auf der Westseite vor. Hier werden im Zusammenhang mit dem Ausbau der Versorgungsnetze auch unsere Glasfaserkabel verlegt. Aus Gründen der Sicherheit müssen wir auf Küsten- und Meeresschutzzonen bestehen.
Es wird keine Veröffentlichung unserer Installationen geben. Zum Zweck der Tarnung werden diese mit anderweitiger Nutzung deklariert. Insgesamt können Sie für La Palma einen Zustrom von direkten und indirekten Finanzierungsmitteln in einem spezifisch beachtlichen Ausmaß erwarten.
Der Ordnung halber weise ich auf ihre Verschwiegenheitspflicht hin. Jeder Fall von Indiskretion wird verfolgt, es liegt in Ihrer Verantwortung, unliebsame Ereignisse zu vermeiden. Sie haben jetzt die Möglichkeit, Ihre Fragen zu stellen."

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Photos von Bernhard van Riel



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